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Thema: Die Schlange

  1. #1
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    Die Schlange


    Die süße Frucht vom Baume der Erkenntnis pflückend,
    erkennt die nackte Eva sich und ihre Welt.
    Sie sieht, dass das Erstehen das Vergehen hält,
    dass reine Blumen welken; grausam und bedrückend.

    Da überkommt sie Furcht, den Garten zu verlassen
    und als ihr nackter Gatte, Adam, vor sie tritt,
    da reißt sie ihn an sich und weint und er weint mit,
    und beide können ihrer Nähe Glück nicht fassen.

    Ich, die Schlange war es, die das Kind verführte,
    so dass sie Lasten, Leid und Liebe in sich spürte.

    Ich half dem Mädchen damals, sie half ihrem Mann,
    die ganze Fülle dieser Welt bewusst zu sehen
    und für die Träume, für die Taten einzustehen.
    Die Schuld trag ich, ihr werdet's danken - irgendwann.


    © LeVampyre | XXI, Jan. 2005

    Dieser Text kann als mp3 auf meiner Homepage angehört werden.
    Bitte beachtet auch die besonderen Lizenzbestimmungen an meinen kreativen Werken!
    Eine Liste meiner bei Gedichte.com veröffentlichten Texte gibt es u.a. in meinem Sammelfaden.
    Geändert von levampyre (19.03.2006 um 23:25 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Vamp,

    endlich traue auch ich mich einmal, einen Kommentar zu einem Deiner Werke abzugeben. Lyrisch spielst Du natürlich in einer ganz anderen Liga als ich kleiner Karnevalsdichter, deshalb versuche ich gar nicht erst, mich an der Form zu ergehen - da gibt es berufenere.

    Inhaltlich sind mir eine Kleinigkeit aufgefallen:

    Müsste es in S1Z3 nicht "Entstehen" statt "Erstehen" heißen? Erstehen verbinde ich mit Handel und den gab es damals bekanntlich noch nicht.

    Ich bin überrascht, von Dir ein, für Deine Verhältnisse, so einfach gestricktes Gedicht vorzufinden. Für meine Begriffe, und dem Thema entsprechend, fast schon zu schlicht und, verglichen mit anderen Beiträgen von Dir, ziemlich farblos.

    Herzlichst,
    A.N.


    Wat dem einen sin Uhl is dem annern sin Nachtigall

    "If celebrities didn't want people pawing through their garbage and saying they're gay, they shouldn't have tried to express themselves creatively" (Homer Simpson)

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  3. #3
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    Hallo Antaques Neas,

    das "Erstehen" benutze ich bewußt, weil es, durch die Nähe zu "Auferstehen", für mich sehr viel voller klingt. Es bestimmt, eher als "Entstehen", eine Bewegungsrichtung im Raum und mutet mir daher viel bildhafter, fülliger und prachvoller an.

    Daß du den Text ansonsten farblos empfindest, finde ich natürlich schade, denn ich habe nicht weniger Arbeit hineingesteckt, als in andere Gedichte und frablos sollte er gewiß nicht daherkommen.

    Die Einfachheit, mit der "Die Schlange" spielt, ist aber sicher nicht von der Hand zu weisen. Dennoch würde den Text nicht als schilcht bezeichnen. Vielleicht kannst du noch genauer ausführen, worin für dich das "Schlichte" liegt?

    LG
    vamp
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  4. #4
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    Ach so, ps.

    Hallo Vamp, endlich traue auch ich mich einmal, einen Kommentar zu einem Deiner Werke abzugeben.
    Meine Güte, ich bin doch kein Tyrann, der dich niederstreckt, wenn du es wagst, in seine Nähe zu treten oder gar etwas Schlechtes über ihn zu sagen.
    --LeV

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  5. #5
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    Ursprünglich eingetragen von levampyre
    Die Einfachheit, mit der "Die Schlange" spielt, ist aber sicher nicht von der Hand zu weisen.
    Genau das meinte ich mit schlicht. Es ist auch nur im Vergleich zu Deinen anderen Werken zu sehen, bei denen man sich durch unkonventionelle Strukturen und kryptische Wortgebilde arbeiten muss um an den Kern des Gedichts zu gelangen. Hier präsentierst Du dem Leser alles direkt auf dem Silbertablett und das hätte ich einfach nicht von Dir erwartet.

    In der Ausführung wirkt das Gedicht auf mich eher kühl. Du arbeitest mit sehr wenigen Bildern und die Metrik vermittelt ebenfalls ein sehr kaltes Gefühl.
    Leider fehlt mir das entsprechende Fachvokabular, um das anhand von Fakten zu belegen, es ist einfach mein subjektiver Eindruck. Technisch ist es sicher einwandfrei.

    Daher habe ich mich bisher auch nie an Diskussionen über Deine Gedichte beteiligt, weil diese immer auf einem Niveau stattfinden, bei dem ich mir sehr klein vorkomme.

    Schade finde ich auch, dass Du diesem doch schon sehr abgegriffenen Thema nichts wirklich neues hinzuzufügen hast. Der Sündenfall bietet viele Interpretationsmöglichkeiten, aber die vermisse ich bei Deinem Gedicht.
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  6. #6
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    Aha, Antaques Neas, da kommen wir des Pudels Kern doch schon näher.
    ursprünglich eingetragen von Antaques Neas
    Hier präsentierst Du dem Leser alles direkt auf dem Silbertablett [...]. Schade finde ich auch, dass Du diesem doch schon sehr abgegriffenen Thema nichts wirklich neues hinzuzufügen hast. Der Sündenfall bietet viele Interpretationsmöglichkeiten, aber die vermisse ich bei Deinem Gedicht.
    Okay, dann wollen wir doch mal sehen, ob es so ist, wie du sagst. Wir machen das ein bisschen gemeinsam, damit du dich nicht "klein" fühlen mußt.

    Drei kurze Fragen an dich:
    Wie werden Adam + Eva dargestellt?
    Wie erleben sie den Sündenfall?
    Was denkt die Schlange darüber?


    LG
    vamp


    ps.@q: Danke für die Blumen.
    --LeV

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  7. #7
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    Oje, jetzt werde ich auch noch abgeprüft

    Na gut...

    wie werden sie dargestellt...

    nackt (wie denn auch sonst)

    Wie erleben sie den Sündenfall?

    da würde ich mal sagen, dass sie sich fürchten vor dem, was sie erwartet, in einer Welt, von deren Existenz sie bis eben noch keine Ahnung hatten. Gleichzeitig entdecken sie die körperliche Liebe (ein Umstand, den die Bibel ausgelassen hat, außer dass sie anmerkt, dass sie sich ihrer Nacktheit bewusst werden und sich schämen).

    Was denkt die Schlange darüber?

    Sie glaubt, dass sie ihnen damit einen Gefallen getan hat.

    Wenn man die Geschichte aber weiter ließt, erfährt man, dass sie im Paradies besser dran waren. Wenn jemand davon profitiert hat, dann die Menschheit als solche, die es andernfalls nicht gegeben hätte.

    Überhaupt finde ich diese Bibelgeschichte als kläglichen Versuch zu erklären, warum es uns gibt. Die Schlange wurde ja als Verführer herangezogen, weil sie keine Beine hat, die ihr als Strafe für ihre Tat genommen wurden.

    Adam und Eva erkannten, dass es draußen in der Welt ungeahnte Möglichkeiten für sie gibt. OK, aber in ihrem goldenen Käfig ging es ihnen gut und da sie nicht wussten, dass noch mehr gibt, waren sie glücklich mit dem, was sie hatten.
    Da fallen mir spontan die Naturvölker ein, die ebenfalls über Tausende von Jahren zufrieden lebten, bis die Europäer kamen und ihnen zeigten, was sie alles haben und ihnen eintrichterten, dass sie ohne das nicht sein könnten. Somit wurden Bedürfnisse geweckt, die sie nicht befriedigen können. Ihr Paradies liegt nun in Scherben, weil ihnen jemand anderes das seine gezeigt hat.

    So gesehen sind die Buschmänner Adam und Eva und die Missionare die Schlange. In dem Fall glaube ich nicht, dass es jemand der Schlange danken wird.
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  8. #8
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    Cool

    Irgendwie wollen sich mir die den einzelnen Zeilen des Gedichts innewohnenden Thesen logisch nicht erschließen:

    Eva wurde verführt, um Lasten, Leid und Liebe in sich zu spüren. Die Verführung wiederum bestand im Pflücken der süßen Frucht vom Baume der Erkenntnis. Was hat nun das eine mit dem anderen zu tun? Kann man nur lieben und leiden, wenn man erkennt? Können Tiere nicht lieben und leiden? Wohl kaum.

  9. #9
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    Cool

    Irgendwie wollen sich mir die den einzelnen Zeilen des Gedichts innewohnenden Thesen logisch nicht erschließen:

    Eva wurde verführt, um Lasten, Leid und Liebe in sich zu spüren. Die Verführung wiederum bestand im Pflücken der süßen Frucht vom Baume der Erkenntnis. Was hat nun das eine mit dem anderen zu tun? Kann man nur lieben und leiden, wenn man erkennt? Können Tiere nicht lieben und leiden? Wohl kaum.

  10. #10
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    Ich weiß nicht, wie oft ich das Gedicht jetzt las. Nur langsam will ich mich daran gewöhnen. Eine Mauer gibt es, die ich immer noch nicht so recht zu überspringen wage. Diese Mauer heißt Lilith. Wo ist Lilith? Plötzlich doch Eva, nicht die Schlange, welche allen Grund haben müßte, Adam zu hassen. Und nicht nur Adam.
    Nein, deine Schlange kennt keinen Grund ihnen "in die Ferse zu stechen". Sie hofft auf den Tag , an dem der Mensch ihr dankt. IHR, die wohl als erstes vom Baume der Erkenntnis aß, andernfalls hätte sie wohl kaum wissen können, was Eva erwarten würde.
    "Doch das Tier war des Menschen Untertan". An der Stelle beginnt jener Widerspruch, den weder dein Gedicht, noch die christliche Bibel erklären können. Schlangen fressen keine Früchte. Tiere können keine von Gottes Plan abweichende Entscheidung fällen.
    Im Judentum gibt es auf diesen Widerspruch eine Antwort. Diese Antwort heißt: Lilith. Da erübrigt sich auch, Eva in den Stand der emanzipierten, gleichwertigen Frau zu erheben. Sie kann die Frau bleiben, die es leider heute noch zu Hauf gibt. Diese andere Frau gibt es, und so sehr die Bibel sie auch verschmäht, in einem Gedicht kann sie zur glorreichen Heldin stilisiert werden, ähnlich wie Baudelaire "Kains Stamm" auf den Thron Gottes hob. Ja, den Einfluß Baudelaires (mir war, als hätte ich den Namen Lilith auch bei ihm gelesen, finde ihn jetzt aber nicht) erkennt man, was wohl das bleiben wird, woran ich mich am meisten gewöhne.
    Vielleicht gehe ich an dieser Thematik zu religiös heran, vielleicht bin ich aber auch zu sehr der areligiöse Analytiker, der sich an den Widersprüchen religiöser Symboliken zu gerne aufküpft, als tiefer in sie einzutauchen.

    Zur Form:

    Brauche ich, so glaube ich, nicht viel zu sagen. Das "Vergehen" und das "Erstehen" in S1Z3 würde ich tauschen, gibt es dem darauffolgenden Satz (welcher nicht ohne Grund 5 statt 6-hebig ist?) eine meiner Meinung tiefere Schärfe. Der Sprung in den Tröchäus S3Z1 ist schön gewählt, erhält doch das "ICH" der Schlange eine besondere Gewichtung.
    Gerne hätte ich dem Gedicht mehr abgerungen.



    @Antaques Neas: Und Du bist dir sicher, daß Du lieber im Garten Eden geblieben wärst, hättest Du die Wahl gehabt? Ich hoffe, Du interpretierest die Frage jetzt nicht falsch, aber trotz der Schmerzen, die daran gebunden sein mögen, hätte ich die Erkenntnis gewählt.
    Dem Vergleich, den Du machst, kann ich so nichts abgewöhnen, hatten doch die "Buschmänner" Kraft ihrer Erkenntnisse ihre Kulturen erst gründen können. Auch sie waren dem Prozess von Fressen und Gefressen werden ausgeliefert. Die Idyllen, von denen einige Seefahrer schrieben (gerade was die Südsee betrifft), waren oft nur romantische Verglitterungen, von denen die Leser in Europa träumen wollten. Die Weltumsegler brauchten das Geld aus dem Erlös ihrer Bücher für neue Reisen.
    Daß Adam und Eva ohne die Erkenntnis wirklich wußten, in welchem Paradies sie leben, bezweifle ich. Und wer kann sein Paradies als Paradies genießen, wenn er keine Ahnung hat, was Hölle Welt ist und was Hölle Welt bedeutet? Und die normale Welt ist bestimmt nicht nur eine biblische Hölle.


    Es grüßt von der anderen Seite

    das Positron



    wer deutsche versbrecher findet, darf sie behalten
    oder: warum mein rechtschreibprogramm dem genitiv sein toast iszt...

    "Ein Lyriker, der glaubt, unabhängige Kunst zu schaffen, ist ein Narr, aber ein Mensch, der nicht fähig ist, seine Erfahrungen auf ein anderes Niveau zu abstrahieren, ist kein Künstler."

  11. #11
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    Hallo Positron,

    ich denke schon, dass Adam und Eva im Paradies glücklicher gewesen wären, denn schließlich wussten sie bis zum Sündenfall nicht, dass sie im Paradies lebten. Es war für sie der Normalzustand.
    Es ist schon richtig, dass man das Pardies erst dann richtig schätzen kann, wenn man weiß, dass es draußen härter zu geht. Aber dieses ist ein fatales Pradoxon, denn sobald sie das Paradies erkannten, wurde es ihnen verwehrt.

    Was wäre also erstrebenswerter? In glücklicher Unwissenheit oder unglücklicher Erkenntnis leben?
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  12. #12
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    @Antaques Neas: Mir war schon klar, dass Du auf dieses Paradoxon hinweisen willst. Stimmt schließlich auch. Deswegen habe ich geschrieben, dass "die normale Welt bestimmt nicht nur eine biblische Hölle" ist. Die Aussage trifft im Übrigen auch das Gedicht, was, wenn ich deine Worte richtig interpretiere, Du auch schon festgestellt hast. Folglich:
    Erstrebenswert ist für mich die "unglückliche Erkenntnis" meines Glücks, dass ich haben kann, statt mich sinnlos an idealisierten Zuständen wie dem Paradies zu klammern, von denen ich nichts habe. Und das ich vom Paradies nichts habe, hast Du mir bestätigen können. Letzten Endes wird diese Frage jeder für sich selbst klären müssen. Lustig (oder traurig?) finde ich nur, dass mir jemand bei .com nachsagte, ich hätte eine "düstere Weltsicht". Diese Frucht möchte ich gerne an Dich weiterreichen.


    @Levampyre: Ich bin jetzt gegen jedes böse Wort, das von dir kommen mag, gewappnet.
    Lilith >die Nächtliche, Nachtgespenst: Ihren Namen selbst fand ich denn doch nicht. Aber in meiner jungen, dummen Unwissenheit gab es Gedichte, in die ich sie hinein interpretieren könnte. Gerade wenn es heißt die Nächtliche, Nachtgespenst, Sukkubus oder Dämon/in (Dank meiner grandiosen Französischkenntnisse, habe ich leider nur eine deutsche Ausgabe). Besonders "Sed non satiata" hat es mir diesbezüglich angetan: "... Die Wohl ein Wüsten-Faust, ein Geist erschaffen hat/ Hexe aus Ebenholz, Kind schwarzer Mitternächte". Kann aber auch sehr gut eine desaströse Fehlinterpretation sein.

    Interessant fand ich, dass man Dir mit Schwert und Gift nichts anhaben kann (Daher also der männliche Artikel?), folglich verlasse ich mich gerade doch auf Großmütterchens Knoblauchrezepte, während ich diese Zeilen schreibe.

    Es grüßt von der anderen Seite

    das Positron


    PS: Zur Deutlichmachung: Das Zitat ist aus Charles Baudelaires - Die Blumen des Bösen. Im Zusammenhang dürfte man das erkannt haben.
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  13. #13
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    Um an dieser Stelle mal Bernd das Brot zu zitieren (was längst überfällig ist) und meinem neuen Ruf als DotCom-User mit der düstersten Weltanschauung gerecht zu werden:

    Ein kluger Mann hat mal gesagt: Die Hölle, das sind die anderen. Er hatte Recht. Mein Leben ist die Hölle (aus der Neujahrsansprache von Bernd das Brot)
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  14. #14
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    hallo vampyre!

    Folgendes ist mein hirngespinst: die schlange als rechtfertigung für alles gute und böse. Eine Krücke, die man benutzen kann, um sich seiner verantwortung zu entledigen. Die schlange ist ständiger begleiter des irdischen lebens.
    Sozialkritik schön verpackt.

    Liebe grüsse
    enfant
    Gegner bedürfen einander oft mehr als Freunde, denn ohne Wind gehen keine Mühlen (Hesse).

  15. #15
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    @Antaques Neas:
    Oje, jetzt werde ich auch noch abgeprüft
    Na ja, eigentlich will ich nicht dich abprüfen, sondern dich dazu ermuntern, deine Interpretation am Text abzuprüfen.

    Du sagst, Adam und Eva werden nackt dargestellt. Nun, daß sie nackt sind, wird auch in der Bibel gesagt, aber das hier ist nicht die Bibel, sondern ein Gedicht. Was könnte es also bedeuten, daß der Text so explizit auf ihre Nacktheit hinweit. Das hätte er sich doch eigentlich sparen können, der jeder weiß ja, daß Adam und Eva nackt waren.
    [...] einer Welt, von deren Existenz sie bis eben noch keine Ahnung hatten
    Das heißt, sie waren vorher ahnungslos und jetzt haben sie Ahnung. Wie verhalten sie sich nun mit dieser Ahnung?

    Die Schlange ist das lyr. Ich. Wir hören hier ihre Version der Geschichte. Wir hören von ihr, was mit Eva und Adam nach der Verführung passiert. Warum glaubt sie wohl, daß man es ihr danken wird, die beiden verführt zu haben?


    @Aristide:
    Kann man nur lieben und leiden, wenn man erkennt?
    Das ist die Frage? Viel Spaß beim Nachdenken und Philosophieren!


    Positron:
    Zunächst danke ich dir für den Hinweis auf Q1V4. Da ist mir bei dem Rumgestalte tatsächlich eine Hebung abhanden gekommen. Wie schlampig von mir. Das fehlende Wort ist ergänzt.
    Der Trochäus in T1V1 hingegen ist völlig beabsichtig. Freut mich, daß er dir aufgefallen ist.

    Dein erster Kommentar hängt noch sehr an der "Urgeschichte" fest. Ebenso erging es damals Ahsil, als er versuchte, mein "Auf Kurs" auszulegen und nicht alle Elemente direkt auf die homerische Odysse übertragen konnte. Natürlich konnte er das nicht, denn ich bin ja nicht Homer und "Auf Kurs" ist nicht die Odysee. Ebenso ist "Die Schlange" nicht die Bibelgeschichte. Dahingehend wird es also sicherlich unklärbare Widersprüche zwischen den beiden Texten geben. Aber wie ich schon weiter oben sagte, wir hören hier die Version der Schlange und wir hören darüber hinaus eine Version der Schlange, die ich der Schlange in den Mund gelegt habe.

    Deine Anspielung auf den Baudelairschen Vampir hatte mich dann zunächst doch erstmal stutzig gemacht. Warum? Lies dir mal diesen Text von mir durch. (Kleine Überraschung!)


    @Antaques + Positron:
    Eure wirklich sehr spannende Diskussion will ich nicht stören. Dazumal sie ja unter einem Text entsteht, der sich in der Rubrik "Nachdenkliches + Philosophisches" und nicht etwa unter "Religiöses + Spirituelles" befindet. Daher auch euch viel Spaß beim Nachdenken und Philosophieren!


    LG
    vamp
    --LeV

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