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    Kurzes Vorwort :

    Diese Geschichte wurde mir als kleines Kind immer von meiner Oma erzählt und ich habe sie geliebt !



    1. Kapitel

    Die alte Maus erzaehlt

    Langsam senkte sich Dunkelheit ueber das Maeuseland und die Familien schlossen ihre Eingaenge und machten die Aussenloecher zu. Ein sonniger Sommertag ging zu Ende und die Maeuse hatten viel Futter gefunden, denn es war die Zeit in der die Zweibeiner mit ihren stinkenden Stahlmaschinen das Korn von den Feldern holten.

    Rudi hatte noch Besuch von einem Spielkamerad und sie sassen am letzten offenen Loch, um der untergehenden Sonne zuzusehen. Wie ein riesiger Ball, aus dem langsam die Luft entweicht, senkte sie sich hinter den nahen Huegel. Die beiden kleinen Maeuse mussten dann immer an die alte Maus denken, die in solchen Situationen immer sagte, wie gut sie es doch alle haetten, da sie doch die wirkliche Sonne sehen koennten.

    Sag mal Rudi...", sagte Billy da ploetzlich mitten hinein in die Stille, ist nicht heute Mittwoch?"

    Stimmt", antwortete Rudi. Dann erzaehlt der alte Knacker doch wieder Geschichten heute Abend! Sag mal, hast du Lust mit mir da hin zu gehen?"

    Die Geschichten der alten Maus waren beliebt bei allen Generationen. Die Jungen interessierten die spannenden Erlebnisse und die Alten gingen gerne hin, weil sie sich dann selber nicht mehr so uralt fuehlten. Denn die alte Maus, wie sie nur jeder nannte, war nicht nur einfach alt, sie war so alt, dass niemand weiter zurueckdenken konnte als sie. Und im Verhaeltnis zu ihr waren die anderen aelteren Maeuse junge Huepfer.

    Lass uns heute mal dahin gehen!", sagte Rudi.

    Gesagt - getan. Bevor die anderen Maeuse etwas gemerkt hatten schluepften sie aus dem Loch und rannten ueber das Feld.

    Keiner von den Maeusen war jemals an die Grenzen dieses Feldes gelangt, obwohl einmal eine Expedition ueber 4 Tage unterwegs gewesen war. Haette nicht die alte Maus immer gesagt, dass es etwas hinter dem Feld gebe, niemand haette wohl je etwas von der anderen Welt gewusst. Die Maeuse nannten die andere Welt Wildnis. Keiner konnte sich vorstellen, wie es dort draussen wohl aussehen koennte, obwohl die alte Maus oft von der Wildnis erzaehlt hatte. Doch was sie erzaehlte ueberstieg die Vorstellungskraft der anderen Maeuse und niemand glaubte mittlerweile mehr daran, dass alles was der Alte" da erzaehlte wirklich die reine Wahrheit war.

    Das Feld war mittlerweile dunkel und die beiden kleinen Maeuse liefen nun etwas vorsichtiger. Nur zu gut wussten sie ueber ihre Feinde Bescheid und sie kannten alle die vielen schrecklichen Geschichten von riesigen schwarzen Katzen, die nachts auf dem Feld ihr Unwesen treiben. Rudi hatte mal eine Katze gesehen und er erinnerte sich jetzt mit Schaudern an die riesigen Krallen und die grossen langen Zaehne des Untiers.

    Ploetzlich schob sich eine Wolke ueber den blassen Mond und tiefschwarze Nacht umfing sie. Doch die kleinen Maeuse verliessen sich ganz auf ihren Orientierungssinn und auf die Duftmarkierungen der einzelnen Familien und es dauerte keine zwei Minuten, da hatten sie das Einstiegsloch zum Bau der alten Maus gefunden. Es war offen und von unten hoerten sie schon die Stimmen vieler Maeuse, die sich offenbar sehr viel zu erzaehlen hatten.

    Der Bau der alten Maus war fuer die kleinen Maeuse immer wieder aufs Neue aufregend - gab es hier doch soviel zu entdecken!
    Der alte Maeuserich hatte in den vielen Jahren, in denen er nun unter dem Feld wohnte, laufend die Gaenge erweitert, Saele riesiger Groesse gegraben und den Bau mit all den kleinen notwendigen und auch teilweise voellig ueberfluessigen Dingen ausstaffiert, die er nur finden konnte - und das waren nicht wenige. Was gab es hier nicht alles zu entdecken und zu beschnueffeln!

    Rudi und Billy schoben sich durch das Eingangstor und rannten die endlos lange Roehre hinab in den Bau. Endlich bogen sie um eine der vielen Ecken und standen nun im Eingang des grossen Saales in dem der Maeuserich seine meist zahlreichen Gaeste zu empfangen und zu bewirten pflegte. Jetzt im Sommer war der Saal noch etwas ueppiger mit allerlei Koestlichkeiten angefuellt als sonst und nicht wenige Maeuse nutzten die Zeit vor dem Erscheinen des Gastgebers um das Buffet etwas zu verkleinern.
    Auch Rudi und Billy wollten sich gerade dem Essen zuwenden, als der alte Maeuserich den Saal betrat und die Gaeste erwartungsvoll mit ihrem Treiben innehielten.

    Meine lieben Gaeste!", begann die alte Maus die Begruessungsansprache, ich freue mich, dass ihr alle so zahlreich erschienen seid. Besonders deshalb, weil ich heute die Zeit fuer gekommen halte, um meine Geschichte und damit auch die eurer Vorfahren zu erzaehlen und ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen."

    An dieser Stelle machte die Maus eine wirkungsvolle Kunstpause, um die Wirkung des Gesagten noch zu erhoehen. Sofort fingen die anderen Maeuse an untereinander zu tuscheln, denn so hatte der alte Maeuserich noch nie seinen beruehmten Erzaehlabend begonnen. Was mochte er wohl im Schilde fuehren?

    Doch zuvor lasst uns feiern, denn ich habe morgen Geburtstag und man wird nicht zweimal im Leben zehn Jahre alt!", rief die alte Maus nun in die Menge und sofort kamen seine zahlreichen kleinen Enkel aus den Seitengaengen und brachten den Gaesten kleine Aufmerksamkeiten, die auf Anhieb die Aufmerksamkeit ihrer neuen Besitzer weckten und sie die Geschichte ihrer Vorfahren schnell vergessen liess.
    Die alte Maus war bekannt fuer ihre noblen Geschenke und offensichtlich konnte sie sich diese auch leisten. Rudi und Billy waren keine geladenen Gaeste, doch auch sie bekamen etwas und fuer die kleinen Maeusekinder war das wie Weihnachten, denn normalerweise bekamen sie auf solchen Festen nie etwas.

    Nachdem sich die erste Aufregung um die Praesente nun etwas gelegt hatte, kehrte die Neugierde aber doch wieder zurueck. Erwartungsvoll versammelten die Gaeste sich wieder um den Rednerpult. Der alte Maeuserich stand von seinem Schaukelstuhl auf, in dem er gesessen hatte und ging zum nahen Kaminfeuer, um sich eine Pfeife anzustecken. Dann setzte er sich wieder in seinen Stuhl und fing an, den kleinen Maeusekinder aus seinem langen Leben zu erzaehlen.
    Und alle hoerten andaechtig zu.

    Nun ja, fast alle.

    2. Kapitel

    Ausbruch

    Meine erste Erinnerung ueberhaupt habe ich an meine Mutter. Sie war eine grosse braune Maus mit einem langen Schwanz und schwarz-gepunkteten Vorderpfoten.
    Ich hatte noch 5 Geschwister und zwei waren so schwarz wie ich, aber eine Maus war braun und eine eine Albinomaus. Albinos sind ganz weisse Maeuse mit roten Augen, so wie Tante Martha im Nachbarbau. Unsere Familie war nicht sehr gross. Ausser meinen Eltern und meinen Geschwistern gab es nur noch drei andere Maeuse.
    Wir lebten in einem durchsichtigen Bau, wenn ihr euch das vorstellen koennt. Bis heute weiss ich nicht, was fuer ein Material das gewesen ist. Es war durchsichtig wie Wasser und hart wie ein Stein. Wir hatten nicht viel Platz in diesem Bau, aber er war immer gemuetlich eingerichtet mit Stroh und Baumrinde und wir hatten immer reichlich Futter und Knabberzeug. Durch den Bau konnte man natuerlich nach aussen sehen und die Welt da draussen veraenderte sich manchmal gar nicht und manchmal wiederum schien sie sich nur zu bewegen. Es war sehr seltsam.
    Keine der aelteren Maeuse konnte mir das erklaeren oder mir erzaehlen wie das funktionierte. Sie wussten nur, dass man wirklich aus dem Bau rausgehen konnte - und das auch nicht immer - und dass man dann wirklich in dieser seltsamen Welt war, die man vorher von innen gesehen hatte.
    Auch die Sonne konnte man nicht sehen, jedenfalls nicht so wie heute. Und es war auch nicht immer in gleichen Abstaenden hell oder dunkel, sondern es konnte passieren, dass mitten in der Nacht ploetzlich dieses Licht da war und dann auf einmal wieder nicht. Ich weiss, das ist schwer zu glauben, aber ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen, auch wenn ich damals noch sehr klein war.
    Aber dann war da noch etwas total unheimliches, jedenfalls fuer mich am Anfang.
    Manchmal kam aus dem Himmel etwas Grosses und Nacktes herunter, etwas das so riesig war, dass es vier Maeuse auf einmal fangen und aus dem Bau heben konnte.
    Heute weiss ich, dass es eine menschliche Pfote gewesen ist. Von so einem Menschen, wie ihr ihn heute alle im Sommer auf dem Feld sehen koennt!

    Ein unglaeubiges Raunen ging durch die Maeuseschar. Niemand konnte sich vorstellen in der Hand eines solchen Ungeheuers zu sein.

    Ich weiss, ich weiss, ihr denkt alle, meine Erinnerung laesst nach und ich werde langsam alt und vergesslich. Aber noch bin ich im Vollbesitz meiner geistigen Kraefte und deshalb erzaehle ich euch heute dieses alles, damit die Erinnerung an unser aller Vergangenheit nicht verloren geht.

    Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, bei den Menschen.
    Ich sage euch, das sind komische Wesen! Aber hoert selbst:

    Als ich drei Wochen alt war, hatte ich mich an die Hand gewoehnt und sie erschreckte mich fast ueberhaupt nicht mehr. Doch eines Tages geschah etwas Merkwuerdiges; unser Bau wurde gepackt und in die Luft gehoben! Stellt euch das einmal vor, ein ganzer Bau!

    Die anderen Maeuse schuettelten den Kopf - unvorstellbar war dies.

    Und dann habe ich die Sonne zum ersten Mal so gesehen, wie es fuer uns heute selbstverstaendlich ist, so warm, hell und gross, dass man sie nicht mit einer Pfote abdecken kann. Es war ein unvergessliches Erlebnis. Aber ihr wollt sicher alle wissen, wie ich schliesslich hier hingekommen bin? Das ist eine sehr, sehr lange Geschichte und ich weiss nicht, ob ich die an einem Abend ueberhaupt erzaehlen kann. Doch ich werde es versuchen.

    Eines Tages geschah etwas Sonderbares! Der Bau wurde wieder angehoben und weit, weit weggetragen. Als er dann endlich wieder ruhig stand und wir uns trauten aus unserer Hoehle rauszusehen, stellten wir fest, dass der Bau voellig offen war. Wir haben dann versucht auf den oberen Rand hochzuspringen und einer alten Maus ist das dann auch wirklich geglueckt.
    Wir haben sie nie wiedergesehen. Keiner weiss, was mit ihm da draussen geschehen ist. Vielleicht ist es ihm ja aehnlich ergangen wie mir und wir haben jetzt da draussen irgendwo Verwandte und wissen gar nichts davon.

    Wie dem auch sei, jedenfalls seit diesem Tag hat mich das nicht mehr losgelassen und ich habe heimlich, wenn die anderen geschlafen haben das Hochspringen geuebt.
    Und als dann eines Tages wieder einmal unser kleines Haus nach oben hin offen war, bin ich hochgesprungen und sass sofort beim ersten Mal oben auf dem Rand. Es war ganz schoen hoch da oben. Und nach aussen war es noch viel tiefer als nach innen. Da hatte mich schon wieder der Mut verlassen. Doch in diesem Moment sah ich ploetzlich eine riesige schwarze Katze auf uns zukommen.

    Eine Maus im Saal liess vor Schreck das Stueck Nusstorte fallen an dem sie geknabbert hatte und dieselbe klatschte mit einem satten Platsch auf den Hallenboden. Die anderen Maeuse schauten sich irritiert nach dem Stoerer um und dieser lief rot an vor Scham. Doch die alte Maus liess sich nicht beirren.

    Riesige Krallen hatte dieses Monster. Dunkle schwarze Augen, die einen durchbohrten und einem das Blut in den Adern gefrieren lassen konnten. Fast waere es um mich geschehen, doch ich hatte Glueck. Ich verlor vor Schreck das Gleichgewicht und stuerzte in die Tiefe. Das Monster sprang an mir vorbei und in den Bau hinein und von da an weiss ich nicht mehr, was geschehen ist, denn ich lief so schnell ich konnte weg. Vor Schreck hatte ich sogar die Orientierung verloren und nachdem ich einige Zeit gelaufen war, wusste ich ueberhaupt nicht mehr wo ich eigentlich hergekommen war. Ausserdem kannte ich die Welt ausserhalb des Kaefigs ja gar nicht.

    Ich rannte bis zur Dunkelheit ziellos umher und in der ersten Nacht verkroch ich mich unter einer Baumwurzel, wo ich vor Erschoepfung eingeschlafen bin.

    Am naechsten Morgen weckte mich die Sonne mit einem warmen Strahl und ich schaute mich zum ersten Mal bewusst in meiner neuen Umgebung um. Ich war an einem kleinem Bach angelangt, dessen Ufer riesige, schlanke Baeume mit hellgruenen Blaettern saeumten. Die Boeschung war ueber und ueber mit Dickicht und Bueschen besiedelt. Hinter diesem Wasserlauf erstreckte sich die endlose Weite eines Feldes und weit hinten konnte man eine dunkle Linie sehen. Heute weiss ich natuerlich, dass diese Linie der Saum eines Waldes war, doch damals war mir der Begriff Wald noch voellig unbekannt, so etwas gab es in unserem Bau doch nicht.

    Was sollte ich tun?
    Ich tat, was alle Maeuse tun: Ich suchte mir erst einmal etwas zu essen! Doch das war ueberhaupt nicht so einfach. Hier gab es keine gefuellten Kornspeicher und Vorratskammern die man nur zu oeffnen braucht und man ist versorgt. Doch auf der anderen Bachseite war ja ein Feld. Nachdem ich am Ufer nicht viel Essbares gefunden hatte, beschloss ich also zu versuchen ueber den Bach zu springen. Doch der war einfach viel zu breit fuer eine kleine Maus. Und je laenger ich am Ufer stand und zoegerte, desto breiter und tiefer erschien er mir. Also lief ich erst einmal am Ufer entlang, um vielleicht eine guenstige Stelle zu finden. Und ploetzlich war sie da: Eine Bruecke von riesigen Ausmassen und aus einem Material, das ich noch nie zuvor gesehen hatte! Doch ehe ich mich versah, zischte etwas so schnell wie der Blitz an mir vorueber. Dem Unerklaerlichen folgte ein ungeheurer Wirbelsturm, der mich mitriss und in einen Graben schleuderte. Das Wasser schloss mich ein und als ich endlich wieder auftauchte stieg mir sofort ein schlimmer Gestank in die Nase. Ich drueckte mir das Wasser aus den Augen und staunte: Direkt vor mir sass ein merkwuerdiger und lustiger Zeitgenosse!

    Wer bist denn du?", fragte der Frosch, denn das war er wohl: ein Frosch.

    Vor Schreck fiel ich noch einmal ins Wasser und es dauerte erst einmal eine Zeit, bis ich wieder an der Oberflaeche war und an Land klettern konnte. Dann schaute ich mir meinen Gegenueber erst einmal etwas genauer an. Er war gruen von oben bis unten; und was fuer ein seltsames Fell er hatte!

    Ich heisse Oscar", antwortete ich, und wer und was bist du?".

    Das sind aber eine Menge Fragen auf einmal, kleine Maus. Doch ich verzeihe dir deine Eile noch einmal. Ich bin der Frosch Nepomuk und du sitzt in meinem Strassengraben, mit Verlaub gesagt", sagte der Frosch.

    Er hatte grosse Kulleraugen und riesige Hinterbeine und irgendwie sah er etwas aufgeblasen aus. Doch er schien mir nicht gefaehrlich zu sein.

    Ich suche etwas zu essen, kannst du mir helfen?", fragte ich.

    Ja was essen denn so kleine Maeuse? Magst du ein paar frische Fliegen?"

    Fliegen gab es bei uns nie, aber Koerner, hast du vielleicht ein paar Koerner fuer mich?"

    Koerner habe ich nicht, aber ich weiss, wo du welche finden kannst. Du gehst einfach ueber die Bruecke da hinter dir, biegst nach links ab und musst dann noch bestimmt einige Stunden an dem Bach entlang laufen bis du an ein Feld gelangst. Der Weg ist recht muehsam und eintoenig. Doch warne ich dich vor dem Bussard der dort fliegt und den Katzen die dort lauern. Du musst sehr vorsichtig sein und schlau! Aber soviel ich weiss leben dort noch andere Maeuse, nur sind die etwas grauer als du. Die koennen dir ja dann weiterhelfen!"

    Vielen Dank dicker Frosch fuer deinen Rat."

    Ich tat also was er mir geraten hatte und kletterte aus dem Graben und lief den Strassenrand entlang auf die Bruecke zu. Ich weiss nicht, ob ihr euch ueberhaupt vorstellen koennt wie gross und wie breit so ein Strasse sein kann. Ich nahm allen meinen Mut zusammen und rannte ueber die Bruecke.
    Hinter der Bruecke bog ich ab, so wie es der Frosch mir geraten hatte und folgte ab dann dem Bachlauf. Die Sonne stand schon tief am Himmel und ich beeilte mich sehr. Doch vergass ich nicht Deckung zu suchen und von Zeit zu Zeit den Himmel ueber mir abzusuchen. Die Warnung von Nepomuk hatte die Erinnerung an die Katze wieder geweckt.

    Ich musste ganz schoen weit laufen bis ich endlich das Feld erreichte von dem der Frosch gesprochen hatte. Es war ein schoenes und grosses Maisfeld und ich lief mitten hinein.

    Ich war ein paar Minuten gerannt und schon war ich von der restlichen Welt abgeschnitten und das eigentuemliche Gefuehl beschlich mich, dass - obwohl ich niemanden sehen oder riechen konnte - beobachtet wurde. So ein hohes Maisfeld kurz vor der Erntezeit ist wie ein Urwald. Und man bekommt schnell so ein Gefuehl von Hilflosigkeit und Eingeschlossensein. Doch ich war ja nun schon immer eine recht mutige kleine Maus gewesen und so beschloss ich weiter zu laufen und nicht eher zu rasten, bis ich einen geeigneten Unterschlupf gefunden hatte.

    Ich bog nach einigen Stunden um eine Staude und da stand sie ploetzlich voellig unvermutet vor mir!

    Wer denn?", rief Rudi voller Anteilnahme in den Saal. Die anderen Maeuse schauten sich nach dem Stoerer um und guckten missbilligend.

    Ich will es dir sagen Rudi Vorlaut! Es war eine Maus. Doch es war keine Maus wie du und ich, sondern eine Feldmaus. Sie war grau und relativ klein und sah mich an, als kaeme ich von einem anderen Stern. Sie war sogar noch etwas erschrockener als ich und versuchte nun wegzulaufen. Ich rannte sofort hinter ihr her, doch es gelang mir nicht sie einzuholen. Sie war einfach viel zu schnell. Also hielt ich an und rief ihr nach, doch nicht vor mir wegzulaufen! Sie stoppte dann auch tatsaechlich. Offensichtlich hatte sie den ersten Schock ueberwunden.

    Warum laeufst du denn weg", rief ich, ich tue dir doch nichts!"

    Wer bist du ueberhaupt? Was willst du von mir?"

    Ich will mit dir reden. Ich bin eine Maus, genau wie du. Du brauchst keine Angst vor mir zu haben."

    Das sagst du! Ich kenne dich ja ueberhaupt nicht. Und dann auch noch in diesem finsteren Feld. Warte ab, wenn mein Vater das sieht!"

    Offensichtlich handelte es sich um eine stoerrische kleine Person. Es kostete mich sehr viel Anstrengung um nicht aus der Haut zu fahren.

    Sei doch nicht so aetzend!", sagte ich zu ihr, siehst du nicht, dass ich mich hier nicht auskenne und jemanden suche, der mir vielleicht Auskunft geben kann?"

    Sieht man das?", entgegnete sie.

    Vielleicht nicht auf Anhieb, aber bestimmt beim zweiten Hinsehen!
    Ich heisse Oscar und ich suche etwas zu essen und ein Dach ueber dem Kopf fuer die Nacht."

    Woher kommst du denn eigentlich, Oscar? Mein Vater sieht nicht gerne fremde Maeuse hier auf unserem Feld."

    Wo steht, dass das hier euer Feld ist?"

    Auf dem Huegel vor dem Feld ist unsere Duftmarkierung, jetzt weisst du's!"

    Ich sage euch, es war ganz schoen schwierig mit ihr klar zu kommen am Anfang. Aber das legte sich dann spaeter. Jedenfalls nahm sie mich nach laengerem hin und her mit in den Bau ihres Vaters und dort bekam ich dann erst einmal etwas zu essen und zu trinken.

    Dem Vater erzaehlte ich dann meine Geschichte. Sie muss wohl etwas fantastisch geklungen haben, denn er sah mich des oefteren mit einem Stirnrunzeln und erhobenen Augenbrauen an. Doch die Farbe meines Felles war wohl auch fuer ihn absolut neu und irgendwie glaubte er mir dann schon, dass ich keine normale Feldmaus sein konnte. Also lud er mich ein, eine Weile zu bleiben.

    Aus der Weile wurden dann schnell Wochen und aus den Wochen wurden Monate. Schliesslich blieb ich fast ein ganzes Jahr bei den Feldmaeusen und ich habe eine Menge von ihnen gelernt. Am Schluss zog es mich dann jedoch weiter, ich wollte einfach mehr von der Welt kennenlernen, obwohl ich zugeben muss, dass der Abschied mir nach so langer Zeit dann doch sehr schwer fiel.
    Doch ich will nicht unnoetig vorgreifen: Ihr wollt sicher wissen wie es mir bei den Feldmaeusen ergangen ist!

    Klar. Erzaehl schon wie es weiter geht", rief eine Maus dazwischen.
    Ja, von den Feldmaeusen hast du noch nie erzaehlt", rief ein anderer.
    Habt Geduld, ich werde es euch erzaehlen, aber erst einmal brauche ich etwas zu trinken. Vom Erzaehlen wird einem die Kehle so trocken", antwortete Oscar.
    Er hob seinen Krug vom nahen Tisch und nahm einen tiefen Zug. Dann sah er bedeutungsvoll in die Menge und fuhr fort zu erzaehlen.

    Es war mittlerweile schon recht spaet geworden, doch keiner der kleinen Maeuse schien muede zu werden.

    Schliesslich hoerte man so spannende Geschichten ja auch nicht alle Tage, oder?

    3. Kapitel

    Die Expedition

    Die kleine Maus, die ich zuerst auf dem Feld getroffen hatte hiess Speedy, denn sie gewann immer alle Wettlaeufe um Laengen. Speedy zeigte mir am Anfang den Bau und das Feld, auf dem die Familien lebten. Doch sie tat es eher widerwillig und voller Ungeduld. Sie schien mich nicht sonderlich zu moegen. Bei jeder Gelegenheit sagte sie mir, wie ungeschickt ich doch sei und dass die Feldmaeuse alle moeglichen Dinge doch viel besser koennen als ich. Das war ja auch kein Kunststueck, denn ich hatte alle diese Dinge ja auch nie gelernt. Nur essen konnte ich von allen Feldmaeusen am besten, was mir manchmal schon ein paar komische Blicke eintrug. Vor allen Dingen, wenn ich wieder einmal die Speisekammer ausgeraubt hatte. Darin war ich unschlagbar.

    Eines Morgens wurde ich sehr unsanft geweckt, denn die Erde bebte und ich wollte schon voller Panik aus dem Bau rennen, doch Speedy hielt mich fest.

    Bist du verrueckt? Wo willst du denn hin?"

    Aber die Erde bebt, wir muessen raus. Es faellt alles zusammen!"

    So ein Unsinn. Das sind doch nur die Menschen. Sie ernten das Feld ab! Komm ich zeige es dir. Aber du musst immer hinter mir bleiben und darfst nicht rauslaufen!"

    Wir liefen zum Ausgang im Sueden und Speedy hob langsam den Deckel vom Eingang. Ungefaehr 10 Meter von uns entfernt kroch langsam ein furchterregender gruener Drachen mit lautem Getoese an uns vorbei. Wo er schon gewesen war, hinterliess er ein Schlachtfeld auf dem Acker. Kein Halm und kein Maiskolben ueberlebte das Gemetzel. Der Drachen schien unaufhaltsam zu sein.

    Das ist eine Erntemaschine der Menschen", sagte Speedy. Sie holen damit den Mais von dem Feld, aber fuer uns bleibt nachher immer so viel uebrig, dass die Kornspeicher ueberhaupt nicht ausreichen um alle Reste aufzunehmen."

    Ich muss wohl etwas verdattert ausgesehen haben, denn Speedy zog mich am Schwanz und holte mich schnell in die Wirklichkeit zurueck. Ich rannte ihr nach den langen Gang hinunter in die Erde. Schade war es aber schon, dass es kein Drachen war. Ich wollte immer schon einmal einen sehen!

    Der Sommer verging schnell und die Baeume faerbten sich in allen moeglichen bunten Farben. Etwas Wehmut war schon in mir, denn ich fragte mich was aus meinen Freunden und meiner Familie geworden war. Also sprach ich mit dem aeltesten der Feldmaeuse darueber. Der erzaehlte mir, dass sie noch nie so einen Fall gehabt haetten und sie aus Prinzip das Feld auch nie verliessen. Die Welt da draussen interessiere sie nicht und das Feld gebe ihnen alles was sie brauchten.
    Wofuer durch die Gegend wandern, wenn man doch am warmen Heu seine Glieder ausstrecken konnte, waehrend oben ueber dem Feld die ersten Herbststuerme hinwegfegten? Doch er sah wohl wie schwer es mir um das Herz war und deshalb gab er Anweisung an zwei aeltere Maeuse mich auf einer Expedition zu begleiten und gab uns eine Woche Zeit fuer die Reise. Die beiden Maeuse hiessen Berthold und Alfons und sie waren am Anfang gar nicht darauf erpicht durch die Gegend zu laufen.

    Wir bereiteten uns gut vor und packten uns ausreichend Wegzehrung ein bevor wir den Bau verliessen. Es war ein stuermischer Herbsttag und der Morgennebel stand ueber dem Feld und den Wiesen. Es war sehr kalt und unangenehm.

    Wir wandten uns nach Osten und kamen nach mehreren Stunden zu dem Rand des Feldes. Hoch ueber uns kreisten die Raubvoegel und warteten auf Beute, doch die erfahrenen Feldmaeuse nutzten die Deckung, die die Graeben und Wasserlaeufe des Feldes boten.
    Vor uns erstreckte sich ein grosser Grasstreifen und nun war es an mir den Weg zu zeigen. Doch ich konnte mich nur noch an die Bruecke erinnern, aber nicht mehr daran wo sie lag. Also liefen wir auf gut Glueck nach Sueden und folgten dem Bachlauf.
    Das Unterholz am Bach war sehr dicht und bot genuegend Deckung. Doch wir kamen nur sehr muehsam voran und mussten auch sehr vorsichtig sein, da wir nicht weit nach vorne sehen konnten und die Gefahr gross war, von Feinden ueberrascht zu werden.
    Nach einiger Zeit konnte ich immer noch nichts Bekanntes entdecken. Zumindestens haette man ja die Bruecke irgendwo sehen muessen. Da es schon spaeter Nachmittag war, beschlossen wir eine Pause zu machen und zu beraten was zu tun sei.
    Wir hockten uns unter eine grosse ausladende Baumwurzel und assen ein paar Koerner.

    Bist du dir ganz sicher mit dieser Bruecke?", fragte Alfons, der aeltere der beiden Feldmaeuse.

    Ich kann mir so etwas auch nicht vorstellen", sagte Berthold, Oscar, bist du sicher, dass du das richtig in Erinnerung hast?"

    Ganz sicher. Eine riesige Bruecke war das und blitzschnelle Monster rannten darueber und sie waren so schnell, dass sie einen kleinen Sturm hinter sich herzogen. Viel schneller als Speedy oder ueberhaupt eine Maus."

    Das glaube ich erst, wenn ich es sehe", sagte Alfons.

    Wir brachen dann nach einiger Zeit auf und kehrten um. Wir folgten wieder dem Bach bis wir in der Nacht aufs Neue an die Stelle des Feldes gelangten, von der wir aus gestartet waren. Dort gruben wir uns eine provisorische Erdhoehle und verbrachten dort die restliche Nacht.

    Sollte ich mich wirklich so getaeuscht haben?, dachte ich bei mir bevor ich einschlief. Doch tief innen drin wusste ich, dass mein Gedaechnis mich nicht truegte und dass ich morgen diese Bruecke wieder sehen wuerde und vielleicht auch diesen Frosch mit Namen Nepomuk... .

    Die Morgensonne warf ihre ersten vorsichtigen Strahlen ueber uns, als wir erneut unsere Buendel packten und aufbrachen. Alfons schaute pruefend in den Himmel und mit sicherem Blick schaetzte er das Wetter ab.

    Wir haben Glueck", sagte er, wir bekommen einen sonnigen Tag!"

    Wir gingen ein straffes Tempo und hielten uns wenn moeglich in der unmittelbaren Naehe des Bachlaufs. Wir waren schon den ganzen Morgen unterwegs, als ich vor mir ein sich schlaengelndes Band sah, in dem sich die Strahlen der Mittagssonne spiegelten.

    Dies musste meine Strasse sein!

    Was ist denn das?", fragte Alfons. Offensichtlich kannten die Feldmaeuse noch keine Strassen.

    Das ist eine Strasse", erklaerte ich. Und ueber diese Strasse bin ich gelaufen, also muss die Bruecke, die ueber den Bach fuehrt ebenfalls ein Teil dieser Strasse sein. Wir brauchen nur bis an den Rand der Strasse zu gehen und ihr in die Richtung des Baches zu folgen und wir kommen an die Bruecke."

    Gesagt - getan! Wir liefen bis zum Strassenrand und dann bogen wir nach rechts ab. Und siehe da: Da war wirklich meine Bruecke und der Strassengraben! Ich wollte sofort ueber die Bruecke hinueberlaufen. Doch Berthold hielt mich zurueck.

    Bist du sicher, dass das keine Falle der Menschen ist?", fragte er mich.

    Ganz sicher, ich bin doch schon einmal darueber gelaufen. Es ist nur eine ueberfuehrung und wenn man sich ein bisschen in Acht nimmt, dann kommt man auch unbeschadet hinueber."

    Wenn du meinst..."

    Ich ging voran und die zwei Feldmaeuse folgten mir nun. Ich hielt mich immer an den Rand der Bruecke und das war unser Glueck.
    Ploetzlich schoss ein Monstrum an uns vorbei und um ein Haar waere es um uns geschehen gewesen. Der Sog war fast uebermaechtig und wir alle landeten im Strassengraben und schluckten eine Menge Wasser. Ich tauchte als erster wieder auf und schwamm auf das Ufer zu. Triefend vor Naesse kamen auch meine Begleiter wieder zum Vorschein.

    Das war knapp", sagte Berthold.

    Diese Monster sind ja schlimmer als du uns erzaehlt hast. Und ich dachte du uebertreibst!", merkte Alfons an.

    Wir hatten noch einmal Glueck gehabt. Doch unsere Vorraete waren verloren und wir froren ein bisschen mit dem nassen Fell.
    Wir kletterten wieder den Strassengraben hoch und liefen ein kurzes Stueck auf der Strasse zurueck, denn knapp hinter dem Ende der Bruecke konnte man an dem Graben vorbeigehen. An dieser Stelle wurde der kleine Bach durch eine unterirdische Roehre geleitet, die wohl die Menschen angelegt hatten. Dies war fuer uns ein praktischer uebergang. Wir liefen noch ein Stueck von der Strasse weg und beschlossen dann erst einmal auf den Schreck eine Rast zu machen und Plaene fuer den weiteren Verlauf der Expedition zu schmieden. Sicherlich war die Bruecke ein Erfolg, aber der wirklich schwierige Teil begann ja jetzt erst.

    Wie sollte ich nur den durchsichtigen Bau finden?

    Wir beratschlagten in einer Senke was zu tun sei. Noch hatten wir 5 ganze Tage Zeit. Und keiner von uns wollte an diesem Tag noch viel weiter gehen. Zumal wir die verlorengegangenen Vorraete ja auch noch ersetzen mussten.
    Deshalb beschlossen wir ein Lager an einem guenstigen Platz aufzuschlagen und Futter zu sammeln. Am naechsten Tag wuerde sich vielleicht eine Moeglichkeit zeigen, wie wir die Suche fortsetzen koennten.

    Die alte Maus machte eine Pause und trank einen Schluck. Die Zuhoerer raeusperten sich und nutzten die Gelegenheit um die Glieder zu strecken und ein um bisschen mit dem Schwanz zu wedeln. Gleichzeitig ging das Getuschel los. Die Maeusegesellschaft schien sehr aufgeregt zu sein und das Buffet blieb jetzt entgegen sonstiger Gepflogenheiten relativ unbeachtet.

    Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, bei den Vorraeten.
    Es war nicht leicht die Marschverpflegung in dem fremden Gelaende zu ersetzen. Die Suche nach Essbarem war lang und muehselig. Doch schliesslich hatten wir doch zusammen, was wir benoetigten. Wir verbrachten die Nacht am Ufer des Baches unter einer Baumwurzel, die uns zumindestens etwas Schutz vor dem kalten Wind bot. Doch will ich nicht verschweigen, dass es unangenehm feucht und kuehl war. Kurz: Das Abenteuer begann stressig zu werden! Dies war den beiden Feldmaeusen gar nicht recht. Sie versuchten mich zu ueberreden doch umzukehren und wieder in den warmen Bau auf dem Feld zurueckzukehren. Doch ich war, trotz der widrigen Umstaende, dagegen jetzt schon aufzugeben.
    Also bat ich sie noch ein wenig Geduld zu haben und die naechsten Tage zu nutzen, um die naehere Umgebung zu erforschen.

    Wer weiss, ob wir nicht etwas Interessantes auch fuer euch Feldmaeuse entdecken!", sagte ich, um sie etwas zu koedern.

    Schliesslich gaben sie nach und versprachen noch zwei Tage geduldig zu sein und der Dinge zu harren, die da kommen wuerden.

    Am naechsten Tag standen wir frueh auf und begannen unser provisorisches Lager etwas wohnlicher und windgeschuetzter zu gestalten. Wir trugen aeste und Gras zusammen und dichteten so die Zwischenraeume der Wurzeln einigermassen ab. Wir legten auch ein kleines Vorratslager an, falls wir keine Zeit zum Futtersuchen haben sollten.
    So geruestet begannen wir das Gelaende in grobe Abschnitte einzuteilen und jeder fuer sich ging erst einmal auf eine kleine Gelaendeerkundung. Ich wandte mich nach Osten und lief den Bach im Ruecken auf eine Gelaendekuppe zu, die den Ausblick in diese Richtung von unserem Lager aus versperrte. Ich kletterte den kleinen Huegel hinauf und schaute mich oben angekommen nach allen Seiten um. Direkt vor mir erhob sich eine Wand aus Holz, die sehr massiv und hoch war. Ich versuchte von meinem Standort aus die Enden der Wand zu finden, doch sie erstreckte sich soweit ich sehen konnte. Hier war so ohne weiteres kein Vorwaertskommen. Also beschloss ich in suedlicher Richtung der Wand zu folgen und vielleicht einen Durchschlupf oder etwas aehnliches zu finden. Ich musste lange laufen, bis mir auffiel, dass an einer Stelle die Wand etwas eingerueckt war. Zuerst wusste ich mit diesem Umstand nichts anzufangen, doch dann ging mir ploetzlich ungewollt ein Licht auf! Die Wand bewegte sich an dieser Stelle in meine Richtung! Ich sprang total ueberrascht hinter einen Stein und versteckte mich so gut ich konnte. Jetzt wusste ich, wofuer diese Einrueckung war:
    Das war eine Tuer! Und aus dieser Tuer sprang ein grosser brauner Hund und hinter diesem Hund kam ein Mensch!

    Ihr koennt euch vielleicht vorstellen, was fuer eine Angst ich gehabt habe.
    Ich habe Blut und Wasser geschwitzt, denn vielleicht wuerde der Hund mich riechen. Doch ich hatte wiederum Glueck, denn der Hund legte gerade selbst eine Duftmarkierung an die Ecke der Wand und konnte mich dann natuerlich nicht mehr wahrnehmen.
    Der Mensch und der Hund verschwanden ueber die Kuppe und ich nahm allen meinen Mut zusammen und sprang durch die oeffnung der Tuer hindurch und landete in einem Urwald aus Graesern und Straeuchern. Doch in der Mitte dieses Gartens verlief ein Weg und dieser Weg fuehrte zu einem grossen menschlichen Haus! Ich war ueberrascht, denn das hatte ich von aussen nicht erwartet. Dieser Haus war einfach riesig gross und ueber und ueber mit wildem Wein bedeckt, der sich an den Aussenwaenden entlangschlaengelte. Ich ueberlegte was ich tun sollte. Wenn ich wieder umkehrte um die anderen zu holen, verlor ich sehr viel Zeit und dann koennte es ja sein, dass der Mensch zurueckkommen wuerde und dann waere nicht nur die Tuer zu, sondern auch der Hund wieder da. Auf der anderen Seite konnte das natuerlich auch passieren wenn ich jetzt alleine weiterginge und dann wuesste niemand wo ich bin.
    Die Entscheidung war nicht leicht. Doch schliesslich kehrte ich um und ging zu unserem Lager zurueck. Die Sache war mir doch etwas zu heiss, um sie alleine anzugehen. Es sollte sich herausstellen, dass ich diesmal das Richtige gemacht hatte. Das Haus war fuer eine kleine Maus doch eine Nummer zu gross.

    4. Kapitel

    Das Menschenhaus

    Die Feldmaeuse waren schon wieder da, als ich zurueckkehrte. Sie hatten nichts aufregendes entdeckt. In suedlicher Richtung erstreckte sich weiterhin der Bach und das musste ja auch so sein, denn wir waren ihm ja schon auf der anderen Seite gefolgt und er verlief relativ gerade und gleichmaessig soweit wir gegangen waren. Aus dem Norden waren wir gekommen, dieses Gelaende war also bekannt. Genau im Osten verlief die Mauer und das Haus und im Suedosten hatte Berthold nur eine Wiese gesehen und die Entfernung war ihm zu gross gewesen, um ueber die Wiese hinaus zu forschen.
    Ich erzaehlte Ihnen dann, was ich bei meinem Erkundungsgang erlebt hatte. Als ich zu der Stelle mit dem Hund und dem Menschen kam wurde ihnen Angst und Bange und sie baten mich, doch endlich umzukehren. Sie hatten Angst, dass der Hund meine Spur zum Lager zurueckverfolgen koennte und fuehlten sich ueberhaupt nicht mehr sicher.

    Gut, wenn ihr unbedingt gehen wollt, dann geht!
    Aber wir sind jetzt schon so weit gekommen. Ich fuer meinen Teil denke ueberhaupt nicht daran aufzugeben. Ich werde versuchen das Haus etwas naeher zu erkunden. Vielleicht finde ich ja den Bau irgendwo im Haus."

    Im Haus? Du willst doch nicht etwa allen Ernstes in das Haus hineingehen? Bist du verrueckt? Was ist, wenn es dort eine Katze gibt? Und erst der Hund. Wer sagt dir, dass der nicht auch in dem Haus ist? Du bist so gut wie tot, wenn du das tust!", sagte Alfons erregt.

    Ich schaute trotzig zu Boden.

    Du bist nicht von deiner Meinung abzubringen, nicht wahr?", sagte Berthold.

    Nein, ich gehe!", antwortete ich verbissen.

    Du bist ein Narr. Doch wir koennen dich nicht alleine gehen lassen, denn der aelteste hat uns gesagt wir sollen dich beschuetzen und dir helfen. Was sollen wir denn zu Hause erzaehlen, wenn wir dich nicht heil und gesund wieder mitbringen?"

    Schliesslich liessen sie es sein auf mich einzureden und fanden sich mit meinem Dickkopf ab. Wir bereiteten uns also auf das Unternehmen Haus" so gut vor, wie es ging und brachen am fruehen Nachmittag in Richtung der Kuppe auf.
    Dort angekommen sondierten wir erst einmal die Lage und ueberlegten, wie wir uns am besten der Tuer naehern sollten. Ich schlug vor, die Deckung der Mauer zu nutzen und direkt an ihrem Fusse zu gehen, auch wenn der Weg dadurch etwas laenger sein wuerde. So geschah es dann auch. Wir erreichten ohne entdeckt zu werden die Tuer in der Mauer und mussten feststellen, dass sie geschlossen war. Wir suchten andere Moeglichkeiten, um an der Mauer vorbeizukommen, wie zum Beispiel einen Durchschlupf, aber wir fanden nichts, dass fuer eine Maus gross genug gewesen waere. Jetzt konnten wir nur noch warten. Also suchten wir uns einen kleinen Unterschlupf, damit wir nicht so ohne weiteres von einem Menschen oder gar einem Hund ueberrascht werden konnten.

    Da sassen wir nun und es geschah absolut nichts. Die Voegel erzaehlten sich gegenseitig Geschichten und wir hockten da und versuchten uns ein wenig zu sonnen, ohne unsere Deckung zu verlassen. Das klappte natuerlich nicht besonders gut.

    Unsere Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt, denn fuenf Stunden lang warteten wir nun schon und die beiden Feldmaeuse wollten vor der Dunkelheit umkehren.
    Doch das Schicksal half mir, denn die lang erhoffte Chance bot sich uns nun doch noch. Aus der Ferne hoerten wir ploetzlich Stimmen und das Trappeln von Hundefuessen. Es dauerte auch nicht lange, bis ein Mensch mit zwei grossen Hunden in Sichtweite kam und direkt auf das Tor zusteuerte.
    Jetzt kam das eigentliche Problem. Wie sollten wir zusammen mit den Hunden und dem Menschen durch die Tuer schluepfen? Die Hunde wuerden uns mit Sicherheit wittern. An alles hatte ich gedacht, nur nicht an die Moeglichkeit, dass der Mensch von aussen kommen koennte. Warum sollte er das Tor auflassen, wenn er doch zurueckkehrte?

    Doch der Maeusegott meinte es wiederum gut mit uns: Der Mensch und die Hunde verschwanden durch die Tuer und der Mensch machte die Tuer nicht richtig hinter sich zu. Manchmal muss man halt einfach nur Glueck haben im Leben!

    Nach einer angemessenen Frist nahmen wir all unseren Mut zusammen und schluepften durch den Tuerspalt in den Garten. Betoerende Gerueche erwarteten uns. Das schwere Parfuem von Rosen und der Duft von frisch gemaehten Gras erfuellte den Garten und betaeubte die Sinne.
    Wir suchten uns erst einmal einen Unterschlupf, um den Garten nach Gefahren abzusuchen. Unser Ziel war das Haus und unser Problem war der lange Weg ohne Deckung, der dorthin fuehrte. Die Alternative war, sich durch den Dschungel zu beiden Seiten des Weges durchzukaempfen.

    Berthold sagte: Ich bin dafuer den Weg zu benutzen. Es geht am schnellsten und die Gefahr entdeckt zu werden, ist so wahrscheinlich doch geringer, als wenn wir uns mit viel Laerm durch das Gestruepp da schlagen."

    Ich aber war anderer Meinung. Der schnellste Weg ist nicht immer der sicherste und darum war ich dafuer es mit dem Dschungel zu versuchen. Doch diesmal hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn die beiden Feldmaeuse meuterten! Sie gaben mir mit Nachdruck zu verstehen, dass sie absolut keine Lust mehr auf dieses Unternehmen haetten. Sie wuerden sofort umkehren, wenn wir nicht auf der Stelle den Weg benutzten und die Sache endlich hinter uns braechten. Entgegen einer dunklen Ahnung gab ich nach. Wir warteten einen guenstigen Moment ab und dann liefen wir so schnell wir konnten auf das Haus zu. Vor dem Hintereingang lag eine Terrasse und sie war durch eine Stufe von dem Rest des Gartens getrennt. Unterhalb dieser Stufe trafen wir uns wieder und hielten erst einmal den Atem an. Keiner wagte sich aufzurichten und auf die Terrasse zu lugen, denn das Herz pochte vor Angst und die Barthaare klebten vor Angstschweiss.
    So sassen wir erst einmal dort fest und harrten der schrecklichen Dinge die da kommen wuerden. Doch nichts, rein gar nichts geschah.
    Im Nachhinein wundere ich mich immer wieder, dass wir uns fuer so auffallend hielten. Denn so kleine Maeuse sind fuer einen Menschen bestimmt nicht so einfach zu bemerken, wenn sie nicht allzuviel Laerm machen. Doch in seiner Vorstellung macht man sich die Gefahren immer groesser als sie sind. Und so sahen wir uns selbst eher als Riesenmaeuse, die man unmoeglich uebersehen koennte. Mit riesigen langen Schwaenzen, die einen ohrenbetaeubenden Laerm machen, wenn sie ueber den Boden streifen!

    Eine der anwesenden kleinen Maeuse schnitt eine Grimasse und zeigte den Maeusen aus seiner Clique, wie gross er sich den Umfang dieser Riesenschwaenze vorstellte. Die kleinen Maeuse kicherten vor Vergnuegen und Oscar schaute etwas irritiert in das Halbdunkle des Saales.

    Lacht nur, fuer uns war das gar nicht so lustig!
    Schliesslich jedoch fasste ich wieder Mut und sprang mit einem Satz die Stufe hoch und lief im Zickzack auf die Terrassentuer zu. Sie stand einen Spalt offen. Ich drehte mich um und winkte den Feldmaeusen zu damit sie hinterherkaemen. In diesem Augenblick sah ich, wie eine grosse dicke schwarze Katze sich von der anderen Seite der Terrasse naeherte und auf die Terrassentuer zusteuerte. Ich war wie gelaehmt vor Entsetzen. Die Feldmaeuse hatten die Katze noch gar nicht bemerkt und lugten unentschlossen zu mir rueber. In diesem Augenblick entdeckte die Katze sie und das fette und lahm wirkende Tier verwandelte sich in ein Monster mit grossen Zaehnen und einer Geschwindigkeit und Leichtigkeit, die man ihm nie zugetraut haette. Die Feldmaeuse hoerten die Gefahr, bevor sie sie sahen und zerstoben in zwei Richtungen mit den fuer Maeuse so typischen Reflexbewegungen. Die Katze wurde dadurch etwas verwirrt. Offensichtlich konnte sie sich nicht direkt entscheiden welcher Maus sie zuerst folgen sollte. Doch einige 100tel Sekunden spaeter entschied sie sich fuer Berthold, der quer ueber die Terrasse auf mich zukam. Ich sah gehetzt nach rechts und links und suchte einen Ausweg. Doch der einzige Fluchtweg, der uebrigblieb, fuehrte durch den Spalt der Terrassentuer ins Haus.

    Ich weiss aus der Erzaehlung von Alfons, dass das nun folgende sehr lustig ausgesehen haben muss: Ich schluepfte kurz vor Berthold durch den Spalt und schwenkte sofort nach links um die Ecke und rannte an der Hauswand entlang bis in die Ecke des Zimmers. Dort stand ein riesiges Stueck Holz, das unten drunter hohl war. Darunter versteckte ich mich und schaute mich um. Direkt hinter mir kam Berthold und hoppelte auf mich zu. Er war kreidebleich und schwer ausser Atem.

    Und die Katze?
    Tja, so ungerecht ist die Natur. Sie war mit voller Wucht - Krallen zuerst - gegen die Terrassentuer geknallt und schrie vor Wut, dass sie nicht durch den Spalt passte. Derweil hatte sich Alfons natuerlich laengst durch den Garten abgesetzt und war letztendlich wieder zum Feld der Feldmaeuse zurueckgekehrt.

    Hier sassen wir denn nun in unserem Schlupfwinkel und erst jetzt wurde mir bewusst: Wir waren gefangen. Gefangen in diesem riesigen Haus. Einen Weg zurueck gab es nicht. Ganz im Gegenteil mussten wir damit rechnen, dass die Katze irgendwann ins Haus gelassen wuerde und dann hatten wir den Feind im Nacken. Und das auch noch in der uns unbekannten Gegend!
    Ich schaute Berthold an und sagte: Wir muessen hier weg und einen anderen Weg raus aus diesem Haus finden, sonst sind wir verloren."

    Berthold nickte nur mit dem Kopf.
    Das Unternehmen Haus" entwickelte sich langsam aber sicher zu einer Horrorstory.

    Und wir konnten nichts dagegen unternehmen.

    5. Kapitel

    Die Unterwelt

    So ein Menschenbau ist riesig fuer eine kleine Maus. Die Hoehlendecke ist unbeschreiblich hoch und in manchen Teilen gehen abends, wenn draussen die grosse Sonne untergeht, kleine Sonnen an, die den Bau ueberall erhellen.
    Das Haus, in dem wir uns jetzt befanden hatte einen Boden aus Holz auf dem es sich gut lief. Und ueberall waren Fenster durch die man nach draussen sehen konnte. Sie gingen bis zur Erde herunter, so dass selbst so kleine Maeuse noch das Gefuehl hatten draussen zu sitzen.

    Ich ueberlegte, ob wir die Katze nicht noch ein wenig aergern sollten, indem wir vor ihrer Nase hin- und herspazierten. Doch ich verwarf den Gedanken schnell. Zu riskant. Obwohl es sicher lustig gewesen waere! Doch wir hatten keine Musse, um uns an den Wundern der menschlichen Behausung zu erfreuen. Zu tief sass uns die Angst im Nacken entdeckt zu werden. Ich ueberlegte unser naechstes Vorgehen genau. Wenn wir uns trennen wuerden, waere das gar nicht gut, denn wahrscheinlich kaemen wir dann nie zusammen aus dem Haus heraus. Nein, wir beschlossen zusammen zu bleiben und auf Erkundung zu gehen, solange die Katze nicht hinter uns her konnte. Irgendwie wuerde sich da schon ein Weg finden.

    Zuerst einmal nahmen wir uns die naehere Umgebung vor.
    Der grosse Raum mit der Terrassentuer war wohl so eine Art Hoehle, von dem wieder andere Tueren in andere Hoehlen abgingen. Das merkten wir schnell, als wir uns an der Wand entlang auf die Suche nach einer Fluchtmoeglichkeit machten. Doch leider waren alle Tueren bis auf eine geschlossen. Durch diese Tuer gelang man in einen laenglichen Gang, von dem aus wieder andere Hoehlen abgingen. Aber wohlgemerkt: Was ich jetzt als Gang bezeichnet habe, war in Wirklichkeit so lang und gross, dass man die Decke nur noch ganz schwach in schwindelerregender Hoehe sehen konnte. Wir haben alle Raeume durchsucht, in die wir reinkonnten und viele seltsame und wundersame Dinge gefunden. Nur einen Fluchtweg fuer uns, den fanden wir nicht.
    Schliesslich gaben wir es auf und liefen zurueck zu unserem Startpunkt. Dort sassen wir und konnten immer noch die Katze hoeren, die hin und wieder eine Pfote durch den Tuerspalt zwang. Als wenn es ihr etwas genutzt haette. Von uns aus konnte sie da sitzen, bis sie schwarz wurde.
    Doch wir hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht.
    Urploetzlich ging eine Tuer auf und ein Mensch kam herein. Wir fluechteten so schnell es ging wieder unter unseren Schrank. Dort sassen wir nun und schwitzten Blut und Wasser vor Angst.
    Der Mensch ging durch den Raum und schien die Katze an der Terrassentuer noch nicht bemerkt zu haben. Das war unsere Chance. Jetzt oder nie", dachte ich mir und stiess Berthold mit der Pfote an: Die Tuer, durch die der Mensch gekommen war, stand noch einen Spalt offen. Gerade genug fuer kleine Maeuse.
    In diesem Moment fing die Katze draussen jaemmerlich an zu quieken. Offensichtlich hatte auch sie den Menschen bemerkt und sah jetzt eine Chance es uns heimzuzahlen. Tatsaechlich drehte der Mensch sich um und ging auf die Tuer zu, um das Monster hereinzulassen. Ich sah alle unsere Felle schwimmen.
    Wir rannten was die Beine hergaben und ich kann euch sagen: Es war denkbar knapp. Der Weg zur Tuer schien mir endlos zu sein. Berthold war schneller und schluepfte als erster durch den Spalt. Ich folgte unmittelbar darauf und konnte im Augenwinkel noch sehen, wie die Katze wutentbrannt hinter uns hersauste. Nur vorwaerts! Wir stuerzten mehr als wir liefen eine Treppe herunter - die Katze hinterher. Wir rannten einen Kiesweg entlang - das Untier hing uns im Nacken und holte auf. Vor uns sahen wir ploetzlich eine Strasse. Wir folgten ihr nach links - die Katze hetzte hinterher.

    Unsere Rettung verdanken wir nur einem Zufall. Ploetzlich tauchten vor uns mehrere laengliche Loecher im Boden auf. Wir konnten nicht mehr bremsen, selbst wenn wir es gewollt haetten. Wir stuerzten Hals ueber Kopf hinein und in die Dunkelheit. Wir fielen ein Stueck und landeten in alten und vermoderten Blaettern. ueber uns sahen wir, wie die Katze ihre Pfote durch das Gitter schob und die Krallen blitzten im Licht, das von oben ein wenig hereinschimmerte.

    Wir sassen wieder einmal in der Falle. ueber uns sass die Katze und wir sassen fest an einem furchtbaren Ort voller Moder und Feuchtigkeit. Und:
    Nichts stinkt mehr als ein menschlicher Abwasserkanal, das kann ich euch sagen!

    Die Maeuse schuettelten sich vor Entsetzen. Jeder malte sich fuer sich den schlimmsten Gestank aus, den er kannte und versuchte sich etwas noch Schlimmeres vorzustellen. Doch die alte Maus liess sich die Spannung nicht nehmen und fuhr fort:
    Da sassen wir also nun. Es ging weder vor, noch zurueck. Berthold begann in den Blaettern zu wuehlen. Wir standen in einem Sumpf aus Blaettern, Moder und Schlamm.

    Scheisse", sagte Berthold und gab das Wuehlen auf.

    Was sollte ich dazu sagen: Es gab keine treffendere Beschreibung unserer Situation.

    Wir hockten uns hin und versuchten uns von dem fiesen Geruch abzulenken. Wir unterhielten uns ueber Kaese und andere schoene Dinge, waehrend oben ueber uns die Katze uns wahrscheinlich schon in Gedanken verspeiste.

    Doch es sollte alles anders werden.
    Mitten im Gespraech bemerkte ich ein kratzendes Geraeusch unter uns. Unter uns? Was konnte denn noch unter uns sein?
    Aus dem Kratzen wurde ein regelrechtes Wuehlen und die Erde auf der wir standen, begann zu wanken. Wir waren viel zu ueberrascht, um uns zu fuerchten. Ploetzlich teilte sich der Morast unter uns und eine lange Nase schob sich durch das Loch. Sie erinnerte mich im ersten Moment an eine Maeusenase, aber sie war dafuer viel zu gross.

    Hi!", sagte der Mund, der zu der Nase gehoerte.

    Es war eine Ratte!
    Und was fuer ein Exemplar! Sie hatte tiefschwarze Augen und dunkle und buschige Augenbrauen. Den Rest konnte man in dem Moment noch nicht sehen.
    Wir waren etwas verdattert und antworteten nicht.

    Haben kleine Maeuse keinen Mund? Ihr seid doch Maeuse, oder?"

    Klar sind wir Maeuse", antwortete ich.

    Na, dann seid willkommen in der Villa Tiefenbach. Seid meine Gaeste. Ihr haettet aber wirklich auch vorne reinkommen koennen. Der Hintereingang ist eigentlich fuer Gaeste viel zu schade."

    Sie murmelte noch etwas in ihren Bart und verschwand dann nach unten. Berthold sah mich mit grossen Augen an.

    Meinst du wirklich, wir sollten da runter gehen?", fragte er.
    Wir haben keine Wahl, oder?", antwortete ich.

    Wo bleibt ihr denn?", rief die Ratte von unten.

    Also sprang ich durch das Loch in die Unterwelt. Berthold sprang hinterher.
    Wir landeten in einer ueblen Bruehe. Wir waren in einem Rohr, das im Moment wenig Wasser fuehrte. Man konnte am Rand gehen ohne nasse Fuesse zu bekommen. Die Ratte fuellte fast den ganzen Rohrdurchmesser aus. Jetzt konnten wir erst sehen, wie gross sie war. Eine riesige Ratte. Ich glaube sie haette uns mit einem Bissen verspeisen koennen. Aber das haette sie dann bestimmt schon laengst gemacht, wenn sie gewollt haette.

    Kommt mit, ich fuehre ich zu meiner bescheidenen Unterkunft."

    Die Ratte lief los und wir trippelten hinterher.

    uebrigens, ich heisse Ronald. Ronald von Tiefenbach. Aber ihr koennt ruhig Ronnie zu mir sagen."

    Das ist Berthold und ich bin Oscar", sagte ich.

    Du bist eine komische Maus, Oscar. Du bist keine Feldmaus, nicht wahr?"

    Nein, ich bin eine Wuestenrennmaus. Sagte jedenfalls immer mein Onkel zu mir."

    Wie auch immer, wir sind da!", sagte Ronnie und schwenkte um die Ecke.

    Vor uns oeffnete sich ein Kanal von ueberwaeltigender Groesse. Es war mehr eine Halle, als ein Kanal. Unten floss ein dunkler Fluss in einem Bett aus Stein und an seiner Seite waren stufenfoermige Absaetze in unterschiedlichen Ebenen.

    Wenn Hochwasser ist, dann kann man gerade noch auf der obersten Stufe laufen.", sagte Ronnie.

    Auf der anderen Seite lief eine andere Ratte.

    Gruess dich Ernst. An dem Eingang an der Strasse sitzt wieder die fette Katze rum!", rief Ronnie rueber.

    Die lernt es auch nicht mehr!", kam die Antwort von drueben.

    Wir liefen weiter und schwenkten dann nach rechts in ein kleines Rohr ein. Das Rohr war an der einen Seite nicht mehr in Ordnung und die Ratte hatte eine Hoehle in den Boden gegraben. Alles war irgendwie etwas provisorisch und nicht so sauber, wie das bei uns Maeusen ueblich ist.

    Ach, stoert euch nicht an dem Chaos hier. Ich bin gerade am umbauen. Ich kriege eine neue Vorhalle."

    Weiter ging es in eine schon etwas wohnlichere Hoehle an deren Seiten jeweils einige Gaenge abzweigten. Die Ratte bog in einen dieser Gaenge ein und fuehrte uns in den - wie sie sagte - Salon.

    Fuehlt euch wie zu Hause! Ich muss mal gerade dringend etwas erledigen."

    Der Salon war eine mittelgrosse Halle, die fast stockdunkel war. Selbst fuer uns Maeuse war das etwas ungewohnt. Wir bauen unsere Behausungen immer so, dass etwas von dem Tageslicht noch bis in die letzten Winkel des Baus dringt. Nicht so hier: Man konnte sich leicht die Nase irgendwo anstossen, wenn man nicht aufpasste.

    Wir setzten uns in eine Ecke und warteten darauf, dass Ronnie zurueckkehrte. Er erschien kurz darauf und fing an zu erzaehlen:

    Ich war eben mal kurz um die Ecke und habe mit ein paar Bekannten von mir gequatscht. Sagt mal, habt ihr Lust heute Abend auf eine Fete zu gehen? Die ganze Szene vom Kanal Ost ist da. Ach ja: Habt ihr Hunger? Ja, was esst ihr denn eigentlich so? Hatte noch nie Maeuse zu Besuch. Ach, wisst ihr, am besten ihr kommt mal gerade mit in meine Speisekammer."

    Kaum hatte er das alles gesagt, drehte er sich um und wir hatten Muehe hinter ihm her zu kommen. Waehrenddessen redete er ununterbrochen weiter. Doch ich verstand immer nur Wortfetzen wie: Weiss gar nicht was..." oder Muss noch alles moegliche...". Verstanden habe ich Ronnie jedenfalls nicht. Aber er sprach auch irgendwie gar nicht mit uns. Er schien laufend in irgendwelche Selbstgespraeche verwickelt zu sein.

    Wir waren vom Salon aus noch tiefer in den Bau gerannt und er war mit Sicherheit groesser als jeder noch so prachtvolle Maeusebau. Er war nur nicht so gut eingerichtet. Die Einrichtung war eigentlich nur eine wilde Ansammlung aller moeglichen Gegenstaende, die Ronnie wohl alle mal im Kanal gefunden haben musste. Ganz unvermutet blieb Ronnie mitten im Gang stehen und fragte:

    Was ist denn nun mit der Party, kommt ihr auch mit?"

    Warum nicht?", antwortete ich.

    Okay, das geht also klar. Ach ja, schaut doch mal selber, was ihr hiervon gebrauchen koennt.
    Die Kammer, vor der wir standen, beinhaltete das uebelste Zeug. Menschliche Essensreste lagen neben anderem undefinierbaren Zeug herum. Mir drehte sich der Magen um.

    aeh, hast du vielleicht ein paar Koerner fuer uns?", fragte ich Ronnie.

    Koerner habe ich nicht, aber Teile von Maiskolben muessten da irgendwo in der Ecke liegen, wo waren die denn gleich?"

    Ich will es kurz machen. Wir haben schliesslich etwas einigermassen Geniessbares gefunden. Mehr will ich aber lieber nicht darueber erzaehlen.

    Abends gingen wir dann mit Ronnie zu dieser Rattenparty. Wir wanderten ein gutes Stueck den grossen Kanal entlang und schliesslich kamen wir an eine lange Schlange von Ratten, die alle mit lautem Getoese in einen Bau reinwollten, der offensichtlich schon laengst viel zu voll war.
    Wir wurden allen moeglichen Gaesten vorgestellt und bestaunt. Ich wurde in tausend Gespraeche verwickelt und ich habe mindestens tausendmal die Frage beantwortet, was fuer eine Sorte Maus ich denn sei. Es war furchtbar. Ich will mich nicht mit Einzelheiten aufhalten. Aber versucht euch mal so viele Ratten auf einen Fleck vorzustellen, die dann alle auch noch einen Hoellenlaerm machen.

    Total erschoepft wankten wir am spaeten Abend zu Ronnies Bau zurueck.

    Am naechsten Morgen folgte gleich der naechste Schock. Wir waren noch gar nicht wieder richtig auf den Beinen, da rauschte Ronnie rein und fing an zu erzaehlen.

    Morgen Leute, habt ihr Lust auf eine kleine Spritztour in die andere Siedlung? Klar habt ihr Lust. Also auf, auf, in einer viertel Stunde geht es los. Und dass ihr mir ja genug esst vorher, wir muessen naemlich ein ganzes Ende gehen. Und so kleine hungrige Maeuse koennen wir da nicht gebrauchen..."

    So ging das in einer Tour weiter, doch er war mittlerweile schon wieder in einem anderen Gang und ich habe den Rest nicht mehr verstanden.
    Wir brachen auf und Ronnie zeigte uns seine Unterwelt.

    Also, hier an der Ecke, da wohnt Tom. Der ist Fachmann fuer Innenausbau. Er hat mir Tips gegeben fuer meine neue Vorhalle. Ach ja und hier an der Kreuzung kann es schon einmal hoch hergehen, wenn es draussen regnet und das Wasser steigt. Gluecklicherweise ist meine bescheidene Huette ueber dem Pegel, den wir als Rekord hier vor ein paar Jahren hatten. Es hatte zwei Tage so viel geregnet, dass der Kanal das ganze Wasser gar nicht mehr abtransportieren konnte. Und ihr muesst wissen, dass der Kanal hier in einen anderen muendet, der vielleicht doppelt so gross ist, wie dieser. Das ist dann auch der Ort, wo man manchmal Menschen treffen kann."

    Menschen hier unten?", fragte ich.

    Ja, sie kommen zwar nicht oft, aber wenn, dann richtig. So mit grossen Schlaeuchen und dann machen sie die Rohre damit wieder alle frei. Dann muss man ganz vorsichtig sein, dass man den Schlaeuchen nicht zu nahe kommt. Ich habe gehoert, dass drueben im Ostkanal mal eine Ratte durch so einen Schlauch angesaugt wurde und auf Niemehrwiedersehen verschwunden ist. Also Vorsicht ihr kleinen Maeuse."

    Ich glaube, ich habe die naechsten Naechte immer wieder von grossen Schlaeuchen getraeumt, die alles in sich reinsogen.

    So, hier ist wieder so ein Einstieg wie der, durch den ihr gekommen seid."

    Er zeigte nach oben und tatsaechlich: In grosser Hoehe ueber uns war wieder so ein Loch in der Decke. Es tropfte von da oben herein und die Tropfen landeten mit einem Plopp mitten im Kanal.

    Und weiter ging es durch das unterirdische Labyrinth. Wir japsten durch die Gaenge und hatten Muehe auf gleicher Hoehe zu bleiben, waehrend Ronnie uns eine Story nach der anderen erzaehlte.

    Hier drueben habe ich schon einmal einen Menschen gesehen.", sagte Ronnie und zeigte nach rechts den Kanal entlang. Er war ganz gelb angezogen."

    Du Ronnie, gehst du eigentlich auch einmal an die Oberflaeche? Ich meine so hin und wieder?", fragte Berthold.

    Selten. Was soll ich da oben? Da gibt es nichts interessantes zu sehen. Ausserdem sind da so viele Menschen. Da muss man ja den ganzen Tag aufpassen. Nein, ich fuehle mich wohl hier unten. Hier stoert mich wenigstens keiner."

    Meinst du wir koennten nicht mal rausgucken irgendwo? Ich vermisse das Licht so sehr.", sagte ich.

    Klar. Kein Problem. Folgt mir."

    Ronnie aenderte kurzerhand seine Richtung und fuehrte uns zu einem Guckloch an der Oberflaeche. Vor dem Loch war ein massives Gitter, so dass man nicht rauslaufen konnte. Aber raussehen, das konnte man schon. Vor uns erstreckte sich die Strasse und an der Strasse lagen viele Menschenhaeuser. Nie hatten wir gedacht, dass es so viele davon geben koennte. So weit das Auge reichte nur Haeuser. Wir kamen uns richtig klein vor. Von unserem Bach aber war nichts zu sehen. Vielleicht konnte uns ja Ronnie da helfen.

    Sag mal Ronnie..."

    aeh?"

    Weisst du wo der Bach geblieben ist?"

    Nein Oscar. Ich weiss gar nicht von welchem Bach ihr redet. Aber ich schaetze mal, dass der auf der anderen Seite dieser Haeuser ist. Irgendwie muss man daran wieder vorbei und dann denke ich, dass man den schon wiederfindet."

    Die naechsten Tage waren nicht besonders ereignisreich. Obwohl wir viele weitere komische Dinge kennenlernten. Aber irgendwann hatten wir die Dunkelheit und den Kanal dann auch leid und wir ueberlegten uns, dass es Zeit waere aufzubrechen. Die Feldmaeuse wuerden sich sicher schon viele Sorgen machen. Wir waren jetzt schon ueber einen halben Monat bei Ronnie und die Zeit verging wie im Flug. Wir fragten Ronnie, ob er uns nicht wieder an die Oberflaeche bringen koennte, damit wir den Heimweg antreten konnten.
    Hoert zu", sagte er, ich kann euch unter den Haeusern hindurch in die Gaerten bringen. Kein Problem. Aber mit dem Bach und dem Feld kann ich euch leider nicht weiterhelfen. Doch auf die andere Haeuserseite kann ich euch bringen. Vielleicht koennt ihr ja von da aus weiterkommen."

    Das wuerde uns doch wahrscheinlich schon helfen", antwortete ich, denn wenn wir erst einmal wieder auf der anderen Seite sind, dann koennen wir uns bestimmt gut orientieren und dann finden wir auch mit Sicherheit diesen Bach wieder."

    Nun gut, ich werde euch dahin fuehren. Aber ihr muesst mir versprechen, mich einmal bei Gelegenheit zu besuchen. Okay?"

    Klar Ronnie, machen wir!", antwortete ich.

    Am naechsten Tag brachen wir auf. Wir folgten dem Kanal nach links und kamen schliesslich wieder zu der Stelle, wo das Rohr zu dem Hintereingang fuehrte. Diesmal gingen wir aber geradeaus weiter und von da an habe ich vollkommen den ueberblick verloren. Ronnie schien das unterirdische Kanalsystem wie seine Westentasche zu kennen. Er brauchte nie zu ueberlegen. Selbst bei Abzweigungen, an denen mehr als 3 Rohre ineinanderliefen zoegerte er nicht eine Sekunde lang ueber den richtigen Weg.
    Doch dann kam ein Hindernis, an das wahrscheinlich selbst Ronnie nicht gedacht hatte. Direkt vor unseren Fuessen oeffnete sich urploetzlich ein riesiger See. Auf der gegenueberliegenden Seite ergoss sich ein hoher Wasserfall in diesen und von hoch oben schien durch ein Gitter Tageslicht herein.

    Ach ja, daran habe ich jetzt nicht gedacht. Koennt ihr eigentlich schwimmen?"

    Ist das dein Ernst, du willst doch nicht etwa in dieser Bruehe schwimmen? Ausserdem ist das bestimmt total tief.", sagte Berthold schockiert.

    Hast du einen besseren Vorschlag?", sagte Ronnie.

    Wir bissen in den sauren Apfel und sprangen in die Bruehe, waehrend Ronnie hinter uns blieb, um uns zu beobachten. Als wir endlich drueben angekommen waren, sprang er mit einer Behendigkeit ins Wasser, die man so einer dicken Ratte gar nicht zugetraut haette und schwamm mit 2, 3 Stoessen dieselbe Strecke, fuer die wir eine halbe Ewigkeit gebraucht hatten in einem Bruchteil der Zeit.

    Na ja", sagte er und schaute dabei verlegen in die Luft, ich bin ja auch etwas mehr in uebung als ihr."

    Und weiter ging es. Wir liefen noch ungefaehr eine halbe Stunde lang. Schliesslich wurden die Rohre immer kleiner. Ronnie musste sich an manchen Stellen schon ganz schoen strecken, um durch die engen Stellen zu passen. Wir hatten da natuerlich weniger Sorgen.

    Sicher, dass du nicht irgendwo steckenbleibst?", fragte ich Ronnie.

    Kein Problem, ich bin doch auf Diaet im Moment!"

    Schliesslich oeffnete sich das Rohr und entliess uns in eine kleine Halle in die von oben Tageslicht hereinschien.

    Wir sind da.", sagte Ronnie.

    Wir hatten nur ein kleines Problem. Uns erwartete noch eine kleine Klettertour bis an die Oberflaeche. Ronnie zeigte mit der rechten Pfote nach oben.

    Seht ihr da oben die Stufen? An denen muesst ihr hochklettern. Nur habt ihr Maeuse da etwas mehr Muehe, denn die Abstaende zwischen den Stufen sind ziemlich gross. Aber ich werde euch helfen."

    Ronnie erklomm ohne Problem die erste Stufe und zog uns dann nach oben. Das mussten wir dann noch 6 mal machen. Schliesslich kletterten wir auf Ronnies Ruecken und zogen uns dann an dem Gitter nach oben.

    Die Oberwelt hatte uns wieder.

    Alles klar bei euch?", rief Ronnie von unten.

    Mensch ist das hell hier!", rief Berthold zurueck.

    Es geht euch also gut. Viel Glueck da oben. Und meldet euch mal bei mir!"

    Versprochen ist versprochen!"

    So verliessen wir also Ronnie.

    Nun mussten wir den Bach wiederfinden.
    Das war aber leichter, als wir gedacht hatten. Denn nachdem wir uns ein bisschen umgesehen hatten, stellten wir fest, dass wir auf der grossen Wiese gelandet waren, die wir ganz zu Anfang unserer Expedition gesehen hatten. Der Bach musste hier in der Gegend sein.

    Wir liefen erst einmal aufs Geradewohl los und hielten Ausschau nach Dingen, die uns bekannt sein koennten. Die Voegel ueber uns unterhielten sich derweil ueber dies und das. Da hatte ich eine Idee.

    Meinst du nicht, dass die Voegel sich hier eigentlich am besten auskennen muessten?", fragte ich Berthold.

    Du hast Recht. Zumindestens haben sie den besten ueberblick."

    Ich lief auf einen kleinen Huegel und rief nach oben.

    Ihr Voegel da oben. Koennt ihr uns helfen?"

    Ein Eichelhaeher flog heran und setzte sich auf einen der unteren aeste.
    Was ist denn los? Seit wann brauchen die Maeuse denn Hilfe von uns?"

    Wir haben uns verlaufen und dachten, dass ihr uns vielleicht helfen koennt. Wir suchen einen Bach, der hier irgendwo in der Naehe sein muss."

    Wenn es mehr nicht ist. Der ist doch gleich da vorne. Ihr haettet ihn in ein paar Minuten selbst gefunden. Nur kann ich euch etwas verraten, dass ihr alleine so schnell nicht findet."

    Was denn?", fragte Berthold.

    Ich weiss, wo ihr die naechste Bruecke ueber den Bach findet."

    Bitte sag uns wo!"

    Na, das haettet ihr wohl gerne. So einfach ist das nicht. Da koennte ja jeder kommen. Zuerst muesst ihr ein Raetsel loesen. Also, was hat Fluegel und ist doch kein Vogel?"

    Irgendwie hatte der Eichelhaeher wohl die Vorstellung, dass das eine besonders schwere Frage sei. Er guckte naemlich total belustigt und er waere vor Stolz bestimmt gleich vom Ast gekippt, wenn Berthold nicht gegaehnt haette.

    Das ist doch kein Raetsel. Ein Insekt, wie eine Biene natuerlich."

    Schade... . Warum weisst du das?"

    Was ist denn nun mit der Bruecke?"

    Ach, da oben um die Ecke ist ein Biber und der laesst euch bestimmt ueber seinen Damm gehen."

    Warum nicht gleich so?", murmelte Berthold und wir brachen auf und liessen den Vogel auf seinem Ast sitzen.

    Wir folgten dem Bach in der angegebenen Richtung und tatsaechlich fanden wir dann auch den Staudamm. Doch von dem Biber war keine Spur zu finden. Gerne haette ich einmal einen Biber gesehen, aber leider konnten wir ihn nicht finden. Wir liefen also ueber den Staudamm und waren endlich wieder auf der anderen Bachseite angelangt.
    Jetzt, da wir den Bach ueberquert hatten, brauchten wir nur noch nach Westen zu gehen. Wir mussten nur aufpassen, dass wir nicht am Feld der Feldmaeuse vorbeiliefen. Wir beschlossen aus diesem Grunde uns immer etwas rechts zu halten, denn wir waren sicher, dass das Feld sich im Nordwesten befinden musste. Aber ganz sicher nun doch wieder nicht und mir war schon ein bisschen mulmig bei der Sache, denn auf dieser weiten Ebene, die vor uns lag, konnten wir auch ganz woanders landen, als uns vielleicht lieb war.

    Doch wir hatten Glueck. Nach zwei Tagen sahen wir endlich wieder vertraute Dinge um uns herum. Es dauerte nicht lange und das Feld tauchte vor uns auf. Ein langer Weg ging zu Ende. Wir waren wieder zu Hause.

    Die alte Maus machte eine Pause und steckte sich eine Pfeife an.
    Und den Rest erzaehle ich gleich weiter, denn ich muss mir mal dringend etwas zu trinken besorgen", sagte er und verliess die verdutzt Menge, um kurz darauf wieder zu erscheinen und mit seinem Bericht fortzufahren. Und alle hoerten wieder gespannt zu, wie es denn nun weiterging im Maeuseland.

    6. Kapitel

    Winter im Maeuseland

    Unsere Ankunft loeste allgemeinen Jubel unter den Feldmaeusen aus. Niemals zuvor waren Maeuse so lange weg gewesen. Alfons war schon vor zwei Monaten wieder zum Feld zurueckgekehrt und die Feldmaeuse hatten mittlerweile die Hoffnung aufgegeben, uns gesund wiederzusehen. Speedy war gar nicht zu bremsen. Offensichtlich war sie doch nicht so kuehl, wie ich am Anfang gedacht hatte. Am Tag darauf mussten wir alles im Detail erzaehlen. Und am Ende der Woche wurde sogar fuer uns eine grosse Willkommensfeier gehalten.

    Die Zeit verging rasch und ich kam jetzt mit Speedy sehr gut klar. Wir unternahmen zusammen viele kleine Ausfluege in die umliegende Gegend, obwohl der Herbst langsam in den Winter ueberging und es langsam, aber sicher immer kaelter wurde. Aber trotzdem gab es hin und wieder noch ein paar schoene Tage. Doch leider hatten alle Baeume ihre Blaetter verloren und die Landschaft wurde grau. Die Abende im Bau wurden laenger, obwohl wir genug Futter und aeste zum Knabbern im Bau hatten. Doch irgendwann wird man auch das Knabbern einmal leid. Nein, dass war irgendwie auch nicht meine Welt. Ich merkte, dass ich doch nicht so richtig zu den Feldmaeusen gehoeren wuerde. Auch wenn ich lange Zeit blieb. Doch ich sagte nichts und dachte auch noch nicht daran jetzt vor dem Winter noch irgendetwas anderes zu unternehmen.

    Und dann kam er wirklich: Der Winter eroberte das Land. Eines Morgens wachte ich auf und Speedy kam ganz aufgeregt in meine Hoehle herein.

    Oscar, komm schnell. Es schneit!"

    Es war der erste Schnee, den ich in meinem Leben gesehen hatte und er war wunderschoen. Dieses langsame Gleiten der Schneeflocken war voller Leichtigkeit und Anmut. Ich habe diesen Tag nie vergessen.

    Es schneite den ganzen Tag und den darauffolgenden mit nur kurzen Unterbrechungen. Dann brach die Sonne durch die Wolken und verwandelte die Landschaft in einen glitzernden Watteteppich. Wir stuerzten aus den Loechern und tollten im Schnee herum. Abends waren wir total erschoepft und kuschelten uns im Bau alle zusammen und doesten die ganze Nacht vor uns hin. Nur einmal standen wir kurz auf, um in den sternenklaren Himmel zu blicken und wir kamen uns noch viel kleiner vor, als wir sonst schon eigentlich sind.

    Eine Woche spaeter liefen wir gerade ueber das Feld als wir ploetzlich einen lauten Knall hoerten. Wir duckten uns hinter einen Stein und lugten um die Ecke. Auf einmal schoss ein Hase an uns vorbei. Er hatte uns nicht gesehen und rannte einfach weiter. In naechsten Moment schlug dort, wo er eben noch gelaufen war, etwas so gewaltiges und schnelles ein, dass man es gar nicht sehen konnte. Es zischte und kurz darauf hoerte man wieder diesen Knall. Speedy war wie vom Donner geruehrt und Alfons waere wahrscheinlich auf der Stelle tot umgefallen, wenn ihm Berthold nicht aus Versehen auf die Fuesse getreten haette. So schnell wie moeglich rannten wir zurueck zu einem Schlupfloch und gruben uns dort ein. Bis heute weiss ich nicht genau, was wir da gesehen haben, aber es muss von Menschenhand gewesen sein.

    In der darauffolgenden Nacht brach ein Schneesturm los. Es pfiff durch den ganzen Bau und am naechsten Morgen mussten wir uns durch den Schnee nach oben graben, um aus den Loechern gucken zu koennen. Die Landschaft hatte nun vollstaendig alle Konturen verloren und war ueber und ueber mit Schnee bedeckt.

    Nun begannen die langen Winterabende, an denen Geschichten erzaehlt wurden und die kleinen Maeuse sich allen moeglichen Unsinn ausdenken, um beschaeftigt zu sein. Doch manchmal denken sich auch die Erwachsenen solche Dinge aus und eine dieser Geschichten ist die Sache mit der Weihnachtsmaus.

    Diese Weihnachtsmaus erscheint urploetzlich an so einem langen und kalten Winterabend und bringt Geschenke mit. Aber halt: Nicht nur Geschenke, sondern auch andere weniger nette Dinge! Zum Beispiel Strohreste, die zu einer Rute zusammengebunden sind. Damit gibts dann einen auf den Schwanz, wenn die Kleinen mal wieder nicht gesputet haben. Natuerlich muss sich eine von den alten Maeusen vor der Tuer erst einmal die Pfoten abfrieren, damit die ueberraschung auch gelingt. Das ist dann der unangenehme Teil der ganzen Veranstaltung. Aber dann kommt der grosse Auftritt. Und das laeuft ungefaehr so ab:

    Die Tuer geht auf und eine komische Gestalt schiebt sich herein. Der kalte Wind traegt den Geruch von Schnee und eiskalter Luft mit sich. Der merkwuerdige Geselle schliesst die Tuer und tritt ins Licht des Kaminfeuers.

    Ho, ho, hier kommt die Weihnachtsmaus", ruft er und die kleinen Maeusekinder ducken sich, denn sie haben schon einiges ueber die Weihnachtsmaus gehoert. Angeblich verspeist sie kleine unartige Maeusekinder zum Fruehstueck.

    Dieses Jahr war ich dran gewesen die Weihnachtsmaus zu spielen. Es war ganz lustig. Ich bekam die entsprechenden Klamotten angezogen und einen Bart aus Strohstueckchen und musste den ganzen Tag rumlaufen und alberne Geschichten erzaehlen. Aber es hat schon Spass gemacht.

    Ausser diesen kurzweiligen Spielchen gab es aber wirklich nicht viel, das man in der eisigen Kaelte gut machen konnte. Und so kam es, dass es mir langsam langweilig wurde im Bau. Immer nur essen und schlafen ist es auch nicht auf die Dauer. Doch ich sollte meine Abwechslung bekommen.

    Eines Tages erzaehlte eine der aelteren Maeuse mir von dem Anbruch des neuen Jahres. Ich konnte damit ueberhaupt nichts anfangen. Also setzte sie sich hin und erklaerte mir, dass es verschiedene Jahreszeiten gibt (das wusste ich schon) und dass diese immer im stetigen Wechsel kommen und gehen. Und irgendwann im Winter beginnt dann ein neues Jahr. Ich konnte mich damit gar nicht anfreunden. So ein Unsinn. Wofuer braucht man Jahre? Reicht es nicht, dass sich das Wetter und die Jahreszeiten aendern?

    Doch die Menschen scheinen da anders drueber zu denken und deshalb machen sie wenn das neue dem alten Jahr weicht einen Hoellenlaerm. Nicht zum aushalten ist das dann. Und gleichzeitig erhellt sich die Nacht und der Himmel schillert in den buntesten Farben. Ich gebe zu, dass - hat man erst einmal die Angst ueberwunden - es schoen anzuschauen ist. Doch viele Tiere werden durch diesen Laerm auch ganz schoen verwirrt.

    Die naechsten zwei Monate waren wenig ereignisreich. Wir haben viel geschlafen und gegessen. Und das war es im Prinzip dann auch schon. Deshalb juckte es mich in den Pfoten, als der Winter endgueltig dem Fruehling weichen musste. Ich hatte Lust wieder etwas zu unternehmen. Seit der letzten Expedition war ich nicht mehr derselbe. Es hatte mich gepackt. Es war schoen bei den Feldmaeusen, aber die fremde Welt um mich herum rief immer lauter und lauter. Ich konnte nicht mehr die ganze Zeit an einem Ort bleiben. Doch ich verschob meine Plaene immer wieder von Tag zu Tag, denn ich wollte Speedy nicht alleine zuruecklassen.

    Doch der Winter neigte sich schnell voellig dem Ende zu und der Fruehling erwachte mit all seinen Verlockungen und Versprechungen. Da hielt es mich nicht mehr und ich versuchte es Speedy schonend beizubringen, dass ich auf Reisen gehen wuerde. Doch fuer sie kam das gar nicht ueberraschend. Sie hatte schon darauf gewartet, dass ich eines Tages kommen wuerde und sie hatte schon laengst eine Entscheidung gefaellt.

    Meinst Du wirklich, Du kannst einfach so ohne mich weggehen?", sagte sie nur, Du wirst mich wohl oder uebel mitnehmen muessen."

    Was sollte ich dazu sagen?

    Wir schmiedeten Reiseplaene und verabschiedeten uns ungefaehr einen Monat spaeter von den Feldmaeusen und brachen nach Westen auf. Berthold wollte nicht mitkommen. Die letzte Sache hatte ihm gereicht und er hatte erst einmal von Abenteuern die Nase voll. Und ein Abenteuer wuerde es mit Sicherheit werden, denn keine Feldmaus war jemals vorher in diese Richtung gegangen. Wir betraten also absolutes Neuland und liessen das Feld der Feldmaeuse hinter uns zurueck.

    Wir sollten es niemals wiedersehen.


    Ich weiß nicht, ob ich es heute noch schaffe, aber fortsetzung folgt ganz bestimmt........




    [Geändert durch Biene007x am 16-01-2002 um 23:22]
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  2. #2
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    hallo!
    die geschichte ist echt lang...hab sie mir ausgedruckt und werde sie bei einem kaffee lesen.....

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  3. #3
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    ja das mach ich dann auch mal... aber bei nem tee

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  4. #4
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    *g* wie war das nochmal? wir sind jung und auf coffein?...naja oder so ähnlich
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  5. #5
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    *gg* eigendlich schon ... aber der kaffee is alle ...muß ich erst neu aufsetzen

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  6. #6
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    alles klar....naja, hin und wieder ist tee ja auch toll...ich geniesse grad noch den luxus "bürokaffee" *g*
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  7. #7
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    owei ... schmeckt der auch so wie er heißt ?

    Nicodemus

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  8. #8
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    nein, der schmeckt gott sei dank besser....wir haben unsere eigene kaffeemaschine.....
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  9. #9
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    nobel, nobel *gg* und hat alles seeeehr viel mit der geschichte zu tun was wir hier schreiben ....


    ...oder spielt kaffee da ne wichtige rolle? hab sie ja noch nich gelesen

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  10. #10
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    nein, ich denke nicht...da sind wir bissi vom thema ab *g* aber ich hoffe, biene007x verzeiht uns das....*schüchternnachihrumguck* ...vor allem, da für mich der kaffee eine grosse rolle als stimmungsmacher spielt....ok,ich hör schon auf.....
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  11. #11
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    *gg* du bist ja süß und deine einstellung zum kaffe versteh ich nur zu gutmagst mir mal ne email schreiben ? mich interessiert was du schon so gelesen hast ... vor allem fantasy

    Nicodemus

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  12. #12
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    *g* danke *rotwerd*...ja, ich schick dir gerne eine e-mail...sobald ich daheim bin...es ruft der feierabend *babsibüroschluss*

    also, bis später!
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  13. #13
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    i hope so see ya

    Nicodemus

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  14. #14
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    Wink

    Bor Mann...jetzt dachte ich, es hätten mal ein paar Leute meine Geschichte gelesen, aber nein....es wird mal wieder nur fett geflirtet.....Nein....Keine Panik....Ich verzeihe euch mal noch so eben .... außerdem war euer Gespräch echt amüsant zu lesen und ich finde es schön, dass ihr euch so gut versteht .....Eure Meinung zu der Geschichte würde ich aber trotzdem gerne noch erfahren....Bis dann

    Eure Biene
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  15. #15
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    hallo biene!
    gute neuigkeiten...der eintrag ist jetzt zur geschichte =;0)

    hab sie auf der heimfahrt fertig gelesen und ich muss sagen, die ist echt putzig.....gefällt mir total gut...bin schon gespannt, wie es weiter geht....ich hoffe, du schreibst das auch? *erwartungsvollguck*

    alles liebe,
    sternentraum
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