Thema: die Todgeburt

  1. #1
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    Ein weißer Geist in weißer Tracht,
    ein Stachel ziert den Flügel dort.
    Er schwebt entlang in tiefster Nacht,
    und sucht seinen Bestimmungsort.

    Sechs Sonnen zieren sein Gestirn,
    ziehen mit ihm, heil’ger Schein.
    Der Geist lässt sich durch nichts beirr’n,
    er badet oft in reinstem Wein.

    Der Stachel zuckt, er blickt umher,
    er sieht sein Ziel; Mission von Gott.
    Ein lauter Schrei ‚Oh bitte Herr!’,
    der Engel hört, und folgt sofort.

    Der Opfertisch ist spärlich nur,
    die Sonne scheint, der Stachel spritzt.
    Ein Luzifer aus der Natur,
    der Engel ist gar sehr gewitzt.

    Die Gloriole scheint ganz klar,
    die Hand von Gott streckt sich zur Frau
    und was noch niemals jemand sah,
    das sah man heute ganz genau.

    Die Frau sie lag, ja starb schon fast,
    und Luzifer drang in sie ein.
    Sie starb noch mehr in ihrer Hast
    und weiter fiel der Sonnenschein.

    Es ward vollbracht, der Engel hat’s!
    Er hat’s geschafft, die Frau wohlauf.
    Nur was ist das? Ein Bündel Fleisch…
    Der Erzengel hat tot getauft.

    [Geändert durch Aron Ekstein am 20-05-2004 um 03:01]
    "China ist ein großes Land, in dem viele Chinesen leben." (Charles de Gaulle)
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  2. #2
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    Hi Aron
    Gefällt mir, auch wenn ich noch nicht ganz hinter die Aussage deines Werkes kam.
    So erstamls ein kleiner Reimfehler. In der Letzten Strophe Stimmt der Reim, wohlauf:getauft nicht. Dies stört ziemlich und hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack.
    mlg 187
    An alle die nicht mit Kritik umgehen können:
    Wer mir schmeichelt ist mein Dieb,
    wer mich kritisiert ist mein Lehrer.
    (Chinesische Weisheit)

    Noch Tintennass: Sonne, Oh Sonne

    Ältere Ergüsse. Freue mich aber trotdem noch über jeden Kommentar:Liebe unterm Damoklesschwert - Grosser Käse - Verlangende Butler - Letzter Walzer - Mutters Requiem - Adore Ado

  3. #3
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    Ich habe befürchtet, dass er Einwand kommt - und er kommt ja auch zurecht.
    Nun, was soll ich sagen; ich habe in diesem Gedicht zwei unraine Reime, derer ich mir bewusst bin - leider sind sie nicht zu beseitigen, ohne, dass ich entweder die Ambiente zerstöre (und die ist wichtig, sonst wäre meine Intention hinüber), oder aber den Sinn entfremde/die Handlung verbiege.
    Zum einen ist es 'Gott-sofort' in der dritten Strophe und zum anderen der von dir angesprochene.
    Ich habe auch wirklich überlegt, dort anders zu reimen - es irgendwie doch noch zu beseitigen, aber dann sind mir nur unpassende Alternativen eingefallen.
    Außerdem bemerkte ich, dass das 't' bei 'getauft' (welches ja die Unreinheit ausmacht) ein relativ 'verschlucktes' t ist.
    Ich persönlich spreche das wort getauft, daher wirkte es in meinen Augen nicht mehr so schlimm.
    Wenn du jetzt aber sagst, dass es tatsächlich einen 'bitteren Nachgeschmack' hinterlässt, werde ich wohl überdenken müssen, was ich da tue.

    Zum Inhalt: Ich sage dazu etwas, weil mir der Inhalt hier recht wichtig ist.
    Die gesamte Szenerie ist teil einer alltäglich durchgeführten Praxis...
    Der Titel gibt den entscheidenen Hinweis zum Handlungsort.
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  4. #4
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    Hi Aron,
    auch mir gefällt dein Gedicht gut. In Verbindung mit dem Titel lässt sich meines Erachtens auch gut schließen, welche Aussagen du treffen möchtest. Sehr brisante Thematik, selten gelesen, was eben jenes interessant und neu macht. Nur eine Stelle vermag ich leider gar nicht zu verstehen, zweite Strophe "Sechs Sonnen zieren sein Gestirn"? Was meinst du damit? Die unreinen Reime habt ihr ja schon angesprochen, doch auch hat's-Fleisch in der letzten Strophe reimt sich nicht wirklich,oder? Ansonsten finde ich deine Wortwahl und den Ausdruck sehr gelungen, deine Sprache wirkt gehoben und anspruchsvoll. Die düstere Atmosphäre,welche du versuchst zu errichten, entsteht bei mir auf alle Fälle. Den Bezug zum Engel, Luzifer und Gott ist meiner Ansicht nach ebenfalls eine sehr gute Idee,welche du auch schön umgesetzt hast.
    Gefällt mir wahrlich.
    Gruß S.
    Es waren zwei Königskinder,
    die hatten einander so lieb.
    Sie konnten zusammen nicht kommen,
    das Wasser war viel zu tief.

    Mord durch Mord zu sühnen ist unmöglich. Rache oder Sühne mögen eine Gier befriedigen,doch den Frieden zu schaffen und die Menschheit auf eine höhere Ebene zu heben,das vermögen sie nicht. (Mahatma Gandhi)

    Meine jüngsten Werke:
    Verzeihe mir; Schizophrenie; Der weiße Elefant; Dir zu Ehren; Es läutet drei Uhr; Todessonate; Appell an die Menschheit; Goldene Flügel

  5. #5
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    Der von mir genannte Reim ist einfach der, welcher mir am stärksten auffiel. In deinem Gedicht wimmelt es geradezu von unreinen Reimen.

    Unreine Reim:
    - S2
    -Gestirn/Beirr'n
    - S3
    -umher/Herr
    -Gott/sofort
    - S5
    -klar/sah
    _ S7
    -hat's/Fleisch
    -wohlauf/getauft

    Silben:
    S2
    8-7-8-8
    S3
    8-9-8-8
    Die Silbenanzahl stimmt meistens bis auf die 2 und 3 Strophe. In S2 hast du ein Hochkomma zu viel und in S3 hat Mis|si|on drei Silben.


    Ich verstehe zwar die Aussage in S2Z1 nicht ganz jedoch glaube ich das Wort "Gestirn" ist da falsch.
    Ein Gestirn ist ein Stern.
    Ich gehe von der Annahme aus, dass du Gestirn mit Stirn verwechselt hast.

    mlg 187
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  6. #6
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    Der Silbenfehler ist ärgerlich, das ist wahr...
    Was die unreinen Reime "Gestirn/Beirr'n" und "klar/sah" angeht, so denke ich, fallen sie kaum bis gar nicht in's Gewicht, da sie durch die Aussprache fast schon wieder rein werden...
    "hat's/Fleisch" ist nicht unrein, sondern waise und bewusst eingebaut (letzte Strophe).

    Original von http://www.wissen.de
    Ge'stirn /n. 11; poet./ Stern (/ahd. gestirni „Gesamtheit der Sterne“,
    Die sechs Sonnen sind zu verstehen als Beleuchtung, die dort im Krankenhaus ist; sie sind das einzige Licht, das leuchtet und wirken so furchtbar grell in all diesem Trubel -> Sonnen
    'Gesamtheit der Sterne' würde zwar von den Worten ansich erstmal die Sonne ausschließen, aber die Gesamtheit der Sterne muss ja rein logisch etwas mit dem Himmel ansich zu tun haben -wo sonst können Sterne sein-, daher schien es mir nicht zu abstrakt, auf Sonnen zu verweisen.

    Ansonsten ist folgendes zu sagen:
    Der Geist ist ein Arzt.
    Der Geist ist auch der Engel, Luzifer und auch der Erzengel - seine Bezeichnung ist Resultat des absolut subjektiven Empfindens der lyrisch-erzählenden Instanz (der verhinderte Vater in diesem Fall).
    Fast jede Zeile beinhaltet eine Metapher und einen inhaltlichen Sinn - es ist also nicht sofort alles zu erkennen.

    Ich freue mich im Übrigen, dass es gelungen ist, die Stimmung zu vermitteln, denn dies war ursprüngliches Ziel dieses Werks - eine Emotionswelt für sich aufbauen und Gefühle errichten.
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  7. #7
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    Hi Aron
    Danke, dass du mich über die Sonnen aufgeklärt hast so wird doch gleich einiges klarer für mich
    Mich würde noch freuen, wenn du mir die Sache mit dem "hat's/Fleisch" Reim noch etwas besser erklären könntest. Das übersteigt im Moment die Leistungskapazität meiner grauen Zellen.
    Zu den anderen Reimen. Mir ist auch aufgefallen, dass sie bei der ausprache beinahe nicht ins Gewicht fallen. Trotzdem hatte es was das mich lauste, und so wollte ich dich darauf hinweisen.

    mlg 187
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  8. #8
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    Die letzte Strophe ist die Aufklärung (hier: das tragische Moment) des Gedichts - sie ist Ausbruch aus Ungewissheit und aus der Ohnmacht der Passivität (insofern, dass die Passivität durch den Abschluss der Handlung nicht mehr schlimm ist).
    Der Ausbruch aus dem abab Reim -Kreuzreim also- ist mitunter hier auch symbolisch zu verstehen - es geht zu abcb über, wodurch die eine b-Kette gebrochen wurde.
    Eine Kleinigkeit -Winzigkeit fast schon- aber wenn du danach fragst.

    Eine weitere bewusst offengelassene Interpretationsmöglichkeit ist folgende:
    Der Kreuzreim stellt durch die sich-abwechselnden, Lesefluss-schaffenden Reime eine Regelmäßigkeit; weitergreifend zu verstehen als Wohlbehagen und Sicherheit.
    Wenn nun der gewohnte, bislang stets vorhandene abab-Rhythmus verloren geht, entsteht mitunter passend zum Geschehen ein Ausbruch aus dem Alles-nimmt-seinen-Lauf-Gefühl.
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  9. #9
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    Wollte hier nur mal anmerken, das es meiner Ansucht nach eines der besten Gedichte ist die ich hier gelesen habe. Die Metaphern sind wohlüberlegt und es ist nicht überladen, wirkt daher noch eindrucksvoller.
    Auch das Thema ist interessant und wird selten behandelt.
    Bei den ganzen Gedichten über den Tod idt diese mal eins, was hervorsticht.
    Kompliment!

    Gruß Anonym

  10. #10
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    Freut mich, wenn es gelungen ist, eine Lücke zu füllen - und dies (zumindest für dich) auch attraktiv.
    Schön, dass du die Metaphern nennst, denn es sind tatsächlich viele und sie sind durchaus überlegt.
    Danke,
    Aron
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  11. #11
    Registriert seit
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    2
    tut mir leid wenn ich mir eure sinnlosen einträge nicht durchgelesen habe. liest erstmal ein paar gute bücher bevor ich zu dichten anfangt. nicht das ich legastheniker wäre der ich auch bin, doch kann ich nie etwas sagen, da ich jedes wort und dessen bedeutung anzweifle. nie und doch jetzt.

  12. #12
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    262
    Darf ich vorsichtig anfragen, inwiefern das seine Zugehörigkeit in diesem Faden findet?
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  13. #13
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    Ursprünglich eingetragen von Aron Ekstein
    Darf ich vorsichtig anfragen, inwiefern das seine Zugehörigkeit in diesem Faden findet?
    Anno,
    Deine beiden Beiträge haben jeweils nichts mit dem Kontext des Topics zu tun - bitte unterlasse solche Mitteilungen, da sie von den anderen Usern as Störung empfunden werden und somit unter Spamming fallen.


  14. #14
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    Ursprünglich eingetragen von anno
    tut mir leid wenn ich mir eure sinnlosen einträge nicht durchgelesen habe. liest erstmal ein paar gute bücher bevor ich zu dichten anfangt. nicht das ich legastheniker wäre der ich auch bin, doch kann ich nie etwas sagen, da ich jedes wort und dessen bedeutung anzweifle. nie und doch jetzt.
    Ist das jetzt Marots vierter oder fünfter Account?
    Besucht mich auf meiner Insel des Infantilen
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    Der Makel der Rose

  15. #15
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    Selbst wenn er das ist (es könnte auch gerne der vierzigste sein) muss ich darum bitten, nicht meinen Faden vollzuspammen.
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