1. #1
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    Engel,Teufel und Junge im Schlafzimmer desselben...

    Teil 1:

    Engel:
    Sieh ihn an,den armen Tropf,
    zerbricht sich jede Nacht den Kopf,
    und bittet,daß ihn deine Frage,
    nicht so unermüdlich plage.
    Häng'nden Kopfes sitzt er da,
    ist seit langem,Jahr für Jahr,
    so verletzt,daß ich kaum wage,
    seine Seele anzuschaun.

    Blühet denn kein neuer Morgen,
    aus des Jungen dunklen Sorgen?
    Wo soll ich den Grundstein borgen,
    um ihn wieder aufzubaun?

    Teufel:
    Lass ihn,wenn es ihm doch mundet,
    lass ihn seinen Schmerz verzehrn,
    und verzehrte jener ihn,
    sag,was könnt' ich mehr begehrn?

    Engel:
    Still!Mit deiner dunklen Absicht,
    scher dich in den Schlund hinfort.
    Denn solang ich ihn noch fasse
    tust du keinen Seelenmord.
    Ohne Sinn ist dein Bemühn,
    dumm und ganz und gar nicht kühn;
    wisse es!vor deinesgleichen,
    hüte und beschütz ich ihn!


    Junge:
    O,wie trüb sind meine Tage,
    Tag und Nacht treibt mich die Frage,
    bis die Antwort mich befreit,
    weiter in die Dunkelheit:

    Sehnet denn kein Menschenwesen
    sich nach meinem heißen Blick?
    findet,
    wer des Mannes Zweck verfehle,
    gar noch in sich selber Glück?

    Und so brennt das Höllenfeuer,
    hält vom Lichte mich zurück,
    sucht mich jede Nacht zu brechen,
    mit gar finsterem Geschick.

    Teufel:
    Weiß denn dieser Junge nicht,
    von welcher dunklen Macht er spricht?
    Wie sie sich doch darum reißen,
    ständig,peinlichst drauf erpicht,
    "Höllenfeuer" mich zu heissen,
    doch dies ist mein Name nicht.

    Engel:
    Und gleich deinem Angesicht,
    soll er wohl im Schatten bleiben.
    Nie wird ihn der Dichter schreiben,
    sei dir dessen ruhig gewiß.
    Nimm dein Übel,auch den Namen,
    aller Leiden gift'ge Samen,
    jede deiner dunklen Taten,
    mit dir in die Finsternis.

    Teufel:
    's kümmert dich?
    daß ich die Seele,
    ihm mit allen Mitteln stehle?
    Menschenschmerz sei meine Kur,
    Seelenraub meine Natur.
    Lass mich meines Amtes walten,
    gib es auf,ihn festzuhalten.
    Lass die Flamme ihm erkalten,
    gönn ihm die Erleichterung.

    Engel:
    Gott,nicht einmal ich kann's fassen!
    Ich das Feld der Schlacht verlassen?
    Soll ich,Gottes stolzer Krieger,
    dir die Seele überlassen;
    dich als dieses Wettstreits Sieger,
    jubelnden Dämonenmassen?
    Dies wird nicht einmal passieren,
    sollte einst die Hölle frieren!

    Teufel:
    Spotte nur,mein kleiner Engel,
    doch wird bald auch dieser Bengel,
    ewiglich zu mir gehörn.

    Engel:
    Gut,lass dich nicht weiter störn;
    doch ich würde blindlings schwören,
    daß er deine dreisten Lügen,
    nicht so einfach akzeptiert.

    Teufel:
    Lass die Ehr' die mir gebürt!
    Mich mit solchem zu vergleichen
    lässt das Barthaar mir erbleichen!

    Engel:
    Menschenvolk,so klein und nichtig,
    doch aus diesem Grunde wichtig,
    schafft mit nimmermüder Hand,
    der Götter hocherhobnen Stand.

    Teufel:
    Und das ist mir wohlbekannt;
    doch gerade darum hasse
    ich die ganze Menschenmasse.
    Ihre Seelen lieb ich sehr,
    das ist alles und nicht mehr.


    ...und das Ende der Geschicht,kennt ihr Dichter selbst noch nicht...

  2. #2
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    *wow* einfach genial......gefällt mir total gut. du schreibst wirklich tolle gedichte....

    alles liebe,
    sternentraum
    Stir of time, the sequence
    returning upon itself, branching a new way. To suffer pain, hope.
    The attention
    lives in it as a poem lives or a song
    going under the skin of memory.

    "Heavy" by Denise Levertov

  3. #3
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    Thumbs up Schönes Thema

    Schön geschrieben guter stil,

    man könnte denken du bist der kleine Junge und machst dir gedanken darüber wie sich der teufel und der engel um deine Seele streiten. man bekommt das gefühl du weisst was richtig und was falsch ist, und doch weisst du nicht genau wie du dich entscheiden sollst...
    wortfuerwort schrieb an diesem ort

  4. #4
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    @wortfuerwort:
    Mir scheint,als hättest du es richtig erkannt.
    Der Junge ist aber 18,also gar nicht soo klein


    @sternentraum:
    danke!demnächst bekommt ihr wohl den rest zu lesen,oder etwas neues,falls das thema mich zu sehr ermüdet.
    bis dann!

  5. #5
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    lass es nicht so enden

    hey nun möchte ich auch wissen wies es weitergeht!

    gruss
    wortfuerwort schrieb an diesem ort

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