1. #1
    barfly Guest
    gibt es eigentlich "regeln" oder bestimmte anhaltspunkte, usw. an die man sich halten kann, wenn man gedichte ohne reime und metrik verfasst?
    auf was für bezugspunkte kann man sich stützen in hinsicht der zeilenumbrüche.

    wäre dankbar über eine antwort

  2. #2
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    7.918
    Hier hat Micha mal ausführlich verschiedene Gedichtetypen beschrieben:

    http://www.gedichte.com/showthread.php?threadid=18336


  3. #3
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    Man sollte vielleicht bedenken, daß die typische Gedichtform, die wir heute kennen, also kurzer Text mit Zeilenumbrüchen und Absätzen, ursprünglich phonetisch bedingt ist. Die optische Gliederung, die durch einen Zeilenumbruch oder einen Absatz zustande kommt, ist im Gedicht selbst durch seine Lautstruktur verwurzelt.

    An Stellen, an denen sich lautliche Perioden wiederholen, werden Zeilen abgesetzt. Dort, wo es Zwischenparallelen, z.B. Pausen (Kadenz/Zäsur) oder gar Reime gibt, sind Zeilenumbrüche sinnvoll.

    Hat man einem prosaischen Text, so fallen diese Anhaltspunkte weg. Dennoch wissen wir aus eigener Erfahrung, daß wir prosaische Texte durchaus optisch Gliedern, denn auch hier werden Absätze gemacht.

    Ich persönlich mache gernen einen Absatz, wenn ich einen neuen Gedanken anführe, um zu zeigen, daß der vorangegangene Beendet ist. Der Absatz/Zeilenumbruch beschreibt also eine inhaltlich/semantische Komponente.

    Um sich wiederum an lautlichen Komponenten festzuhalten,
    die aber nicht unbedingt periodisch sein müssen,
    kann man sich auch auf die ohnehin schon im Text befindlich Syntax berufen
    und Zeilen umbrechen,
    wenn ein Satz zuende ist
    oder auch eine Phrase.

    Ich habe auch schon Gliederungen gesehen, die immer nach dem finiten Verb die Zeile umbrachen oder nach dem Kernsubstantiv. Baudelaire hat seine Prosagedichte kaum durch Zeilenumbrüche als Gedicht gekennzeichnet. Sie gliedern sich optisch wie jeder andere Prosatext auch. Im Endeffekt denke ich aber, daß eine optische Gliederung, sofern du keine konkrete Poesie schreiben willst, dazu dient, textinterne Strukturen optisch hervorzuheben und textinterne Strukturen gibt es eben auf phonetischer, syntaktischer und semantischer Ebene.
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

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