1. #1
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    Könnte mir vielleicht jemand an Hand eines Beispiels den fünfhebigen Jambus erläutern? Ich kann ihn mir leider nur `grfühlt` erklären.
    ARTOFVOICE says NeveroddoreveN

    ich werde JAPANI(S)CH

  2. #2
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    Hi Markus,

    zunächst, "fünfhebiger Iambus" heißt, daß du einen Vers mit fünf iambischen Füßen hast. Ein iambischer Fuß ist das: xX. Davon reihen sich in einem Vers fünf aneinander, so daß es zu einer wechselnden Abfolge von fünf Senkungen und fünf Hebungen kommt: xXxXxXxXxX. Am Schluß kann auch eine wibliche Kadenz, also eine zusätzliche Senkung stehen.
    So Marots und mein Techtelmächtel im Wohnzimmer hatte auch lyrische Inhalte, nämlich den fünfhebigen Imabus. Daher ein Beispiel:

    "Wie Elfenscharen ihre weißen Bänder,
    So zieh’ ich dunkle Schatten hinterher."

    Jedes mehrsilbige Wort hat in der deutschen Sprach mindestes eine obligatosche, weil natürlich Hebung. Die Betonung der einsilbigen ist fakultativ. In meinem ersten Vers sind obligatorisch:

    El-fen-scha-ren --> X-x-X-x
    ih-re --> X-x
    weißen --> X-x
    Bän-der --> X-x

    Diese Worte passen sich gut in eine Abfolge von Betonten und unbetonten Silben. Zum Auftakt wird in diesem Falle ein einsilbiges Wort, dessen Betonung fakultativ ist. Es kann also unbetont sein:

    x X-x-X-x X-x X-x X-x
    Wie El-fen-scha-ren ih-re wei-ßen Bän-der

    So entsteht ein fünfhebiger Iambus.
    Ich hoffe, das war hilfreich.
    LG vamp
    --LeV

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  3. #3
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    Dankeschön. Eine Frage noch dazu. Warum steht gerade dieses Versmaß im besonderen für die Lyric?
    ARTOFVOICE says NeveroddoreveN

    ich werde JAPANI(S)CH

  4. #4
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    Tut es das?
    Nun, wenn es das tut, dann wird es vielleicht daran liegen, daß es sehr oft verwandt wird oder vielleicht in Texten von besonderer künstlerischer Qualität verwandt wird, die der Menschheit viel bedeuten und ihr daher wertvoll sind. Ich weiß es nicht genau. Im Deutschen werden eigentlich vierhebige Verse rein quantitativ viel öfter geschrieben als fünfhebige.
    Wie kommst du darauf? Hast du ein Beispiel oder ein Zitat? Das könnte weiterhelfen.
    LG vamp
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  5. #5
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    Vielleicht weil er im Sonett verwendet wird und auch in den alten Dramen von Shakespeare bis Schiller und darüber hinaus üblich war?

  6. #6
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    Hallo, Markus
    ich bringe Dir mal zwei Beispiele, eins von meinem verehrten Wolfgang von, eins aus einem meiner Werke. Erläuterungen folgen


    Am Vater Rhein, an dessen Hängen Reben
    in dicht gedrängten Reihen duftend blühen,
    erreichte uns die sagenhafte Kunde
    von deiner Schönheit, Gajané, und hierher
    geleitet von Orlando und den Sternen,
    betraten wir mit heil`gen Schaudern gestern
    das Land am Ararat, auf dessen Gipfel
    die Arche Noah` erste Hoffnungsstrahlen
    aus Farbenspiel des Regenbogens trafen.
    Ach, könnte Gott sein Bündnis mit den Menschen
    erneuern mit Symbolen schön`rer Bildung!
    Allein die Brauen deiner braunen Augen,
    sie ließen stets uns Jahves Gnade sehen.

    Heraus in eure Schatten, rege Gipfel
    des alten heilgen, dichtbelaubten Haines,
    wie in der Göttin stilles Heiligtum,
    tret ich noch jetzt mit schauderndem Gefühl,
    als wenn ich sie zum ersten Mal beträte,
    und es gewöhnt sich nicht mein Geist hierher.

    Beide Ausschnitte sind im "jambischen Pentameter", also dem fünfhebigen Jambus geschrieben. Der männliche Vers hat 10, der weibliche 11 Silben.
    Goethes Iphigenie ist in diesem Versmaß geschrieben, und da sich nichts reimt, spricht man von "Blankversen", also Versen "blank" von Reimen. In Blankversen wurde sehr viel geschrieben und G. Iphigenie ist nur ein Beispiel von vielen.
    Das X-sen geht so:
    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxX
    xXxXxXxXxX
    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxX

    Beste Grüße,
    Heinz

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