1. #1
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    Literarische Stile und Epochen

    Liebe MitdichterInnen, LeserInnen, LevampyreInnen
    Im Rahmen von Schule, Studium oder ambitionierter Selbstbeschäftigung mit Lyrik trifft man immer wieder auf Gedichte, die als typische Vertreter einer bestimmten Epoche oder eines bestimmten Stils daherkommen. Da man sie oft ohne Vorwissen analysieren soll, geht man mit seinen Analysen oder Interpretationsansätzen häufig in die falsche Richtung. Dieser Faden soll einen Überblick über die verschiedenen Epochen und Stile der deutschen Literatur bieten und dem geneigten Leser bei seinen Gedichtsanalysen hilfreich zur Seite stehen.
    Die Vorstellungen der Epochen/Stile sollten der Übersichtlichkeit halber in Punkte gegliedert werden, die ich hiermit vorgeben will. Natürlich kann der Beitrag auch frei gestaltet werden, wenn das Thema es gebietet.

    1. Übliche Bezeichnung der Epoche/Stilrichtung mit Angabe des groben Zeitraums, in dem sie sich abspielte.
    2. Geschichtlicher (gesellschaftlich/politisch/kunsthistorisch) Hintergrund und Grundintention der Kunstrichtung
    3. Bevorzugte Gedichtsformen/Wichtigste Motive/Sprachliche Auffälligkeiten
    4. Wichtigste Vertreter
    5. Evtl. Beispielgedicht (wahlweise mit Interpretation/Analyse, die das Gedicht auf die genannten sprachlichen Besonderheiten der Epoche/Stilrichtung untersucht)

    Ich werde mit dem Sturm und Drang und mit der Klassik beginnen und hoffe auf rege Beteiligung und Vervollständigung des Fadens von eurer Seite.

    TLG konn0r
    Besucht mich auf meiner Insel des Infantilen
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    Der Makel der Rose

  2. #2
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    Sturm und Drang (ca. 1765-85)
    Hintergrund
    Aufbegehren der jungen Generation gegen Fürstenwillkür (Absolutismus), Untertanmentalität und religiösen Dogmatismus.
    Ablehnung des Rationalismus, Fortschrittsoptimus, enge Moralvorstellungen, Formen überkommener Autorität

    Lyrik
    Leitbegriffe: Natur, Gefühl, Freiheit, Genie
    Motive: Subjektives Ich in Konfrontation mit Kräften der Zeit: Autoritäten, Gesellschaft. Bekenntnis zur Leidenschaftt
    Formen und Sprache: meist Drama (offene Form). Erlebnislyrik, Balladen. Sprache affektgeladen, Syntaxauflösung, Ausrufe, Hyperbeln.

    Wichtigste Vertreter
    Johann Wolfgang Goethe (1749-1832): Prometheus
    Johann Georg Hamann (1730-1788)
    Johann Gottfried Herder (1744-1803)
    Maximilian Klinger (1752-1831)
    Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792): Die Hofmeister
    Friedrich Schiller (1759-1805) : Die Räuber

    Beispiel:

    Prometheus

    Bedecke deinen Himmel, Zeus,
    Mit Wolkendunst
    Und übe, dem Knaben gleich,
    Der Disteln köpft,
    An Eichen dich und Bergeshöhn;
    Mußt mir meine Erde
    Doch lassen stehn
    Und meine Hütte, die du nicht gebaut,
    Und meinen Herd,
    Um dessen Glut
    Du mich beneidest.

    Ich kenne nichts Ärmeres
    Unter der Sonn als euch, Götter!
    Ihr nähret kümmerlich
    Von Opfersteuern
    Und Gebetshauch
    Eure Majestät
    Und darbtet, wären
    Nicht Kinder und Bettler
    Hoffnungsvolle Toren.

    Da ich ein Kind war,
    Nicht wußte, wo aus noch ein,
    Kehrt ich mein verirrtes Auge
    Zur Sonne, als wenn drüber wär
    Ein Ohr, zu hören meine Klage,
    Ein Herz wie meins,
    Sich des Bedrängten zu erbarmen.

    Wer half mir
    Wider der Titanen Übermut?
    Wer rettete vom Tode mich,
    Von Sklaverei?
    Hast du nicht alles selbst vollendet,
    Heilig glühend Herz?
    Und glühtest jung und gut,
    Betrogen, Rettungsdank
    Dem Schlafenden da droben?

    Ich dich ehren? Wofür?
    Hast du die Schmerzen gelindert
    Je des Beladenen?
    Hast du die Tränen gestillet
    Je des Geängsteten?
    Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
    Die allmächtige Zeit
    Und das ewige Schicksal,
    Meine Herrn und deine?

    Wähntest du etwa,
    Ich sollte das Leben hassen,
    In Wüsten fliehen,
    Weil nicht alle
    Blütenträume reiften?

    Hier sitz ich, forme Menschen
    Nach meinem Bilde,
    Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
    Zu leiden, zu weinen,
    Zu genießen und zu freuen sich,
    Und dein nich zu achten,
    Wie ich!

    Johann Wolfgang Goethe, 1773
    Besucht mich auf meiner Insel des Infantilen
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    Der Makel der Rose

  3. #3
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    Expressionismus

    Strömung zunächst der bildenden Kunst, ab 1910 auch der deutschen Literatur. Ziel war eine „Wesensschau“ (Ausdruck des Inneren) anstelle einer naturalistischen Abbildung der Wirklichkeit.

    Formmerkmale:

    - Ästhetik der Hässlichkeit, z. B. Verwendung grotesker Bilder
    - (Parodistische) Verwendung traditioneller literarischer Formen und Elemente (z. B. Sonettform, feste Reimschemata u.ä.)
    - Reihungsstil (schneller Wechsel unzusammenhängender Bilder als Niederschlag neu entstandener Wahrnehmungsweisen)
    - Prinzip der simultanen Wahrnehmungen
    - Verwendung von ungewohnten sprachlichen Bildern
    - Addition heterogener Bilder
    - neben Formstrenge oft völlige Auflösung der Form
    - Reduzierung der Sprache auf das Wesentliche (Vorherrschen von Substantiven und Verben)
    - Bewusste Verwendung von Farbadjektiven

    Bevorzugte Themen:

    - Erlebnis der Großstadt (Abscheu und Faszination)
    - Ich-Zerfall (Umkehrung des Subjekt-Objekt-Verhältnisses; Mensch nicht mehr als aktiv handelnder, sondern als passiv (er)leidender)
    - Katastrophenbewusstsein
    - Krieg (Visionen; Vorwegnahme und Erfahrungen)
    - Endzeiterwartung, -stimmung (( Halleyscher Komet!)
    - Weltende / Apokalyptische Visionen
    - moderne Bewusstseinslage der Angst
    - Lebensgefühl der Sinnleere und Banalität
    - Wunsch nach „Aktion“ (z. B. Krieg oder Revolution)
    - Extrem negative Themen
    - Wahnsinn
    - Selbstmord (z. B. „schöne Wasserleiche“ - „Ophelia-Motiv“)
    - Verwesung
    - Hinrichtung
    - Krankheit und Tod / Krankenhaus und Leichenhalle
    - Verfall und Untergang
    - Groteskes
    - Moderne Arbeitswelt
    - „Ekstasen der Zärtlichkeit“ (Liebe, Prostitution, Sinnesrausch u.ä.)
    - Der neue Mensch (Ambivalenz von „Zerfall und Triumph“; „Tod und Auferstehung“)
    - Landschaft und Natur


    Beispiele für expressionistische Lyrik gibt es massenhaft. Einen guten Verteiler findet ihr hier.

    Barocklyrik

    Merkmale der Barocklyrik

    1. Thematik:

    • vanitas / memento mori
    • carpe diem
    • keine Erlebnislyrik, sondern Reflexion und Imitation (Petrarca!)
    • weltliche Lyrik - geistliche Lyrik

    2. Form:

    • Sonett (überwiegend)
    • Alexandriner (6-hebiger Jambus mit Zäsur nach der 3. Hebung)

    3. Strukturprinzipien:

    • linearer Aufbau
    • Prinzip der Reihung und Steigerung
    • Verfahren der enumeratio und der insistierenden Nennung
    • Prinzip der Antithetik
    • häufig emblematische Struktur (inscriptio - pictura - subscriptio)

    4. Stilfiguren:

    • Figuren der Bildlichkeit
    * Bild
    * Vergleich
    * Metapher
    * Metonymie
    * Personifikation
    * Allegorie
    * Symbol

    • Figuren der Gegensätzlichkeit
    * Antithese
    * Paradoxon
    * Oxymoron
    * Chiasmus

    • Figuren der Aufzählung und der Reihung
    * Parallelismus
    * Anapher
    * Amplificatio
    * Correctio
    * Enumeratio
    * Klimax
    * Hyperbel

    Hinweis: Barocke Lyrik war zum Großteil Auftragsarbeit. Der Dichter/Autor war in dieser Zeit im Verständnis der Umwelt noch ein "Arbeiter".



    [Geändert durch Micha am 30-03-2004 um 11:18]

  4. #4
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    SYMBOLISMUS (ca. 1870 – 1900)

    kulturhistorische Hintergründe

    Der Symbolismus ist eine literarisch-geistige Strömung die sich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts von Frankreich ausgehend seit 1890 in ganz Europa verbreitete. Die relativ homogene Gruppe der Symbolisten wandte sich gegen die vorherrschende Wissenschaftsgläubigkeit (Sientismus), den flachen Fortschrittsoptimismus und den positivistischen Empirismus der bürgerlichen Welt, die besonders durch den Erfolg der Pariser Weltausstellung (1889) etabliert worden waren. In deutlicher Abkehr von der objektiven Wirklichkeitswiedergabe des Naturalismus und Realismus und der Beschreibungslyrik der Parnasse durchbrachen sie mit ihren Prinzipien die normativen Traditionen der Académie française und wurden so zu Wegbereitern der literarisch-künstlerischen Moderne. Sie setzten sich gegen die Zweck- und Anlaßgebundenheit und die Funktionsbestimmung von Kunst (art pour art) zu Wehr und lehnten sich im Versuch der Poetisierung einer als gänzlich unpoetisch empfundenen Welt gegen alle Konventionen der trivial-bürgerlichen Gesellschaft und deren Moral auf.

    Inhalte/Ziele

    Die Gemeinsamkeiten der Vertreter des Symbolismus liegen eher auf thematisch-geistiger Ebene, eher im Lebensgefühl als auf stilistischen Merkmalen. Die Poeten zielten in erster Linie auf die Erneuerung der Lyrik (im Gegensatz zum realistischen Roman), deren Hauptwerte auf kunstvoller Form, Klang und Wortmagie lagen. In ihrer Abkehr von der realistischen Beschreibung des Objekts und ihrem Streben nach einer perfekt schönen Dichtersprache (poésie pure) bevorzugen sie das Schaffen von Kunst aus der Erinnerung, der Vorstellungskraft. Hinter den Dingen, Erscheinungen, Wortfassaden und Sprachgesten sollen tiefere, verborgenere Schichten des Seins, des Lebens und einer neuen Subjektivität erschlossen werden. Dies gipfelt in dem Versuch, Hintergründiges, Irrationales und Geheimnisvolles vernehmbar zu machen; so ist das Irdische nur Symbol für die jenseitige, eigentliche Welt. Das künstlerische Ideal des Symbolismus strebt eine weitestgehende Autonomie der Symbole an, deren Betonung im bewußten Abstand der Sprachzeichen zu deren konventioneller Bedeutung liegt. Dies führt zur Problematisierung der im unpoetischen Sprachraum vorherrschenden Eindeutigkeit der Sprache und eröffnet dem Leser einen neuen, breiteren Deutungsspielraum, der z.T. in einer tendenziellen Beliebigkeit der Sinngebung gipfelt.

    Themen/Bilder/Ästhetik

    Die Lyrik des Symbolismus thematisiert vorallem die Diskrepanzen der menschlichen Seele, ihren Zwiespalt zwischen Spiritualisierung und Animalisierung; dies äußerst sich z.B. in der Darstellung diverser Dualismen: Aufschwung und Verzweiflung, Reinheit und Schmutz, Genuß und Ekel, Spleen und Ideal, etc. In ihrer Symbolhaftigkeit und Musikalität wendet sich die lyrische Sprache an die suggestive Aufnahmefähigkeit des subjektiven Menschen. Traum- und Alptraumbilder überlagern sich, Rauscherlebnisse werden ästhetisiert, die Spannbreite der Äußerungen reicht von morbider Erotik bis zu ekstatischer Frömmigkeit.
    Gegen die etablierte Macht, die Reinkarnation des Häßlichen, findet der poète maudite durch die Beharrung auf Schönheit und die illusionslose Enthüllung ihres zugleich "göttlichen" und "satansichen" Charakters den Ausweg aus seiner pessimistisch getönten Befindlichkeit in einem sozial unverbindlichen, oft okkultgefärbten Ästhetizismus. In einer autonomen Idee des Schönen und nach dem PrinzipL’art pour l’art wird der Dandy zur literarischen Leitfigur. Ihm entgegen steht die femme fatale, die Frau als rätselhaftes Wesen und unausweichliches Verhängnis. Sie erscheint in zahlreichen Symbolgestalten, als Chimäre, Sphinx oder Salomé.

    Künstlerideal

    In seinem Essay, "Le peintre de la vie moderne" (1863), manifestiert Charles Baudelaire das moderne Künstlerideal im Bild des mit den Eindrücken und Erinnerungen fechtenden Dichters. Kunst würde sich aus der Spannung zwischen Ewigem und Vergänglichem speisen. Damit die Reizüberflutung der Moderne (Schockerlebnisse durch Eindrücke, die beim Flanieren durch die Großstadt das Bewußtsein des Menschen treffen) nicht zur Orientierungslosigkeit wird, muß der Dichter am Abend das Erleben von Ewigem und Vergänglichem in einem Kampf mit den Impressionen der Erinnerung reflektieren. Dabei isoliert er das Ewige vom Vergänglichen. Das latent Schöne in allen Dingen wird herausgearbeitet und idealisiert. Im Schaffensprozess werden die Erinnerungen an Erlebtes fixiert und durch die Verdichtung des latent Schönen entsteht wahre (künstliche) Schönheit.

    Leitbegriffe
    • l’art pour l’art : Kunst um der Kunst Willen; ästhetisches Prinzip nach dem das Kunstwerk als eigengesetzlich, eigenwertig und frei von allen Bindungen religiöser, ethischer und politischer Art betrachtet wird
    • poète maudite : der verfluchte Poet, dessen Trauer und Unzufriedenheit aus der unerfüllt gebliebenen Sehnsucht nach Ganzheit entsteht; Selbsdefinition der symbolistischen Dichters
    • poésie pure : reine, formvollendete, ästhetisch-schöne und autonome Dichtersprache; angestrebtes Ziel der symbolistischen Dichter
    • vers libre : der freie Vers, eine Mischung aus Prosa und Lyrik, dessen Freiheit nicht in seiner Beliebigkeit, sondern in der Umsetzung der poésie pure gesehen wird
    • Dandy : literarische Leitfigur, die dem banalen Leben den Stil ästhetischer Eleganz entgegensetzt
    • femme fatale : die Frau als rätselhaftes Wesen und unausweichliches Verhängnis des Mannes
    • fin de siècle : Bezeichnung für die Zeit der Jahrhundertwende, in der auch mit der Strömung der Decadence die Ästhetisierung einer Endzeit- und Katastrophenstimmung aufkam; findet ihren theoretischen Ausdruck vorallem in der Formulierung der Krise
    • Autonomie der Symbole : die Symbolhaftigkeit der Sprache geht über die Grenzen der bildhaften Darstellung abstrakter Begriffe und Vorstellungen hinaus und führt zur Mehrdeutigkeit; angestrebtes Ziel der symbolistischen Dichter

    Stilmerkmale
    • autonome Symbole
    • beinahe fanatische Ausarbeitung der sprachkünstlerischen Mittel: Sprachdichte, Suggestion, Assoziation, Rhythmus, Verflechtung mehrerer Bewußtseinsebenen
    • Auswahl von Wörtern mit assoziativer Klangwirkung
    • sprachkünstlerische Akzentuierung von Rhythmus, Melodie, Satzbau in der poésie pure
    • Ineinanderfließen und Überlagern von Bildern und Metaphern
    • Herstellung von Synästhesien, die auf sprachmagische Weise, durch Lautmalerei, Klangfarbe und Sprachmusik Korrespondenzen und Analogien zwischen verschiedenen Sinnbereichen suggerieren
    • Allegorismus
    • Esotherik
    • Exotismus
    • Erotizismus
    • schwarze Religiosität ("Satanismus")

    Wegbereiter/Vertreter/Anhänger
    • W. Blake [1757 - 1827] (England)
    • E.A. Poe [1809 - 1849] (England)
    • A.C. Swinburne [1837 – 1909] (England)
    • O. Wilde [1854 – 1900] (England)
    • Ch. Baudelaire [1821 - 1867] (Frankreich)
    • S. Mallarmé [1842 – 1898] (Frankreich)
    • P. Verlaine [1844 – 1896] (Frankreich)
    • A. Rimbaud [1854 – 1891] (Frankreich)
    • J. Moréas [1856 - 1910] (Frankreich)
    • E. Verhaeren [1855 – 1916] (Belgien)
    • J.K. Huysmans [1848 – 1907] (Frankreich; Roman)
    • M. Maeterlinck [1862 – 1949] (Belgien; Drama)
    • G. d’Annunzio [1863 – 1938] (Italien)
    • in Dtl. traf der Symbolismus mit der Neuromantik und dem Impressionismus zusammen (u.a. bei E.T.A. Hoffmann)

    weiterführende Literatur
    • Jean Moréas "Mannifeste du Symbolisme" in Le Figaro, 1886
    • R. Delevoy "Der Symbolismus in Wort und Bild", Skira. Stuttgart 1979
    • B. Delavaille "La poésie symboliste", Paris. Sehgers 1971
    • A.G. Lehmann "The Symbolist Aesthetic in France. 1885 – 1895", Basil. Blackwell. Oxford 1950
    • P. Hoffmann "Symbolismus", Fink. München 1987
    • A. Simonis "Literarischer Ästhetizismus. Theorie der arabesken und hermetischen Kommunikation der Moderne", Niemeyer. Tübingen 2000

    Quellen :
    [list=A][*]M. Naumann (Hrsg.) "Lexikon der französischen Literatur", VEB Bibliographisches Institut. Leipzig 19871[*]"Bertelsmann Lexikon. In 15 Bänden", Band 14. Stick-Venn, Bertelsmann Lexikothek Verlag GMBH. Gütersloh 1991F[/list=A]


    Beispielgedicht :
    L’Albatros [von Charles Baudelaire]
    (mit dt. Übersetzung ; Versuch einer Interpretation mit Hauptaugenmerk auf der Herausarbeitung symbolistischer Stilmerkmale)


    [Geändert durch levampyre am 04-04-2004 um 13:23]
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  5. #5
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    Romantik (ca 1798 - 1830)

    Literaturhistorisches

    Man kann die Epoche in Frühromantik, Hochromantik, Spätromantik und Nachromantik unterteilen; im einzelnen ist es jedoch nicht ganz einfach, zeitliche und personelle Abgrenzungen vorzunehmen.
    Die Frühromantik kann aus literaturtheoretischer Perspektive als die spannendste Phase bezeichnet werden. Die miteinander befreundeten Autoren, wie die Brüder August Wilhelm und Friedrich Schlegel, Wilhelm Heinrich Wackenroder, Ludwig Tieck und Friedrich von Hardenberg, der unter dem Pseudonym Novalis arbeitete, brachen mit vielen Konventionen: beispielsweise mischten sie in ihre Romane Gedichte und Balladen, kleine Märchen etc.; dabei bezogen sie sich auf Goethes Werke (Werther, Wilhelm Meisters Lehrjahre). Das literarische Fragment gab ihnen die Möglichkeit, ihre Idee einer kontinuierlichen Entwicklung der Welt, hin zum erträumten goldenen Zeitalter, auszudrücken; ebenso die Ironie, die zum Ausdruck bringen sollte, dass die vielfältigen Bedeutungen und Bedeutungsbrechungen eines literarischen Satzes nie ganz ausgeschöpft werden können. Auf diese Weise sollte eine progressive Univeralpoesie entstehen.

    Als Vertreter der Hochromantik gelten Achim von Arnim und Clemens Brentano. Sie gaben unter dem Titel "Des Knaben Wunderhorn" eine Sammlung deutscher Volkslieder heraus. Und es war deren Ehefrau und Schwester Bettina von Arnim, die mit ihrem Band "Goethes Briefwechsel mit einem Kinde" - erschienen 1835 - nicht zuletzt zur Popularität Goethes in Deutschland beitrug, aber auch die sozialen und politischen Missstände in Deutschland immer wieder in ihrem Werk thematisiert hat ("Armenbuch", "Dies Buch gehört dem König", besonders dessen Anhang, sowie die "Polenbroschüre").

    Auch die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm zählen mit ihrer Sammlung von Volksmärchen zu dieser Epoche. Ebenso kann man auch den mittleren Tieck dieser Epoche zuordnen.

    Der wohl bekannteste Spätromantiker dürfte E.T.A. Hoffmann sein, der mit Erzählungen wie Der Sandmann die romantische Ironie unüberbietbar steigerte.


    Bevorzugte Themen

    Die Romantiker verklärten das Mittelalter. Galt es in der Aufklärung und auch in der Klassik - die beide ihre Ideale in der Antike sahen - noch als das "schwarze Zeitalter", so machten die Romantiker eigentlich wieder einen Schritt zurück, indem sie dieses Zeitalter wieder hochleben liessen. Das klassische Motiv des edlen Burgfräuleins und des liebeskranken Minnesängers war eben so häufig, wie die Rittergeschichten.
    Fast beliebtestest Thema in der Romantik war jedoch das Wandermotiv, in dem auch die propagierte Gegensätzlichkeit der romantischen Epoche sehr schön zur Geltung kam. Es zieht in die Weite, aber auch das Heimweh ist da. Ein Paradoxon mit dem die Romantiker häufig spielen (Bsp.: J. Freiherr v. Eichendorff: "Aus dem Leben eines Taugenichts"). Den Protagonisten zieht es in die Ferne, wo er dann wieder von einem festen Wohnsitz träumt. Hat er den, hält er es nicht lange aus, bevor er wieder weiterziehen muss. Egal wo er ist, wirklich glücklich ist er nie.
    Ein weiteres wichtiges Motiv ist das Zusammenspiel der Natur und den Gefühlen. Die Gefühle werden auf die Umwelt projeziert und umgekehrt.

    Wichtigste Vertreter

    -August Wilhelm
    -Friedrich Schlegel
    -Wilhelm Heinrich Wackenroder
    -Ludwig Tieck
    -Friedrich von Hardenberg (Novalis)
    -Achim von Arnim
    -Clemens Brentano
    -Bettina von Arnim
    -Gebrüder Grimm
    -E.T.A. Hoffmann
    -Joseph Freiherr von Eichendorff

    Beispielgedicht

    Abschied - J. Freiherr v. Eichendorff

    O Täler weit, o Höhen,
    O schöner, grüner Wald,
    Du meiner Lust und Wehen
    Andächtger Aufenthalt!
    Da draußen, stets betrogen,
    Saust die geschäftge Welt,
    Schlag noch einmal die Bogen
    Um mich, du grünes Zelt!

    Wenn es beginnt zu tagen,
    Die Erde dampft und blinkt,
    Die Vögel lustig schlagen,
    Daß dir dein Herz erklingt:
    Da mag vergehn, verwehen
    Das trübe Erdenleid,
    Da sollst du auferstehen
    In junger Herrlichkeit!

    Da steht im Wald geschrieben
    Ein stilles, ernstes Wort
    Von rechtem Tun und Lieben,
    Und was des Menschen Hort.
    Ich habe treu gelesen
    Die Worte, schlicht und wahr,
    Und durch mein ganzes Wesen
    Wards unaussprechlich klar.

    Bald werd ich dich verlassen,
    Fremd in der Fremde gehn,
    Auf buntbewegten Gassen
    Des Lebens Schauspiel sehn;
    Und mitten in dem Leben
    Wird deines Ernsts Gewalt
    Mich Einsamen erheben,
    So wird mein Herz nicht alt.

    Das hier ist meine Signatur und ich bin stolz darauf.

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