1. #1
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    Überarbeitung

    Es läutet drei Uhr

    Schmausende Runde, allseitig Freude.
    Tickende Standuhr anzeigend bald drei.
    Herrlicher Rotwein, Spreewälder Gurken.
    Schimmernde Kleider, Blütenduft im Mai.
    Kindliche Rufe, lachende Meute.

    Bebende Erde, plötzliche Stille.
    Rollende Panzer, fallende Bomben.
    Angstvolle Zuflucht in Katakomben.
    Horchend dem Auftrag, grausamer Wille.

    Schwindende Jahre, ländliche Trümmern.
    Nichtssagend Kindheit, gähnende Tage.
    Traurige Bilder, drohende Schurken.
    Menschen verschollen, quälende Frage.
    Blutende Flüsse, Leichen verkümmern.


    [Geändert durch Shakifee am 18-08-2004 um 16:09]
    Es waren zwei Königskinder,
    die hatten einander so lieb.
    Sie konnten zusammen nicht kommen,
    das Wasser war viel zu tief.

    Mord durch Mord zu sühnen ist unmöglich. Rache oder Sühne mögen eine Gier befriedigen,doch den Frieden zu schaffen und die Menschheit auf eine höhere Ebene zu heben,das vermögen sie nicht. (Mahatma Gandhi)

    Meine jüngsten Werke:
    Verzeihe mir; Schizophrenie; Der weiße Elefant; Dir zu Ehren; Es läutet drei Uhr; Todessonate; Appell an die Menschheit; Goldene Flügel

  2. #2
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    Hallo,
    dein Gedicht ist für mich viel zu sehr überschminkt und passt damit absolut nicht in die Sparte der Nachkriegsliteratur, welche du ja anscheinend im Sinn hattest. Karge aber emotionsstarke Metaphern im Sinne der Trümmerliteratur hätte hier viel besser gepasst und hätte auch eine wirklich gute Atmosphäre geschaffen, obwohl man merkt, dass du dir Mühe gegeben hast, bleibt deine Aussage in der Mitte der Strecke liegen.

    Hier ein paar Ausdrücke die , meiner Ansicht nach, viel zu überladen wirken:

    "Euphorisch’ Geplapper" beide Wörter sehr extrem gestaltet, obwohl dieser Ausdruck noch am besten in die gegenwärtige Atmosphäre passt.

    "Tosende Kampfjets" wirkt so unreal und unpassend in die Situation.

    "Katakomben" Um den Reim zu retten ein sehr ausladendes Wort, wirkt einfach zu strukturiert .

    "Hitlers Wille" zu konkrete Darstellung, versuch die Abstraktionsebene etwas anzuheben.

    "gären" wirkt in diesem Kontext zu aktiv und verdeutlicht die Opferposition, die du darstellen willst, nicht.

    Im Gegensatz zu diesen überladene Ausdrücken steht ein paar sehr karge Wortgruppierung die aber eine viel stärkere Atmosphäre schaffen, all voran die Standuhr. Deren kargt strukturiertes Umfeld passt sehr gut rein, jedoch hätte ich mir tiefgründiger metaphorische Einbindung gewünscht, daraus kann man nämlich eine Menge machen.

    Soweit von mir

    Thx & mfG GenEsis
    "Es gibt so viele Leute auf der Welt und so wenig Menschen."
    [Alfons Petzold]

    Meine lyrische Entwicklung in diesem Forum und meine bisherigen Werke

  3. #3
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    Hallo ihr zwei,
    ich danke euch für die ausführlichen Kommentare!

    @Genesis: zwar sollte das Thema des Gedichtes nicht einschließlich die Nachkriegszeit behandeln,sonder auch das Davor,doch ich kann deine Einwände teilweise nachvollziehen. Das "euphorische Geplapper" werde ich trotz allem beibehalten,da es eben den Kontrast von jetzt auf nachher verdeutlichen soll. Die "Kampfjets" habt irh beide angesprochen und da habt ihr auch recht,der Ausdruck war wohl zu schnell gewählt. Dein Einwand gegen die "Katakomben" kann ich nicht nachvollziehen. Über diesen Reim habe ich länger nachgedacht,wollte zunächst ein anderes Ausgangswort anwenden,bis mir die Idee mit den katakomben kam,was meines Erachtens sehr zur Thematik passt. Den "Willen Hitlers" wollte ich so konkret zu Blatt bringen,da dessen grausamen Machenschaften meiner Meinung nach ruhig deutlich zur Sprache kommen können. Bei "gären" stimme ich dir voll und ganz zu,da werde ich nochmal im deutschen Wortschatz wühlen. Auch die kargen WAusdrücke,welche du ansprichst,werde ich nochmals überdenken und sehen,was sich machen lässt. danke für die Anregungen.

    @NTSR: Wie eben schon erwähnt,hab ich eingesehen,dass "Kampfjets" nicht hier reinpasst. Das Wort an sich klang für mich erheblicher,um den Krieg zu beschreiben,doch hätte ich diesbezüglich besser über den Irak-Krieg schreiben sollen . Hm,dass man die Reime auf den ersten Blick gar nicht wahrnimmt war eigentlich nicht meine Absicht *smile* und ich weiß auch nicht recht,was ich dazu sagen soll. Bezüglich der Metrik war ich zunächst sehr verwundert,da ich in diesem Fall nach einem einheitlichen Schema vorgegangen bin. Zwar nicht ganz nach deinem Vorschlag,welchen ich mir aber vermerken werde. Doch bevor ich mich mit meinem metrischen Schema,welches ich ursprünglich für korrekt hielt noch mehr blamiere,lass ich das mal so stehen. Mit dem angesprochenen Kontrast von Strophe 1 zu 2 hast du natürlich recht,doch sollte dies alles eine ineinanderfließende Szene darstellen,während dem "Festtagsschmaus" beginnt der Einmarsch Hitlers. Doch die anfängliche Szene ausarbeiten,darüber werde ich nachdenken. Meine Ansicht über Hitler habe ich bereits erwähnt. Dass zwischen Strophe 2 und 3 zeitlich gesehen sechs Jahre liegen stimmt,doch wie du zum Abschluss erwähnt hast,ist die zweite Strophe von der Aussage her komplett. Zwar könnte ich noch beschreiben wie genau der krieg verläuft,doch sonst bleibt mir "nichts anderes übrig" (der Ausdruck passt nicht ganz,doch ich denke du weißt,was ich meine),als mit dem Ende des Krieges weiterzumachen. Bezüglich des Innenlebens der personen hast du wieder recht,das ist wahrlich etwas zu knapp geraten. Auch dir danke für die Anregungen!

    In diesem Sinne grüßt S.
    Es waren zwei Königskinder,
    die hatten einander so lieb.
    Sie konnten zusammen nicht kommen,
    das Wasser war viel zu tief.

    Mord durch Mord zu sühnen ist unmöglich. Rache oder Sühne mögen eine Gier befriedigen,doch den Frieden zu schaffen und die Menschheit auf eine höhere Ebene zu heben,das vermögen sie nicht. (Mahatma Gandhi)

    Meine jüngsten Werke:
    Verzeihe mir; Schizophrenie; Der weiße Elefant; Dir zu Ehren; Es läutet drei Uhr; Todessonate; Appell an die Menschheit; Goldene Flügel

  4. #4
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    So,nachdem ich mir eure Ratschläge zu Gemüte geführt habe,habe ich mich nochmal drangesetzt und das Gedicht ein wenig überarbeitet. Ich hoffe es gefällt euch so ein bisschen besser. Bei dem Freude-Meute Reim aber bitte ein ganz,ganz,ganz dickes Auge zudrücken

    In diesem Sinne grüßt S.
    Es waren zwei Königskinder,
    die hatten einander so lieb.
    Sie konnten zusammen nicht kommen,
    das Wasser war viel zu tief.

    Mord durch Mord zu sühnen ist unmöglich. Rache oder Sühne mögen eine Gier befriedigen,doch den Frieden zu schaffen und die Menschheit auf eine höhere Ebene zu heben,das vermögen sie nicht. (Mahatma Gandhi)

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