1. #1
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    Tau glänzt auf Tulpen
    Wütend bellt der Nachbarshund -
    Die Kirschblüte stirbt



    Astilben blühen -
    Warmer Sommerregen fällt
    hinab zur Erde


    Ein Blatt weht im Wind -
    Der Ruf der Krähen ertönt
    aus kahlen Bäumen



    Fußspuren im Schnee -
    Spielende Kinder lachen
    am weißen Hügel

    [Geändert durch Valerio am 24-04-2005 um 19:09]
    "Oh,wär ich doch ein Narr!Mein Ehrgeiz geht auf eine bunte Jacke!"
    Georg Büchner

    Weitere Werke:
    Jahreszeitenhaikus
    Gebet an Satan
    Die Sünde Christi

  2. #2
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    Valerio, Deine Verse gefallen mir. Aber ich bin keine Haiku-Spezialistin. Mir fehlt jedoch der Nachklang in Deinen Versen. Und ich denke, in der ersten und zweiten Strophe ist das Shasei nicht genügend beachtet worden.
    Expulsor hat im Sprechzimmer eine schöne 'Gebrauchsanweisung' für die Kreation von Haikus gegeben. Vielleicht liest Du sie Dir nochmals durch.

    Es grüßt
    Pully

  3. #3
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    @Pully:ja,du hast recht,der Nachklang fehlt.Ein Haiku braucht tatsächlich Ungesagtes,das ihm seine Tiefe verleiht,hieran muß ich wohl noch feilen.Was den Verstoß gegen das Shasei angeht,das sehe ich nicht so.In der ersten Strophe könnte man darüber reden;wahrscheinlich meinst du das Wort "stirbt";das halte ich aber eher für einen Grenzfall.In der zweiten Strophe weiß ich gar nicht,wo der Verstoß liegen soll.
    Übrigens,expulsors Haiku-Faden ist wirklich gut,danke für den Tip.

    @groper:Natürlich,Regen fällt zur Erde,Blätter wehen im Wind,was sollten sie sonst tun?Aber gerade das ist doch der Zauber,der in den einfachsten Dingen steckt.
    Natürlich kann man Haikus,nicht nur meinen,vorwerfen,sie seien banal;aber das sind sie nicht.Wir Europäer neigen dazu,Gedichte mit Metaphern und Ausschmückungen zu überfrachten;manchmal geht dabei der Sinn fürs Wesentliche verloren.Wenn es einem gelingt,einen Moment mit simpelsten Worten einzufangen,hat man ein Stück Ewigkeit.Ich behaupte nicht,daß mir das gelungen ist,aber ich habe es versucht.

    Außerdem:Gibt es Tau nicht das ganze Jahr über?Ich dachte,im Winter heißt er dann Rauhreif.Jedenfalls waren meine Tulpen morgens naß.Vielleicht waren aber auch nur Regentropfen.
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  4. #4
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    Valerio, Shasei in der zweiten Strophe: 'der Klatschmohn erblüht'. Erblühen, das bedeutet sprachlich 'langsam zur vollen Blüte kommen'. Kannst Du das in Deinem Bild sehen, diese Bewegung, diese langsame Änderung von der Knospe zur Vollblüte? Oder nimmst Du es als 'der Klatschmohn ist erblüht' und hast das 'ist' weggelassen?

    Es grüßt
    Pully

    [Geändert durch Pully am 22-04-2005 um 19:36]

  5. #5
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    Hallo Pully,
    mir war der Unterschied zwischen erblühen und blühen gar nicht so bewußt.Aber es stimmt - da ist schon ein gewaltiger Unterschied.Deshalb habe ich aus "Der Klatschmohn erblüht" jetzt "Astilben blühen" gemacht.Klingt auch besser,finde ich.
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  6. #6
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    Ja, Astilben sind noch besser. Geben eine besondere Stimmung.

    Es grüßt
    Pully

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