Weihnachten - wieder einmal war es soweit. Angela machte sich fertig, um mit ihrer Familie zu feiern. Sie konnte einen Seufzer nicht unterdrücken. Zu dieser Zeit des Jahres wurde sie immer so nachdenklich und wehmütig. Als Angela die Treppen zum Wohnzimmer hinunterging, verdrängte sie ihre Gedanken und setze ein Lächeln auf.
Der Abend war schön, wie jedes Jahr, doch wirkich freuen konnte sie sich nicht. Etwas fehlte. Mit jedem Jahr wirkte die Bescherung und das Fest banaler. Später in der Nacht sass sie an ihrem Fenster und blickte zu den Sternen hinauf. Wie gerne würde sie zu ihnen fliegen, alle kleinen und grossen Probleme des Lebens vergessen und alles hinter sich lassen. Einfach nur staunen, wie ein kleines Kind. "Warum muss man diese Fähigkeit - in allen Dingen des Lebens das Wunder und das Magische zu sehen - verlieren, je älter man wird?" richtete sie ihre Frage an die hellen Sterne.

"Angela!" Jemand rief leise ihren Namen. "Angela, hier drüben!" Als sie in die Ecke ihres Zimmers blickte, entdeckte sie eine kleine Gestalt. Sie sass starr vor Schreck. "Nun fürchte dich doch nicht. Ich will dir nichts böses." sagte der Elf. "Ich bin hier, um deine Frage zu beantworten. Komm mit mir" Angela sah auf seine ausgestreckte Hand, dann in seine Augen. Darin lass sie seine guten Absichten. Langsam nahm Angela die dargebotene Hand. Ennaun, der Elf, lächelte ihr zu und in diesem Moment verschwomm das Zimmer vor ihren Augen und sie standen in einem Wald. Doch dieser Wald hatte etwas Zauberhaftes an sich. Sie blickte sich genau um; die Farben waren kräftiger und schillerten-leuchteten von innen heraus. Die Bäume waren gross und mit Efeu bewachsen. Vögel sangen in ihren Ästen und Kinderlachen war zu hören. "Dieser Wald spiegelt wieder, was Kinder sehen. Solange ein Kind noch unbeeinflusst ist durch Vorschriften, Meinungen, Belehrungen und Verboten, solange kann es sich noch auf das Leben selbst konzentrieren, und es in seiner ganzen Schönheit bewundern. Sobald jedoch andere Dinge im Leben wichtiger werden, verblasst die reine Schönheit des Seins durch die Benennung des Zwecks." Ennaun sah Angela nun direkt ins Gesicht. "Du siehst, du verlierst diese Fähigkeit nicht, du verdrängst sie, indem du neue Maßstäbe setzt und gesetzt bekommst."

Angela dachte kurz darüber nach. "Aber was kann ich tun, um es nicht zu verdrängen. Wie gern würde ich wieder dieses Gefühl des Wunders erleben." Ennaun schwieg einen Moment, dann sagte er: "Indem du an deinen Träumen fest hältst, sie nicht aufgibst, für die Meinungen von anderen Leuten. Nur wenn du du selbst bleibst, kannst du wieder so fühlen. Komm, ich zeige dir noch etwas." So führte Ennaun sie durch die Zeit zurück. Angela sah die Weihnachtsfeste mit ihrer Familie, die Ausflüge, die Welt ihrer Kindheit durch die Augen eines Kindes. Vergangenheit und Gegenwart.

Angela wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, als Ennaun sie wieder zurück in ihr Zimmer brachte, ihr ein letztes Mal zulächelte und verschwand. Lange sass sie noch wach in ihrem Bett und dachte über das Erlebte nach. Da wurde ihr bewusst, dass sie sich selbst viele Probleme auferlegt hatte, indem sie versucht hatte, jedem alles recht zu machen. Dadurch hatte sie sich von sich selbst entfernt, sogar entfremdet.

In dieser Nacht veränderte Angela sich. Sie nahm sich die Dinge zu Herzen, die Ennaun ihr gezeigt und gesagt hatte. Nach einiger Zeit leuchtete ihre Welt wieder in den wunderlichen Farben, wie sie es in ihrer Kindheit getan hatte.



Diese Geschichte kam mir in den Sinn, als ich mit meinem kleinen Bruder diskutiert habe. Danke Tommi!

alles liebe,
sternentraum