1. #1
    Registriert seit
    Oct 2001
    Beiträge
    13
    hallo freunde der nacht! könnt ihr mir helfen? ich muss hier
    so ein gedicht interpretieren und ich wäre euch sehr dankbar, wenn ihr mir ein paar ideen dazu geben könntet. kleine geistesblitze und gedankenansätze...bitte!!!

    Ein Winterabend (1.Fassung)

    Wenn der Schnee ans Fenster fällt,
    Lang die Abendglocke läutet,
    Vielen ist der Tisch bereitet
    Und das Haus ist wohlbestellt.

    Mancher auf der Wanderschaft
    Kommt ans Tor auf dunklen Pfaden.
    Seine Wunde voller Gnaden
    Pflegt der Liebe sanfte Kraft.

    O! des Menschen bloße Pein.
    Der mit Engeln stumm gerungen,
    Langt von heiligem Schmerz bezwungen
    Still nach Gottes Brot und Wein.

    von Georg Trakl
    Liebe Grüße, Schninne

  2. #2
    Registriert seit
    Oct 2001
    Beiträge
    1.201
    hallo schninne!

    hm...das gedicht kommt mir bekannt vor...auf alle fälle ist es sehr schön. ich würde es wie folgt interpretieren:

    das gedicht beschreibt die stillen leiden der menschen, besser gesagt dass streben nach einem heim bzw. einen herd haben,den sie ihr eigen nennen können und an dem sie ausruhen und sich stärken können.

    --> stelle: vielen ist der tisch bestellt...gibt darauf hinweis, dass es nicht allen so geht..

    viele finden trost und hilfe bei gott bzw. in kirchen oder klöstern. dort werden wunden (seelische wie körperliche) gepflegt mit liebe und fürsorge.

    --> stelle: seine wunden voller gnaden pflegt mit liebe....

    letzendlich findet jeder mensch - egal was er getan hat, wieder liebe und vertrauen in seinem glauben..bei gott, im falle dieses gedichtes.

    --> stelle: der mit engeln stumm gerungen, langt vom heiligen schmerz gezwungen....

    das ganze gedicht würde ich durchaus so interpretieren:
    der mensch schafft sich ein heim, kämpft um es erhalten zu können. manche versagen, manchen gelingt es, doch egal wer bzw. was menschen tun, sie finden aufnahme in der kirche und kommen immer wieder zu ihrem glauben zurück, der ihnen kraft, trost, erlösung, liebe und ähnliches gibt.

    das wäre meine auslegung des gedichtes. ich kann mich noch erinnern, während meiner schulzeit musste ich auch gedichte von georg trakl und anderen interpretieren....war nicht immer leicht. aber spass gemacht hat es mir trotzdem.

    ich hoffe, dass ich dir damit ein bisschen helfen konnte und dir ein paar denkanstösse gegeben habe.

    alles liebe und viel glück für deine interpretation. =;0)

    lg sternentraum
    Stir of time, the sequence
    returning upon itself, branching a new way. To suffer pain, hope.
    The attention
    lives in it as a poem lives or a song
    going under the skin of memory.

    "Heavy" by Denise Levertov

  3. #3
    Registriert seit
    Nov 2001
    Beiträge
    13
    Hi!
    Will nicht zu viel versprechen, aber mal schauen ob dir das vielleicht weiterhilft.

    Die erste Strophe handelt wohl eindeutig von den braven, vielleicht sogar etwas biederen Menschen, die an solchem Abend den Kamin schon angezündet haben und es sich satt, warm und wohlig im Familienkreis gemütlich machen können.

    2. Strophe:
    Es gibt da aber auch noch die sog. Wanderer, die zu dieser Jahreszeit besonders herzlich aufgenommen werden. Das müssen nicht mal Wanderer im eigentlichen, bildlichen Sinn sein! Wahrscheinlich sind damit viel mehr die Unruhigen, Rastlosen gemeint, die sich evtl. mit der Familie aussöhnen wollen -- höchstwahrscheinlich weil sie lange einsam sind. (Kommt ans Tor auf dunklen Pfaden = die Haustür, und im Haus herrscht ja oben beschriebene Behaglichkeit) Ist doch tatsächlich so, dass zur Winterzeit die Menschen besonders nächstenliebend sind und viele Familien zusammenkommen.
    Vgl. das Bild von der Rückkehr vom "verlorenen Sohn"

    3. Strophe:
    Okay, das ist die schwierigste. Soweit ich mich erinnern kann, war Trakl gläubig und transzendiert auch in seinen Gedichten schon mal gern. Gewissermaßen als Fortsetzung der ersten beiden Strophen, könnte hier die höchste Ebene gemeint sein: Aussöhnung mit Gott. (Wo wir schon beim Versöhnen mit jedermann sind...) Nicht nur zwischenmenschliche Beziehungen können über das Jahr kriseln, auch die spirituelle Verbindung zu Gott. Und weil man im WInter sowieso mehr Zeit zum Nachdenken hat, führt eins eigentlich zum anderen... Man sieht sein "Vergehen" ein und kehrt reuevoll zurück zu Gott.

    1: unmittelbares Familienleben okay ->
    -> 2: Aussöhnung mit dem weiteren Familienkreis ->
    -> 3: Aussöhnung mit Gott


    Das war das Offensichtlichste das mir beim Durchlesen aufgefallen ist. Ich hoffe ich konnte dir irgendwie damit helfen.
    Viel Glück und lass mich wissen wie es ausgegangen ist!
    liebe grüße
    tina

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Winterabend
    Von felicitasXXX im Forum Natur und Jahreszeiten
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 05.09.2006, 08:21
  2. Winterabend
    Von Klonk im Forum Archiv
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 27.05.2006, 13:55
  3. Winterabend
    Von Rowana im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 16.03.2006, 14:16
  4. Ein Winterabend
    Von Jellyfish im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 12.03.2005, 12:50
  5. Winterabend
    Von Wh!sky im Forum Archiv
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 09.02.2004, 18:39

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden