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  1. #1
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    Question Reime, die gar keine sind

    Hallo ins Sprechzimmer,


    ich habe mal eine Frage bezüglich Reimformen, bzw. Reimen an sich.

    Beim Gedichteschreiben stolpere ich manchmal über Reime, die eigentlich "gar keine sind", z.B. hier:

    "Bin kleiner, doch im Herzen bin ich FREI,
    meine Kraft reicht sicher für uns ZWEI."

    "frei" hat ja nicht den gleichen Laut wie "zwei"
    frei und drei schon, aber das macht dann irgendwie keinen Sinn mehr...


    oder extremer
    Wenn man z.B. "liebe" auf "Intrige" oder so reimt.



    Gibt es da irgendwelche "Regelungen" für, bzw. DO`s und DON`T s?
    Ich würde mich sehr über aufschlussreiche Antworten freuen!


    Liebe Grüße schickt
    Neve



    [Geändert durch Neve am 09-02-2005 um 15:54]

  2. #2
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    Im Grundatz gilt, dass für einen reinen Reim die sich reimenden Wörter ab der letzten betonten Silbe gleichlautend sein müssen
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  3. #3
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    Aua?

    Dann darf ich annehmen, daß zwei und frei, genauso wie Liebe und Intrige sowas von daneben sind, daß man ein blaues Auge davon bekommen kann???

  4. #4
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    Das sind sogenannte "unreine" Reime
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  5. #5
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    Heißen diese Reime "unrein" und sind somit mehr oder minder nicht korrekt, bzw. sowas wie verpönt, oder sind sie Stilmittel und nutzbar wie "reine" Reime auch?

  6. #6
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    Beides trifft zu. Im Grundsatz gelten unreine Reime als unschön und als zu vermeidende Missgriffe.
    Allerdings kann man damit auch spielen
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  7. #7
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    Aber auch namenhafte Lyriker benutzen die lieber als sich mit ungewöhlichen worten einen abzubrechen oder das versmass zu brechen
    ein reim betrifft übrigens im allgemeinen die konsonanten nach dem letzten vokal.

  8. #8
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    Err...
    ab der letzten betonten Silbe gleichlautend sein müssen
    Und da bin ich 100% sicher. Sollte das nicht richtig sein, müssten sehr viele LitWiss-Bücher neu geschrieben werden
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  9. #9
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    Ich stimme satch für die Definition des so genannten reinen Endreims vollkommen zu. Beträfe der Gleichklang den Konsonanten nach dem letzten Vokal, so würden Wörter wie "reimen" und "Ton" reimen, weil der Konsonant nach dem letzten Vokal in beiden Fällen "n" ist und lautet. Daß das Blödsinn ist, hört sogar ein Tauber.

    Es gibt aber neben dem reinen Endreim weitere Spielarten des Reims. So reimen sich z.B. in "Liebe" und "Intriege" die Vokale ab dem letzten betonten Vokal. Man spricht in diesem Falle von einer Assonanz. Assonant sind z.B. auch "Leben" und "Flegel" oder "ruhig" und "Pudding". Aber der Phantasie sind Reimtechnisch kaum Grenzen gesetzt. Man kann zum Beispiel auch nur bestimmte Konsonantengruppen reimen oder in verschiedenen Wörter einen einzigen Vokal konsequent beibehalten. Regeln, was sich wann wo und wie zu reimen hat, gibt es nicht. Kunstvoll wird das Ganze, wie üblich, wenn es System aufweist.

    Welches Problem du aber "frei" und "zwei" hast, ist mir jedoch schleierhaft. Der Reim sit doch herrlich rein, da der letzte betonte Vokal der Umlaut "ei" ist und der klingt in beiden fällen völlig identisch.
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  10. #10
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    Ursprünglich eingetragen von Neve
    Heißen diese Reime "unrein" und sind somit mehr oder minder nicht korrekt, bzw. sowas wie verpönt, oder sind sie Stilmittel und nutzbar wie "reine" Reime auch?
    Schwierig.
    Das kann sehr leicht schiefgehen und ein einfaches "Ja, Du kannst sie nutzen" führt nur dazu, daß Anfänger, die noch überhauptkeine Ahnung vom Reimen haben, derartiges als Ausrede für ihr sprachliches Unvermögen mißbrauchen.

    Ich habe mich selber vor kurzem mal mit den Möglichkeiten unreiner oder gebrochener Reime beschäftigt:

    Vergangenheitsbewältigung


    An meiner Tür schlagen Masern
    Ihre Nägel durch meinen Kopf.
    Sie erzählen von den Brettern
    Aus denen zähes Harz noch troff.

    Ich Baumhirte hock´ davor,
    Während Ringe umherkreisen,
    Deren Sinn noch niemand erfuhr,
    Und mir Schattenmauern schmeißen.

    Zackenfinger krallen die Wand
    Bis starre Steine gebrechen.
    Und das Holz stöhnt so wutentbrannt -
    Ich fürchte, es will Dich rächen.

    Ja, die Tür schwankt ins maßlose
    Zwischen gesteinigten Wällen
    Und der Finsternis meiner Klause,
    Wo mich Gespinste behellen.

    Schattenmähnen flechten Stricke
    Und werfen sich mir hintendran:
    Ich bracht´ Dich doch um die Ecke -
    Wieso fängt alles nochmal an?


    -27|IV|2005-



  11. #11
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    Wirklich eine schwierige Frage.Man muß dabei beachten,daß die germanischen Sprachen,vor allem Deutsch,durch ihren Konsonantenreichtum nicht die Leichtigkeit der romanischen Sprachen besitzen,in denen die Worte häufig mit Vokalen enden.Im Italienischen soll es einfacher sein,Reime zu finden,als im Deutschen.Von daher gilt der unreime Reim im Deutschen zwar als verpönt,wird aber in engen Grenzen zugelassen.Mörike zB sagt,daß "die leichte Abbeugung von dem,was regelmäßig zu erwarten" sei,durchaus reizvoll für das Ohr sein kann,allerdings nur bei sparsamer Verwendung.
    Wie schon gesagt wurde,darf der unreime Reim nicht als Entschuldigung für mangelndes Können bei Anfängern benutzt werden,sondern sollte die Ausnahme bleiben.Besonders bei humoristischen Gedichten kann er aber als Stilmittel verwendet werden.
    Es kommt auch auf die Länge des Vokals an,ob der unreime Reim als störend empfunden wird.
    Bei Reimen mit kurzen Vokalen,wie zB Blick - Glück wirkt er weniger störend als bei langen Vokalen wie zB Nähe - Höhe.Auch wenn sich ein kurzer Vokal mit einem langem reimt,wird die Unreinheit eher als störend empfunden,zB Luft - ruft oder spielt - Bild.
    Störend wirkt er auch bei Konsonanten,zB Wiesen - sprießen.
    Manchmal läßt sich ein unreiner Reim nicht vermeiden;inwieweit du ihn als Stilmittel verwenden kannst,mußt du selbst entscheiden;sparsame Dosierung ist jedenfalls empfehlenswert.
    "Säufer des schweren Saftes, versiegelt im durchsichtigen Bernstein ihrer Träume." William S. Burroughs

  12. #12
    Dr. Üppig Guest
    Frage:

    Gärten - Gebärde

    Ist das eurer Meinung nach ein unreiner Reim oder eher eine Assonanz? Ich tendiere zu Assonanz, bin mir aber nicht sicher.

    mfG

  13. #13
    HalloTaras,

    die Assonanz verlangt die lautliche Übereinstimmung der Vokale zweier oder mehrerer Worte.

    Du hast Dir mit Gärten und Gebärde nun zwei Worte ausgesucht, in denen die Silbenbetonung auf dem Ä liegt und in der folgenden unbetonten Silbe das E sich beiderseits tummelt. Allerdings stimmt die Silbenzahl der Worte nicht überein, so dass diese Worte nebeneinander und aus dem Zusammenhang gerissen noch keine echte lautliche Übereinstimmung bieten.
    Im Text könntest Du die "Gärten" durchaus durch die Silbe des Vorwortes noch zur lautlichen Übereinstimmung führen, so dass ich dann eine Assonanz erkennen würde. So aber, wie es jetzt da steht, ist es meiner Ansicht nach weder Assonanz noch unreiner Reim.

    Ein unreiner Reim verlangt übrigens noch mehr an lautlicher Übereinstimmung, um als solcher bestehen zu können; für diesen gilt: Je unauffälliger er auftaucht, je besser er für das ungeübte Ohr sich als echter Reim tarnen kann, desto besser.

    Mit Assonanzen zu arbeiten erfordert in meinen Augen übrigens hohe dichterische Kunstfertigkeit und will geübt sein.

    Lieben Gruß
    Nina
    .
    .

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    Genie ist weniger eine Gabe denn aus blanker Not geborener Erfindungsreichtum.
    Jean Paul Sartre

  14. #14
    Dr. Üppig Guest
    Danke für die Antwort, Nina. Allerdings sehe ich, dass ich mich äußerst ungünstig ausgedrückt habe.
    Die beiden Wörter kommen nämlich im Gedicht Rilkes Herbst vor, und zwar am Ende der Verse. Ich versuche, diese Wörter auf Reimstruktur zu analysieren. Durch deine Erklärung sehe ich das immer mehr als eine Assonanz.

    mfG

  15. #15
    Hallo nochmals Taras,


    ferne Gärten
    verneinender Gebärde.

    Freilich handelt es sich in diesem Zusammenhang sogar um eine wortübergreifende Assonanz.

    Nochmal zum unreinen Reim, was wohl nicht ganz klar geworden ist: Dieser verlangt gleichlklingende Vokale und Konsonanten in hoher Dichte; es ginge also, um einen unreinen Reim zu schreiben, T und D als gleichklingend zu verwenden. T und S hingegen würde nicht mehr als unreiner Reim gelten, öffnete aber die Möglichkeit, eine Assonanz geschaffen zu haben.

    Aber Du hast recht: Einfach ist die Entscheidung nicht; die Beschäftigung mit den Möglichkeiten ist aber absolut lohnend.

    Nochmals lieben Gruß
    Nina
    .
    .

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