Thema: bittersüße

  1. #1
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    bittersüße

    Tropfend fällt Erinnerung
    in die Leere dieser Tage,
    doch wo ist Verbitterung,
    stell ich mir die gramvoll' Frage.

    Müsst' ich nicht betroffen sein,
    Schmerz und Seelennot verspüren?
    Würde mich das nicht befrei'n,
    aus der Apathie mich führen?

    Doch ich fühl' im Augenblick,
    vornehmlich wenn alle lachen,
    nur ein' leichten Seelenzwick -
    wünscht', er würd' mich menschlich machen...

    Don Carvalho

    [Geändert durch Don Carvalho am 10-01-2005 um 11:29]

  2. #2
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    Hallo Christian,

    vielleicht habe ich es mit Elisionen und Kontraktionen ein wenig übertrieben, wobei ich die meisten gesprochen als natürlich empfinde. Allenfalls das gramvoll', wünscht' und ein' sind womöglich für diesen ungelenken Eindruck bei Dir verantwortlich. Zunächst wollte ich die These aufstellen, Dir wäre das nicht so aufgefallen, hätte ich die Apostrophe weggelassen, allerdings hast Du auch das stell' entdeckt, ein Rechtschreibfehler meinerseits und die Nr. 8 . Insofern schweige ich stille...

    Hinsichtlich des Seelenzwick stimme ich Dir bei, irgendwie wirkt es für mich auch ein wenig wie ein Fremdkörper. Es passte inhaltlich wie formal so gut, dass ich diese gefühlte Warnung ignorierte. Dein Hinweis, dass Du humoristische Assoziationen hast, bestärken insofern meine Befürchtungen. Womöglich bekomme ich noch eine andere Eingebung, augenblicklich bin ich diesbezüglich zu nichts Überzeugendem in der Lage.

    Schön, dass es Dir trotzdem alles in allem gefällt, hab' () Dank auch für Deine Kritik,


  3. #3
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    Hallo muh-q wahn,

    vielleicht hast Du Recht und ich sollte zukünftig darauf verzichten, Auslassungen zu kennzeichnen. Da ich jedoch von Natur aus ein Rechtschreiber () bin, fällt mir derartiges sehr schwer. Unabhängig davon hat, wie ich ja bereits schrieb, Chris auch die (versehentlich) nicht mit Apostroph gekennzeichneten Teile entdeckte. Seis drum .

    Str3/Z3 hat mir in der Tat Schwierigkeiten bereitet. "Nur 'nen" war zwar wie Du richtig vermutet hast, ebenfalls eine Option, aber mir zumindest hinsichtlich des Restgedichtes eben zu umgangssprachlich. Andere Konstruktionen gefielen mir zwar sprachlich besser (z.B. nur noch leichten Seelenzwick u.a.), änderten den Inhalt jedoch jeweils um kleine Nuancen - und ich wollte doch es genau so!

    Deine Interpretation meiner Zeilen ist konsequent und logisch. Dieser Aspekt in meinem Gedicht war übrigens nicht meine Intention, als ich es zu schreiben begann, sondern floss angesichts der aktuellen Geschehnisse mit hinein (Anlass war ein persönlicher Verlust, was jedoch natürlich niemand wissen kann und für die Interpretation des Gedichtes eh unerheblich ist). Als ich meine Arbeit beendete, wurde mir selbst erst bewusst, wie weit die Flutkatastrophe zumindest emotional geschwappt war. Aber mir geschieht das desöfteren, dass mich ein Gedicht beim Schreiben woanders hinträgt, als eigentlich geplant bzw. vorüberlegt. Meist sind dies meine gefühlvolleren...

    Es freut mich, dass Du Dich mit dem Seelenzwick angefreundet hast, ich bin mir nach wie vor nicht recht sicher. Es ist aber unwahrscheinlich, dass sich mir in nächster Zeit eine Alternative aufdrängt, die ich hier präsentieren könnte. Deine Schwierigkeiten mit dem "vornehmlich" erstaunen mich, der Autor selbst kann die Leseschwierigkeiten anderer aber meist eh nicht verstehen (er weiß ja, wies gesprochen wird). Aber natürlich hast Du recht - vornehmlich wird eigentlich nur auf der ersten Silbe betont. Aber Du hast dies ja gar nicht wirklich problematisiert, darum will ich jetzt auch schweigen.

    Ich danke Dir sehr für Deine Kritik, vielmehr noch freut es mich, dass Dir meine Zeilen gefallen haben.



    P.S.:
    Ansonsten stört mich nichts, im Gegenteil. Das ist bei diesem Autor aber auch kein Wunder.
    Aber muh-q wahn, das ist mir ja richtig peinlich. Vielleicht nehm ich es in meine Signatur...

  4. #4
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    ?

    Es ist (noch) nicht nötig hier irgendwas zu löschen, denn Euer Disput basiert schließlich letztlich auf meinen Zeilen.

    Ich würde mich gern noch die Tage dazu äußern, doch bin ich jetzt weder physisch noch psychisch in einer angemessenen Verfassung (einfach eine gewisse Ermüdung steht im Vordergrund, keine Sorge).

    Wünsche noch eine süße Ruh',


  5. #5
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    Hallo noch mal, muh-q wahn,

    jetzt bin ich zu spät und nicht Du hast Deine Posts gelöscht, sondern Mathieu...

    An die genaue Argumentation Mathieus kann ich mich nicht mehr erinnern, ich hatte jedoch eigentlich das Gefühl gehabt, als würde sie Deinen Ansichten nicht so sehr widersprechen, wie es anhand seines Vortrages den Anschein hatte.

    Aber das hat sich nun eh erübrigt. Auf jeden Fall hast Du recht, dass sich die asiatische Flutkatastrophe beim Lesen aufdrängt - wie ich auch schon äußerte, hat diese sich mir ja auch letztlich beim Schreiben aufgedrängt. Aber, und auch da hast Du recht, liest man dieses Gedicht in einigen Jahren, wird man vermutlich eine andersgeartete Katastrophe vor Augen haben. Und - Zustimmung die dritte - meine Intetion ist irrelevant.

    Hab nochmal Dank für Deine Ausführungen, ich empfinde es grundsätzlich durchaus als Ehre, wenn man hinsichtlich der Auslegung (bzw. der Herangehensweise) an eines meiner Gedichte unterschiedliche Positionen diskutiert.

    Entschuldige noch einmal die späte Antwort, in den letzten Tage habe ich stets nur kurze Stippvisiten auf dieser Seite gemacht.



    @ Mathieu: Du hättest Deine Posts ruhig stehen lassen können. Man kann seine Meinung ja auch ändern. Oder beibehalten und die Diskussion abbrechen. Löschen aber (sofern keine Polemik enthalten) finde ich stets schade...

  6. #6
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    Hallo.

    Q hatte angekündigt seine zu löschen. Meine Reaktion kam nur seiner Ankündigung zuvor.

    Meine Frage bezog sich auf die Zeit,- besser auf den "Zauberlehrling", der ein(ig)e Eigenschaft(en) des Menschen aufwirft, die einfach zeitlos ist/sind.

    Hast du mit deinem Werk nicht etwas Ähnliches getan? Abgesehen von der Naturkatastrophe, die dann austauschbar (in der Zeit) erscheint?



    LG
    Mathieu
    Jean-Paul Sartre:

    "Sonntagsschriftsteller: Kleinbürger, die jährlich eine Novelle oder fünf, sechs Gedichte schrieben, um ihrem Leben bißchen was Ideales zu geben. Aus Gesundheitsgründen."

    Verwarnungen: 14.01.2005
    Fadenschliesssung durch JesusMod: 18.01.2005

  7. #7
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    Hallo Mathieu,

    schön, dass Du Dich noch einmal gemeldet hast. Da hast Du nicht unrecht, mein Ziel war es zumindest nicht, ein Tsunamigedicht zu schreiben, sondern eines, was die Unfähigkeit des Menschen behandelt, auf Ereignisse angemessen zu reagieren - mit Trauer, Hilfsbereitschaft oder gar Ignoranz (dann aber richtig, was letztlich dann aber doch scheitert an dem Rest der noch vorhandenen Menschlichkeit... oder der Hoffnung darauf?).

    Mir persönlich war jedoch auch klar, dass dieses Gedicht im Lichte der Katastrophe in Asien in diesem betimmten Licht gesehen werden kann - und habe bereits oben schon geäußert, dass genau diese Situation in erheblichem Maße meine Zeilen geprägt haben. Insofern ist diese Sichtweise nicht nur gerechtfertigt, sondern zudem absolut treffend. Aber auch muh-q wahn hat ja ohne Zweifel erkannt, dass mein Gedicht nicht auf diese eine spezielle Situation beschränkt werden muss.



    P.S.: Ich habe übrigens zunächst gezögert, meine Zeilen jetzt hier hinein zu stellen, da ich fürchtete, man würde es nur als weiteres asiatisches Betroffenheitsgedicht werten. Schön, dass alle Beteiligten mehr darin sehen konnten. Danke auch dafür.






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