Thema: Mondnacht

  1. #1
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    Kopfschüttelnd stand er unter der großen Eiche. Sein Mantel war naß und schwer, vollgesogen mit Regenwasser. Er blickte zum Himmel. Nichts – nur Schwärze, kein Stern schaffte es, seine Strahlen durch die Wolkenfestung zu schicken. Es war genau einer dieser Tage an den man sich fragt, ob man in seinem Leben alles richtig gemacht hat, ob man nicht hätte bessere Entscheidungen treffen, besser in der Schule sein können. Ehrgeiziger, sparsamer, liebevoller, treuer – oder ob alles Schicksal war, Zufall, Glück oder Pech; was immer man auch tat.
    Sollte er noch länger warten? Das dichte Blattwerk der Eiche bot keinen Schutz gegen den Regen, es machte die Tropfen nur langsamer und dicker. Ein fortwährendes, nie aufzuhören scheinendes Prasseln war allgegenwärtig, unaufhörlich fielen die Tropfen; Gegen Blätter, Laternen, auf Bänke und Mauern, bildeten Pfützen, Rinnsale – auf den Boden schlugen sie so hart auf, daß er das Gefühl hatte der Regen würde auch von unten kommen.

    Was tat er hier eigentlich. Wieso konnte er so ignorant sein zu glauben, sie würde kommen. Es war doch absurd, nachdem was er ihr angetan hatte. Er wartete schon eine drei-viertel Stunde, und konnte sich nicht mit dem Gedanken abfinden, daß sie nicht kommen würde. Insgeheim hoffte er noch immer, sie würde im nächsten Augenblick mit ihrem Fahrrad direkt auf ihn zufahren, ihn einen großen Dummkopf schimpfen und küssen. Doch das war reine Illusion, vermutlich hatte sie seinen Brief gar nicht erst gelesen, warum sollte sie das auch tun? Was konnte sie denn in dem Brief schon erwarten, es gab nichts mehr zu erklären, nichts zu beschönigen, kein „Bitte verstehe mich!“

    Ein Liebespaar lief an ihm vorbei, geschützt durch einen großen grünen Regenschirm. „Ach, muß liebe schön sein“, dachte er und fühlte sich elend. „Becks“ lautete die Werbebotschaft, die kurz im fahlen licht der Laterne auf dem Schirm zu erkennen war. Becks, ja – ein Bier. Am besten gleich zwei, oder Tequila, viel Tequila, Tequila ist dein Freund. Bei dem Gedanken seine Sorgen in großen Mengen Alkohol zu ertränken wurde ihm unwohl, wenngleich es doch verlockend schien. Und ihn für wenigstens eine kurze Zeit von seinen Sorgen ablenken könnten.

    Warum nur, warum nur hatte er sich darauf eingelassen. Sie wird es doch nie erfahren, hatte sie gesagt. Deine Freundin kommt doch erst morgen wieder, hatte sie gesagt. Sie macht so was doch auch ab und an, hatte sie gesagt. Nun komm schon du Bild von einem Mann, hatte sie gesagt. Nimm mich, hatte sie gesagt. Sie war es! Er wollte doch eigentlich gar nicht, sie hatte ihn dazu gedrängt. Er wollte doch. Eigentlich wollte er nicht, aber davon abgehalten hat es ihn nicht. Auch nicht davon, es ausgerechnet in ihrer gemeinsamen Wohnung zu tun, ihr Heiligtum hatte er zerstört, und als sie extra seinetwegen die Strapazen auf sich nahm und am selben Tag noch nach Hause fuhr, musste sie ihn mit einer anderen in ihrer Wohnung erwischen.
    Er wartete jetzt schon über eine Stunde, es war bereits später als 23 Uhr. Sie würde morgen früh aufstehen müssen, und schon alleine deswegen nicht kommen. Was würde er ihr auch erzählen können wenn sie käme? Es tut mir leid. Sicher, daß tat es ihm. Es tat ihm wirklich leid, sehr leid sogar. Doch sie würde es gar nicht wissen wollen. Man kann mit einem Satz nichts ungeschehen, keinen Schmerz vergessen machen. Nicht einfach so, von gleich auf jetzt. Es würde Zeit brauchen, er hatte Zeit, er würde sie haben müssen.

    Er dachte an ihre Augen, an ihre großen, wundervollen, kastanienbraunen Augen. Wie schön sie wohl jetzt aussähe, wenn sie verträumt im schwachen Licht der Laterne ihn anblinzeln würde. Der Mond würde sich in ihnen widerspiegeln – und sie würde lächeln. Doch das Traumbild veränderte sich, die Augen fingen an zu weinen, furchtbar zu weinen. Ihm war als würde er sie weinen Hören, als würde sie neben ihn stehen und ihn mit hohlen Augen ansehen. Was hast du mir angetan? Das Bild veränderte sich wieder. Jetzt blickte sie zornig, ihn mit blicken strafend. Ob sie jemals wieder mit ihm reden würde? Wieso war er bloß so ein Idiot gewesen. Wieso hatte er seine Freundschaft, seine Liebe, die Liebe seines Lebens so leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Für ein bißchen Spaß. Alles nur für ein bißchen Spaß. Für ein bißchen Wärme.

    Sie wird mir nie verzeihen, nie, sie wird mich nie wieder in ihre Arme nehmen, nie wieder werde ich ihre wärme spüren, nie wieder werde ich in ihren Armen weinen können, wie damals als meine Mutter starb, nie wieder werde ich ihre weichen wohlig warmen Wangen küssen dürfen, nie wieder mit meinen Händen durch ihr Haar fahren, ich würde ihr auch nie wieder etwas vorlesen können und nie – nie werde ich solche Liebe fühlen können. Seine Gedanken rasten, suchten nach einem Ausweg.

    Eine Träne lief seine Wange hinab. Es wäre niemandem aufgefallen, sein Gesicht war ohnehin vom Regen naß, doch er fühlte es. Er vergoß selten Tränen, er sträubte sich dagegen. Das erste mal, das er frei von der Seele geweint hatte, war in ihren Armen gewesen. Und sie hatte ihn trösten können. Die Wolken schoben sich etwas auseinander, gerade genug, um den Mond einen Blick auf die Erde werfen zu lassen. Sein mattes Licht wirkte wie ein Hoffnungsfunken. Und er lächelte traurig. Der Mond beherrschte das in Perfektion – traurig lächeln. Doch, als würde auch der Mond ihn strafen wollen, war es schon bald wieder die Laterne, die als einziges Licht spendete.

    Vielleicht war seine einzige Chance, sich bei ihr zu entschuldigen, um Verzeihung zu flehen, von Angesicht zu Angesicht und nicht mit einem Brief. Hatte sie nicht einmal gesagt, Briefe seien feige? Wer einen Brief schreibt ist u schwach eine Antwort zu verkraften? Konnte er denn eine Antwort verkraften? Und konnte er es verkraften, wenn sie gar nicht antwortete? Ja, nicht Blumen, Geschenke oder große Zitate würden ihm helfen. Sondern ein ernst gemeintes, ehrliches „Es tut mir leid“. Er würde sie mit traurigen Augen ansehen und nach einer Chance flehen. Dieses eine mal müsse sie ihm verzeihen!

    Oh ich liebe dich so sehr, verzeih mir, bitte verzeih mir, ich – ich weiß doch auch nicht wieso ich es getan habe. Ich, ich – ach es war falsch, es war der größte Fehler den ich je gemacht habe. Bitte! Bitte, sieh‘ mich an! Ich brauche dich, ich kann nicht leben ohne dich, du bist mein Leben, du wirst immer mein Leben sein, ich werde immer für dich da sein, ohne dich wäre ich nur ein Schlafwandler in einer immerwährenden Nacht. Ein Tropfen Wasser im Meer. Du bist es, der mich zu etwas besonderen macht. Verdammt noch mal. Ach, bitte – bitte. Ich liebe dich nur dich, NUR DICH, du kannst nicht wirklich glauben, ich könnte jemals eine andere lieben. Bitte bleibe meine Freundin, bleib‘ an meiner Seite.

    Er würde es ihr so sagen, - er würde es so meinen. Er würde nicht nachdenken müssen, es war das was er fühlte. Und es mußte heute noch passieren. Mit einem Ruck setzte er sich in Bewegung, lief die Straße herunter und ließ die große Eiche schon bald hinter sich. Er würde die Eiche wohl nie wieder sehen.



    P.S. das ist erst der erste Teil meiner Geschichte...und es tut mir lid wenn sie zu lang ist...aber ihr könnt sie euch ja ausdrucken und euch dann etwas mehr zeit nehmen und sie euch durchlesen...
    es würde mich echt freuen etwas von euch über meine geschichte zu hören...
    schon mal im forraus danke!
    yours
    CryingAngel
    Trenne dich nie von deinen Traeumen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, doch aufgehoert haben zu leben...



  2. #2
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    gleich so viele antworten...
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  3. #3
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    Oh armer cryingAngel. hoffentlich heitert dich diese kleine Antwort auf.Nur so zur Info: Habe deine Geschichte gelesen.Jedenfalls finde ich sie gut und auch nicht(!!!)zu lang. Frage:1. Das war der erste Teil, wie geht sie denn weiter? und 2. Wahre Begebenheit?
    Auf alle Fälle mach weiter so, okay?

    Greece
    Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.
    -Antoine de Saint-Exupéry-

  4. #4
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    sorry aber ich bin ne sie
    Bea mein Name
    aber mach dir nichts draus
    zu punkt 2 nein keine wahre begebenheit..
    und so gehts weiter..




    Sie weinte, ihre Augen brannten und waren gerötet. Sie fühlte sich, als würde sie eine Tonnenschwere Last tragen. Dies war einer dieser Tage, an dem sie sich wünschte, sie wäre nie geboren worden. Warum passiert alles Unglück dieser Welt mir? Immer hat sie das Pech ausgeraubt zu werden, keinen Job zu bekommen, die Schuldige bei einem Unfall zu sein, Geld zu verlieren, eine Schüssel rote Grütze genau auf das Hochzeitskleid ihrer Mutter fallen zu lassen. Nie war das Schicksal freundlich gesinnt. Und jetzt auch noch das.



    Sie spürte wie sich ihr Magen wieder verkrampfte. Sie würde sich aber nicht übergeben können, ihr Magen war schon seit Stunden leer. Sie konnte nichts essen. Nicht jetzt. Nicht nachdem, was passiert war. „Es ist ganz anders, als du denkst“, hatte er gesagt, bevor sie anfing zu schreien, sie sagt kein Wort, sie schrie. Sie schrie, bis er und die Fremde aus Angst die Wohnung verließen. Jetzt war sie heiser, ihre Kehle war trocken und tat ihr weh, auch getrunken hatte sie lange nichts. Nur geweint, das war das einzige was sie in den letzten Stunden getan hatte, geweint – furchtbar geweint. So furchtbar geweint – ihr Gesicht zeigte Spuren des verlaufenen Mascara, selbst ihr Betbezug war mit dunklen Flecken übersät.



    Ihr Blick streifte den Briefumschlag, den er etwa eine halbe Stunde danach unter der Tür hindurch geschoben hatte. Ihr war danach, ihn zu zerreißen, in kleine Stücke zu zerfetzen, auf den Balkon zu gehen, und mit einem Aufschrei, der ihren Weltschmerz nur ungenügend ausrücken können würde, die Papierfetzen in den nächtlichen Regen hinaus zu werfen. Doch auch das konnte nichts wiedergutmachen.



    Vielleicht sollte sie den Brief lesen. Doch was außer Beschönigungen, unsinnigen Erklärungen oder einer Entschuldigung, zu der ihm der Mut fehlte, sie ihr direkt ins Gesicht zu sagen, konnte der Brief den schon enthalten? Vermutlich wollte er sich mit ihr treffen, an dem Platz wo alles angefangen hatte, unter der alten Eiche im Park. Ihre Augen suchten den Sternenhimmel ab, doch nichts war zu erkennen, kein Lichtschimmer, kein Mond, nur schwarze, düstere Nacht, die alles zu verschlucken schien. Der Regen prasselte unbarmherzig gegen ihr Fenster. Normalerweise mochte sie das Geräusch des prasselnden Regens, doch heute klang es irgendwie metallisch, irgendwie falsch.



    Konnte er wirklich von ihr erwarten, nach dem was r ihr angetan hatte, bei diesem Wetter in den Park zu gehen? Sie würde es nicht tun. Sollte er doch warten. Im Regen warten, sein ganzes verdammtes Leben lang unter der Eiche warten. Sie würde nicht kommen. Sie würde ihn nie wieder sehen.



    Nachdem sie die beiden rausgeworfen hatte, und im Bad ihren revoltierenden Magen eine Möglichkeit gab sich zu erleichtern, hatte sie sich schluchzend auf ihr Bett fallen lassen. Dort lag sie auch jetzt noch, nur die Schreibtischlampe brannte. Sie spendete nur schwaches Licht, gerade genug um lesen zu können. Die Lampe hatte er immer angemacht damit, - wie er
    Sagte – er ihre schöne Haut sehen konnte, die er so sehr liebte. Sie konnte es nicht ertragen, daß die Lampe jetzt brannte, Licht für einen Körper gespendet hatte, der nicht der ihre war. Wütend schlug sie die Lampe vom Nachttisch. Die Birne zerplatzte an der Wand, aber die Dunkelheit war noch viel schlimmer, unerträglich.



    Sie stand auf und machte Licht. Überall machte sie Licht. Jedes einzelne Licht in der Wohnung schaltete sie ein. Im Bad roch es noch ein wenig nach fremden Parfum, doch der Geruch war schon stark überlagert von dem beißenden Geruch ihres Mageninhaltes. Sie wagte einen Blick in den Spiegel. Unter ihren Augen waren schwarze Flecken, Überreste dessen, was helfen sollte sie besser aussehen zu lassen. Jetzt ließ es sie schlechter aussehen. Sie sah aus wie ein Häufchen Elend. Ihr Blick suchte das Badezimmer ab, und verharrte einen Moment auf den Rasierklingen. Auf den Messerscharfen Rasierklingen. Würde es sehr weh tun?



    Das Klingeln des Telefons riß sie aus ihren Überlegungen. Aus Gewohnheit ging sie zurück ins Wohnzimmer, doch als sie sich dem Telefon näherte stockte sie. Sie konnte jetzt unmöglich ans Telefon gehen. Jeder würde sofort hören, wie es ihr ging, und Fragen konnte sie jetzt nicht beantworten, nicht ertragen, sie wollte nicht schon wieder daran erinnert werden. Und was, wenn er es war? Sie würde auflegen. Oder ihn beleidigen: Das klingeln verebbte. Sie hörte es wie ein leises Echo weiterhin, als ihre Gedanken in die Vergangenheit schweiften.



    Sie erinnerte sich daran, wie glücklich sie mit ihm war. Wie schön es war, mit ihm im Arm einzuschlafen, und wieder neben ihm auf zu wachen. Sie erinnerte sich daran wie gern sie ihm ihren Kopf auf die Brust legte. Wie gern sie dem beruhigendem Pochen seines Herzens lauschte. Wie gern sie seinen Atem auf ihrer Haut spürte. Wie sehr sie es haßte, wenn er sie ab kitzelte – und doch irgendwie liebte. Bis heute hatte es nie Streit gegeben, sie hatten sich auch nie gezankt, alles war perfekt mit ihm. Und das sollte nun nie wieder so sein? Sie würde nie wieder einen Menschen so lieben können wie ihn.



    Sie fühlte wie ihre Knie schwach wurden und setzte sich an den Tisch. Hier hatten sie immer zusammen gegessen. An jedem Wochenende hatte er ihr das Frühstück gemacht. Sie erinnerte sich, wie wundervoll es war, mit ihm zu frühstücken. Er hatte jedesmal neue Ideen sie zum lachen zu bringen. Ob er nun die Wurst so schnitt, daß sie die Form eines Herzchens hatte. Oder den Butler spielte, sie in einem schwarzen Anzug weckte, und in der dritten Person fragte, ob sie eine angenehme Nachtruhe verlebt habe und jetzt zu speisen wünsche. Er war so witzig. Doch das war jetzt alles vorbei. Er war fremdgegangen, ausgerechnet er, der die Eifersucht in Person war, hatte es gewagt mit einer Anderen zu schlafen. Sie war so enttäuscht von ihm, und wütend auf sich selber, wieso – daß wußte sie nicht.



    Der Geruch von kalter Pizza holte sie in die Wirklichkeit zurück. Hier müssen sie beide gegessen haben. Gegessen – und gegessen. Und dann? Das wollte sie lieber nicht wissen. Ein großes schwarzes Messer lag in der Mitte des Tisches. Rote Tomatenspuren an der scharfen Schneide bewiesen, daß es benutzt worden war. Ein Messer. Es würde weh tun. Sie wußte es. Sie wußte es aus eigener Erfahrung, daß es höllisch weh tun würde. Damals hatte sie über 40 Bewerbungen geschrieben, und immer hatte ein weniger qualifizierter männlicher Bewerber die Stelle bekommen. Zumindest glaubte sie das. Die meisten Bewerbungen waren einfach zurückgekommen mit der Begründung, daß zur Zeit leider keine Stelle frei wäre. Oder man sich leider für jemand anderen entschieden hätte.



    In einem Brief stand sogar, daß sie ungenügend qualifiziert sei, das hatte ihr damals den Rest gegeben. Nachdem sie einen ganzen Tag geweint hatte, nahm sie sich ein Messer und schnitt sich die Pulsadern auf. Doch auch dieses Mal hatte sie Pech. Oder Glück, je nachdem wie man es sah. Sie hatte sich ihre Pulsadern so langsam und ungeschickt aufgeschnitten, daß sie schrie. Sie schrie laut, sehr laut, aus Schmerz, aus Verzweiflung und Angst vor dem was sie Tat, so laut, das ein Nachbar die Tür eintrat, weil er glaubte einen Überfall zu verhindern, oder irgendwie helfen u können. Er fand sie, und rief sofort den Notarzt, der ihm erklärte was er zu tun hatte bis der Rettungswagen eintraf, er rettete ihr damit das Leben, und außer der Narbe war von dem mißglückten Versuch nichts geblieben.



    Sie legte ihre rechte Hand fest um den schweren schwarzen Griff des Messers. Diesmal würde es anders werden. Sie würde nicht schreien. Diesmal nicht. Sie konnte kaum noch schreien so heiser wie sie war. Und es würde schneller gehen. Fasziniert sah sie in die blitzende Schneide. Etwas Tomatenmark tropfte wie ein großer schwerer Tropfen Blut auf den Tisch. Sie fing Spiegelbilder mit der Schneide ein. Sie drehte das Messer hin und her, bis der Anblick der sich in der Schneide spiegelnden Bilder seinen Reiz verlor, gedankenverloren blickte sie aus dem Fenster.



    Die schwarze Nacht hatte ein neues Gesicht bekommen. Der Mond stand in seiner ganzen Fülle am nächtlichen Firmament. Merkwürdig, dachte sie, daß er sich gerade jetzt ein Loch in die wolkenverhangene Finsternis erkämpft hatte. Sie erinnerte sich, wie sie einmal mit ihrem Freund im Regen am Strand lag, auch damals war plötzlich der Mond zu sehen, keine Sterne – nur der Mond. Ihr Freund hatte sie angesehen, Ihr tief in die Augen geblickt und gesagt, wie sehr er den Mond liebe, wie sehr er sie liebe. Der Mond sei der ewige Begleiter der Erde, so wie er auch ihr ewiger Begleiter sein wolle. Und der Mond solle sie immer daran erinnern, egal was auch passiere, daß er nur für sie da war. Nur für sie. Was auch passiere? Wenn sie doch nur einfach alles vergessen könnte, als ob nichts gewesen wäre.



    Sie stand so ungeschickt auf, daß der Stuhl dabei krachend auf das Parkett fiel. Ohne ihn aufzuheben ging sie auf den Balkon, stellte sich in den Regen und starrte den Mond an. Er würde immer für sie da sein, so wie der Mond immer für die Erde da sein würde, hatte er gesagt. Alles in seinem Leben drehte sich nur um sie, hatte er gesagt. Ach, wie schön es mit ich war. 5 Jahre waren sie jetzt schon zusammen, 5 glückliche Jahre, die schönste Zeit ihres Lebens, und das sollte sie jetzt alles aufgeben?



    Sie bekam eine Gänsehaut, als sie feststellte, daß sie noch immer das Messer in der Hand hielt. Scheppernd fiel es auf die steinernen Fliesen des Balkons. Wenn er sich doch bloß für das was er getan hatte entschuldigen würde, nicht per Brief oder Telefon, sondern von Angesicht zu Angesicht. Wenn er ihr einfach sagen würde das es ihm leid tat, daß es nie wieder vorkommen würde, das er sie liebte und über alles brauchte. Das er einfach nicht ohne sie leben konnte. Sie würde ihm verzeihen können, ihm verzeihen müssen.
    Trenne dich nie von deinen Traeumen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, doch aufgehoert haben zu leben...



  5. #5
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    Sorry

    Sorry, wollte dich net beleidigen oder so, weißt schon: dass ich dachte,dass du männl. bist...
    Dankeschön für den zweiten Teil *snif*soo schön traurig *snif*

    Greece
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    -Antoine de Saint-Exupéry-

  6. #6
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    macht ja nischt
    schön das sie dir gefällt..
    magst du dann auch den 3ten teil lesen??
    hab ihn fertig..
    und dies ist dann auch der letzte teil..



    Sie stand immer noch auf dem Balkon, als er die Straße erreichte, n der sie wohnte, Unschlüssig blieb er an der Ecke stehen und wich etwas in die Dunkelheit zurück, als er sah, das sie auf dem Balkon stand. Würde er den Mut haben ihr in die Augen zu sehen? Würde er überhaupt einen Ton sagen können? Er hatte plötzlich das Gefühl das sie ihn ansah und lächelte, doch das konnte nicht sein. Er stand in einer Dunklen Nische und war noch zu weit weg, doch der Gedanke an ihr süßes Lächeln nahm ihm den letzten Zweifel, er hatte nichts zu verlieren, er mußte es jetzt tun, er würde ihr sagen, wie sehr er sie liebte.



    In Gedanken lief er auf die Straße, auf ihre Wohnung zu, dachte an ihre Liebe, und hörte das Auto nicht, das mit viel zu höher Geschwindigkeit auf ihn zugerast kam. Als er spürte das er sie ansah, blieb er stehen, mitten auf der Straße. Fast direkt vor ihrem Balkon. Er sah, das sie ihm etwas zurief. Er würde wohl nie erfahren was es wahr. Das Auto bremste, doch auch das hörte er nicht, vielleicht hätte er es gehört, aber da die Straßen völlig naß waren, war das Bremsen nur ein undefinierbares Rauschen. Er sah, das sie ihm zuwinkte. Zu spät erkannte er, daß es kein Winken, sondern eine Warnung war. Er hörte sie schreien, dann husten, sah wie sie ihre Hände vor die Augen schlug, und spürte einen harten Stoß in der Kniekehle, spürte wie sein Kopf hart auf den Boden aufschlug.



    Und dann sah er den Mond. Der wurde immer größer und größer. Er lächelte ihm zu. Der Mond lächelte zurück, winkte, winkte, stieg in ein Taxi ein und fuhr davon. Dann wurde die Nacht wieder schwarz. Das letzt was er spürte war eine warme, vertraute Hand auf seinem Gesicht. Und ein flüstern, nur drei Worte. Dann umgab ihn die völlige Finsternis.



    so das war sie..
    ich hoffe sie gefällt dir!
    Bea
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  7. #7
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    Wink

    Dankeschön: Ja hat mir gefallen, auch wenn man oft bei solchen Geschichten auf ein Happy End hofft (daher find' ich sie auch so gut - wißt schon so relativ unverhershebar).
    *greife zum Taschentuch snif*
    Weiter so, ja (bitte!*g*)

    Greece
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  8. #8
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    ...gott...ich find die geschichte sooooo schön...und traurig...das wollt ich nur mal sagen...
    Lieben Gruß,
    violett

  9. #9
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    danke greece und voilett..
    ich freue mich das sie euch gefällt..
    mal sehn ob ihc noch eine schreibe.. =)
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  10. #10
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    hi bea
    finde deine geschichte einafch toll
    hoffe es sind noch mehr dazu gekommen
    werd mal suchen
    liebe grüße alexa
    ps: wirklich ganz toll gefällt mir sehr....
    Die neusten: Zerträumte Illusionen - Fremdes Selberfinden

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