Thema: Sommernacht

  1. #1
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    Sommernacht

    Ich sitz’ am Feuer
    und ich lass die Grillen singen.
    Ich spüre Wärme, deinen Duft und deine Haut
    und sehe Funken
    taumelnd tanzen, sterbend schwingen.
    Ein Abenteuer, doch du bist mir so vertraut.

    Die Zeit bleibt stehen
    nickt uns zu, geht schweigend weiter,
    denn jedes Wort würd’ diesen leisen Zauber stör’n.
    Das Glück gestohlen,
    doch Gedanken tanzen heiter,
    ich will nicht sehen: Morgen wirst du ihm gehör’n.

  2. #2
    Amouroes Guest
    Gefällt mir wirklich recht gut. Recht beschwinkt kommt Dein gedicht daher und das Ende war (zumindest für mich) recht überraschend. Gern gelesen...aber kein Gedicht um groß zu interpretieren oder zu Kritisieren .

  3. #3
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    Momentaufnahme

    Auch mir gefällt dein atmosphärisch dichtes Werk sehr gut, weil du dich wirklich darauf beschränkst, eine momentane Stimmung in anschaulichen Bildern einzufangen, wofür sich ja kurze Lyrik ganz hervorragend eignet.Das Gedicht ist gleichermaßen akustisch und visuell ansprechend. Ist wie im Film: Man kann die Szene vor Augen führen. Für Nachdenklichkeit über die heftigen Brüche in scheinbar erfüllenden Momenten und für weitergehende Gedanken über die Vergänglichkeit von Beziehungen sorgt der melancholisch resignative Schluss. Und auch für eine Portion Skepsis gegenüber romantischen Abendstimmungen....

    lg Angel of Berlin
    Wörter sind wie Kieselsteine: Je mehr man sie bewegt,desto glänzender werden sie.
    ***********************************
    "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit." (Karl Valentin)

  4. #4
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    jamaika
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    auch von mir : respect !
    hast du toll gemacht mit dem verschränkten reimschema.
    und der inhalt mit dem feuer
    und die zeit, die vorbeigeht und dabei nickt.
    und die gedanken, die tanzen.

    das ist super. das ist poesie.
    weiter so und mehr davon
    rudi

  5. #5
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    gefällt mir ebenfalls sehr gut.
    angenehmer lesefluss. warum du mit den beiden reimpaaren nicht einfach einen "einfachen" 4zeiler machst? iregndwie habe ich dann immer noch auf die auflösung von "feuer" gewartet.
    der schluss ist sehr unerwartet. finde ich gut. aber der "ihm" hat mir nicht gleich eingeleuchtet. oder meinst du, dasds er/sie morgen dem glück gehört, weil er dich gefunden hat? aber warum solltest du das nicht sehen wollen? es ist wohl doch eine dritte person gemeint.
    man kann jetzt die offenheit zur interpretation loben, oder mein unverständnis beschimpfen, oder eben doch finden, dass es nicht ganz klar ist, und dass man diese person ev. doch schon einführen sollen, um sich so knapp auf sie zu beziehen...
    jedenfalls ein tolles gedicht.
    gruass lepi
    .
    .
    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  6. #6
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    Hallo, )
    erst mal vielen Dank für das Lob *freu*! Ich hatte schon gedacht, das Amouroes Recht hat, weil man wenig interpretieren muss. Aber wie so oft, was für mich klar ist, muss für einen Aussenstehenden nicht so klar sein. Erst mal jubel ich innerlich, dass kein metrisches Holpern gefunden wird. Hab mir da Mühe gegeben. Auch scheint die Stimmung so angekommen zu sein, wie ich es wollte. Die Momente wo man sich glücklich fühlt und Zeit keine Rolle spielt,wo man ahnt das es dem Anderen genau so geht und wissend, dass diese Stimmung durch jedes Wort vergeht. Ich deute aber schon an "Abenteuer-vertraut" das da noch mehr ist. Abenteuer ist ja eine Bezeichnung für eine neue Liebe (meist) und wenn das Lyr. Du dann vertraut ist, dann heisst es sie kennen sich, haben sich aber noch nicht (körperlich) geliebt. Dafür gibt es Gründe.
    (@ Lepi Abenteuer ist der Reim auf Feuer)
    Dann kommt leider auch schon das nicht gern gesehene Ende. Das Glück ist gestohlen soll heissen einer der Beiden betrügt und da das Lyr. Du Morgen Ihm gehöhren wird ist das eine dritte Person. Schade für das lyr. Ich. So jetzt habe ich wieder den Fehler gemacht, dass ich so viel schreibe, dass hinterher keiner mehr was ergänzen kann.
    Ach so den Vierzeiler hatte ich auch probiert, aber dann gehen die Reime Abenteuer-Feuer und stehen-sehen unter, und die wollte ich um die letzten Teilsätze in den Z6 zu betonen. Ich hatte gehofft, dass dadurch auf diesen speziellen Hintergrund (fremdgehen, oder bekanntgehen) hingedeutet wird. Einführen wollte ich den Lyr. Ihn nicht, da er in diesem zauberhaft schönen Moment keine Rolle spielt.

    Krähe


    [Geändert durch krähe am 31-08-2004 um 00:11]

  7. #7
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    wie peinlich. da hat sich ja tatsächlich noch ein reim versteckt. *schäm*
    aber warum soll er versteckt bleiben? natürlich ohne meine unachtsamkeit entschuldigen zu wollen

    Ich sitz’ am Feuer
    und ich lass die Grillen singen.
    Ich spüre Wärme,
    deinen Duft und deine Haut

    Ein Abenteuer,
    und sehe Funken sterbend schwingen,
    taumelnd tanzen,
    doch du bist mir so vertraut.

    soll jetzt mehr zeigen, was ich meinte, nicht was ich gerne hätte. aber so weiss man: reimschema a b (x) c.
    sonst ist es rein gehirnmässig (jedenfalls für das meinige) sehr schwer, die eventuellen reime warmzuhalten, und sie inmitten einer zeile (und erst in der 6. wieder!)als solche wahrzunehmen.
    aber als training auf jeden fall gut!
    das gedicht gefällt mir natürlich weiterhin.
    wegen dem dritten: der war für mich einfach so deutlich: "ihm" , dass ich dachte, der müsse schon dagewesen sein, und ich hätte es ebenfalls verpasst. man kann ja allgemeiner sagen: "morgen wirst du nicht mehr mir gehören." oder so. dann knallt der dumme kerl nicht so unsensibel in die stimmung...
    g.l.
    .
    .
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  8. #8
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    Hallo Lepi,
    mir ist auch gerade ein Reim entgangen bei einem guten Gedicht , sowas passiert. Ich hoffe das ich im Laufe der Zeit sensibler werde für manche Feinheiten, die manchmal noch in den Zeilen stecken.
    Ich hatte bei "Sommernacht" verschiedene Formen probiert, möglich ist ja auch, den 2. Teil der sechsten Zeile als siebente Zeile zu nehmen oder der von dir schon erwähnte Vierzeiler. Mir erschien der Rhythmus so am besten. Der Reim wird ja durch die Zäsur in der 6. Zeile etwas hervorgehoben. Er kommt erst, wenn sein Reimpartner schon verklungen ist. Ich hatte gehofft, dadurch die Aufmrksamkeit auf die letzten Nebensätze zu richten. Ich weiss nicht, ob ich das jetzt vernünftig formuliere. Das relativ beschwingte fliessen des Textes und der Bilder wollte ich unerwartet bremsen an dieser Stelle, (war da ein Reim?) und durch das Komma bzw Doppelpunkt. Aber so bremsen, dass es "weiterschubsen will" und dann aber weil man ja gerade bremsen musste mit voller Aufmerksamkeit den Rest der Zeile liest. Denn es ist in S1 die Andeutung und in S2 einer der Schlüssel zum Gedicht.
    Ich bin da aber noch etwas tapsig, ist teilweise Neuland für mich.

    Viele Grüße
    Krähe


  9. #9
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    raffiniert!
    jedenfalls weiss ich jetzt, dass ich deine texte vorsichtiger lesen muss.
    die gefahr des überfliegens (nicht nur bei krähen (!)) besteht eben schon, bei dieser fülle von gedichten...
    deinen text kann man sicher spannend gestalten, wenn man sich eben genug zeit nimmt, und die verstecktheiten erkannt hat.
    gruass lepi
    .
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  10. #10
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    Hallo Krähe,

    rein inhaltlich finde ich deinen Text eigentlich eher weniger spannend - das ist persönlicher Geschmack.

    Formell ist er eigentlich ganz gut aufgebaut, nur in der ersten Strophe nehme ich einen linearen Bruch wahr. Nachdem du in V3 schon einmal das lyr. Du eingeführt hast, füllst du in V5 einen ganzen Vers damit aus, über die taumelnden Funken des Feuers zu erzählen. Das "sterbend schwingen" ist in meinen Augen brüchig. Funken schwingen nicht und vorallem nicht sterbend. Sie können ersterben aber schwingend ersterben. Ein Pendel schwingt, aber ein Funke tut es m.E. nicht.
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  11. #11
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    @levampire: habe mich gerade über meine einträge gewundert. aber diese sind fast genau ein jahr alt!!! wo hast du denn das ausgegraben?
    .
    .
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  12. #12
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    An Krähe

    Hallo Krähe,
    nichts gibt es zu kritisieren. Es ist Dein Augenblick, den Du wunderschön wiedergegeben hast.

  13. #13
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    @ lepi:
    (Da schreibt der Kunde mich tatsächlich nach zweieinhalb Jahren immer noch mit 'i' - unglaublich!!!??? )

    Das, mein lieber lepi, habe nicht ich ausgegraben. Krähe wollte meine Meinung dazu wissen. Während er im Hintergrund eine Leiter für mich bastelte, habe ich also mal meinen Senf dazu abgegeben.
    --LeV

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  14. #14
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    hups, verzeihung. bitte nicht beissenVampire aber ich weiss auch, dass du dich nicht aus blutieriger romantik heraus so nennst...
    g.l.
    .
    .
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  15. #15
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    Hallo
    und Danke für eure Meinungen. Natürlich bin ich für jeden Hinweis dankbar der mir Schwächen in meiner Wortwahl aufzeigt. Wenn etwas nicht so rüberkommt wie ich es beabsichtige dann hilft mir jede Meinung die eigene "Betriebsblindheit" zu überwinden. Schwingen Funken? Es gibt ja nicht nur Schwingungen die regelmäßig sind, sondern auch solche die durch ständige neue Anregungen durch die heftigen Verwirbelungen in der heißen Luft, völlig ungleichmässig sind. Denn die Funken im Feuer steigen rauf und runter und ändern dabei die Richtung nach allen Seiten. Dass nur etwas Lebendes sterben kann habt ihr Recht. Ich glaube aber dass gerade durch den Funkentanz (unbändige Freude bis zum Sterben) die Beziehung zwischen den lyr. Personen charakterisiert wird. Rein inhaltlich, levampyre, ist es schwierig. Für mich ist eine "nicht mögliche" Beziehung viel spannender als eine normale Liebe. Da fahren die Gefühle Achterbahn. Aber das ist Geschmacksache. Also Danke an levampyre fürs ausgraben. Dem lepi danke ich auch, man wie die Zeit vergeht! @ pringels: Natürlich ist Eifersucht mit im Spiel, es geht um fremdgehen und dabei sind alle Emotionen sehr intensiv mit im Spiel.
    Danke Dana es freut mich sehr dass du es wunderschön wiedergegeben findest. Ab und zu braucht man Lob, das baut auf.
    LG Krähe

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