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  1. #16
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    Und auch von mir nochmal ein dickes Lob,casca. Ich begann mit dem Lesen des Fadens gestern,kam bis Punkt 2.1.. Danach habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen,dass es doch aber sein kann, dass manche Menschen diverse Wörter unterschiedlich aussprechen. Aber durch die folgende Diskussion hab ich jetzt gelesen, dass dies durchaus möglich ist?Und gleichzeitig nicht unbedingt falsch? Soeben habe ich dann auch den Rest der Erklärung gelesen, welche meines Erachtens durchaus sehr verständlich geschrieben ist. Trotzdem habe ich eine Frage, wie ordnet man einsilbige Wörter zu? Woher weiß ich da,ob jenes betont oder unbetont ist?
    Lieber Gruß S.
    Es waren zwei Königskinder,
    die hatten einander so lieb.
    Sie konnten zusammen nicht kommen,
    das Wasser war viel zu tief.

    Mord durch Mord zu sühnen ist unmöglich. Rache oder Sühne mögen eine Gier befriedigen,doch den Frieden zu schaffen und die Menschheit auf eine höhere Ebene zu heben,das vermögen sie nicht. (Mahatma Gandhi)

    Meine jüngsten Werke:
    Verzeihe mir; Schizophrenie; Der weiße Elefant; Dir zu Ehren; Es läutet drei Uhr; Todessonate; Appell an die Menschheit; Goldene Flügel

  2. #17
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    Zu Punkt eins:
    Das ist durchaus richtig. Doch bezieht sich die Andersbetonung hauptsächlich auf komplette Verse, wo manche Dinge bei verschiedenen Leuten (vor allem einsilbige Wörter) verschiedene Betonungsgefühle hervorrufen können.

    Zu Punkt zwei:
    Einsilbige Wörter richten sich sehr sehr oft schlicht nach der Position (Stellung) im Vers und dem vom Dichter vorgegebenen Metrum.


    Gar oft erblickt er manchen Morgen,
    der ihm schwer zu Herz obliegt.
    Erbracht´ ihm Teil der tiefen Sorgen,
    deren Zeitenlauf versiegt.

    xXxXxXxXx
    XxXxXxX
    xXxXxXxXx
    XxXxXxX

    Den obigen Mist habe ich mir mal auf die Schnelle ausgedacht. Du siehst hier wunderbar, wie sich die Betonung sauber dem Metrum und der Versstellung anpasst. Dabei wirkt beispielsweise in Vers zwei die Nichtbetonung von "ihm" nicht unnatürlich, es passt sich der aus dem grammatikalischen Bezug "der" und der mit dem folgenden Adjektiv "schwer" stammenden Betonung an. Ebenso wenig unnatürlich ist die Betonung von "oft" in Vers eins, das beschreibende Adverb "gar" sorgt unter anderem beim Lesen dafür, dass eine inhaltliche - und somit metrische - Betonung von "oft" hervorgerufen wird. Die Nichtbetonung von "er" fügt sich passend in die restliche Form ein, genauso wie das "der" im dritten Vers, welches hier allerdings lediglich ein simpler Artikel ist, und somit unbetont. Hier sollte auch die Betonung von "Teil" und die Nichtbetonung des "ihm" vorher klar sein. Erstens fügt es sich ein, und zweitens liegt kein versstellungstechnischer oder inhaltlicher Grund (diese sind in der Frage der Betonung ebenfalls äußerst wichtig) vor, hier "ihm" zu betonen. Hinzu kommt das Substantivische von "Teil".

    Das klingt jetzt furchtbar kompliziert, ja, aber mit einer einigermaßen sicheren Beherrschung der deutschen Sprache, einem logischen grammatikalischen Aufbau inklusive eines möglichst festen metrischen Schemas und einer das alles unterstreichenden inhaltlichen Präsentation wird viel Verwirrung auf Seiten der Leser umgangen.
    Und glaube mir, nach einer Weile Einüben geht das wirklich ganz von selbst.

    Noch Fragen?
    Oder noch ein paar Beispiele?


    [Geändert durch cascardian am 21-05-2004 um 02:11]
    Back I am.

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  3. #18
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    Puh, zunächst vielen,vielen Dank,dass du dir die Zeit nahmst dies nochmal ausführlich zu beschreiben. Klingt im Moment wahrlich etwas kompliziert,doch ich werde bestmöglichst versuchen es umzusetzen. Hm,eine Frage habe ich wirklich noch. Und zwar,bei einem sich nicht-reimendem Gedicht, welche Zeilen sollten da jeweils gleiches Metrum besitzen? Je die erste,zweite,... pro Strophe? Oder alle Zeilen pro Strophe? Oder gibt es überhaupt solch eine Regelung?
    Gruß S.
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  4. #19
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    Schön, dass du fragst.

    Es gibt hier keine wirklichen "Regeln" in dem Sinne, dass sie ausnahmslos zu beachten sind. Dir ist dein Metrum komplett freigestellt. Ob du nun ein Metrum ohne Abweichung durchhältst oder die Kadenzen oder sogar das Metrum pro Vers alternieren lässt, ist letztendlich egal, obwohl bei einem reimlosen Gedicht metrisch-inhaltliche Begründungen noch viel mehr durchdacht sein sollten.

    Ob ...

    XxXxXx
    XxXxXxX
    XxXxXx
    XxXxXxX

    ... oder ...

    xXxXxXxX
    xXxXxXxX
    xXxXxXxX
    xXxXxXxX

    ... oder gar ...

    XxXxXxX
    xXxXxXx
    XxXxXxX
    xXxXxXx

    ... oder was auch immer ist dabei völlig in deinem Ermessen.
    Back I am.

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  5. #20
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    Ok,das ist sehr gut zu wissen Nochmals danke, ich hoffe deine Ausfürhungen zunkünftig umsetzen zu könne.
    Gruß S.
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  6. #21
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    Hallo cascardian,

    ich wollte dir nur für diesen äußerst nützlichen Faden danken. Bevor ich hier rein geschaut und deinen Text durchgelesen habe, war mir eigtl. gar nicht so richtig klar, was Metrik ist und wie man einem Gedicht den richtigen Klang verleihen kann. (Im Dichten bin ich noch völlig unerfahren und wie gesagt, Metrik war zuvor ein absolutes Fremdwort für mich. In der Schule ist das Thema Gedichte bisher einfach zu kurz gekommen, d.h. wir haben noch niemals Gedichte gelesen geschweige denn besprochen/interpretiert/analysiert,etc. )
    Deine Erklärungen sind sehr gut zu verstehen und dadurch, dass auch einige Beispiele aufgeführt worden sind, um die vier Grundmetren ein wenig klarer werden zu lassen, wird mir das Gelesene - so hoffe ich zumindest - länger in meinem sonst manchmal etwas leichtvergesslichem Kopf bleiben.
    Auf jeden Fall hat mir dieser Faden sehr viel weitergeholfen (wenn auch die nachfolgende Diskussion ein wenig verwirrend war ) und mit Hilfe der neuerworbenen Erkentnisse werde ich nun anfangen zu üben, üben, üben.
    Aber ein wenig bin ich jetzt schon verunsichert... Das hört sich alles so verdammt schwer an!

    LG

    Weiße Perle

    PS.: Als nächstes werde ich mich daran machen, satchmos Metrik - was ist das?-Thread zu lesen, auf den du ja mehrmals hingewiesen hast.

    [Geändert durch Weiße Perle am 30-05-2004 um 23:08]
    Musik war, ehe Worte waren
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  7. #22
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    Es freut mich, dir etwas vermittelt haben zu können

    Wenn du magst, gebe ich dir auch weitere Beispiele.
    Sag einfach, was du noch nicht ganz begriffen hast oder wo noch mehr Beispiele zum Verständnis beitragen könnten.
    Back I am.

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  8. #23
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    Hallo cascardian,

    erstmal vielen Dank für das Angebot, mir anhand weiterer Beispiele einige Sachen noch klarer werden zu lassen. Dieses Angebot nehme ich dankend an.
    Gut, ich habe noch einige Probleme damit zu verstehen, was ein auftaktiger Daktylus ist. Um das ganze ein wenig besser zu verstehen, habe ich mir zwar dein Gedicht Die Ballade des Dichters durchgelesen, aber leider hat es mir nicht sehr viel weiterhelfen können.

    LG

    Weiße Perle
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  9. #24
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    Diese Frage ist recht einfach zu beantworten.

    Ein auftaktiger Daktylus ist ein Daktylus (Xxx) mit einem vorangestellten Auftakt (x), was dann letzendlich das hier ergibt: xXxx

    Im Versmetrum, zum Beispiel bei "Vor aschenen Tinten die Reigen ersinnen" (aus meinem Gedicht), heißt das nun Folgendes:
    x(Auftakt, hinterher beginnender Daktylus)XxxXxxXxxXx
    (Die Kadenz, also die Endung, ist ja freigestellt)


    Wenn man äußerst genau an die Sache herangeht, wird man zudem feststellen, dass dieser auftaktige Daktylus eigentlich auch ein Bacchaus ist, also xXx. Das würde bei mir bedeuten: xXx xXx xXx xXx (Leerzeichen zur Verdeutlichung).
    Back I am.

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  10. #25
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    Hallo cascardian,

    danke, jetzt habe ich es verstanden!
    Sag mal, du bist doch (erst) 17 Jahre alt, oder? Woher weißt du das alles so genau? Ich bin jetzt 15 und bis jetzt haben wir im Deutschunterricht kein einziges Gedicht gelesen, geschweige denn besprochen, etc. Ändert sich das möglicherweise in den nächsten beiden Klassen? Oder hast du dir dein Wissen selbstständig angeeignet?
    Also vielen Dank nochmal für die Erklärungen und deine Geduld!

    LG

    Weiße Perle
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  11. #26
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    Ja, siebzehn Jahr´, blondes Haar ...

    Keine Sorge, es wird mehr.
    Doch nahm Lyrik oder gar erst das Handwerk bei uns in der Schule zum Beispiel auf Grund massiven Desinteresses nur einen verschwindend geringen Teil ein, und tut dies selbst jetzt noch im Deutsch-Leistungskurs. Daher ist mein Wissen tatsächlich weitestgehend "self-taught" und aus ureigenem, großem Interesse an der Kunst heraus motiviert. Wobei ich, da ich bis heute persistent und der Seite treu blieb, hier unglaublich viel lernen konnte. Mein Dank geht daher an alle Mitglieder, die mir in meiner lyrischen Evolution zur Seite standen und mir alles beibrachten, was ich zum eigenen Überleben (Sie waren meine Elterntiere in der Zeit des harten Gedichtsdarwinismus ) hier benötigte.

    Ich schreibe seit drei Jahren, vor circa zwei fand ich dieses Forum. Da es mir so viel gab, gebe ich mit Threads wie diesem hier dem Forum etwas wieder und übernehme so wohl selbst die Elternrolle. Ist schon spannend, so eine lebensnahe Dokumentation über das harte Wildleben hier in der Dot-com-Savanne, nicht?

    ... Oh, warte ...

    Danse! Das ist mein Newbie-Fleisch! Friss das Aas da drüben!
    *roars*
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  12. #27
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    Als Newb hab ich auch noch eine Frage:
    Ich habe irgendwo im Net gelesen, dass ein Ritornell (im Deutschen) durch einen jambischen Fünfheber mit weiblicher Kadenz gekennzeichnet ist (xXxXxXxXxXx ?). Ist das richtig? Wann verwendet man ein Ritornell (Rahmen, Stimmung etc.)?

    [Geändert durch NichtDichter am 07-06-2004 um 17:05]

  13. #28
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    Die Frage wäre zwar besser im Formen-Thread von Micha aufgehoben, aber nun gut.

    Stimmt, beim Ritornell wird Endecasillabo - das heißt ein fünfhebiger Jambus mit weiblicher Kadenz (dein Schema ist also richtig) - bevorzugt. Ritornelle sind vertreten in der Liebeslyrik (siehe Blumenruf als Auftaktsvers) und im Nachdenklichen. Im Deutschen neigen sie auch leicht zur Satire. Dabei ist das Thema oft südländisch oder südlich angehaucht, schließlich kommt das Ritornell aus der italienischen Volksdichtung.
    Back I am.

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  14. #29
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    Sorry, ich habe einfach den ersten greifbaren Metrik-Faden geschnappt...

  15. #30
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    hmm... ich hab mir das jetzt alles durchgelesen, aber ich versteh nicht wie dich das umsetzen soll...

    ich hab versucht mir ein gedicht vorzunehmen, das ihr schon metrisch durchgesprochen habt. aber ich bekomme da jedesmal was anderes raus. könnt ihr nicht mal jedes wort einzeln mit diesen ("X") und ("x") zerlegen damit ich das auch nachvollziehen kann?

    wenn ich zb. sage:
    Wörter fließen in Bächen davon.

    was ist das denn für ein rythmus???wird dabei nur bei subjektiven/namen/Gegenständen auf diese Betonung geachtet, also werden nur diese ausgezählt dabei?

    für mich wäre das: XxXxXxXxXx
    ;o)

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