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  1. #1
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    Bisher hat sich noch kein Kritiker dieses schwierigen Thema angenommen, doch eher zufällig habe ich heute en Gedicht von MargotS.Baumann kritisiert, in dem es sehr schön deutlich wird:


    Ursprünglich eingetragen von MargotS.Baumann
    Kindheit

    An jenem lichtgewobnen Weiher,
    Schlug stündlich eine Kirchturmuhr.
    Wo Mücken summten ihre Weisen,
    Verliert sich meine Kindheitsspur.

    Von kleinen Füssen abgetragen,
    Staubte der Weg zur Sommerzeit.
    Sonne glänzte in farbig Scherben.
    Der Himmel war unendlich weit.

    Gelächter ist schon lang verklungen.
    Gras wuchert auf dem alten Pfad.
    Die Murmeln rollten alle weiter.
    Still steht das hölzern Wasserrad.

    (c) Margot S. Baumann

    Meine Kritik zu diesem Gedicht:

    In S1 gelingt Dir eine sehr harmonische Darstellung des Bildes, wirklich ausdrucksstark.

    Ab S2Z3 jedoch verliert sich Deine Harmonie und Du verzettelst Dich in der Aufzählung von Einzelaspekten, die Du perlengleich aufreihst, doch nicht genügend miteinander verknüpfst.

    In S1 hast Du die Einzel-Bilder verwendet, um sich gegenseitig zu illustrieren und sie in verschiedene Bedeutungsebenen geteilt: die Uhr und die Müken sind nur untergeordnet und illustrieren den Weiher als Zugabe - die Müken als Sinnbild für sommerliches Faullenzen sind sogar der Uhr untergeordnet und illustrieren primär die verstreichende Zeit >der Uhr >am Weiher, während Du in S1Z4 wieder auf die oberste Bedeutungsebene wechselst und zur Kernaussage durch das lyr ich kommst. So entsteht ein plastisches Sprachmosaik, daß über mehrere Ebenen ein großes Bild durch mehrere kleine erzeugt.

    In S2 Z1 und Z2 beginnst Du auch diesen spannungssteigernden Abstieg durch die sich gegenseitig illustrierenden Bedeutungsebenen - doch beendest Du ihn nicht (wie in S1 gelungen) mit einer Rückkehr zum Kernpunkt, sondern bleibst ab S2Z3 still stehen und zählst nur noch generelle Einzelaspekte des Grundthemas auf, ohne diese jedoch miteinander in tiefergehende Beziehungen zu setzen - nein, leider läßt Du sie bloß nebeneinander stehen, ohne Weiterverarbeitung.

    Dabei fällt ganz besonders auf, daß in den jeweiligen Z4 von S2 und S4 die strophenabschließende Rückkehr auf zentrale Kernaussagen völlig fehlt.


    -----------------------------------------


    Ich hoffe, damit wird deutlich, welche Möglichkeiten, aber auch Gefahren in solch einem dichten Einsatz von Bilder versteckt liegen. Gelingt dem Autor ein solches Mosaik seiner Bilder, wie bei Margot in S1, entsteht eine unglaublich ausdrucksstarke und atmosphärisch hochverdichtete Strophe, dir durchaus als inhaltlich außergewöhnlich gut gestaltet gelten kann.

    Nun, mißlingt aber eine solche Gestaltung, wie hier vorallem in S3, verkümmern die Ausdruckskraft der Strophe und die Bilder verlieren ihren Zusammenhang, ihre Harmonie und wirken bloß wie eine flache Aufzählung per Check-List.

  2. #2
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    Da ich wirklich noch keine Ahnung von den tiefergehenden Aspekten habe, muß ich doch dumm fragen

    - Wie würde man z.B. die Einzelaspekte miteinander verknüpfen?
    - Wäre eine Rückkehr zur Kernaussage in jeder Strophe genau so gut wie eine Rückkehr zur obersten Bedeutungsebene nur in S4?
    *kluger Spruch*
    *keine Auflistung meiner Gedichte*

  3. #3
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    Frage 1)
    Die Verknüpfung kannst Du in S1 gut erkennen:
    Da sich jedes neue Bild jeweils auf das vorherige (oder die vorherigen) bezieht, bilden sie eine Gesamtheit.

    Der sommerliche glitzernde Weiher als Ausgangsbild hier wird durch die Kirchturmuhr/glocke mit "verstreichender Zeit" in Verbindung gebracht. Die Mücken wiederum beziehen sich wieder auf den Weiher und das sommerliche Faullenzen, wodurch gleichzeitig der Bezug zur Zeit weiter erläutert wird.

    S1Z4 vollendet dann nach der Szenenbeschreibung den logisch noch offenen Hauptsatz aus Z1 und kehrt damit zur obersten Satz- und Aussageebene zurück. Wohlgemerkt: die Bilder in Z2 und Z3 wurden als erläuternde Nebensätze in syntaktisch untergeordneter Struktur eingefügt. Daß nach Z2 ein Punkt steht, macht das ganze zusätzlich vielschichtig, aber durch die logische Rahmenstruktur nimmt Z4 die angedeutete Aussageabsicht aus Z1 auf und erfüllt sie durch die Handlungsaussage (verliert).


    Frage 2)
    Ich denke, wenn es Dir gelingt, auch über die Strophen hinweg unterschiedliche Ebenen aufrecht zu erhalten und zu verknüpfen und Du erst in S4, im abschließenden Höhepunkt die Kernaussage vollendest, entsteht ein gewaltiger Akzent.

    Dazu mußt Du aber wahnsinnig aufmerksam Deine Bilder und Bedeutungsebenen gestalten und vom Start bis zum Ziel des Schreibens die wesentlichen Details vorraus planen.

    Allerdings halte ich es für nahezu unmöglich, dies mit einer Rahmenstruktur zu verwirklichen, da die Ankündigung aus S1 einen zu großen Bogen bis zum Abschluß überspannen muß:
    Da Gedichte sich zudem meist wie Erzählungen entwickeln, bestehen sie aus Einleitung, Mittelteil (mehrere zumeist gleichberechtigte Bildkomplexe) und Abschluß (Höhepunkt). Margot erwischt einen Sonderfall, da sie in der Einleitung der Vorstellung des Handlungs-Ortes gleichzeitig auch die Kernaussage wiederum auf den Ort zurückführt.
    Dies führt aber dann zu ihren Schwächen in S2 und S3, da sie die Kernaussage zu früh bringt und später kaum anders kann, als simpel-aufzählend bloße Aspekte nachzuschieben. Zum Kerngedanken ist ja längst alles gesagt.


    Fazit dieser wirren Erklärung:
    Der Höhepunkt sollte die Kernaussage des Gedichts transportieren. Vorher wird die Szenerie vorgestellt und illustriert, bzw. die Randbedingungen benannt. Inhaltlich sollte sich ein Gedicht durch vage Ankündigungen und ihre Erläuterungen steigernd zur höchsten Ebene hin vorarbeiten.

  4. #4
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    Ich habe mal etwas gesucht, und meine, dieses Gedicht von mir ist ganz gut als Beispiel:


    Continentale Tristesse


    Einhundertneunzig Grad
    Geheizte Vision
    Im gespritzten Laufrad,
    Stoff der Illusion.

    Automobiler Traum,
    Zeichen privatem Glücks,
    Dichtet schwarzer Schaum,
    Nur Arbeiter bedrückt´s.

    In vierzig Grad schmoren,
    Ergraut für acht Stunden,
    Gedankenmotoren,
    Maschinengebunden.

    Vulkanische Glut
    Läßt sie warm erglühen.
    Und maschinelle Brut
    Diktiert Sklavenmühen.

    Wochen in Monaten
    Und Jahren gerinnen,
    Trennen, was sie hatten:
    Gedanken von Sinnen.


    -22-IV-2003-


    In S1 stelle ich die Szenerie vor und gestalte sie im folgenden aus.

    In S2Z4 dann gibt es die erste Ankündigung, worum es mir wirklich geht und im folgenden nutze ich weitere Szenenbilder gleichzeitig für die vage illustration meiner Aussageabsicht (Gedankenmotoren, Sklavenmühen), bis ich dann in S5 den Höhepunkt erreiche und erst in Z4 wirklich aussagekräftig abschließe.


    Hier existiert eine entsprechende Struktur der Beziehungsebenen über die Strophen hinweg, aber die Einleitung erzwingt, daß ich erst später die erste Ankündigung meiner Kernaussage machen kann.

  5. #5
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    Ich bin erst einmal froh, dass ich überhaupt eine Ebene aufrechterhalten kann. Aber diese Vielschichtigkeit ist schon wirklich interessant. Schade, dass die Zeit immer nicht für eine tiefergehende Beschäftigung reicht...
    *kluger Spruch*
    *keine Auflistung meiner Gedichte*

  6. #6
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    Du wirst lachen - ich bin mir gerade erst anhand des Gedichts von Margot der Beziehungsebenen zwischen den Bildern überhaupt richtig bewußt geworden.
    Bisher habe ich da bloß instinktiv agiert...

  7. #7
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    Äußerst interessant, Danse!

    Es bringt wirklich eine Menge, wenn man sich deine Ausführungen noch einmal näher betrachtet, und sich diese Verbindungen richtig bewusst macht. Zum Teil verließ ich mich auch oft auf meinen Instinkt, daher freut es mich außerordentlich, dass du mir mit diesen Erklärungen das Ganze noch mal ins Bewusstsein gerufen hast.

    Wieder was gelernt heute!

  8. #8
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    Du wirst lachen - ich bin mir gerade erst anhand des Gedichts von Margot der Beziehungsebenen zwischen den Bildern überhaupt richtig bewußt geworden.
    Bisher habe ich da bloß instinktiv agiert...
    Wie wir es fast alle tun. Instinktiv. Und das wertvolle an Deiner Erkenntnis, Danse, ist ja gerade die Bewusstmachung, die uns nun erlaubt, das Instinktive gezielt auf seine Schlüssigkeit zu überprüfen.

    Ich sehe, dass Du hier eine nicht explizit genannte Unterscheidung der Bildverknüpfung nach sprachlichem und inhaltlichem Charakter vornimmst.
    Zum einen die konjunktionale Verknüpfung über die entsprechenden Bindeworte (aber, doch, und etc..).
    Zum anderen, wie bei dem Beispiel Zeit/Faulenzen, die Verknüpfung in der engen Themenverwandschaft.

    Letztere scheint mir die wichtigere und elegantere zu sein, die dem Leser ein besseres Einfühlen abverlangt. Während sie recht einfach ohne die sprachliche Verknüpfung alleine stehen könnte, ist dies umgekehrt nur selten möglich. Idealerweise wäre das noch im Skurrilen oder Paradoxen, eventuell auch im Antithetischen recht gut machbar.


    Danke für das Licht, Danse!

  9. #9
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    Sich dieser Ebenen und ihrer Gestaltungsmöglichkeiten bewußt zu sein und dies nutzen zu können, halte ich mittlerweile für eine der wichtigsten Grundlagen, um den logischen Fluß von Sprache und Inhalt gelungen zu vereinen.


    Ich freue mich sehr, daß ihr meiner Erkenntnis mit so viel Interesse und Zustimmung begegnet.



    Flam,
    Daraufhatte ich auch weniger geachtet, gut, daß Du es verdeutlichst.
    Die themenverwandte Verknüpfung läßt erst die Eleganz des Gedichts richtig aufblühen, während ich der einfachen konjunktionalen Verknüpfung zuviel simple Plakativität und zu wenig logischen Anspruch zubillige. In meinen Augen kann sie aber zumidest in Engpässen eine tragfähige Brücke zwischen den Themenbeziehungen bilden und diese fördern, doch alleine, so wie Du schon sagtest, halte auch ich die konjunktionale Verknüpfung nur für eine (bessere?) Einkaufsliste.

  10. #10
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    Dann will ich mal anstrengen, daß die Erkenntnis noch weiter und genauer ausdifferenziert wird.
    Bilder lassen sich also auf zwei Art und Weisen verknüpfen, 1. syntaktische und 2. semnatische, wobei die syntaktische Verknüpfung zwar die einfachere ist, aber genausogut in die Hose gehen kann, wie die semnatische.

    Syntaktische Verknüpfungen werden, wie Flam schon bemerkt, durch Konjunktion, Adverbien und deiktische Wörter hergestellt. Dabei können aber logische Schwächen auftreten, wo z.B. Wörter wie "trotzdem" oder "obwohl" verwendet werden, die den Aspekt eines "trotzdem" oder "obwohl" nicht aus dem semantischen Kontext heraus fordern. Ebenso ist es bei modalen, temporalen, lokalen, etc. Angaben. Der Leser kann dann keinen Grund erkennen, warum ein Satz an den vorherigen Satz oder Sachverhalt durch ein derartiges Bindewort angeknüpft wird.

    Semantische Verknüpfungen konstituieren sich überwiegend auf der Kongruenz ihrer Kategorien oder Dimensionen. So eröffnen bestimmt Worte bestimmte Kategorien, bspw. "kalt" eröffnet die Kategorie "Temperatur" ein Wort wie "Eis" könnte sich problemlos dazu gesellen, da es in der Kategorie Temperatur kongruent ist. Somit lassen sich auch semantische Antithesen erklären, ordne ich beispielsweise ein Wort wie "warm" zu, öffnet dieses zwar auch die Kategorie "Temperatur", doch ist es in dieser Kategorie genau entgegengesetzt. So entstehen tolle Gedichtanfänge wie: "Schwarze Milch der Frühe, wir trinken dich [...]" (Celan, Todesfuge).
    Dadurch daß aber ein Wort ganz unterschiedlich viele Kategorien öffnen kann, ist es schwierig immer zu entscheiden, ob etwas zur selben Kategorie gehört. Auch sind die Meinungen von der Bedeutung der einzelnen Worte individuell und z.T. ganz unterschiedlich und Verknüpfungen ergeben sich intuitiv eher über Assoziationsketten. So können Dinge wie "Kuhdung" und "Tagebuch" bei einem Individuum zufällig die gleiche Kategorie (bspw. "Kindheit") öffnen, wenn betreffendes Individuum in seiner Kindheit Tagebuch im Kuhstall geschrieben hat.
    Daher ist semantische Verküpfung immer problematisch. Der Dichter sollte immer bedenken, daß der Leser nicht unbedingt die selben Erfahrungen in seinem Leben gemacht hat und daß es darob zu Unverständlichkeiten führen könnte, wenn die Worte "Kuhdung" und "Tagebuch" beieinanderstehen. Ich halte daher Assoziationstests während der Synthese (Schaffen im Dichten), wie bei der Analyse (Verstehen im Rezipieren) immer für eine feine Sache.
    LG
    vamp
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  11. #11
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    Nun, ich denke es gibt durchaus Kongruenzen, die sich rein aus dem Logischen begründen und nicht auf den Erfahrungswerten des jeweiligen Lesers beruhen.
    Sie sind es, die zumeist Verwendung finden.

    Dein Beispiel "warm" "kalt" ist hierfür eine gute Referenz.
    Weitestgehend unabhängig von der Erfahrung des Lesers wird der Themenkreis Temperatur eröffnet.

    Die anderen Kongruenzen dürften seltener sein. Allerdings bergen sie ein gehöriges Potenzial für interessante Werke. Denn sie steigern ungemein die ambivalente Interpretierbarkeit von Gedichten. Dies noch zu steuern dürfte der Kür des frei aber am Thema improvisierenden Virtuosen in der Musik früherer Zeitalter gleichkommen.


  12. #12
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    Nun, im Kontext unserer Kultur und Weltanschauung, unserer moralischen Richtlinien und dem humanen Menschenverständnis, aber auch im Dialog mit dem alltäglichen Leben und Erfahrungsschatz unserer Gesellschaft, ihrer Historie, den Tagesnachrichten und Geschehnissen lassen sich sehr weitreichende Konnotationen spinnen. Der Autor ist erst stärker gefordert, besonders achtsam seine Zusammenhänge zu konstruieren, wenn er spezialisiertere Themen angeht, die sich dem Alltagsleben und der Allgemeinbildung entziehen.

    Oder er kann diese Mahnung zur Vorsicht schlicht ignorieren und sich in aller Fülle auf sein Thema konzentrieren, um eine diesem Thema pur angemessene Umsetzung zu finden.
    Damit beschränkt er bewußt den beabsichtigten Kreis derer, die vermutlich über die notwendigen Qualifikationen verfügen, sein Gedicht in allen Ausmaßen zu begreifen - aber er gewinnt erhebliche Tiefe durch den spezialisierteren Ausdruck.

    Mein oben schon genanntes Gedicht "Continentale Tristesse" ist solch ein Fall. Da spare ich absichtlich jede Erklärung der angerissenen Herstellungsprozesse und eröffne das Feld für spekulative Ergründungen meiner Aussage.
    Wenn Fachwissen für das endgültige Verständnis benötigt wird, kann der Autor oft, vielleicht sogar meistens, keine besondere Rücksicht auf jene nehmen, die nicht über den angesprochenen Erfahrungsschatz verfügen, wenn er dennoch dicht am Thema arbeiten will.


    Der Autor sollte sich dieser Diskrepanz der Vorraussetzungen bewußt sein, aber der Leser muß es in seiner an das Stück gestellten Erwartung auf jeden Fall beachten. Wie viele haben seinerzeit doch auf die Todesfuge oder hier auch auf "Continentale Tristesse" mit "Das ist ja nur schlecht, das verstehe ich gar nicht!" reagiert...

    Der Autor ist grundsätzlich in der stärkeren Position - so er selber denn seine Gespinnste noch schlüssig erklären kann. Der Leser ist bloß Konsument - scheitert er, dann liegt das meistens an ihm und seinem jeweiligen Wissenstand, bezogen auf das Gedichte-Thema.

  13. #13
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    Wenn Fachwissen für das endgültige Verständnis benötigt wird, kann der Autor oft, vielleicht sogar meistens, keine besondere Rücksicht auf jene nehmen, die nicht über den angesprochenen Erfahrungsschatz verfügen, wenn er dennoch dicht am Thema arbeiten will.
    Das sehe ich anders; philanthropischer.
    Man kann Begriffe einflechten, die es dem Interessierten auch ohne die eigene Erfahrung ermöglichen, sich zum Thema schlau zu machen. Medien sind dazu Dank des Internets meistens hinreichend verfügbar, wenn man nur weiß, wonach man zu suchen hat.

    Die Uninteressierten darf man allerdings ruhig durch den Rost der Bildung fallen lassen. Wer sich nicht die Mühe machen möchte zu verstehen, wenn es mal etwas komplizierter wird, hat halt Pech gehabt. Es kann nicht die Aufgabe des Autors sein, seine Leserschaft mit Motivation auszustatten.

    Aber ein Stückchen abholen sollte man seine Leser schon. Beidseitiges Entgegenkommen ist fast immer die beste Lösung, ohne dabei Anspruch opfern zu müssen.


  14. #14
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    Klasse, damit umreißt Du den Mittelweg, ich war zu unpräziese und vergaß, dies so auszuarbeiten.

  15. #15
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    Was ich als Dichter so spannend finde, ist gerade der Aspekt, daß man so viele Fäden in der Hand hält. Man kann seinen Leser täuschen oder belustigen, ihn anregen und langweilen undzwar alles zugleich, wenn man es gut anstellt. Es ist möglich seinen Text für ein bestimmtes Publikum zu entwerfen und man kann z.T. sogar Reaktionen steuern.
    Die letztendliche Schlüssigkeit der Bilder oder zumindest des ästhetischen Konzepts ist dabei unabdingbar. Wenn der Leser nichts für sich Bedeutsames daran herausziehen kann, braucht er den Text nicht lesen. So versuche ich auf verschiedenen Ebenen zu arbeiten, zwar Interpretationswege offen zu lassen, aber nicht gänzlich im Unbestimmten zu bleiben. Der Leser ahnt eher, als das er weiß und für jeden Forscher verstecke ich immer wieder gerne das ein oder andere lyrische Gimmick, formell oder sprachlich. Eigentlich ein cooler Job.
    LG
    vamp
    --LeV

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