1. #1
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    die erste vollständige version. eventuell gibts demnächst aber noch ne andere. obwohl ich die hier schon klasse find.

    teil I ist von mir
    teil II ist von toby
    @toby: dank dir nochmal

    TEIL I

    Mir träumte einst,
    mich graust`s noch heut`,
    kann`s kaum euch wiedergeben.
    Doch muß ich`s tun
    und hoff` ihr leut'
    ihr könnt mich wiederlegen.

    Zu jener zeit schlief friedlich ich,
    es gab kaum echte sorgen.
    Heut` jener traum belastet mich,
    ich fürchte nun das Morgen.

    da ich betrat in jener nacht
    das traumreich meiner wahl.
    hätt' ich beileibe nicht gedacht,
    ich fänd dort solche qual.

    die welt ein einzig` leichenberg,
    verwesend in unzähl`gen schlünden.
    Mein ohr war arg bestürmt von schrei`n,
    die quell` nicht zu ergründen

    inmitten dieses garst`gen traums,
    stand ein gar greulich ding.
    der stumpf eines verkohlten baums
    der meinen Blick einfing.

    aasfresser sah ich dort zuhauf´
    sah maden, ratten, raben.
    sah bau`n sie ihre nester auf,
    an faulig` fleisch sich laben.

    als dieser pestilenz´ge schwarm
    nun meiner ward gewahr.
    weil ich noch lebend, frisch und warm,
    fand ich mich in gefahr

    so warf ich meine sinne fort,
    wollt`diesem wahn entgeh`n.
    wünscht` mich an einen ander`n ort,
    wollt` nur noch gnad` erfleh`n.

    `drum riß ich aug` und ohr und nas`,
    mir aus dem kopf heraus.
    ich hoffte sehr das wäre das,
    doch war`s noch lang nicht aus.

    Denn auch entrießen dem gesicht
    und liegend dort im staube
    Aug`, ohr und nas`, sie wurden nicht
    des todes erste beute.

    Ich sah trotz all dem was nun kam
    auch hört` ich sie noch kommen
    roch fäulnis noch und wußt` alsdann
    ich war kein stück entronnen

    Die üble parasit'ge brut,
    mit blicken, hart wie stein,
    und gierig auf mein warmes blut,
    brach über mich herrein.

    Mit maul und schnabel, klau`und krall`
    sie rissen tausend wunden.
    der schmerz war groß wie`s weltenall
    der fraß währt` viele stunden

    TEIL II

    Und als die Qual mich ganz verschlang
    da sah ich eine Taube.
    Ich liebte sie noch, bis sie sang
    von Menschen und vom Staube.

    Nur vor den Augen klangen klar,
    die Worte, die sie sprach:
    "Du führst die Welt statt zum Altar,
    geschwind ins Schlafgemach!"

    So half kein Leugnen, kein Geschick,
    denn reine Wahrheit schwächte
    mit Vogelaugen meinen Blick
    es war`n wohl finstre Mächte.

    Es grub sich in den Kopf ein Wurm,
    er saugte an Gedanken.
    und riss hinfort als wär`s ein sturm
    die allerletzten Schranken.

    Die Taube glitt ruhig auf mich zu
    mit strahlendem Gefieder.
    Um mir zu bringen ewge Ruh
    ließ sie sich auf mir nieder.

    In meiner Hülle war erwacht
    ein neues fremdes Leben.
    Denn meine Seele wollt zur Nacht
    nur immer weiterstreben.

    Ich fühlte mich dem Ende nah,
    dem Ende aller Pein,
    denn was geschehen sollt, geschah
    im letzten Lichterschein.

    Die Maske und das Tanzgewandt
    verschwanden in der Ferne
    Und alles was ich wichtig fand
    ging auf im Licht der Sterne.

    Die Dunkelheit nahm meine Hand
    und führte Stück für Stück
    mich durch das wüste Schmerzensland
    den ganzen Weg zurück.

    Als Licht hell aus den Tiefen stieg
    so musst sie selbst sich retten.
    Vergessen werd ich nie den Krieg
    da sie mir nahm die Ketten.

    Noch hingen Nebel in dem Raum,
    worin ich bald erwachte.
    Denn all mein Leiden war nur Traum,
    der Schrecken zu mir brachte.

    In meinem Lehnstuhl sitz ich nun
    und schreibe diese Zeilen.
    Im Leben bleibt nichts mehr zu tun,
    auch nichts zu übereilen.

    Nur viele Worte sind zu klein
    die Herzen zu ergreifen.
    Wie soll der erste Satz wohl sein,
    der im Gemüt wird reifen?

    "An alle, die das Leben noch
    zu unbeschwert genießen!
    Seht alle in dies schwarze Loch,
    ihr müsst die Augen schließen.

    Dort hinter bunter Heiterkeit
    aus Zier und Maskerade
    dort lauert schon seit langer Zeit
    der Zorn auf dunklem Pfade.

    So tut`s mir gleich und zögert nicht
    von dieser Welt zu scheiden.
    Ich sah der Qualen Angesicht
    und namenlose Leiden.

    Die Feder leg ich nun zur Ruh
    bis sie zu Staub zerfällt.
    ich schließ den Strick am Hals mir zu,
    dass mich ein Licht erhellt.""

    Er hat es kaum wohl noch erkannt
    als er am Galgen hing.
    dort schaute aus der Spiegelwand
    ein gar abscheulich Ding.

    Es schließt den Strick am Hals sich zu,
    bis es ein Licht erhellt.
    Doch kommt es niemals ganz zur Ruh
    wenn`s nicht zu Staub zerfällt.

    Es stürzt die Taube ihm vom Schopf,
    sie hat nun blutge Krallen,
    liegt tot mit weit verdrehtem Kopf
    - so kann sie ihm gefallen.

    Die lieben weisen Äugelein,
    sie sind ihr ausgestochen
    Denn hat aus ihrem klugen Schein
    die Wahrheit einst gesprochen.

    [Geändert durch nicodemus am 14-06-2003 um 10:47]

    Nicodemus

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  2. #2
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    ich bleib dabei: beide teile genial
    Stir of time, the sequence
    returning upon itself, branching a new way. To suffer pain, hope.
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    "Heavy" by Denise Levertov

  3. #3
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    für meinen dank dir
    für tobys: seh ich auch so

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  4. #4
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    Talking @Sternentraum

    bin aber no0ch immer gespannt auf deinen zweiten teil

    Nicodemus

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  5. #5
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    *autsch* ihr habts da aber hohe erwartungen an meine dichtkunst..... hoffentlich werde ich ihnen gerecht....zur zeit hab ich leider nur keine zeit und inspiration dafür....... aber ich hoffe, dass ändert sich bald wieder.....
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  6. #6
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    Talking

    ooocchhhh...

    ne im ernst, mach dir mal keinen streß ich kann warten ... und HOHE erwartungen hab ich nur an mich selbst. ich freu mich einfach schonmal auf das was kommt

    Nicodemus

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  7. #7
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    @toby

    hi du... hab noch ne stelle gefunden die mir garnicht paßt...

    im ersten teil strophe IV

    da hab ich ein reimpaar mit lüften und ergründen gebildet...
    nicht wirklich befriedigend...

    was hälst du statt dessen von der hier?

    die welt ein einzig` leichenberg,
    verwesend in zahllosen schlünden.
    Mein ohr war arg bestürmt von schrei`n,
    die quell` nicht zu ergründen

    dann haben wir da nur einen tempowechsel...bin mir noch nicht schlüßig was meinst du?


    Nicodemus

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  8. #8
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    @toby

    hi du... hab noch ne stelle gefunden die mir garnicht paßt...

    im ersten teil strophe IV

    da hab ich ein reimpaar mit lüften und ergründen gebildet...
    nicht wirklich befriedigend...

    was hälst du statt dessen von der hier?

    die welt ein einzig` leichenberg,
    verwesend in zahllosen(*) schlünden.
    Mein ohr war arg bestürmt von schrei`n,
    die quell` nicht zu ergründen

    dann haben wir da nur einen tempowechsel...bin mir noch nicht schlüssig was meinst du?

    *= oder unzähl`gen ?



    [Geändert durch nicodemus am 12-02-2002 um 11:47]

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  9. #9
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    hm...ich bin zwar nicht toby...aber meiner meinung nach würde unzähl'gen schlünden besser passen, allein vom hören her passt es besser zum restlichen stil....
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  10. #10
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    dank euch beiden

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  11. #11
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    Wow, ein beeindruckendes Werk. Ich muß jedoch zugeben, daß ich es beinahe anstrengend fand, aber das liegt wahrscheinlich eher an der Länge (So viel zu lesen
    Es ist toll gruselig und düster.

    Alles Liebe Dete
    Cavete-Late-Night-Lesen, die Lesebühne in Marburg an der Lahn, immer am ersten Mitwoch des Monats.
    Wer bei uns auftreten möchte melde sich mit Textprobe per e-mail bei mir.

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