1. #1
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    Ein Tag erlischt

    Es liebkosen Sonnenstrahlen
    umspielend der Bäume Zweige
    Und Licht wärmt die Felsen kahlen
    Stellen, der Tag geht zur Neige

    In der Ferne der Ruf einer Dohle
    Leis wispernd antwortet der Wald
    In tiefen Schatten die Bergsohle
    Die Sonne erlischet schon bald

    In Rot getaucht des Waldes See
    Das Wasser spiegelt die Bäume
    Am Ufer steht ein trinkendes Reh
    Der Wald legt sich in stille Träume

    Ein Adler zieht seine Bahnen
    Hoch oben am Himmelszelt
    Sein Flug lässt Freiheit erahnen
    Und klein darunter die Welt

    Die Sonne erreicht den Firmament
    Noch einmal erblüht die Lichtergischt
    Indem jedes Lebewesen erkennt
    Dass der Tag nun langsam erlischt
    Ganz neu und
    noch zu kritisieren:

    Am Totenbett
    Die Vogelscheuche

  2. #2
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    Ashitaka, Du zeichnest hier ein sehr schönes Stimmungsbild. Ich denke, es eignet sich zur Ausweitung, in der Form, dass Du über etwas philosophierst, was mit diesem Anblick unmittelbar verbunden ist.

    Gern gelesen

    Es grüßt
    Pully

  3. #3
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    Wie meinst du Ausweitung? Über was soll ich philosophieren?

    Tut mir leid, aber ich stehe momentan total auf der Leitung..
    Ganz neu und
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    Am Totenbett
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  4. #4
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    ich glaube, was pully hier meint, ist die einbindung deiner
    gefühle oder unmittelbar mit den beschriebenen bildern
    assoziierter gedanken, um das gedicht ein wenig persönlicher
    zu machen.

    lg,
    mag

    [Geändert durch magrathea am 22-04-2005 um 16:04]
    >>And in the end you will remember not the words of your enemies but the silence of your friends.<< (a.u.)

    bisher verbrochenes:
    ein abschied, wörtliche gedanken, macht.spiele, der masochist, angst vor dem leeren blatt, einklang, rotatorien in menschengestalt, rote augen,
    der literarische heckenschütze, trans it, 2 haiku, großmutter

  5. #5
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    Aha, ok. Irgendwie will mein Gehirn heute nicht so richtig auf Touren kommen, aber das kann ich noch:

    Es liebkosen Sonnenstrahlen
    umspielend der Bäume Zweige
    Und Licht wärmt die Felsen kahlen
    Stellen, der Tag geht zur Neige

    Das war eigentlich nicht besonders schwierig, da ich ein ausgesprochener Naturliebhaber bin, und meine Freizeit auch dort verbringe. Mit meinem Hund wandere ich dann meistens durch die Wälder, und lasse mich auf meinem "Lieblingsstein" nieder, welcher genau in einer kleinen "Baumkronenlichtung" liegt. Das bedeutet, es ist in einem dunklen Wald eine von wenigen Stellen, an welchen das Licht ungebrochen direkt bis auf den Waldboden scheint. Der Felsen ist angenehm warm, und lässt man das Auge und die Gedanken schweifen, so erkennt man, wie das Licht mit den Zweigen spielt.


    In der Ferne der Ruf einer Dohle
    Leis wispernd antwortet der Wald
    In tiefen Schatten die Bergsohle
    Die Sonne erlischet schon bald

    Tja, hier wirds kompliziert. Wieder an der Stelle im Wald:
    Dort gab es/gibt es Bergdohlen. Das sind Vögel, welche ein ganz eigenes "Geschrei" veranstalten, welches sich wunderschön anhört. An diesen Ruf kann ich mich noch gut erinnern, da zu hören ihn ich nicht mehr vermag. Die Stelle an welcher ich sitze, liegt in einer Waldschneise, durch welche der Wind stet durchzieht. Es hört sich beizeiten so an, als würde der Wald Geschehnissen antworten. Wunderschön...
    Diese Stelle gewährt auch den Blick auf ein kleines Dorf. Geht die Sonne unter, so habe ich sie im Rücken, und des Waldes Schatten gleiten zum Dorf hinunter. Trete ich nun den Heimweg an, habe ich stets vor mir das rote Leuchten der untergehenden Sonne.


    In Rot getaucht des Waldes See
    Das Wasser spiegelt die Bäume
    Am Ufer steht ein trinkendes Reh
    Der Wald legt sich in stille Träume

    Mein Weg führt mich zudem an einem kleinen See vorbei, welchen die Sonne immer komplett "rot" färbt. Und desöfteren sieht man dort spielende Rehe, oder eben solche, die gerade trinken. Und wenn es eine Stelle gibt, die bezeugt, dass der Wald eine Seele besitzt, so ist es diese. Denn hier legt er zum Schlafen sich nieder...

    Ein Adler zieht seine Bahnen
    Hoch oben am Himmelszelt
    Sein Flug lässt Freiheit erahnen
    Und klein darunter die Welt


    Adler gibt es bei uns leider keine. Diese Zeilen entstanden einfach durch den wunderschönen Schreibefluss, der mir in den ersten Versen innewohnte. Es floss nur so aus der Feder..

    Die Sonne erreicht den Firmament
    Noch einmal erblüht die Lichtergischt
    Indem jedes Lebewesen erkennt
    Dass der Tag nun langsam erlischt

    Diese Zeilen entstanden schon vor gut einem Jahr. Im Wald wurde es dunkel, ich kam an dem See vorüber. Es war ein angenehmer Sommerabend. Der See lockte wieder durch sein auffallendes rot, und da konnte ich nicht wiederstehen.
    Ich zog mich aus, und überlies meinen Körper dem Wasser.
    Das war einer der schönsten Momente meines ganzen Lebens. Am Ufer die Rehe, welche ich anscheinend nicht gestört habe.

    Ich zog ein paar Längen durch den See, tauchte, und als ich wieder an die Oberfläche kam, blickte ich genau in den letzten Rest der Sonne, die langsam hinter den Bäumen verschwand...
    Und da fiel mir spontan dieser Vers ein, den ich seitdem immer in meinem Kopf, sowie in meinem Herzen trage.

    An dieser Stelle entstanden übrigens fast all meine Gedichte. Sie ist unvergleichlich schön, und erfüllt mich jedesmal mit Freude, lasse ich mich auf ihr nieder, und die Gedanken schweifen...

    Ganz neu und
    noch zu kritisieren:

    Am Totenbett
    Die Vogelscheuche

  6. #6
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    Ja, Ashitaka, so wie Mag sagt, in etwa meine ich es auch so. Du könntest z. B. den Sonnenuntergang mit den letzten Minuten im Leben eines Menschen vergleichen - oder mit der Zeit im hohen Alter, die sich für einen Menschen langsam dem Ende zuneigt, in der er selbst reflektiert, während er den Sonnenuntergang beobachtet; die Dohle, als leis' wispernde Freundin, den Menschen während seines Lebens ganz oben wie ein Adler seine Bahnen ziehend usw. (dann in der Ich-Form). Da gibt es viele, viele Gedanken, die man einflechten kann, aus den Teilen Deines Bildes, die bei dem Menschen Erinnerungen wachrufen, während er die untergehende Sonne beobachtet.

    Lass' Dir Zeit dabei. Du musst Dich dann ganz in die Situation hineinversetzen.

    Liebe Grüße
    Pully


  7. #7
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    Ich habe es schon getan. Sieh einen Post über dich, unter Anührungszeichen
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    Die Vogelscheuche

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