Sie dreht sich um, doch da ist nichts. Ihr alter Freund-verschwunden.Vor ihr die unendliche Weite der Zukunft, hinter ihr-Vergangenheit.Wo ist er? Sie steht auf der Straße des Lebens- ihres Lebnes. Weiß nicht, ob sie vorwärts gehen soll oder doch nicht.Ohne ihn, dem den sie damals so vieles anvertraut hatte, dem der sie verstand, ihre Zukunft beschreiten? So ganz allein?
Wo ist er nur-ihr alter guter Freund?
Da stehe ich: Mitten im Nirgendwo, auf irgend so einer Landstraße. Die Bäume rechts und links von mir sind kahl. Der Winter hat sie ihrer blätter beraubt und trotzdem strahlen sie noch immer eine gewisse Schönheit aus. Manche Äste sind mit Frost bedeckt. Scheint als würden sie winzige Kristalle schmücken. Andere Äste sind bereits am ächzen unter der schweren Last des Schnees, den sie unfreiwillig zu tragen haben. Der kleine Bach, der neben diesem Weg rechts entlang fließt, ist durch die Kälte zum Stillstand gekommen. Nicht mehr flüssig, sondern fest-gefroren.
Ich verlasse die schneebedeckte Straße, gehe auf den Graben zu, indem der Bach gebettet liegt.
Wenn man genauer hinsieht kann man an ein paar Stellen kleine Rizze im Eis erkennen. Wahrscheinlich haben die Waldfeen sich auch einmal eine kleine Auszeit gegönnt-waren Schlittschuh laufen. Ganz deutlich sind die Piouretten, die sie gedreht haben, an der gefrorenen Oberfläche -in Form von Kratzern- zu sehen.
Ja, ja, die guten, alten Waldfeen. Wie haben sie mir damals geholfen, als mein Herz gebrochen wurde. Sie sammelten die Scherben auf, jede noch so winzige, und trugen sie auf ihren zierlichen Rücken durch die Lüfte. Ihre zerbrechlichen Flügel kämpften gegen den Sturm der Verzweiflung an, kaum hatten sie mein Zimmer verlassen. Und das alles nur, um die Stücke meines Herzens an einen sicheren Ort zu bringen, wo sie alleswiedr zusammen fügten und es heilen ließen.
Ich richte mich auf, gehe Richtung Landstraße, doch bevor ich mich wieder der Frage stellen werde, ob ich nun einfach weiter dem Weg folgen soll oder nicht, blicke ich noch einmal zurück.,Danke',flüstere ich leise. ,Aber was nun?'Ich drehe mich im Kreis, suche die Umgebung mit meinen Augen ab, aber dort ist nichts. Keine Spur von ihm.
Bis zur nächsten Kreuzung in der Zukunft ist es nicht mehr weit. Dort sind wenigstens wieder kleine Dörfer, also Übernachtungsmöglichkeiten. Schließlich wird es allmählich Abend-nicht mehr lange ich stehe mitten in der Dunkelheit.Jedoch bis zur letzten Gabelung ist es auch nicht viel weiter. In dieser Gegend sind zwar keine häuser, doch dafür beleuchten Straßenlaternen den Weg.Kann doch sein, dass er bei der letzten Kreuzung einfach nur falsch abgebogen ist, nicht hingesehen hat, wo er lang geht?!
Der Tag neigt sich immer mehr dem Ende zu, die untergehende Sonne taucht ihre Umgebung in dunkles orange-rot. Die Wolken sindrosa gefärbt, jedoch nur die, welche sich in unmittelbarer Nähe der Sonne befinden. Die restlichen werden von lila an immer dunkler.
Ich zittere, mir ist kalt. Ich müsste mich wieder bewegen,doch dafür ist eine Entscheidung fällig. Ich mache einen Schritt vorwärts, aber weiter komme ich nicht-ich kann nicht. Ich mache auf dem absatz kehrt und renne in die Richtung aus der ich gekommen war.Im Schnee sind nur meine Schuhabdrücke zu erkennen. Kein Anzeichen, dass er ebenfalls hier gewesen ist.
Endlich - der Anfang der Landstraße ist erreicht. Doch egal in welche Richtung ich auch blicke, gleich ob links oder rechts, ich kann nichts erkennen. Die Wege liegen in der Dunkelheit verborgen.Ich muss wohl so sehr in den Gedanken vertieft gewesen sein, so schnell wie möglich hier her zu kommen, dass ich nicht mitbekommen habe, wie die Nacht ihren schützenden, tiefblauen Mantel über die Welt gelegt hat.Hier und da funkeln ein paar wenige Gestalten am Horizont auf. aber die Sterne spenden nicht genügend Licht,um etwas erkennen zu lassen.Der Mond wird von dicken, dunklen Wolken verdeckt. Warum sind die Straßenlaternen noch nicht an?
Erschöpft lasse ich mich auf einem großen Stein nieder, der sich direkt am Straßenrand, dort wo alle drei wege aufeinander treffen,befindet.Das dieser nicht von Schnee bedeckt ist, liegt an dem hochgewachsenen Baum, der direkt hinter ihm steht. Seine Äste ragen schützend über ihm und haben den herabfallenden Schnee aufgefangen. Ich versuche mir vorzustellen, wie dieser Platz wohl im Frühling aussehen mag. Auch wenn der Schnee dann geschmolzen wäre, könnte ich durch die Äste des Baumes noch immer den Himmel nicht richtig sehen. Denn dieses Mal würde mir das Dichte Laub die Sicht versperren.Der Stein,auf dem ich sitze, wäre von der Sonne mit Wärme aufgetankt worden. Vögel würden beim Nestbau fröhlich ihre Lieder zwitschern,Blumen würden blühen und ich bräuchte nicht auf das künstliche Nachtlicht warten.Weil es dann um diese Uhrzeit bestimmt noch nicht so dunkel wäe.Kaum habe ich diesen Gedanken zu Ende gedacht, blendet meine augen ein grelles Licht.Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ziemlich direkt neben mir eine Straßenlaterne steht.Ich schaue nach links, der Weg,den ich damals nicht gehen wollte,ist nun endlich beleuchtet. Doch dort sind keine Spuren im Schnee, also ist er hier nicht falsch abgebogen.Er muss irgendwo weiter vorne auf dem rechten Pfad sein.Soll ich wirklich wieder soweit zurück?Jetzt, wo ich doch endlich all die Hürden dieses Weges überstanden habe?
Sie tritt in ihre Fußstapfen, geht tatsächlich den Pfad ihrer Vergangenheit.
Nun bin ich so wieso schon viel zu weit von den Dörfern entfernt,da macht das wenig auch nichts mehr aus. Dazu kommt, das auf dr Landstraße keine Straßenlaternen sind.Nicht dass ich Angst vor der Dunkelheit habe, es ist wohl mehr die Furcht davor, sich eingestehen zu müssen, dass ich ihn verloren habe.
Wieso hatte ich sein Fehlen eigentlich nicht früher bemerkt?Okay, wir hatten schon lange nicht mehr miteinander gesprochen, liefen nur noch schweigend mit gesenkten Köpfen nebeneinander, doch hätte ich nicht spüren müssen, dass er nicht mehr da war?
Jetzt wo ich endlich wieder eine Zukunft vor Augen habe und mich zusammen mit ihm freuen follte, mich ihn an meiner Seite wünschte, war er fort.Einfach verschwunden ohne ein Aufwiedersehen.Daher muss er irgendwo auf diesem Weg sein,er würde sich doch nie einfach so davon schleichen,oder?Sicher bin ich mir da nicht, ehrlich gesagt,kann ich nicht mit 100%-iger Überzeugung sagen,dass ich ihn wirklich kenne.In der letzten Zeit ich mich tatsächlich mehr um mich und mein Leben gekümmert,als auch nur einmal nachzufragen, wie es ihm geht.
Schuldgefühle erschweren jeden Schritt,der Weg scheint länger als zuvor.Doch dadurch,dass ich diesen pfad bereits kenne,brauche ich die hindernisse nicht mehr zu überwinden-Glück gehabt.Denn es hatte fast Ewigkeiten gedauert aus diesem Durcheinander einen Weg zu finden.Überall lagen am Anfang alte Dinge verstreut und ich hatte sie beiseite kehren müssen, bis die Straße endlich wieder frei war.Hatte er mir nicht dabei geholfen?
Aufeinmalbeginnt sie wiederzu rennen,macht große Schritte und gerät ins Stolpern.,da ist es geschehenas Mädchen liegt mit dem Gesicht im Schnee.Langsam rappelt sie sich auf, klopft das weißen Pulver von ihrer Kleidung,schüttelt es aus den Haaren und streicht es aus dem Gesicht.Sie steht mitten auf der Kreuzung.Wieder,egal in welche Richtung sie auch blickt,sieht sie entweder gar keine oder nur ihre Spuren im Schnee.Sie bricht zusammen,fällt in den Schnee und bleibt sitzen.Sie starrt in die Richtung,in der sie ihn vermutet,gehofft hatte.
Mir wird schlagartig bewußt, dass er vor sehr,sehr langer Zeit einen anderen Pfad gewählt hat.Tränen laufenüber mein Gesicht.Wieso?Weshalb hat er mir nicht aufwiedrsehen gesagt?Oder hatte er es und ich habe es überhört?
Ihre Kleidung wird nass und doch bewegt sie sich nicht.Nur die Tränen laufen und laufen unaufhaltsam weiter und weiter.Sie hat ihn verloren. Ich habe ihn verloren-meinen guten,alten Freund.




Hey Leute, bin das erste Mal hier.Also bitte nicht übel nehmen, dass die Geschichte wohl möglich zu lang geworden ist. Ich werde das mit der Zeit bestimmt noch irgendwie gepeilt kriegen,versprochen *g*. Also dann
Tschö
Greece