1. #1
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    Impressionenschwelbrand

    Impressionenschwelbrand
    pocht und drängt die Dichterbrust,
    nährt und schwillt des Künstlers Frust;
    Hemmung der Synapsen; Hirn-Hand.

    Blitzgewitter, Bildfragment,
    Schliff um Schliff zu feinem Staub,
    rieselt rohes, buntes Laub
    Sternengleich ins Firmament.

    Intentionenbrandwand!
    Sieben-Priester-Melodie,
    schallerzürnte Parodie…
    Nieder! Nieder Wortaufstand!

    Und wieder treibe ich den Dorn
    des Willens in das Pergament,
    mal’ weder klar noch eloquent,
    durchdringe nicht des Lesers Horn.

    Zu Staub verglüht das Material
    - gebrandmarkt doch und Einerlei,
    bin Dichterin mit stumpfem Blei…
    das Werk trägt nicht mein Initial!

    Dein Mord hat mir so wohl geklungen,
    Metaphern knistern letzten Gruß,
    zu Aschepulver, kargem Ruß
    verdauten Dich der Flammen Zungen.


    So, hier mein Wettbewerbsbeitrag,
    Grundlage war natürlich das Bild "Poesie in Flammen"

    ich kann ja bis zum 31. noch fleißig editieren, oder?
    Ich finde es nun aber eh perfekt da ist kein edit mehr nötig!

    Danke nochmal, Marot, für den Beitrag im Sprechzimmer zu den Metrikdingen (wann welche u.s.w.) hab versucht das hier anzuwenden.

    Liebe Grüße
    mrsmerian

    P.S.: Verbesserungsvorschläge sind erlaubt, eher jedoch erwünscht

    [Geändert durch mrsmerian am 21-03-2004 um 23:42]

  2. #2
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    Ein herzliches "hallo" an alle Juroren.

    Ich moechte keineswegs draengeln, befuerchte vielmehr, dass es einfach in Vergessenheit geraten ist:

    wenn es nicht allzuviel Arbeit macht, an einer kurzen Kritik wuerde ich mich sehr erfreuen koennen.


    bis dann mal wieder,
    MrsMerian.

  3. #3
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    "Impressionenschwelbrand
    pocht und drängt die Dichterbrust,
    nährt und schwillt des Künstlers Frust;
    Hemmung der Synapsen; Hirn-Hand."

    xXxxXX
    XxXxXxX
    XxXxXxX
    XxxXxxXX

    Ganz sicher bin ich mir nie mit der Metrik, aber ich tu was ich kann: Bis auf Z2/3 (vierhebiger Trochäus mit weiblicher Kadenz) ist es konfus.
    Inhalt: Ich zücke mein Fremdwörterbuch und entscheide, das du nicht eine Einbuchtung eines Organs meinst, sondern Sinneseindrücke. Wer kennt das nicht: Der Kopf ist voll, aber nichts will raus: Hirn und Hand wollen einfach nicht konform gehen. Schön ausgedrückt.

    "Blitzgewitter, Bildfragment,
    Schliff um Schliff zu feinem Staub,
    rieselt rohes, buntes Laub
    Sternengleich ins Firmament."

    XxXxXXx
    XxXxXxX
    XxXxXxX
    XxXxXxX

    Hier brichst du nur in der ersten Zeile deinen Trochäus. Nun das lyrische Ich schafft es zu schreiben? Es wird gefeilt und das "rohe" wird zum geschliffenen Diamanten. Die Arbeit des Lyrikers.

    "Intentionenbrandwand!
    Sieben-Priester-Melodie,
    schallerzürnte Parodie…
    Nieder! Nieder Wortaufstand!"

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    XxXxXxX
    XxXxXxX
    XxXxXxx

    Hier wieder nur Z2/3 korrekt. Mit "intentionenbrandwand kann ich nicht viel anfangen. Aber die Reimgleichheit zur ersten Strophe gefällt. "Nieder mit dem Wortaufstand" Sind damit die vorherigen Wortschöpfungen gemeint, die sich bilden und um deren Unverständlichkeit man weiß?

    Und wieder treibe ich den Dorn
    des Willens in das Pergament,
    mal’ weder klar noch eloquent,
    durchdringe nicht des Lesers Horn.

    xXxXxXxX
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    xXxXxXxX
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    Hier wechselst du aprubt das Schema, vom Trochäus zum viehebigen Jambus und gelungen, würde ich meinen, da du hier das lyrische Ich vom verzweifelten Gedankenausbruch zum erklärend-sachlichen wechseln lässt. Erst war man als Leser Beobachter, nun Zuhörer. Schön.
    Das L.I. erklärt seine Probleme beim schreiben: Der "Dorn" symbolisiert die Schwierigkeit den Willen auf das Papier zu bringen und muss dennoch trotz aller Bemühungen erkennen, das der Leser nicht versteht.

    "Zu Staub verglüht das Material
    - gebrandmarkt doch und Einerlei,
    bin Dichterin mit stumpfem Blei…
    das Werk trägt nicht mein Initial!"

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    Schemabruch in Zeile 4. In dieser und der darauffolgenden Strophe möchtest Du eigentlich 1. und 2. Zeile abschliessend betonen, doch Zeile 4 fehlt eine Silbe um die weibliche Kadenz zu erreichen. Die Dichterin distanziert sich von ihrem Werk, empfindet es als zu schlecht?

    "Dein Mord hat mir so wohl geklungen,
    Metaphern knistern letzten Gruß,
    zu Aschepulver, kargem Ruß
    verdauten Dich der Flammen Zungen."

    xXxXxXxXx
    xXxXxXxX
    xXxXxXxX
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    Schema korrekt (s.o.)
    Hier geht es um Kritik? Das lyrische Ich erfreut sich an der Würdigung, wenn auch negativer, zerreissender Kritik, an der Beachtung ihres Werkes.

    Bin mir teilweise nicht sicher mit meiner Interpretation, ist teilweise etwas verwirrend. Aber es ergreift mich und man kann sich gut identifizieren. Welcher Dichter kennt das nicht. Wer verneint der lügt.

    Lieben Gruß Ricarda
    "Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen."
    (Konrad Adenauer)


    "Vor Ihro Kaiserliche Majestät hab ich, wie immer, schuldigen Respekt. Er aber, sag's ihm, er kann mich im Arsch lecken!"
    (Götz von Berlichingen-Goethe)

  4. #4
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    Liebe Ricarda,

    herzlichen Dank für diese umfangreiche Kritik!

    *einen Strauß Blumen reich*
    *strahl*

    Dankesehr!

    Zur Metrik, ich kann Deine Entschlüsselung nachvollziehen, würde aber vorallem in den ersten beiden Strophen anders "lesen". Was nun richtig ist: keine Ahnung.

    Ich hatte das "IM pres SIO nen SCHWEL brand" akzentuiert und "HEM mung DER Syn AP sen HIRN - HAND"

    würde also abgesehen vom Ende der Z4 das Reimschema vierhebiger Trochäus beibehalten... ich hab aber wie gesagt keine Ahnung ob das so richtig ist.

    Diesen Bruch fand ich gut, denn er unterstreicht das Drängen ... das Anschwellen bei gleichzeitiger Hemmung (Blockade). Reize sammeln sich an und können nicht weitergeleitet/verarbeitet werden, wie Du richtig erkannt hast.

    Auch in Z1 der zweiten Strophe dachte ich, es sei passend zum metrischen Muster: XxXxXxX "BLITZ ge WIT ter BILD frag Ment" wobei mir nun das FRAGment schon irgedwie besser aussieht

    Ja, das lyr. ich beginnt nun zu schreiben. Es feilt und schleift an den Bildern die sich ihm aufdrängen und verliert dabei jetzt schon einen Teil der schönen Bilder. Rohes, buntes Laub sind die Eindrücke, die es wiedergeben möchte, die allerdings nur kurz aufblitzen, wie die Sterne um dann in der Unendlichkeit zu verschwinden und teilweise auf immer verloren zu sein. Es sind zu viele Eindrücke, blitzartige Gedanken, die es nicht in ihrer Gesamtheit erfassen kann.

    S3: IN ten TIO nen BRAND WAND
    passend zu S1 Z1 (Impressionenschwelbrand) so dachte ich es zumindest
    ja, die Raffinesse sah ich hier in dem ähnlich klingenden Worten Impression-Intention und dann noch einmal die Zeile an sich, die hier wieder Reime zu S1 bildet, aber nicht nur formell, sondern auch inhaltlich wieder einen Bezug zu S1 darstellt:

    In S1 stürmen die Eindrücke auf das lyr. ich ein.
    Hier in S3 die Sieben-Priester Melodie spielt an auf Joshua, dessen sieben Priester mit ihren Tropeten die Mauer von Jericho zum Einstürzen brachten. Das ist auch das Ziel des lyr. ich: Es versucht den innerlichen "Wortaufstand" niederzubrechen, wird also nun aktiv. --> umkehr zu S1 in der er passiv war, bekämpft er nun aktiv die Reizüberflutung.

    Der Bruch im Metrum am Ende der Z4 war eigentlich nicht beabsichtigt, ich fand ihn jedoch auch nicht störend, da er zum Wechsel des Metrum passt, ihn einleitet.

    Der Wechsel, wie Du schon erkannt hast, hier absichtlich, da der Wortaufstnd besiegt und alle Metaphern, Bilder und Eindrücke des lyr. ich nun verarbeitet und feingeschliffen sind...
    Das lyr. ich hat sich verausgabt und betrachtet erschöpft und ausgelaugt das entstandene Werk.
    Es bemerkt, dass es den geplanten Effekt verfehlt hat. Der Dorn des Willens ein Hinweis auf die Ungeduld, Tatendrang, den das Werk nicht verkennen lässt, die auch nicht ohne Spuren zu hinterlassen das lyr. ich "befallen" haben:
    Es fehlt dem Werk an Ausdrucksstärke (Horn) und Vokabular (eloquent).

    Das Resultat ist nun nicht nur das Werk, mit dem das lyr. Ich nicht zufrieden ist, sondern wie in der Folgenden Strophe erklärt auch noch das Material, das dafür verbraucht wurde und sich in Staub auflöst.
    Wie zu Beginn schon einmal angedeutet, nun ist es aber nicht nur ein Bruchteil der nicht erfasst werden konnte, sondern alle wertvollen Ideen, alles Material, das was das lyr. Ich zuvor hat auffangen, erfasen und formulieren können, sind nun verloren.
    Das Werk hat keine persönliche Note, der Dichter erkennt sich nicht als solcher an, er hat wieder nichts besonderes schaffen können, er ist Einerlei und hat keine innovativen Ideen (stumpfes Blei).

    Zur Metrik von Material -Initial: ich habe hier nicht die korrekte Akzentuierung gekannt, sprachlich sind sie für mich gleich, es macht allerdings einen Unterschied ob man Mater i al, oder Mater jal spricht. Korrekt wäre nat. das erste, dann ist es aber auch Ini ti al und nicht Ini zial, sie klingen somit gleich. Ich bin von der eher umgänglichen (sagt man so? -von Umgangssprache ) Aussprache ausgegangen, die das Metrum nicht brechen würde: I ni ZIAL und MA te RIAL. Das das falsch ist, weiß ich erst jetzt, sprechen würde ich es immer noch so *lacht*
    (Der Schreibfehler in "Initial" sei mir verziehen, er dient der Veranschaulichung.)

    Der Mord lässt hier Interpretationsspielraum, zielt aber vorallem darauf ab, dass all die für das lyr. Ich wertvollen Bilder, die es zu einem persönlichen Glanzstück, einem Meisterwerk verarbeiten wollte nun verloren sind. Die zu grobe Auseinanderstzung, der Aufstand und die Überwindung der Blockade haben sie verkommen lassen und keinen Platz geboten zur Entfaltung und einfühlsamen Auseinandersetzung.
    Gleichzeitig ist es ein Mord der Illusion vom "Meisterwerk", der Dichter kann sein Werk nicht wertschätzen und verwirft es (oder vernichtet es sogar, wenn man ihn beim Wort nimmt -verbrennen).
    Er trauert seinen Metaphern hinterher.


    Danke Dir vielmals für die große Mühe, ich hoffe dass Dir meine Darstellung nun auch noch gefällt, das gros hast Du ja schon erkannt.

    Mit der Metrik weiß ich es auch nicht (bin noch fleißig an Vamps Faden) -vorallem mit den vielen Fremdworten

    Vielleicht kann uns da noch jemand helfen... *Dackelblick aufsetz*

    Eine geruhsame Nacht und herzliche Grüße
    Mrs.

    Nochmal tausend Dank an Marot seine Darlegung, welches Metrum welche Stimmung ausdrücken kann hat mir sehr geholfen.

    [Geändert durch mrsmerian am 13-08-2004 um 02:02]

  5. #5
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    Hi,
    inwiefern kann ich mir jetzt die Arbeit sparen? Tja, wer zu spät kommt..., Du muss einfach nur bescheid sagen .
    Liebe Grüße Ahsil

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