1. #1
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    Eine Minute im Paradies


    Wir sehen nur noch mit Augen.
    Keiner merkt das sie nicht taugen.
    Nicht taugen das zu sehn was wichtig ist im Leben.
    Jeder will zu jeder Zeit auf Wolke Sieben schweben.
    Doch keiner sieht das Paradies vor Augen.
    Da sie nicht dazu taugen.

    Die Menschen sind zu hektisch geworden.
    Sie verdienen sich lieber Orden.
    Die hängen dann an ihrer Brust.
    Und soll’n verdecken all den Frust.
    Verstecken ihre Sorgen hinter Lügen.
    Merken nicht das sie sich selbst betrügen.

    Ich habe ihn geseh’n.
    Ihr müsst versteh’n.
    Den Garten Gottes sozusagen.
    Ich wollt ihn dort etwas fragen.
    Was er hält von seinen Sprossen.
    Ob er sie hat je genossen.

    Ich hab ihn nicht getroffen.
    Vielleicht hat er sich ja besoffen.
    Um zu vergessen, was wir ihm angetan.
    Wie wir unsere Chance längst vertan.
    Hab nicht weiter nach ihm Ausschau gehalten.
    Ich weiß das war nicht das beste Verhalten.

    Ein Fisch kreuzte meinen Weg.
    Man konnte ihn sehn vom hölzernen Steg.
    Er stellte sich vor; Angenehm, Herr Scholle.
    Und fragte mich, was ich hier wolle.
    Bin ein Wandergesell auf Reisen.
    Und denk ich laufe in Kreisen.

    Der Fisch ließ sich treiben.
    Ich wollte gern hier bleiben.
    Doch ein Licht in der Ferne.
    So hell wie die Sterne.
    Erregte mein Interesse.
    Und ich rannte wie versessen.

    Das helle Licht war feurig schön an zu sehn.
    Und ich blieb einen Moment lang stehn.
    Jetzt erkannte ich die Flammen eines Feuers lodern.
    Rings herum drei alte, weise Herrn.
    Ich kam heran von Westen.
    Sie boten mir gleich Wein vom Besten.

    Der Erste fragt mich etwas verbittert.
    Was habt ihr getan, und er begann zu zittern.
    Ich habe eure Vergangenheit zu tragen.
    Aber ich soll nicht verzagen.
    Auch wenn ich weiß, was ich noch alles ertragen muss.
    Die Menschheit gibt sich doch selbst den Todeskuss.

    Der Zweite fällt ihm ins Wort.
    Ja die Menschen sind eine komische Sort.
    Doch ich habe es besser, ich weiß das alles vergeht.
    Jeder Friede, jeder Krieg nie für die Ewigkeit besteht.
    Doch die Qualen habe auch ich.
    Sie sind wie tausend Stich.

    Der Dritte im Bunde ist ganz still.
    Ich frage, ob er nicht auch etwas sagen will.
    Er beginnt leise und verhalten, doch wird seine Stimme immer lauter und heller.
    Mit der Menschheit geht’s bergab, nicht lange und sie erreichen den Keller.
    Und aus der Dunkelheit des Kellers gibt’s oft kein entrinnen.
    Die Menschen müssen sich endlich wieder besinnen.

    Ich verlasse die Drei Alten.
    Weiß nicht was ich soll von ihnen halten.
    Versuche mir ein Nachtquartier zubauen.
    Verdutzt mich alle Tiere beschauen.
    Und ein alter Uhu versucht mir begreiflich zu machen.
    Das dies die Höhle eines sehr, sehr alten Drachen.

    Ich glaubte ihm nicht und legte mich schlafen.
    Am nächsten Morgen bekam ich meine Strafen.
    Der Drache war über Nacht zurück gekehrt.
    Und fand vor, sein Heim ganz versehrt.
    Er tobte vor überschäumender Wut.
    Sein Flammenstrahl war so rot wie die Glut.

    Ich rannte so schnell ich konnte.
    Und sah Enten die sich sonnten.
    Da sprang ich in den Teich.
    Die Enten wurden ganz bleich.
    Nun war mir kalt und ich war nass.
    Den Enten gleich, genauso blass.



    Jetzt merkte ich erst das alles nur ein Traum.
    Ich verschlief den Tag unter einem Baum.
    Bis ein Schauer mich erweckte.
    Und ein Blitz mich leicht erschreckte.
    Doch gab er der Wahrheit ein Gesicht.
    Und hat getan nur seine Pflicht.


    Warum ich Welt und Menschheit nicht verfluche?
    Weil ich den Menschen spüre, den ich suche.

    (Erich Mühsam)



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    Attention: (c)

  2. #2
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    *WOW* mehr kann ich echt nicht dazu sagen!
    Sunny

  3. #3
    Registriert seit
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    oh danke, dass du es ganz durchgelesen hast, ist ja doch recht lang.
    Warum ich Welt und Menschheit nicht verfluche?
    Weil ich den Menschen spüre, den ich suche.

    (Erich Mühsam)



    ACHTUNG: (c) strickt beachten

    Attention: (c)

  4. #4
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    habe auch das ganze gelesen und bin fasziniert!!!
    alles liebe dein moony
    auch der schwerste weg beginnt mit
    einem schritt

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