1. #1
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    Der Spiegel gab

    Du schaust mir in die Augen, Spiegelbild
    langsam, zögernd senke ich den Schild,
    und leg den schweren Eisenmantel ab.

    Als ich den Körper von der Last befreite,
    spannt meine Seele sich wie eine Saite,
    der noch kein Bogen Grund zum Klingen gab.

    Du kennst die Fragen, die ich niemals fragte,
    Vergaßt die Worte nicht, die ich nicht sagte
    und meine Lügen prallen von dir ab.

    Du weißt von Träumen eines kleinen Jungen,
    von Siegen, die ein Mann nicht hat errungen,
    von Wünschen, die ich dem Vergessen gab.

    Du könntest mir ein Lied von Trägheit singen,
    von Fehlern und von langem hartem Ringen.
    Enttäuschung schnitt mir manche Hoffnung ab.

    Gedämpfte Töne klingen und verwehen,
    wenig Harmonie lässt eine Melodie entstehen,
    mein sprödes Lied, dass mir das Leben gab.

    Ich schau dir in die Augen Spiegelbild
    und hebe ohne Zögern meinen Schild
    und gehe durch die Strassen dieser Stadt.
    Scheppernd prallen Schilde von mir ab.

    [Geändert durch krähe am 16-06-2004 um 15:13]

  2. #2
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    Hi krähe

    Ach, das geht mir doch zu Herzen - gefällt mir sehr gut. Leichte Melancholie und doch nicht traurig - schön.

    Gruss
    Margot

    vergast? hm ... kommt doch von vergessen, oder

  3. #3
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    Danke MargotSBaumann,
    gerade so ein Fehler wirkt durch die falsche Bedeutung doppelt falsch. Du hast mich gerettet. Ist mir (fast) peinlich.

    LG
    Krähe

  4. #4
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    Pas de problem .... dafür sind Kritiker ja da

    Randnotiz: Weshalb brichst Du die Silbenzahl im letzten Vers? Nach meinem Empfinden würde ein weiters; und scheppernd ..... viel melodiöser klingen.

    Gruss
    Margot

  5. #5
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    Ich find den metrischen Bruch in der letzten Strophe gar nicht schlecht. Er hat etwas sehr produktives und harmoniert mit dem Scheppern (Onomatopoeia = Lautmalerei) der Schilde. Du verbindest also gleich zwei akkustische Elemente, das ist schön. Der Leser ist zudem schon darauf vorbereitet, daß sich metrisch etwas ändert, da die letzte Strophe auch mehr Verse führt. Er ist also nicht erschrocken und fern davon zu stolpern.
    Auch das Thema gefällt mir gut. Obwohl ich wieder die Länge deines Textes kritisieren muß. 7 Strophen sind eigentlich eine gute Zahl für ein Gedicht. Aber irgendwie (trotzdem das Thema spannend ist) vermögen sie es nicht genug zu fesseln. Sie sind meiner Meinung nach zu unkompakt und die strukturelle Gliederung harmoniert in der Gröbe nicht eingehend genug mit dem inhaltlichen Aufbau, aber das mag Empfinden sein. Freut mich, einen schon so spitzfindigen Schüler zu haben.
    LG
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  6. #6
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    Wink

    Hallo,
    Danke Margot und Levampyre für eure Kritik und Hilfe. Der metrische Bruch ist nicht der einzige. S6 hat auch einen in V2, da fange ich betont an. Der V2 ist leider auch deutlich zu lang. Hab es einfach nicht kürzer hinbekommen. Der Trochäus war dort zuerst auch nicht erwünscht, hat aber dann zur nicht harmonischen Melodie gepasst.
    @ Margot: Im letzten Vers (nicht nur damit man wach wird)mußte ich betont anfangen, das Nachdenkliche soll vorbei sein, das Nachdenken des lyr. Ichs über sich hat ihm Kraft und Zuversicht gegeben. Und so geht er auch. Ich hatte das "und" als Zeilenanfang gehabt (wegen der Metrik) aber (nicht nur weil sowieso ein "und" zuviel in S7 ist) habe ich es rausgenommen.
    @ Levampyre: Von S3, S4, S5 ist eigentlich eine zuviel. Aber ich wollte trotzdem keine weglassen. Ich hatte geahnt, dass es jemand anspricht. Es ist mir schon oft gesagt worden, dass meine Texte langatmig sind. Teilweise klingen diese 3 Strophen auch wie Allgemeinplätze. Aber du siehst, ich hab noch zu lernen,nicht nur Metrik. Und wenn der Lehrer sich freut...,auf geht's mit scheppernden Schild.

    Krähe

  7. #7
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    Hi Krähe,

    mir gefällt Dein Gedicht sehr gut. Ich mag die leisen Töne und ich meinte, fast den Ruck am Ende zu spüren...

    Ich bin ein Anfänger und habe Fragen über Fragen, also nicht böse sein

    xXxXxXxXxX 10
    XxXxXxXxX 9
    xXxXxXxXxX 10

    xXxXxXxXxXx 11
    xXxXxXxXxXx 11
    xXxXxXxXxX 10

    xXxXxXxXxXx 11
    xXxXxXxXxXx 11
    xXxXxXxXxXxX 12

    xXxXxXxXxXx 11
    xXxXxXxXxXx 11
    xXxXxXxXxX 10

    xXxXxXxXxXx 11
    xXxXxXxXxXx 11
    xXxXxXxXxX 10

    xXxXxXxXxXx 11
    XxXxXxXxXxXxXx 14
    xXxXxXxXxX 10

    xXxXxXxXxX 10
    xXxXxXxXxX 10
    xXxXxXxXxX 10
    XxXxXxXxX 9

    Ich weiß nicht, ob ich richtig mit der Metrik liege, aber wenn ja, dann habe ich folgende Anmerkungen

    • S1V2 fällt m.E. aus dem Rahmen. Ich hätte einen Jambus erwartet und ein Schema 10-10-10
    • S3V3 Auch hier hätte ich 11-11-10 erwartet.
    • S6V2 schon gesagt.
    • Die letzte Strophe hat vier Zeilen, fällt somit aus dem Rahmen. Ist dies ein bestimmtes Stilmittel (def. Form), oder "nur" zur Hervorhebung?


    Ich würde S6 streichen, paßt für mein Empfinden nicht in den Kontext (aber vielleicht liege ich da auch völlig verkehrt).
    S3,4,5 könnte man wahrscheinlich komprimieren, stört aber imho nicht und langatmig finde ich es nicht...

  8. #8
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    Hallo NichtDichter,
    ich freue mich,von dir zu hören. Mit Metrikfragen bin ich nur soweit kompetent, dass ich !endlich! manchmal richtig mit meiner Betonung liege. Aber da versuche ich mich im Moment zu steigern. Ich bin nicht böse, dass du Fragen hast (ich freue mich über jede Resonanz) aber ich muss dir ehrlich sagen, dass bei mir noch viel nach Gefühl oder Klang entschieden wird. Fachmann bin ich also nicht. Die Stelle S1V2 ist mir auch aufgefallen, als ich meine Xx gemalt habe, es fehlen auch Silben. Die S1 hat auch an allen Versen männliche Kadenzen. Sie ist sozusagen der Anfang.V2 der Trochäus soll das Zögern unterstreichen. (Aber um ehrlich zu sein, ich habe das durch probieren und vergleichen festgestellt, da war zuerst "sehr langsam".) Ich wollte die S1 mit der S7 inhaltlich verknüpfen, und die S2 mit S6. Deshalb ist mir auch die S6 wichtig. In S2 findet das lyr. Ich Ruhe und ist gespannt in sich hineinzuhören, in S6 kommt als Echo dann die Musik, die das bisherige Leben und die Eigenarten des lyr. Ichs ausmachen. S6 hat mir die meisten Probleme gemacht . Zwischen dieser Klammer steht nur Beschreibung- Analyse der Erlebnisse S3-S5. Dann wollte ich noch die Strophen mit betontem Endreim verbinden.
    S3V3 überlege ich, ob ich nicht doch das "alle" weglasse. Ich hatte die Silben gezählt, aber vom Klang haben mich die 12 nicht gestört. "Meine" möchte ich lassen. Als ich es Geschrieben habe, war ich eigentlich der Meinung, es muss so sein. Aber jetzt..? "Alle" ist nicht notwendig. Mal sehen, ob ich nacher rausnehme. Dann sind S3-S5 mit gleichem Metrum und Silbenzahl. Ich weiss jetzt nicht mehr, warum ich Gestern soviel Wert auf "alle" gelegt habe.
    So NichtDichter, deine Metrikanalyse hat die selben Kreuze wie meine, was nicht ausschliesst, daß Fehler drin sind. Aber wenn zwei Leute zu dem selben Ergebnis kommen, kann es auch stimmen. Ach so, die letzte Strophe. S1+S7 sind die ersten beiden Zeilen ähnlich. Aber in S1 wird das lyr.Ich vom Spiegelbild passiv beobachtet und in S7 sieht es sich (mit allen Fehlern) aber auch den guten Seiten. Weiter so Gutes fortführen, schlechtes verbessern und los! Dafür brauchte ich eine Zeile mehr.
    Da meine letzten Gedichte wenig/keine Resonanz gefunden haben, wollte ich in der letzten Zeit kein Gedicht mit groben Fehlern veröffentlichen. Dabei kam leider heraus, dass ich gar nichts mehr gepostet habe. Diesmal habe ich mit Silbenzahl, Verszahl und Metrik gebrochen, wo ich meinte es ist besser. Also du siehst, ich bin auch Anfänger und ob es eine Bezeichnung dafür gibt, einfach eine Zeile mehr zu nehmen, weiss ich nicht. Ich habs einfach gemacht.
    Danke dass du dich so ausführlich mit dem Gedicht beschäftigt hast und ich freue mich, dass du es nicht langatmig findest.

    Krähe


    [Geändert durch krähe am 11-06-2004 um 23:35]

  9. #9
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    Hi Krähe,

    Danker für Deine ausführliche Antwort! Da ich auch gerade erst angefangen habe, mich mit Lyrik zu befassen, bringt mich jede Unterhaltung weiter (hoffe ich...)
    Da habe ich also tatsächlich daneben gelegen mit S6 Vielleicht wäre eine Straffung von S3-S5 doch effektiv oder eventuell ein Bezug auf Bogen oder Saite in S6 um die Klammer (auch für Anfänger wie mich ) richtig deutlich zu machen ?
    Interessant ist S3V3. Von der Silbenzahl her fällt es aus dem Rahmen, aber es klingt gut. Wenn ich "alle" weglasse, klingt es irgendwie komisch (es wird kürzer und klingt "härter" ?!). Den Perspektivenwechsel S1/S7 finde ich klar und sehr gelungen (Spiegelbild/lyr. Du - Lyr. Du/Spiegelbild).
    Ich kann mich nur noch einmal wiederholen, gefällt mir gut.

    CU

  10. #10
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    Wink

    Hi NichtDichter,
    ich habe jetzt das "alle" weggenommen und eine deutlichere Verbindung zwischen S2+S6 hergestellt. Ich habe nur ein Problem mit dem Wehen. Aber da Töne ja übertragen werden durch die Luft, die ja wehen kann und mit ihr auch die Töne, sollte es gehen. Noch mal die Zeilen im Vergleich S6/V1:
    Gedämpfte Töne klingen und verwehen,
    neue Version:
    Der Bogen streicht, gedämpfte Töne wehen,

    Richtig sicher bin ich mir nicht, ob es jetzt besser ist.

    Krähe

    PS.Ich habe es wieder zurückgeändert.

    [Geändert durch krähe am 16-06-2004 um 15:16]

  11. #11
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    Hi Krähe,

    ich weiss gar nicht, ob Du überhaupt etwas ändern solltest, schließlich bin ich auch noch unerfahren...

    Wenn ich ganz ehrlich bin, klang die erste Version natürlicher. Vielleicht würde ein "Der Klang der Saite wird langsam verwehen" den natürlichen Satzbau (nur mein Empfinden!) erhalten und die Verbindung S2+S6 klarer herstellen. Aber wie gesagt, vielleicht sind Erfahrenere wie levampyre/MargotS da die besseren Ratgeber...

    CU

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