1. #1
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    Hallo!
    Ich brauch mal eure Hilfe. Wir müssen das Gedicht von Georg Trakel "Verklärter Herbst" interpretieren. Ich möcht jetzt keine vollständige Interpretation haben *gg
    ich komm nur mit der letzten Strophe nicht ganz klar, keine Ahnung ob ich das positiv interpretieren soll oder eher negativ. Ich kopier euch das Gedicht mal rein, vll könnt ihr mir helfen.

    Georg Trakl
    Verklärter Herbst
    Gewaltig endet so das Jahr
    Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
    Rund schweigen Wälder wunderbar
    Und sind des Einsamen Gefährten.

    Da sagt der Landmann: Es ist gut.
    Ihr Abendglocken lang und leise
    Gebt noch zum Ende frohen Mut.
    Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

    Es ist der Liebe milde Zeit.
    Im Kahn den blauen Fluß hinunter
    Wie schön sich Bild an Bildchen reiht -
    Das geht in Ruh und Schweigen unter.

    Das hab ich schon :
    Inhalt:
    1 Strophe
    - beginnt mit einen gewaltigen Eindruck des Herbstes (gewaltig)
    - berührte Natur ( Weinberge, Gärten, jeweils mit ihren Früchten)
    - unberührte Natur, die den Menschen Einsamkeit gibt

    2 Strophe
    - 1. Vers hängt mit 1. Strophe zusammen
    - von Menschen bebautes Land, Ernte wird eingefahren -> befriedigende Aussage des Bauerns „Es ist gut“
    - Abendglocken geben Mut
    - Natur ist mit den Menschen im Einklang S2V4

    dann eben 3 Strophen je 4 Verse, Kreuzreim, 4-hebiger Jambus, 1 und 3 Vers Männliche Kadenz und 2 und 4 Vers weibliche Kadenz.

    Muss die ganzen Stichpunkte abarbeiten:
    · Inhalt
    · Absicht des Autors
    · Form
    · Sprache (Stilmittel, Wortwahl)
    · Biografisch
    · Gesellschaftlich
    · Historisch
    · Literarisch
    · Schluss

    Vll könnt ih rmir ja bissi helfen, wär lieb von euch.
    So ich stürz mich wieder in die Arbeit

    Danke schon mal

    LG, Everlast


    So, hab mich jetzt mal dran versucht :
    Gedichtsinterpretation „Verklärter Herbst“ von Georg Trakl


    In dem Gedicht „Verklärter Herbst“ von Georg Trakl geht es, wie der Name schon sagt, um den Herbst.
    Trakl beginnt das Gedicht so, dass der Leser sofort vom Herbst beeindruckt ist. Er wählte, um dies zu erreichen, das Wort „gewaltig“. In der ersten Strophe geht es um der, von den Menschen berührten, Natur, er schreibt also von Weinbergen und Gärten. Im Gegensatz dazu schreibt er auch von der unberührten Natur, die den Menschen die gewünschte Einsamkeit gibt. Der erste Vers der zweiten Strophe hängt mit der ersten zusammen. Wieder geht es um das von Menschen bebauten Land. Im Herbst sind die gesäten Sachen gereift und können geerntet werden, deshalb die befriedigende Aussage des Bauers : „ Es ist gut.“. Trakl schreibt von Abendglocken, dies könnte darauf deuten, dass Trakl gläubig war. Die Abendglocken, die also ein Symbol des Glaubens sein könnten, geben den Menschen nach dem schweren Tag wieder Mut. Die Menschheit ist mit der Natur im Einklang, dies erkennt man an den letzten Vers der zweiten Strophe. In der letzten Strophe handelt es um die Lieblichkeit des Herbstes. Alles passt zueinander und das Jahr bewegt sich ruhig dem Ende zu. Der Autor Georg Trakl wollte mit dem Gedicht zeigen, dass der Herbst eine wunderschöne und für den Menschen eine sehr positive Jahreszeit ist, denn die ganze Arbeit, die der Mensch vollbracht hat wird nun durch die Ernte belohnt. Trakl möchte betonen, dass, auch wenn der Herbst das Ende des Jahres bedeutet, seine guten Seiten hat und, dass ein Ende nicht gleich schlecht ist.
    Das Gedicht hat also drei Strophen mit je vier Versen, in denen der Autor einen vier-hebigen Jambus einsetzte. Trakl verwendete den Kreuzreim. Der erste und dritte Vers jeder Strophe hat eine männliche Kadenz, dementsprechend der zweite und vierte Vers eine weibliche.
    In der ersten Strophe ,Vers vier (Wald) und in der zweiten Strophe, Vers zwei und drei (Abendglocken) liegt eine Personifikation vor, eine Metapher in der ersten Strophe, Vers zwei (goldener Wein), eine Verkleinerung in der letzten Strophe, Vers drei (Bildchen) und Zeilenumbrüche in Strophe eins, Vers eins und zwei, Vers drei und vier; in der zweiten Strophe, Vers zwei und drei und in der dritten Strophe Vers zwei und drei. Trakls Wortwahl war eine leicht verständliche mit viel Adjektiven und treffenden Wörtern, beziehungsweise Wortgruppen. Seine Sprache war leicht zu verstehen, jedoch wirkt sie äußerst professionell. Der Zeitpunkt der Entstehung ist mir allerdings nicht bekannt. Trakl schrieb auch noch andere Gedichte über die Thematik Herbst, zum Beispiel „Herbst des Einsamen“. Der Autor bezieht die Gesellschaft mit ein, das erkennt man an der zweiten Strophe „ Landmann“. Er zeigt der Gesellschaft, dass man nicht alleine ist, auch wenn das Jahr sich dem Ende nähert ( „Der Vogelzug grüßt“). Der Herbst ist eine zeitlose Thematik und ein jederzeit aktuelles Thema, denn in jedem Jahr gibt es einen Herbst. Literarisch gesehen gibt es ein lyrisches Objekt, das ist der Leser. Der Autor selbst ist kein lyrisches Subjekt, er schreibt das Gedicht als Außenstehender. Trakl spricht mehr die Landleute mit diesem literarischen Werk an, diese sind mehr mit der Natur verbunden und schätzen sie. Das Ende ist offen gelassen, der Leser wird zum Nachdenken angeregt.

    Würde mich über Verbesserungsvorschläge freuen

    LG,everlast

    [Geändert durch everlast am 31-01-2005 um 14:45]
    Vermisster Traum, ich will jetzt tanzen. Im kaltem Bach. Ganz regungslos.

  2. #2
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    Hallo,
    Ist jetzt sicher schon viel zu spät, doch um anderen zu helfen die sich das gleiche fragen, hier mal meine Interpretation:


    GEDICHTINTERPRETATION ZU VERKLÄRTER HERBST

    „Verklärter Herbst“, das ist der Titel eines expressionistischen Gedichtes von Georg Trakl, welches 1913 verfasst wurde. Wie der Name schon sagt, ist das Thema des Gedichtes die Jahreszeit Herbst. Eine schöne Zeit, so scheint es, wenn man das Gedicht zum ersten Mal liest. Es ist Erntezeit, Ruhe kehrt in die Natur ein. Doch auch das Wort „Verklärt“ steckt im Titel, denn eigentlich bahnt sich etwas großes, entgültiges an, was erst bei genauerem Hingucken klar wird. All das schöne wird eigentlich sein Ende finden, geht „in Schweigen unter“.

    Die erste Strophe des Gedichtes thematisiert den Momentanzustand der Natur und des Jahres. „Gewaltig endet so das Jahr“, lautet der erste Vers, bei erstem Lesen denkt man sich nichts dabei, er scheint wie eine art Einleitung, doch aus diesem Gewaltigen lässt sich mit anderen Teilen des Gedichtes etwas großes, unaufhaltbares und sogar böses schließen. Die Inversion in diesem Vers soll dieses Gewaltige hervorheben.
    Der nächste Vers enthält die Hyperbel „goldene(r) Wein“, zum ersten Mal wird etwas schöngeredet, verklärt. Außerdem sind der goldene Wein sowie die „Frucht der Gärten“, genauso wie einige weitere folgende Wörter eigentlich positive Naturbilder der Romantik.
    In Vers drei wird ein kontrast zwischen gut und böse dargestellt. Wälder werden personifiziert, sie „schweigen“, dieses Schweigen kommt auch später im Gedicht noch einmal vor und steht hier eigentlich für den ruhigen Untergang, doch das Wort "Wunderbar", welches im dritten Vers noch angehängt wird, lässt das Ganze schon wieder positiv wirken. Wieder scheint hier etwas verklärt zu werden. Diese schweigenden Wälder werden im vierten Vers zum Gefährten des Einsamen, was einige Fragen aufkommen lässt: Warum ist hier jemand einsam, und warum sind die Wälder gerade wenn sie schweigen diejenigen, die des Einsamen Gefährt darstellen? Es scheint paradox, doch da sich aus dem Gedicht ein gewaltiger, doch Stiller Untergang vorhersagen lässt, stecken die Antworten wohl in dieser Apokalypse.

    Die zweite Strophe kreist eher um die Personen in dieser Welt. Der erste Vers der zweiten Strophe hängt mit der ersten zusammen. Wieder geht es um das von Menschen bebaute Land. Im Herbst sind die gesäten Sachen gereift und können geerntet werden, deshalb die befriedigende Aussage des Bauers: „Es ist gut“. Anschließend taucht versteckt ein lyrisches Ich auf. Es erwähnt die Abendglocken, ebenfalls ein Merkmal der Romantik, doch die Glocken stehen auch für den Tod, so wie die Glocken bei einer Beerdigung. Die Abendglocken sollen im dritten Vers „bis zum Ende frohen Mut“ spenden. Auch hier wird wieder ein Ende erwähnt, welches sich anzubahnen scheint. Von diesem Ende zeugt versteckt auch der vierte Vers, ein „Vogelzug grüßt auf der Reise“, diese Vögel scheinen also von diesem Ort wegzufliegen, auch sie scheinen das Ende zu erahnen.

    Der erste Vers der dritten Strophe stellt den Höhepunkt dieser Verklärung des Herbstes dar. Denn die Liebe als wunderbares und schönes und das Milde als Ruhe und Frieden charakterisieren die Idylle.
    Im zweiten Vers bewegt sich das lyrische Ich im „Kahn den blauen Fluss hinunter“, der blaue Fluss hier als Symbol der Hoffnung doch ein Kahn gibt es beispeilsweise in der griechischen Mythologie als Gefährt in die Hölle und das "Hinunter" zeigt einen Untergang, der hier immer erkenntlicher wird. Der vierte Vers macht sich lustig über diese häufig erwähnte Romantik, eine Ironie wird hier durch das ach so schöne anreihen von „Bild an Bildchen“ deutlich. Doch es folgt ein Gedankenstrich, der alles wieder in das Ernste führt, denn all diese Bildchen und diese schönheit gehen „in Schweigen unter“.

    Das Gedicht zeigt einen Kontrast aus Romantik und Expressionismus, wobei die romantischen Stilmittel im Lauf des Gedichtes immer weniger und die des Expressionismus im mehr werden. Das Gedicht scheint somit immer ernster und bedrohlicher zu werden und das düstere des Expressionismus erhebt sich immer mehr gegenüber der Romantik. Georg Trakl scheint etwas großes vorhergesehen zu haben, was, wenn man sich das Erscheinungsjahr anschaut, auch klar wird. Denn bald beginnt das Jahr 1914, der Beginn des ersten Weltkrieges.

    LG, Benonator

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