1. #1
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    Zungenrauh ein sanftes Beben
    süßer Nektar in Gefilden
    unvermuted hängt in Reben
    und salzig Tropfen Bühnenbilden

    Schauernd friert ein Meer aus Samt
    als Fingerspitzen fordernd streichen
    ruhig gnadenlos entstammt
    Götterwelt aus weiten Weichen

    Erbarmungslose Freudenqual
    Erlösung zittert den Tribut
    neigt der Takt sich meiner Wahl
    und schürt das Feuer deiner Glut

    „Und was ist, wenn du einen Unfall baust, und dadurch einen vierköpfigen Familienvater umbringst?“ - Arabella Kiesbauer

  2. #2
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    Tsukikage, Deine Wortwahl hat aus einem trivialen Inhalt etwas Besonderes gemacht. Schön wäre es, wenn sich der Titel Deiner Verse dementsprechend anpassen ließe.

    Es grüßt
    Pully

  3. #3
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    Vielen dank für die Kritik, pully.
    Hmm...ich hatte mir schon andere Titel überlegt wie zB. Abendeuer (ja, das "d" ist absicht^^) oder ähnliches, es dann aber so gelassen um den Kontrast zwischen einem als "trivial" geltendem Thema und dem eigentlichem Empfinden des lyr. Ichs darzustellen.

    Tsukikage
    „Und was ist, wenn du einen Unfall baust, und dadurch einen vierköpfigen Familienvater umbringst?“ - Arabella Kiesbauer

  4. #4
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    Hallo basse,

    Ich kann jenen Vergleich nicht mit einem Wort gleichstellen, die "weiten Weichen" ergeben sich aus dem Zusammenhang mit dem Rest der Strophe und können viele Interpretationsmöglichkeiten aufwerfen. Ich persönlich habe sie als Umschreibung für den menschlichen Körper (vorzugsweise für den einer Frau) gewählt, der sich zum ersten Mal (siehe Titel) offenbart und dessen Komplexität man erst einmal erkunden muss.
    Diese Komplexität habe ich auch in meinem metrischem Schema wiedergeben wollen (jedenfalls hab ichs versucht)...

    Danke für dein Lob^^
    Tsukikage
    „Und was ist, wenn du einen Unfall baust, und dadurch einen vierköpfigen Familienvater umbringst?“ - Arabella Kiesbauer

  5. #5
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    Guten Tag verehrte Poetessen und Poeten, Pully, Basse!
    Laß Dich grüßen, geehrte Tsukikage!

    Als meine hungrigen Augen auf der Streife nach poetischer Kost waren, habe ich mich um so mehr über Deinen Beitrag hier gefreut...

    Dein Werk berührte meine Sinne, Deine poetische Strähne erfaßte mich zart, gefühlsam, aber auch verdammt kühn, halsbrecherisch, letztendlich heidnisch (zum positiven wohlgemerkt!)...

    Nun von Trivialität zu Trivium:
    den mein Gemüt tatsächlich in einigen Passagen Deiner metrischen Wahl über unregelmäßige Abfolge der vierhebigen Trochäen und Jamben stolperte.

    Zungenrauh ein sanftes Beben
    XxXxXxXx, 8 (Trochäus)
    süßer Nektar in Gefilden
    XxXxXxXx, 8 (Trochäus)
    unvermuted hängt in Reben
    XxXxXxXx, 8 (Trochäus)
    und salzig Tropfen Bühnenbilden
    xXxXxXxXx, 9 (Jambus)

    Schauernd friert ein Meer aus Samt
    XxXxXxX, 7 (Trochäus)
    als Fingerspitzen fordernd streichen
    xXxXxXxXx, 9 (Jambus)
    ruhig gnadenlos entstammt
    XxXxXxX, 7 (Trochäus)
    Götterwelt aus weiten Weichen
    XxXxXxXx, 8 (Trochäus)

    Erbarmungslose Freudenqual
    xXxXxXxX, 8 (Jambus)
    Erlösung zittert den Tribut
    xXxXxXxX, 8 (Jambus)
    neigt der Takt sich meiner Wahl
    XxXxXxX, 7 (Trochäus)
    und schürt das Feuer deiner Glut
    xXxXxXxX, 8 (Jambus)

    Wenn ich Dein Gedicht laut lese, so fällt mir das „und“ in S1/ Z4 erstenmal auf, es kann sicherlich als Kadenz wirksam sein. So aber macht sich auch das unbetonte „als“ in S2/ Z2 bemerkbar, und nimmt dem Werk gewissen Schwung ab. In der dritten Strophe versuchst Du anfänglich durch Jambus etwas abzubremsen, um dann in der dritten Zeile mehr an Intention zu gewinnen, dann als Abschluß erneuter Wechsel...

    Alles in Einem entsteht somit eine unregelmäßige immanente Form (Struktur braucht immer gewisse regelmäßige Abfolge...), in der ein aufmerksamer Leser merkt, das Du Dich auf den Reim konzentriertest, meiner Meinung nach zeitweise zum Nachteil, wie Beispielsweise in S1/ Z4 "Bühnenbilden" (scheint Neuschöpfung zu sein?). Klingt nach meinem Geschmack enorm künstlich, und dem Reim aufgezwungen. Auch „Erlösung zittert den Tribut“ S3/ Z2 finde ich nicht so euphonisch. Ich möchte mit eigenen Vorschlägen Dich, geehrte Tsukikage nicht beeinflussen, denn künstlerische Freiheit, wie Du weißt, die gibt es, und die möchte ich bewahren...

    Dein Auftakt ist fabelhaft, sowie verbal, als auch rhetorisch, große Klasse! So auch: „Götterwelt aus weiten Weichen“ finde ich nicht nur wegen Alliteration stark. Die „weiten Weichen“... hier kann so manche/ -r richtig aufgehen...Auf der philosophischen Ebene möchte ich Dir mein besonderes Lob erweisen, den dem Dionysischen bin ich in Deinem One-night-stand (Titelwahl finde ich persönlich passend) wahrhaft trunken! Du hast Dich sehr bemüht, geehrte Tsukikage, aber es gibt auch möglicherweise noch was zu überdenken?! Zum Schluß bitte ich Dich mein Post hier nicht als Kritik aufzufassen, sondern als persönliche Meinung...

    Es grüßt und wünscht mehr als das Übliche...
    Das Umstandswort

    P.S. Nun habe ich auch Dein lyrisches ich erblicken können... ; bitte verwöhne uns weiterhin mit derartiger Poesie!


    "Unser Verlangen nach Lust verknüpft uns der Gegenwart. Die Sorge um unser Heil macht uns von der Zukunft abhängig."
    -Charles Baudelaire (1821 - 1867), französischer Dichter und Ästhetiker


    [Geändert durch *pränumerando* am 25-04-2005 um 14:19]

  6. #6
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    Vielen Dank für deine gründliche Auseinandersetzung mit meinem Gedicht, pränumerando, und das noch zu so später Stunde XD

    Wie ich oben schon anmerkte, habe ich bei diesem Gedicht bewusst "Schwungnehmer" wie du es nennst, eingebaut um den Reiz dieses Themas verständlich zu machen, das so abwechslungsreich ist, das es mir sehr unpassend erschien ein durchgängiges, metrisches Schema zu benützen.
    Ahh~, vielleicht ist mir das doch nicht ganz so gut gelungen, und "Erlösung zittert den Tribut" hat mir von der Wortwahl auch nicht so gefallen, aber ich fand den Vergleich ganz passend und mir ist- zugegeben- nix besseres eingefallen.

    Schön, wenn dir der Rest gefallen hat, vielleicht kann ich nach meinen Abiturprüfungen etwas zaubern, das dir vollends gefällt? Ich kanns ja mal versuchen...

    Viele Grüße
    Tsukikage...
    „Und was ist, wenn du einen Unfall baust, und dadurch einen vierköpfigen Familienvater umbringst?“ - Arabella Kiesbauer

  7. #7
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    Guten Tag verehrte Poetessen und Poeten, Pully, Basse!
    Sei gegrüßt, geehrte Tsukikage!

    Möchte noch mal darauf aufmerksam machen, daß mir nicht nur ein „Rest“ Deines sündhaften Gedichtes gefällt, sondern das ganze. Es ist auf jeden Fall lesenswert!

    Ich finde es beeindruckend, das Du neben deinem Abi, Zeit für Poesie hast. Wünsche Dir viel Glück zwecks Prüfungen, bis auf weiteres

    Es grüßt und wünscht mehr als das Übliche...
    Das Umstandswort


    "Was man nicht zu verlieren fürchtet, hat man zu besitzen nie geglaubt und nie gewünscht"

    -Gotthold Ephraim Lessing

  8. #8
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    Vielen Dank, pränumerando, sowohl für das Lob als auch für die Glückwünsche..

    Erfreute Grüße
    Tsukikage
    „Und was ist, wenn du einen Unfall baust, und dadurch einen vierköpfigen Familienvater umbringst?“ - Arabella Kiesbauer

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