Thema: Metrik

  1. #1
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    Letztens schrieb ich ein Gedicht,
    mir gefiels, den andren nicht;
    "in dein Gedicht da fehlts an Metrik,
    tut uns leid, das ist nicht chic !"

    "Dein Satzaufbau, der ist nicht toll,
    so nimmt dich hier kein Mensch für voll."
    Ein Jambus ja, das müßt´ es sein
    Trochäus, Daktylus, alles fein!"

    Trochäus, Jambus, Daktylus ?
    was ist denn das für ein Verdruß?
    Ihr Damen und Herren, es tut mir Leid,
    aber in sowas weiß ich nicht Bescheid!

    Ich frag mich, brauch ich diese Sachen ?
    Läßt sich ein Gedicht nicht ohne machen ?
    Denn Metrik als Kriterium,
    (es tut mir Leid), ist mir zu dumm !

    Sagt mir mal, hab ich nicht recht;
    ist Lyrik nicht ein Wortgeflecht ?
    Ein Ausdrucksform der Gedanken ?
    Brauche ich denn da solche Schranken ?!

    Ich bedanke mich für Ihre Zeit
    und mach mich für Kritik bereit !
    Nur eines noch, werdet nicht gemein,
    denn Menschen sollten menschlich sein ...


    BlattImWirbelWind
    27.07.2004

  2. #2
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    Gedichte sind Sprachkunstwerke.
    Es sind keine Zeitungsartikel und keine Romane.
    In jenen Texten zählt nur der Inhalt und die Verständlichkeit.

    Ein Gedicht jedoch ist laut eben dieser Titulierung "Gedicht" ein Sprach- und Klangkunstwerk, das sich durch seine nicht-alltägliche künstlerisch anspruchsvolle Form auszeichnet. Es kennzeichnet sich durch Verdichtung der Sprache und Konzentration aufs Essentielle und muß diese kompakten Inhalte gleichzeitig durch seine außergewöhnliche Form (im Vergleich zu allen anderen Textwerken) so weit wie möglich akzentuiert transportieren. Daher werden bei einem Gedicht neben dem Inhalt genauso die Merkmale der Form bewertet: z.B. der Rythmus(Metrik), mit dem die Inhalte melodisch und harmonisch zum Inhalt passend dem Leser einfließen oder die Gliederung, die diesen Rythmus anleitet und steuert.

    Erst, wer einen großen Teil der formalen Fülle an Stilmitteln beherrschst, kann versuchen, auch hochwertige, anspruchsvolle Gedichte zu schreiben.

    Ein Gedicht ohne Form ist ein Tagebucheintrag, ein Text.
    Eine gedichtete Form ohne Inhalt ist immer noch eine anspruchsvolle Form.


  3. #3
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    Ja, der Vorwurf drängt sich hier manchmal auf.
    Insofern gefällt mir das Thema.

    Eine Antwort darauf will ich mir verkneifen,
    da hat sich Danse_Macabre ja schon sehr viel Mühe gegeben.

    Doch auch ohne sich in Metrik und Satzbau auszukennen,
    rein vom Gefühl sind im Lesefluss ein paar Stolperstellen.

    [Geändert durch Ryson am 27-07-2004 um 15:11]

  4. #4
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    Ursprünglich eingetragen von Danse_Macabre
    Gedichte sind Sprachkunstwerke.
    Es sind keine Zeitungsartikel und keine Romane.
    In jenen Texten zählt nur der Inhalt und die Verständlichkeit.

    Ein Gedicht jedoch ist laut eben dieser Titulierung "Gedicht" ein Sprach- und Klangkunstwerk, das sich durch seine nicht-alltägliche künstlerisch anspruchsvolle Form auszeichnet. Es kennzeichnet sich durch Verdichtung der Sprache und Konzentration aufs Essentielle und muß diese kompakten Inhalte gleichzeitig durch seine außergewöhnliche Form (im Vergleich zu allen anderen Textwerken) so weit wie möglich akzentuiert transportieren. Daher werden bei einem Gedicht neben dem Inhalt genauso die Merkmale der Form bewertet: z.B. der Rythmus(Metrik), mit dem die Inhalte melodisch und harmonisch zum Inhalt passend dem Leser einfließen oder die Gliederung, die diesen Rythmus anleitet und steuert.

    Erst, wer einen großen Teil der formalen Fülle an Stilmitteln beherrschst, kann versuchen, auch hochwertige, anspruchsvolle Gedichte zu schreiben.

    Ein Gedicht ohne Form ist ein Tagebucheintrag, ein Text.
    Eine gedichtete Form ohne Inhalt ist immer noch eine anspruchsvolle Form.

    ich stimme Dir bedingt zu .. denn mir stellt sich die Frage, ob eine Kenntnis der Stilmittel nicht auch ein zweischneidiges Schwert ist. Wann schlägt die nützlichkeit um, wann beeinflußt mich eben diese Kenntnis und zwingt mich in festen Bahnen, beschränkt die intuitivität ?

    Wieviele Künstler gibt es, die offen zugeben, nicht mehr in der Lage zu sein, wie ein Kind zu malen ?

    lg, rüben

  5. #5
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    Da ich kein Mensch bin - ha - darf ich wohl auch gemein sein. Nein, im Ernst, ist natürlich logisch, daß ein Text, der sich über das Kriterium der Metrik beklagt, auf metrische Aspekte keinen Pfifferling gibt. Aber laß es mich mal so erklären. Gedanken und Gefühle transportierst du mit allen möglichen Textformen - Romane, Briefe, Theaterstücke. Sprache, auch Literatur-Sprache verwendet man ja eben für die Kommunikation. Das Gedicht ist eine ganz spezielle Form literarischer Texte - es zeichnet sich in besonderer Weise aus und unterscheidet sich darin von allen anderen Textsorten. Man kann es nicht umschreiben, ohne daß dabei Informationen verloren gehen. Bei einem Kochrezept oder einem Tagebucheintrag kann man das schon.
    Metrik ist ein Aspekt, der nur in der Musik und in der Lyrik einen so zentralen Stellenwert einnimmt - nirgendwo sonst. Dahingehend sind die beiden Künste zu vergleichen - der Rhythmus transportiert Inhalte auf einer anderen als der semantischen Ebene. Durch Form und Gliederung der Texte (was metrische Aspekte sind) werden m.E. unterbewußte Affekte kommuniziert. Daher kann man ein Gedicht nicht ohne Informationsverlust umschreiben.
    Was Metrik ist und welchen Stellenwert sie innerhalb der Lyrik einnimmt, kannst du übrigens im Sprechzimmer nachlesen.
    Wäre der Text metrisch könnte er mich vielleicht überzeugen.
    LG
    vamp
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  6. #6
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    Blatt Im Wirbel Wind,
    Wenn man sein Wissen nicht gut anwenden kann, ist man wahrlich beschränkt.
    Aber das ist nicht das Verhängnis des Wissens, sondern Talentmangel.
    Das Wissen um Stilmittel und Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet dem Autoren erst die Möglichkeiten, diese auch einzusetzen und mit ihrer Hilfe seinem Gedicht weitaus mehr Ausdruckskraft zu geben.

  7. #7
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    Es ist sehr amüsant, dass sich um den Inhalt eines Gedichts, dass unter "Humor, Satire und Rätselhaftes" eingestellt wurde, eine ernsthafte inhaltliche Diskussion entbrennt, die sich eigentlich um die Form eines Gedichts dreht, aber die Form dieses Gedichts kaum berührt.

    @Danse & levampyre:
    Amüsant, dass ihr mit euren Antworten erst diesem Gedicht den zusätzlichen humoristischen Aspekt erbringt.

    @ Blatt im Wirbel Wind:
    Nette Idee und auch recht gut umgesetzt. Der Rhythmus bei lesen hakt stellenweise ein wenig, aber das kannst du sicherlich noch ausbügeln.
    "Er macht, daß die Tiefe brodelt wie ein Topf, und rührt das Meer um, wie man Salbe mischt. Er läßt hinter sich eine leuchtende Bahn; man denkt, die Flut sei Silberhaar. Auf Erden ist nicht seinesgleichen; er ist ein Geschöpf ohne Furcht. Er sieht allem ins Auge, was hoch ist; er ist König über alle stolzen Tiere." Ijob 41, 23

  8. #8
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    @kerlchen:
    Ich sagte ja, wäre das Gedicht metrisch, hätte es mich vielleicht überzeugen können. Damit kritisiere ich ganz klar die Form des Textes und nicht seinen Inhalt.
    Aber wie dem auch sei, ich finde eine Beschwerde darüber, daß Lyrik Form hat (metrische oder syntaktisch/semantische) überhaupt nicht humorvoll, da ich sie für Grundlegend halte. Wenn Lyrik keine Form hat, ist es Prosa. Das versuchte ich mit meinem obigen Kommentar nur zu verdeutlichen. Wer formlose Texte schreiben will, kann sich ja mal mit einem Essay probieren, auch da kann man Kritik sehr gezielt anbringen.
    Und daß hier eine "Diskussion" über Inhalte stattfindet, könnte dem Autor, denke ich, nur Recht sein, denn das ist wohl der Ansatz bei einem kritischen Gedicht. Ferner ist der kritisierte Punkt "Metrik" nicht im geringsten ausgeleuchtet, sondern oberflächlich "bemeckert", was für mich ganz klar davon zeugt, daß der Autor keine Ahnung von dem hat, was er kritisiert (davon zeugt übrigens auch die formelle Gestaltung des Textes). Und somit würde ich mich an des Autors Stelle an den Ausspruch von D. Nuhr halten:

    "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten!"

    LG
    vamp
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  9. #9
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    @lev:
    Generell stimme ich dir natürlich zu, mir ist nur beim lesen dieses Beitrags die humorvolle Note aufgefallen, die eure Kommentare bieten. Was den Rest angeht, so habe ich selber dazu meine Kritik angebracht.

    Aber solche Ironie finde ich eben stellenweise sehr amüsant.
    "Er macht, daß die Tiefe brodelt wie ein Topf, und rührt das Meer um, wie man Salbe mischt. Er läßt hinter sich eine leuchtende Bahn; man denkt, die Flut sei Silberhaar. Auf Erden ist nicht seinesgleichen; er ist ein Geschöpf ohne Furcht. Er sieht allem ins Auge, was hoch ist; er ist König über alle stolzen Tiere." Ijob 41, 23

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