1. #1
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    Nun sag´, mein Freund, siehst du denn nicht
    den Federkiel mich führen?
    Graziös geschwungen ist´s Gedicht;
    zum Höchsten soll´s mich küren.

    Nun sag´, nun sag´, es nagt an mir -
    ich fühl´ mich gar geschoren.
    Die Hitze peitscht mich wie ein Tier,
    und sengt an meinen Ohren!

    Vom Marmorthron erheb´ ich mich,
    und schweb´ zu jenem Meere,
    das züngelnd rot den Blüten glich,
    die ich als Dichter ehre.

    Nun sag´, mein Freund, wie stell´ ichs dar,
    kann ich den Geist erfassen?
    Das Feuer rät zur Eile gar;
    es frisst sich durch die Massen.

    Nun sag´, erzähl´, ich halt´s nicht aus -
    die Leier soll erklingen.
    So brennt bereits doch jedes Haus,
    was magst du sie nicht zwingen!

    Es knarzt, es ächzt, es tanzen sie,
    die Flammen schaffen Leben.
    Was sagst du nichts! Die Poesie
    hat dir dies doch gegeben.





    Ein kleines Nebenwerk, das ich geschrieben habe, weil ich meiner momentanen Einfallslosigkeit bei meinem Hauptwerk irgendwie entkommen wollte. Ihr könnt beurteilen, ob mir das mit diesem kleinen Gedicht hier gelungen ist.
    Vorsicht, es gibt viel zu interpretieren


    [Geändert durch cascardian am 08-10-2004 um 20:52]
    Back I am.

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  2. #2
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    *hüpf-freu* Ich habe meine lyrische Ouvertüre!

    Hi casc

    Also wenn alle Deine Nebenwerke so gut sind, dann ...etc. Ich habe im Moment nicht allzuviel Zeit zum Interpretieren - sry. Ev. später mehr.

    Frage: S/1+4 jeweils erster Satz, müsste man da nicht ein Fragezeichen setzen?

    Gruss
    Margot

  3. #3
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    Des Dichters Freund - mein Bruder - glaube mir
    ist nicht die Tinte, noch der Kiel
    und nicht der Muse sanftes Spiel
    Es ist, wie kann es anders sein: das Bier



    Im Ernst: Nicht dein bestes, aber auch kein Hauptwerk, ne?
    Das hier ist meine Signatur und ich bin stolz darauf.

  4. #4
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    Margot:
    Ich kann dir wirklich nicht sagen, warum ich dort anfangs keine gesetzt hatte.
    Wobei es mit jenen sogar noch mehr die Aussage unterstützt.

    Ich wäre dir äußerst verbunden, wenn du für mich diesen einzigen Lapsus in meiner E-Mail an dich (für das Buch) korrigierst.
    Soll dieses kleine Nebenwerk etwa wirklich das Buch eröffnen, oder habe ich da etwas falsch verstanden? Na ja, wenn es so sein sollte, dann freue ich mich, dass mein(e) Gedicht(e) nicht nur ins Buch kommen/kommt, sondern auch noch gleich an prominenter Stelle.


    Kevin:
    Lol. Wo du Recht hast ...

    Nein, dieses Gedicht hier ist wirklich nichts Nennenswertes. Mehr ein Zeitvertreib, wie gesagt. Doch denke ich, dass es inhaltlich äußerst standfest ist.
    An meiner Locksley-Hall-Fortsetzung werde ich aber noch eine ganze Weile zu knabbern haben.
    Na ja, macht ja Spaß ...
    Back I am.

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  5. #5
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    Ja, scheint mir ein passender Einstieg. Schliesslich soll ja noch eine Steigerung erfolgen

    P.S. Hab's korrigiert

  6. #6
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    Hi Casca,

    die ersten Strophen waren wirklich ein Genuß und ich konnte mir ein Giggeln nicht verkneifen. Doch finde ich, daß der Text zunehmend an Substanz verliert. Ich meine, der Anfang ist subtil und äußerst ästhetisch, der Schluß läßt Unbefriedigtes zurück.

    Wir haben es mit einer formellen Teilung in zwei Tripletts zu tun, die sich aus der Anordnung der zwei Anaphern "nun sag!" und mit je einer anaphernfreien Strophe ergibt. Die Anapher an sich vermittelt gut, die drängende Begierde nach Kritik beim lyrischen Dichter-Ich. Jedoch geht ab Strophe vier die inhaltliche Kohärenz verloren. Die Verse3/4 in S4 fallen aus dem Kontext heraus, da sie nicht eingebunden sind. Was sollen die brennenden Häuser in dem Zusammenhang? Wer sind "sie" und warum Zwang? Die Konstruktion "es tanzten sie" in S5 klingt befremdlich und die Conclusio dessen, was die Poesie beim lyr. Du vermag aus den Flammen (vermutlich der Häuser) zu erklären wirkt nicht schlüssig.

    Alles in allem wirkt es, als sei dir zum Ende hin die Puste ausgegangen. Dennoch die Umsetzung des Themas mit den drängenden Anaphern finde ich sehr gelungen. Auch apostrophiert die pathetische Sprachwahl der ersten Strophen den Drang des Ichs sehr eindringlich. Eine Arbeit am Schluß hielte ich für lohnenswert. Verstehe ich ihn nur nicht?

    LG
    vamp
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  7. #7
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    Vielleicht hätte ich das Gedicht eher "Nero" nennen sollen
    *hüstel*

    Die Metaphern und Bilder geben alle einen Sinn, keine Sorge

    Mit "sie" ist die Leier gemeint.

    Das Feuer wird schon in S2 vorgestellt, allerdings sehr ambivalent. Auch der Titel ist in diesem Hinblick, und dem, was ich jetzt sage, ambivalent:
    Hier geht es um Wahnsinn. Um Lyrik um jeden Preis.

    So, mehr verrat ich aber nun wirklich nicht.
    Mir scheint, du warst interpretatorisch noch ein wenig zu sehr an der Oberfläche.
    Ich nehm's dir aber nicht übel, es ist spät

    Das Bild des Freundes hier wird am Ende übrigens aufgelöst, was meines Erachtens doch sehr passt.


    [Geändert durch cascardian am 08-10-2004 um 23:05]
    Back I am.

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  8. #8
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    So, jetzt habe ich den Faden wiedergefunden...*g*

    Also nochmal an Casca,
    Im Vergleich zu deinen anderen Werken, die ich mit Freude gelesen habe, gibt dieses meiner Meinung nach sprachlich zwar nicht so viel her, inhaltlich ist es jedoch sehr einfallsreich.
    Die Anspielung auf Kaiser Nero ist sehr änigmatisch, so dass einiges nur erahnbar bleibt, aber trotzdem präzise und treffend mit einem Schmunzeln gefasst.
    Mir bleibst allerdings der Sinn der Apostrophe an den "Freund" verborgen, der Legendenfigur Nero einen solchen an die Seite zu stellen, finde ich doch etwas unpassend.
    Um so witziger das Motiv der bekannten Leier.
    Teilweise wirkt der Text allerdings auch sehr schematisch konstuiert und auch staccato, man mekrt doch, dass er ein bisschen an "Herzblut" entbehrt.
    Konträr zu einem anderen Kommetar zu deinem Text denke ich jedoch nicht, dass das Gedicht gen Ende an "Substanz verliert", sondern, dass erst das Ende den inhaltlichen Ausschlag liefert.
    Sprachlich fehlen leider einfach die Besonderheiten.

    Ich wünsche Dir viel Erfolg bei deinem "Hauptwerk"
    Suck the marrow out of life!

  9. #9
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    Aha - da haben wir es ja. Die Anspielung auf Nero geht ohne einen Entsprechenden Hinweis im Text wohl verloren. Wenn man bedenkt, daß es dein Anliegen war, diese Thematik anzureißen, dann ergibt natürlich acuh das Feuer, etc. einen Sinn. Ohne diesen Hinweis von dir nicht. Wenn du den Titel in "Nero" änderst oder sonstwie einen Bezug zu dem Kaiser herstellst, dann würde da Einiges klarer denke ich.

    Dahingehend verstünde ich deinen Text dann als Gespräch zwischen Kaiser Nero und seinem engsten Vertrauten Petronius Arbiter (elegantiarum) über das Gedicht Neros, welches nach dem Großbrand des antiken Roms entstanden wäre. Der Legende nach ließ Nero die Stadt in Brand stecken, damit sich ihm eine Kulisse böte, die großer Dichtung würdig wäre. Sein Berater in allen Stil- und Ästhetikfragen war der Einzige, der Neros Dichtungen ehrlich bewerten durfte, da Nero sich an seinem Urteil maß. In seinem berühmten Roman "Quo vadis" legt Sienkiewicz Petronius die Worte, "Einige benutzen eine in Öl getränkte Pfauenfeder um sich zu übergeben, mir hingegen reichen allein die Gedichte Neros", in den Mund.

    Tja, aber darauf, daß ich als Leser hier tatsächlich zu diesen Assoziationen geführt werden soll, wäre ich von allein vermutlich nicht gekommen.


    LG
    vamp
    --LeV

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  10. #10
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    Du könntest ihm alternativ auch einfach eine PN oder Mail schicken.

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