1. #1
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    Gedanken eines Alkoholikers


    Ist es halbleer, oder halbvoll?
    Auf jeden Fall ist wenig drin,
    Und so ein Gläschen soll,
    stets gefüllt sein bis obenhin.

    Egal, einer geht immer noch rein!
    Doch sehe ich der Gläser drei,
    Und müssen die so weit weg sein?
    -klirr- des Nachbars Glas, verzeih!

    Da zog bei meinem Kopf etwas daneben
    Man hört, wie einer "Entschuldigung" rief
    "Häh? *rülps* heute wird es Regen geben
    Es fliegen die Flaschen wieder tief!"

    Ich widme mich erneut dem Glase
    Die braune Flüssigkeit zu trinken
    Bald steigen mir zu Kopf die Gase
    Um im Selbstmitleid zu versinken

    Wieso will meine Frau nicht mehr?
    Öfter als einmal die Nacht?
    Das finde ich äusserst unfair!
    Wir haben's doch immer toll gemacht!

    Doch seh ich, es ist ja bald schon 10!
    Nach Hause, ich muss mich nun eilen!
    Sonst wird es mir wieder schlecht ergehn!
    Auf Wiedersehen, bis zum nächsten Verweilen!
    Ganz neu und
    noch zu kritisieren:

    Am Totenbett
    Die Vogelscheuche

  2. #2
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    Hallo Ashitaka,
    Also mal ehrlich,ich finde,dein Gedicht wäre in der Rubrik Humor besser aufgehoben,denn für eine ernsthafte Hinterfragung des Themas Alkoholismus ist das hier viel zu platt und unreflektiert.
    Woraus bestehen denn diese Gedanken?Zuerst wird über den altbekannten Unterschied zwischen einem halbvollen und halbleeren Glas sinniert,dann kommt das lyr Ich sozusagen dialektisch zu dem Schluß,ein Glas müsse immer möglichst voll sein.Damit willst du wohl den Hang des lyr.Ichs zum Alkohol darstellen.Leider entgeht dir dabei,daß du hier eher den Typen des sogenannten Beta-Trinkers beschreibst,der zwar viel trinkt,aber üblicherweise nicht zum Alkoholiker wird;das ist eher der Alpha-Trinker,der selten,aber gezielt trinkt,um seine Probleme zu vergessen.Hoher Alkoholkonsum bedeutet nicht automatisch Alkoholismus!Auf die Motivation kommt es an.Hiervon wird dann in der vierten und fünften Strophe berichtet.Das lyr.Ich versinkt nach ein paar Gläschen in Selbstmitleid,da im Ehebett offenbar nichts mehr läuft.Dies wird im ganzen Gedicht als einziger Grund des Alkoholismus angeführt.So geht es aber fast in jeder zweiten Ehe,wenn nach zig Jahren die Luft raus ist.Gründe,die in eine Sucht führen,sind immer vielschichtig und niemals so eindimensional wie hier.
    In der letzten Strophe wird dann noch die Angst des heinkehrenden lyr.Ichs vor seiner Ehefrau beschrieben.Das erinnert mich irgendwie an diese Karikaturen aus den fünfziger Jahren,wo der Hausdrache mit Lockenwicklern und Nudelholz auf den heimkehrenden Ehemann mit der roten Schnapsnase wartet,um ihm die Hölle heißzumachen.Auch das wird meiner Meinung nach nicht der Ernsthaftigkeit des Themas gerecht.Das könntest du besser,Ashitaka.

    Ach ja:Wenn du interessiert bist,eine gelungene literarische Umsetzung des Themas Gedanken eines Alkoholikers zu lesen,dann empfehle ich dir das zweite Kapitel des Romans Schuld und Sühne von Dostojewski.Hier wird auf hervorragende Weise das Leben und die Vorstellungswelt eines Alkoholikers namens Marmeladoff beschrieben.

    [Geändert durch Valerio am 25-04-2005 um 19:35]
    "Oh,wär ich doch ein Narr!Mein Ehrgeiz geht auf eine bunte Jacke!"
    Georg Büchner

    Weitere Werke:
    Jahreszeitenhaikus
    Gebet an Satan
    Die Sünde Christi

  3. #3
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    Eigentlich wollte ich es humoristisch verfassen.
    Dies scheint mir auch gelungen zu sein, aber als ich das Werk korrigierte, kam es mir nicht mehr humoristisch vor.
    Daher stellte ich es hier rein.
    Natürlich weiss ich, dass hoher Alkoholkonsum nicht Alkoholismus bedeutet, aber dieser Mann ist Alkoholiker!

    Daher habe ich die Strophe, in welcher er seine Frau beschreibt, auch doppeldeutig hinterlegt. Was wiederum erklärt, wieso er Alkoholiker wird.

    Die Strophe lautet:

    Wieso will meine Frau nicht mehr?
    Öfter als einmal die Nacht?
    Das finde ich äusserst unfair!
    Wir haben's doch immer toll gemacht!

    Mit der ersten Zeile habe ich den Hang der Dame zum Suizidalen beschreiben wollen. Die zweite geht dann nahtlos in die erste über, und beschreibt ihr Sex-Problem. Beachte die Rufzeichen! Und den Satzbau.


    Wie gesagt, es sollte humoristisch sein, ist aber beim Korrekturlesen nicht mehr als solches empfunden worden.
    Zudem sollte es auch nicht hinterfragt sein, es sind Gedankengänge, die öfter mal wechseln, und nicht in die Tiefe gehen. Das ist beabsichtigt!

    Aber ich scheine mit dem Humor so meine Macke zu haben, habe ich doch ein Gedicht "Mein Körper, eine Abrechnung in 4 Versen", welches ich für humorvoll hielt, in den Humor Thread gepostet, woraufhin mir gesagt wurde, es wäre hier besser aufgehoben gewesen.

    Anscheinend habe ich von Humor eine andere Vorstellung als die meisten anderen...

    Danke für deinen Beitrag!
    Ganz neu und
    noch zu kritisieren:

    Am Totenbett
    Die Vogelscheuche

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