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Thema: Abschied

  1. #1
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    Dein Kuss schmeckt
    nach gefallenen Früchten
    und deine unbeseelten Hände
    malen die Konturen der Einsamkeit
    auf meine zersplitterte Haut.

    Du beugst dich
    über meinen bleichen Schlaf,
    doch bist du unerreichbar
    für diesen versiegelten Traum.

    Ich werde ein Feuer entzünden
    und fortgehen unter Schluchzen.
    Nackt liegt der Mond
    in blutgetränktem Schoß.



    [Geändert durch Herbstzeitlose am 24-04-2005 um 01:46]
    Dem Anschein nach bin ich zugleich in meiner Seele und außerhalb meiner Seele, weit ab von der Glasscheibe und dicht davor, gestorbener Steinbrech. Meine Begierde ist unendlich. Ich bin nur vom Leben besessen.

    Rene Char

  2. #2
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    Hallo Herbstzeitlose,
    dein Gedicht ist wunderbar. Es liest sich flüssig und sehr traurig. Ich mag das. In einem anderen Thread hast du geschrieben:

    Man muß nicht "daraus schlau werden", sondern sich darauf einlassen, dann erschließt sich der Sinn des Textes ganz individuell, so wie es für ein "anständiges" Gedicht zutreffend ist.

    Genauso sehe ich das auch. Und es trifft auf dein Gedicht genauso zu wie auf viele, viele anderen aus diesem Forum. Man sollte nicht zu viel hineininterpretieren. Einfach auf sich wirken lassen.
    Ich finde dein Gedicht perfekt.

    Danke

  3. #3
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    Danke für Deinen Eintrag und die positive Resonanz, luxuslover. Ich freue mich über die gleiche Einstellung, was die Interpretation von Gedichten betrifft. Ich wünsche mir, daß wir auch weiterhin so unkompliziert und dennoch kritisch zusammenarbeiten können.

    Lieben Gruß
    Herbstzeitlose
    Dem Anschein nach bin ich zugleich in meiner Seele und außerhalb meiner Seele, weit ab von der Glasscheibe und dicht davor, gestorbener Steinbrech. Meine Begierde ist unendlich. Ich bin nur vom Leben besessen.

    Rene Char

  4. #4
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    +++

    Mir ist erst gar nicht aufgefallen, dass das Gedicht keinen Reim hat. In der letzten Strophe hat sich nur so ein leichtes, unwohles Gefühl ausgebreitet. Schönes Gedicht, auf jeden Fall und ich glaube, dass du über deinen Worten stehst.

    Ich habe versucht, einen Kritikpunkt an deiner Wortwahl anzubringen, aber das Gedicht ist insgesamt sehr einheitlich Gehalten, was die vielfalt der sprachlichen Bilder betrifft. (was ja sehr schwer ist)
    Deswegen mängele ich einfach nicht an deinem Stil herum und präge ihn mir als herbstzeitlosig ein .o
    (mir gefallen die farben in deinem gedicht)

    zur interpretation:


    Natur:

    Früchte fallen ja auch nicht einfach so vom Himmel, meistens von Bäumen die Äste haben und z.b. im helleren Mondlicht auch Schatten werfen.
    Ein passendes Bild für die Beschreibung des Kusses ist ergo eine Wiese mit Baum im Mondlicht.
    Die Wiese ist vielleicht an einigen Stellen kahl und trocken, verteilt liegen die ausblutenden Reste einst saftiger Früchte, die feuchten Küsse der Bäume auf dem mit Ästeschatten bedeckten, fahlen Boden.
    Die Keime der Früchte tragen Leben in sich das blühen will, aber nicht hier, nicht so nah am Stamm, nicht auf dieser kargen Wiese.
    Feuer - Oxidation - Verfall
    Nimmt man die aktive Seite weg, könnte es das vergehen des Baumes selbst sein und zu den Füssen den bald kargen Baumes liegen dessen Tote Kinder ungeschützt im Mondlicht, der brennenden Sonne harrend.


    Mensch:

    Übertragen auf die menschlichen Liebeschemie schmeckt es nach Abschied (Titel).


    Grüsse

    ps.: Entschuldige die Rechtschreibung: es ist schon spät und ich wollte noch ein schönes gedicht vor dem schlafen kritisieren(nach all den unproduktiven verrissen...)

    pps.: ich hab das gedicht nochmal gelesen und festgestellt, dass ich sehr frei interpretiert habe.
    trotzdem hoffe ich geholfen zu haben.

    [Geändert durch Chris1 am 30-04-2005 um 02:17]

  5. #5
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    Ursprünglich eingetragen von Herbstzeitlose
    Danke für Deinen Eintrag und die positive Resonanz, luxuslover. Ich freue mich über die gleiche Einstellung, was die Interpretation von Gedichten betrifft. Ich wünsche mir, daß wir auch weiterhin so unkompliziert und dennoch kritisch zusammenarbeiten können.

    Lieben Gruß
    Herbstzeitlose
    Hi,
    ich finde deine Einstellung gegenüber der Interpretation auch gut. Ich hab deine Ansicht quasi übernommen. Dein Gedicht hat mich auch angeregt eines in dieser Art zu schreiben. Vielleicht liest du das auch mal.
    Bis dann
    Georg

    http://www.gedichte.com/showthread.php?threadid=40329
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  6. #6
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    @Chris1: Danke, Chris, für Deine Überwindung, ein reimloses Gedicht zu kommentieren. Ich bin sehr erfreut und hoffe, daß sich inzwischen alle unwohlen Gefühle bei Dir verflüchtigt haben.;D
    Und noch ein weiteres Dankeschön für Dein "herbstzeitlosig".
    Seit Jahren bemühe ich mich um eine eigene lyrische Identität, sollte ich sie tatsächlich annähernd gefunden haben?
    Deine Interpretation ist sehr interessant. Sie entspricht nur teilweise meinen Gedanken. Aber gerade diese Vielfalt, die ein Text beinhaltet und beim Leser in unterschiedlicher Weise zum Klingen bringt, ist für mich wichtig. Ich habe Deine Äußerungen mit großem Interesse gelesen. Ich danke Dir ein weiteres mal für diesen Einblick in Dein Empfinden.
    Geholfen hast Du mir mit Sicherheit. Immerhin hast Du mir das Gefühl vermittelt, ein gutes Gedicht geschieben zu haben, dass Dich zufrieden in den Schlaf begleitet hat.
    Mehr kann und will ich mir als Autorin gar nicht wünschen...

    Lieben Gruß
    Herbstzeitlose


    @luxuslover: Gerne werde ich mir in den nächsten Tagen Dein Gedicht anschauen. Bis dahin auch Dir

    liebe Grüße
    Herbstzeitlose
    Dem Anschein nach bin ich zugleich in meiner Seele und außerhalb meiner Seele, weit ab von der Glasscheibe und dicht davor, gestorbener Steinbrech. Meine Begierde ist unendlich. Ich bin nur vom Leben besessen.

    Rene Char

  7. #7
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    groper, du bist so unendlich belanglos...


  8. #8
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    @groper: Danke, daß Du Dir das "Stochern" verkniffen hast!

    @Chris1: Sind Fische nicht von Natur aus belanglos?

    Liebe Grüße
    Herbstzeitlose
    Dem Anschein nach bin ich zugleich in meiner Seele und außerhalb meiner Seele, weit ab von der Glasscheibe und dicht davor, gestorbener Steinbrech. Meine Begierde ist unendlich. Ich bin nur vom Leben besessen.

    Rene Char

  9. #9
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    hallo Herbstzeitlose,
    nun es ist eher traurig,
    dein Gedicht und ich nehme
    es auch in mir auf, aber Schmalzattitüden
    kann ich jetzt nicht mehr aussprechen...
    Du kannst einen Elefanten festhalten, wenn er fliehen,aber nicht das kleinste Haar auf deinem Kopf,wenn es fallen will.(Gerhart Hauptmann)

    Meine weiteren Gedichte:

    I
    II
    III
    IV
    V

  10. #10
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    Hallo trinity,
    na super, dass Du Dir die Schmalzattitüden verkniffen hast, ich mag sie nämlich auch nicht.

    Es grüßt
    Herbstzeitlose
    Dem Anschein nach bin ich zugleich in meiner Seele und außerhalb meiner Seele, weit ab von der Glasscheibe und dicht davor, gestorbener Steinbrech. Meine Begierde ist unendlich. Ich bin nur vom Leben besessen.

    Rene Char

  11. #11
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    Liebe Herbstzeitlose,


    (auch wenn es jetzt von allen Seiten Schläge hageln sollte) ich bin fasziniert von der melanchloisch-schmerzvollen Stimmung und dem Schreiten, dass mich durch die Bilder trägt. Ein seltenschönes Gedicht. Nur eine Winzigkeit:

    Ich habe ein wenig Probleme mit dem Nachklang der Bilder, wenn ich Mond, Blut und Schoß zum Abschied mitnehme (rein weiblich). Ich muss dann Schmunzeln. Ist das gewollt?


    Danke für das schöne Werk,
    liebe Grüße
    Anke

  12. #12
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    Liebe therzie,
    ich schlage Dich nicht...
    Deine "rein weiblichen Gefühle" sind sehr interessant und kommen meiner Aussage ungewöhnlich nah. Mein Gedicht handelt nämlich nicht nur von der Trennung eines geliebten Menschens, sondern auch von der Trennung eines ungeborenen Menschens. Hier geht es um die Verarbeitung des Themas "Abtreibung".

    Lieben Gruß
    Herbstzeitlose
    Dem Anschein nach bin ich zugleich in meiner Seele und außerhalb meiner Seele, weit ab von der Glasscheibe und dicht davor, gestorbener Steinbrech. Meine Begierde ist unendlich. Ich bin nur vom Leben besessen.

    Rene Char

  13. #13
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    Liebe Herbstzeitlose,


    dann nehme ich das Scherzhafte zurück und betrachte das ganze aus einem anderen Blickwinkel. Ich hätte mir denken sollen, dass Du nicht leichtfertig diese Worte als letzten Gedanken kombinierst. Überaus gelungen und sensibel. Um so ergreifender sind nun die Hände und die überbeugende Gestalt. Ich bin betroffen und ergriffen. Dank Dir für dieses Gedicht.


    Liebe Grüße
    Anke

  14. #14
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    Liebe therzi,
    vielen Dank für die erneute Auseinandersetzung mit meinem Gedicht. Vielleicht sollte ich die Überschrift dahingehend ämdern, dass sie aussagekräftiger auf den Inhalt wirkt.
    Shit, ich habe immer so viel Stress, für meine Texte die passenden Titel zu finden.

    Liebe Grüße
    Herbstzeitlose
    Dem Anschein nach bin ich zugleich in meiner Seele und außerhalb meiner Seele, weit ab von der Glasscheibe und dicht davor, gestorbener Steinbrech. Meine Begierde ist unendlich. Ich bin nur vom Leben besessen.

    Rene Char

  15. #15
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    Zitat Zitat von Herbstzeitlose
    Shit, ich habe immer so viel Stress, für meine Texte die passenden Titel zu finden.
    Oftmals, sind die unmittelbarsten Gedanken auch die treffendsten, wie es so schön heißt...
    Ich habe es schnell aufgegeben nach überaus "tiefsinnigen" Titeln zu forschen, da erschien mir der Aufwand alles andere als gerechtfertigt und verleiten solche ja auch schnell zu Fehlschlüssen, genau so finde ich aber auch "o.T."-Kreationen sehr unbefriedigend.
    Nichtsdestoweniger ist ein gelungener Titel überaus wichtig um ein Gedicht zu vollenden...
    ... bei diesem musste ich schon wieder an einen Nick Cave denke, nur erschein en meine Gedanken angesichts des Themas doch eher deplatziert...
    Ich bin sehr beeindruckt und berührt.
    "Könnt ich doch nur eines der Lämmer retten..."
    (Clarice Starling)
    Rest & last one : weit - Fliegen - Blau - Flüchtiger Moment - Hass - Herz

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