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  1. #16
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    Glauben heißt nicht wissen.

    Verwechsle Rhythmus und Metrum nicht, als Fachbegriffe der Lyrik haben sie zwar eine Relation zueinander, sind aber nicht das Gleiche.

    Die deutsche Metrik richtet sich nach der natürlichen Betonung und deren Abfolge mit den unbetonten Silben, und außerdem zählt sie die Betonungen. Die Länge der Silben hat keinen Einfluss auf das Metrum, höchstens auf den Reim (Bsp.: Wahl - Wall -> unreinrer Reim).

    Das Deutsche ist eine Betonungssprache. Nun ist sich unter dieser ominösen Betonung nichts anderes vorzustellen als eine leichte Hervorhebung einer Silbe beim Wort. 'Maschine' betone ich in der Mitte, würde ich Maschine sagen, klänge es im besten Fall falsch, schlimmstenfalls könnte man mich bei sowas nicht mehr verstehen. Anders in französischer Dichtung, wo der Wortakzent verschoben werden kann, um einem Metrum zu genügen (hab ich gehört ).

    Aber mich würde es nun wirklich interessieren, was man sich unter leichten und schweren Silben vorstellen kann.

    mfG
    Geändert von Dr. Üppig (18.01.2013 um 10:38 Uhr)

  2. #17
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    Hey Taras,

    hast du kein Wikipedia auf deinem Internet?
    Also laut Wikipedia ist das deutsche eine nichtquantifizierbare Gewichtssprache. Das heißt, dass die Länge der Silben egal ist, aber die Wortakzente wichtig. Wobei Schwer und Leicht nur ein anderes Wort für betont und unbetont sind. Also genau das, das du gesagt hast.
    Ein besseres Beispiel für die Verwirrung ist wohl "umfahren", da sich hier der Sinn komplett dreht. Aber das merkt sicherlich jeder selbst. (und wer nicht, hat es entweder nicht verdient zu wissen oder soll es ausprobieren. Aber bitte, wenn ich in Sicherheit bin... XD)

    noch ein nächtlicher Gruß und was so dazugehört
    Nachteule
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  3. #18
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    "Du musst die Oma umfahren!"
    "Du musst die Oma umfahren!"
    In der Fahrschule wäre ein Fehler bei der Betonung fatal.

    Wi-ki-.. was ?
    Bin nicht auf die Idee gekommen, leicht und schwer dort mal einzugeben. *grummel* Danke fürs Erklären!

    @ ritchey:
    Du siehst, Betonung ist sowohl in der Umgangssprache als auch in der Dichtung des Deutschen wichtig.

    mfG

  4. #19
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    Jetzt hast du doch aufgelöst...
    Ich gebe alles erst mal da ein... wenns nicht passt werde ich es schon merken... Einfach "schwere Silben" eingeben...
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  5. #20
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    Hallo,

    dass leichte/schwere Silbe lediglich ein anderer Begriff für unbetont/betont ist, wusste ich nicht. Ich habe es so verstanden, wie Du wohl auch, als Du mich korrigiert hast und mich gewundert, da ich in einem Buch über deutsche Metrik diesen Begriff fand.
    Dann wäre das ja geklärt. Wobei es mich doch interessieren wüde, welche Sprache denn nun einen unterschied zwischen langen und kurzen Silben macht.

    Übrigens ist im Spanischen (also wie im Französischen) das Verschieben des Akzentes durchaus erlaubt allerdings eher unerwünscht weil es nicht gut klingt. Es sei denn ein Rhythmus zieht sich durch alle Verse, dann schon eher.

    Und weil das nun, weil ich schon zum zweiten Mal darauf hingewiesen werde Metrum/Metrik und Rhythmus zu vermischen ... inwiefern verwende ich diese Begriffe denn falsch?

    Grüße

    P.S. "Du musst die Oma..., Umfa, renn!"
    Geändert von ritchey (29.05.2012 um 20:15 Uhr)

  6. #21
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    fHey zusammen,

    das ist das Problem bei der Metrik: Es gibt tausende Begriffe, die alle das gleiche sagen. Ebenso ist es ja bei den Kadenzen. Und da soll man ein funktionierendes Lexikon hinbekommen...

    Wobei es mich doch interessieren wüde, welche Sprache denn nun einen unterschied zwischen langen und kurzen Silben macht.
    Da haben wir zum einen das Griechische und Lateinische. Dann ist laut Wikipedia das Mittelhochdeutsche eine solches Sprache und schon endet mein wissen diesbezüglich. Allerdings habe ich dann auch den Wiki nicht weiter bemüht...

    P.S. "Du musst die Oma..., Umfa, renn!"
    So ähnlich... Also wenn er sie umfuhr, sollte er rennen. Ansonsten bietet sich das umfahren an...

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
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  7. #22
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    Zu deiner Frage, ritchey:
    Die Metrik im Deutschen kümmert sich um die Anzahl und Abwechslung der Betonungen im Vers. Um diese festzustellen, empfiehlt sich das Skandieren, ein übertriebenes Betonen der Hebungen beim Lesen.

    Der Begriff "Rhythmus" ist in der Literaturwissenschaft ein wenig umstritten; er beziechnet den Gesamtklang, der, abseits des Metrums, von den sog. Kola gebildet wird, die die Verse in Sinneinheiten teilen. Das Metrum spielt aber dennoch eine Rolle, und zwar bei der Fragestellung, ob das metrische Schema mit der Betonung eines Sprechers übereinstimmt oder nicht.
    Beispiel:

    Zitat Zitat von Platen*
    Mit feuchtem Augenlide
    Begrüß ich Hain und Flur; [...]
    Hier ist der Rhythmus stark ans Metrum angepasst, jede Hebung wird auch als solche beim (Vor-)Lesen realisiert.

    Zitat Zitat von Eichendorff*
    Der Wind nur geht bei stiller Nacht
    Und rüttelt an dem Baume,[...]
    Hier ist das Metrum eindeutig ein vierhebiger (im 2. Vers dreihebiger) Jambus, in der zweiten Zeile würde man beim Lesen jedoch nur "rüttelt" und "Baume" betonen, weil es eben dem normalen Intonationsbogen beim Sprechen entspricht.

    mfG

    (*Beispiele aus Wolfgang Kayser: Kleine deutsche Versschule. Tübingen, 2002)
    Geändert von Dr. Üppig (18.01.2013 um 10:40 Uhr)

  8. #23
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    Hallo Dax
    das Metrum ist Jambus(xXxX...)
    Ich hoffe ich konnte dir helfen

    Lg Tim

  9. #24
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    Wer reitet so spät, durch Nacht und Wind.

    Jupp, Jambus.

  10. #25
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    Hallo Timmy57,

    das mit dem Jambus haut nicht ganz hin. Nacht und Wind müssen betont gelesen werden. Und wenn man sich den zweiten Vers anschaut:
    Es ist der Vater mit seinem Kind;
    Ist der Jambus schon wieder hinfällig, selbst wenn man den ersten Vers jambisch liest.
    Er hat den Knaben wohl in dem Arm,

    Also m.E. kein Jambus.

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
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  11. #26
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    Hallo,
    An drei Dinge möchte ich gern erinnern:
    Schiller, bekanntlich ein Zeitgenosse von Goethe hat oft noch in der quantifizierten Metrik (Silbenlänge) geschrieben, u.a. seinen bekannten Lehrsatz für das Distichon. Es dauerte bis sich die Opitzsche Definition völlig durchsetzte.

    In früheren Zeitepochen hat man einige Wörter tatsächlich anders betont als heute. Teilweise lag dies auch an ihrem fremdländischen Ursprung oder an der Herleitung aus alten Sprachwurzeln. Die Veränderungen kamen in kleinen Schritten mit den sogenannten Lautverschiebungen hin zum heutigen Hochdeutsch. Die Bestrebung die deutsche Sprache immer weiter zu definieren, in Grammatik, Aussprache, Rechtschreibung, Sinnbezug (Semantik) bewirkte ein Weiteres.

    Bei vielen, auch namhaften Dichtern finden sich immer mal wieder (nach heutiger Betrachtung) Metrikfehler...die zu Entstehungszeiten keine waren. Warum? starre Metren bei gängigen versmaßen waren eher unbekannt und verpönt. Es gab meist von gängigen Versmaßen in der deutschen Nachbildung Varianten.
    Allein beim Hexámeter unzählig viele...Ab und an wurde ein Holperer auch ganz einfachmit eine rkleinen Zusatzsilbe "geglättet".
    Nur die ganz strengen Metriker wie Voss oder Lessing hätten dies wohl abgelehnt.

    Betonungsstaffelungen gibt es natürlich auch noch:
    Brecht u.a. unterschieden vier bis fünf "Schweregrade" von Silben. Bei der Ermittlung gingen sie so vor, dass in einem Vers zuerst die Hauptbetonungen ausfindig gemacht wurden. Danach folgten schrittweise die Abstufungen.
    Konflikte entstehen dann wenn keine der Silben im Vers eindeutig betonungsschwerer ist als alle anderen, sondern wenn (viele) mehrere Silben annähernd gleiche "Schwere" haben. In diesem Fall kann man dann Silben als "schwer" bestimmen um ein metrisches "Muster" zu erhalten.

    und...Vers ist nicht immer gleich auch Zeile!
    Man bedenke Enjambements etc. pp. Versanfang und Versende können auch inmitten der Zeile liegen. Wie kriegt man dies raus?
    Es hilft wenn man einige "Schemata" (Metren, Versformen, Gedichtformen...) kennt und vergleicht.

    Und zu guter Letzt:
    was Opitz damals für die deutsche Metrik proklamierte war ein Kompromiss...und er wußte dies sehr genau.
    Denn auch im Deutschen gibt den Hebungsprall....zwei aufeinanderfolgende betonte Silben. Und nicht alle Fälle sind in der deutschen Metrik rein nach Akzent zu bewerten. Insbesondere dann nicht, wenn auf einer langen Silbe eine schwacher Akzent liegen soll und auf der nachfolgenden kurzen Silbe ein starker Akzent. Insolchen Fällen (ca. 20%) werden AutorInnen wahrscheinlich immer beide Metrikauffassungen im Auge behalten und eine Ausgleichslösung suchen. Solche Konflikte fallen sehr schnell in stark rhythmisierten Versen auf...ganz besonders in klangabhängigen Versformen wie Hexámeternachbildungen /Distichen.

    da immer durchzublicken ist als Einsteiger sicher nicht leicht...


    So weit mal ein paar Erinnerungen
    gitano
    "Die Deutlichkeit ist die Höflichkeit in der Kritik."
    feiner Satz von M. Reich-Ranicki

  12. #27
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    Hallo,

    Jetzt beteilige ich mich auch noch an der Diskussionsrunde und werfe mal den Knittelvers in die Runde. Vier Hebungen pro Vers und der Reim werden als Bedingungen erfüllt.

    LG,
    maXces

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