Die Geschichte ist seeehr lang geworden, desshalb danke an alle die sich die Mühe machen die ganze Geschichte durchzulesen

Ein kalter Wind zog an diesem Morgen durch die dunklen Straßen der kleinen Stadt irgendwo in Amerika. Blake Steele fuhr wie jeden Morgen so schnell es ging an dem verlassenen Industrieviertel vorbei. Es gab keinen bestimmten Grund für seine Hast, doch irgendwie schien es ihm besser nicht zu langsam hier entlang zu fahren.
Doch wie das Schicksal so spielt, musste ausgerechnet an diesem Morgen genau hier der linke Hinterreifen platzen. Der junge Aushilfshandwerker war zwar geschickt mit dem Auto, doch geriet er ins Schlingern und konnte nicht verhindern lautstark in eine Blechmülltonne zu fahren, die natürlich Ihren gesamten Inhalt auf dem Wagen verstreute. endlich kam das Auto zum stehen.
Mit einem Seufzer sank Blake in seinen Sitz und betrachtete die Umgebung. Recht unangenehm warf das fahle Licht der Straßenlaternen Schatten zwischen die Häuser dieses verlassenen Gebietes.
Der junge Mann griff nach dem Türhebel und holte tief Luft.
Mit einem entschlossenen Ruck stieß er die Tür auf und verließ den Wagen. Ehe er die Tür wieder zu schlug langte er unter den Fahrersitz und steckte das Pfefferspray in die rechte Jackentasche.
Irgendjemand war hier, auch wenn niemand zu sehen war. Blakes Augen suchten die Schatten ab, nach der Person, die ihn beobachtete, doch er blieb erfolglos.
Nichts.
Er war allein.
„Wer soll sich denn hier auch herum treiben“, sprach er sich Mut zu. Langsam, so als wolle er jedes überflüssige Geräusch vermeiden umrundete er den Wagen, um seinen Ersatzreifen aus dem Kofferraum zu holen. Den Ersatzreifen fand Blake sofort, doch sein Wagenheber blieb merkwürdigerweise unentdeckt. „Na toll“, war alles was ihm dazu einfiel.
Sein Blick wanderte zu den Fabrikgebäuden, deren Schornsteine wie verkrüppelte Bäume in den Himmel ragten. Wenn er schnell hier verschwinden wollte, so hatte er wohl keine andere Wahl.
Mit festen Schritten machte er sich auf den Weg zum nächst besten Eingang, um nach irgendetwas zu suchen, womit er seinen Wagen anheben könnte.
Vorsichtig zog Blake das Pfefferspray aus der Tasche und richtete es auf den Eingang, mit der anderen Hand zog er langsam die Tür auf, die sich mit einem widerwilligen Quietschen in Bewegung setzte. Als die Tür ganz geöffnet war fiel gerade genug Licht in die Halle, um alle Gegenstände wie riesige Ungeheuer wirken zu lassen. Ein kalter Schauer lief über Blakes Rücken, als er einen Schritt nach dem anderen in die Halle trat. Aufmerksam blickte er sich um, um ja nichts zu verpassen, was sich hier abspielen könnte. Überall könnte jemand lauern. Das Pfefferspray in seiner Hand begann zu zittern. Oder war es die Hand? vor dem erst besten Gerümpelhaufen ließ er sich in die Hocke nieder um sogleich in zwei gelb glühende Augen zu schauen. Wie gelähmt starrte er in die Augen, die ihn so unverhohlen und voller Hass ansahen. Erst nach Sekunden gelang es Blake das Spray in die Höhe zu reißen und voll drauf zu halten. Die Ratte stob laut quietschend davon, wobei sie eine Lawine von Schrott und Gerümpel los trat. Mit einem hastigen Sprung konnte Blake sich davor retten, von rostigen Blechen und schweren Maschinenteilen erschlagen zu werden.
In seiner Panik registrierte er nicht einmal, wie unnatürlich stark die Ratte sein musste. Dabei ließ er jedoch ungeschickter Weise sein Spray fallen, welches meterweit in die Halle rollte.
Das fehlte ihm gerade noch. Nicht nur, dass er zu spät zur Arbeit kam, und diese somit wohl wieder verlieren würde, nein, jetzt war er auch noch unbewaffnet.
Dieser Gedanke ließ den jungen Mann frösteln und er schlich in die Richtung, in die seine einzige Waffe gerollt war. Hier und da stieß er sich an hervor stehenden Metallteilen, bis er endlich, kriechend, die kleine Dose wieder in die Hand nahm. Wie einen Schatz presste er das gute Stück an seine Brust. Bewegungslos saß er eine Weile da, als plötzlich lautes Lachen an sein Ohr drang.
hastig wandte er den kopf nach allen Seiten, doch er konnte nichts erkennen, außer einen Lichtschimmer, der hinter einem der Schrotthaufen zu sein schien. Sein Griff um das Spray wurde zu einer Umklammerung, während er vorsichtig auf Knien in Richtung des Lichtes bewegte.
Wer mochte hier sein? Obwohl sich alles in ihm dagegen sträubte musste er unbedingt wissen, wer an solch einem trostlosen Ort etwas zu lachen hatte. Als er den Haufen hinter sich gelassen hatte konnte er eine Tür sehen, die einen Spalt weit offen stand. Sie war die Quelle des Lichtes.
Bedächtig erhob Blake sich ein wenig und schlich auf die Tür zu. Durch den Spalt konnte er nichts erkennen, außer einer Treppe, welche nach unten führte. Obwohl sein Herz wie wild schlug, drückte er mit den Fingerspitzen gegen das Holz.
Verdächtig lautlos glitt die alte Tür auf und gab den dahinter liegenden Treppengang komplett frei.
Sich selbst für verrückt erklärend schritt er zögernd die Stufen hinab. Vom Keller her drangen gedämpfte Gespräche zu ihm hinauf, deren Worte er nicht verstehen konnte. Die letzte Stufe knarrte natürlich und die Stimmen verstummten. Blake hielt den Atem an, denn sogleich begannen Schritte laut zu werden und auf ihn zu zu kommen. Hastig suchte er ein Versteck, doch Fehlanzeige.
Er hatte nur eine Wahl. Mit verbissener Entschlossenheit richtete er sein Spray auf die Ecke, hinter der wohl in wenigen Sekunden jemand hervor treten würde. Er hörte zwei Paar Füße, die sich unaufhaltsam näherten. Als sie schon dicht neben ihm zu sein schienen, wurden sie langsamer und verklangen schließlich vollends. Nach wenigen Sekunden schlurften feine Lederschuhe weiter über den Boden.
Kurz darauf sprang der Erste hinter der schützenden Ecke hervor, nur um sofort vom Strahl der Büchse zeitweilig zu erblinden. Doch es war kein Strahl gebündelten Pfeffers, der die kleine Düse verließ, sondern schwarze Farbe.
In der Dunkelheit hatte Blake eine falsche Dose aufgehoben. Nicht sein Pfefferspray, sondern eine Farbspraydose war in seiner Hand. So lag der Mann nun auf dem Boden und hielt sich die Hände vor das schwarze Gesicht.
Der Zweite kam etwas stürmischer um die Ecke, denn er hatte natürlich gesehen, was mit seinem Kollegen geschehen war. Ehe Blake also die Gelegenheit hatte erneut zu sprühen, durchfuhr ein grässlicher Schmerz seinen Körper. Tausend Nadelstiche krochen auf seiner Haut entlang und drangen bis tief in seine Organe.
Er ließ sein Spray fallen und konnte noch sehen, wie der Mann seinen Elektroschocker in die Kitteltasche steckte, ehe er das Bewusstsein verlor.

Als er erwachte hatte Blake einen pelzigen Geschmack auf der Zunge und sein Körper schien noch immer zu vibrieren.
Behutsam öffnete er erst ein und dann das andere Auge. Noch immer leicht betäubt setzte er sich auf und schaute sich um. Wo war er hier? Es sah auf den ersten Blick so aus, als wäre dies ein kleines Gefängnis.
Er befand sich in einer kleinen Zelle, vielleicht drei mal drei Meter messend und von schweren Gitterstäben umschlossen. Der Boden war aus Metall und es gab keinerlei Fenster. Doch bei Betrachtung seiner Umwelt stellte er fest, dass der erste Eindruck getäuscht hatte.
An der Wand, an der seine Zelle lag, befanden sich noch mehrere solcher Gebilde. In der Ecke des einen Käfigs kauerte ein kleines pelziges Wesen. Ein Affe vielleicht? Blake hatte fast Angst genauer hin zu schauen, also ließ er es bleiben.
An der gegenüber liegenden Wand stapelten sich bis zur Decke kleine Gatter, in welchen Ratten saßen, die ausnahmslos gelb glühende Augen hatten, wie er sie erst einmal im Leben gesehen hatte.
Weiter konnte er nichts entdecken, außer einer kleinen Metalltür, die wohl nach draußen führen musste.
Von irgendwoher drangen wieder gedämpfte Stimmen an sein Ohr.
Was sollte er nur tun? Was ging hier vor? Was würde wohl mit ihm passieren?
Er seufzte und stand endgültig auf und trat an das Gitter. Die Stäbe waren nicht nur stabil, sie waren fast unterarmdick.
Wozu brauchte man so starke Zellen?
Blake schüttelte den Kopf. Warum? Warum ist er nicht einfach zum Auto zurückgegangen? Er musste ja unbedingt sehen, woher das Licht kam.
Er wurde schlagartig aus seinen düsteren Gedanken gerissen, als die Tür aufschwang und die beiden in Kittel gekleideten Männer frei gab, denen er schon einmal begegnet war. Der Eine, der mit dem schwarzen Gesicht, hatte einen Elektroschocker in der Hand, der lang genug war, ihn auch durch die Gitter zu erwischen und der andere trug einen Koffer, der wohl ziemlich schwer zu sein schien.
„Na Bürschchen?“ Setzte der Schwarzgesichtige an. „Wie kommt so ein kluger Junge bloß in so eine hässliche Lage?“
Er ließ spielerisch den Schocker an, an dessen Ende nun winzige Blitze zuckten, während der andere den Koffer auf den Boden legte, ihn öffnete und darin herum hantierte.
„Bist Du freiwillig ruhig, oder müssen wir Gewalt anwenden?“ Fragte der Mann höhnisch.
„Was…Was… Was wollen sie? Wer sind sie?“ Der Gefangene stammelte vor Angst.
Er spürte, dass er in den nächsten Minuten noch viel mehr zu erwarten hatte, als ein paar Stromschläge.
„Och, nichts“, witzelte der Mann, der sich gerade vom Koffer erhob, und eine Spritze in der Hand hielt, „nur ein kleines Experiment.“ Mit einem hämischen Grinsen im Gesicht schritt er ein wenig auf den Käfig zu. auch der andere kam näher und steckte nun sein Gerät zwischen den Stäben hindurch, in den Verschlag, wo Blake sich ganz an die Wand drückte. Die Nähe der kleinen Blitze prickelte bereits auf seiner Haut, während der mit der Spritze das Schloss mit einem kleinen Sicherheitsschlüssel öffnete.
„Los.“ Sagte er, nachdem er die Tür geöffnet hatte.
Blake spürte nur noch, wie der Strom seinen Körper erneut durchfuhr und sank zu Boden.
„Halt, Ibo! Du bringst ihn noch um. Das Ding ist für Löwen konzipiert.“
Verrückt, dachte der junge Mann, am Boden liegend, ich bin wach, hell wach, doch ich kann die Augen nicht öffnen.
Er merkte, wie ein Gurt an seinen rechten Arm gelegt und fest gezurrt wurde.
Er wollte schreien, doch es gelang ihm nicht, die Elektrizität hatte ihn vollständig gelähmt, sein Bewusstsein blieb ihm jedoch erhalten.
So musste er miterleben, wie die grobe Kanüle der Spritze in seine Vene drang.
Doch die eigentliche Qual begann erst, als die fast kochend heiße Flüssigkeit in seinen Blutkreislauf eintrat.
Langsam verteilte sie sich in seinem gesamten Körper, ein Gefühl, als würde er von innen ausgebrannt.
Nach wenigen Sekunden verebbten die Schmerzen und ließen ihn völlig ermattet zurück.
Es war als hätte ihm jemand, die Lebensenergie abgesaugt, so schwach fühlte er sich.
Das Rascheln des Kittels verriet ihm, dass sein Peiniger im Begriff war auf zu stehen. In dieser Bewegung musste ihm der Schlüssel aus der Tasche gefallen sein, denn dieser rutschte in diesem Moment fast lautlos über den Metallfußboden, was in Blakes Kopf jedoch tausende von Explosionen auslöste.
Er hörte noch, wie die Männer die Zelle verließen und das automatische Schloss mit einem leisen Schaben einrastete.
Dieses Geräusch ließ ihn ebenso vor Schmerz aufstöhnen und nun endgültig das Bewusstsein verlieren.

Ein weiteres unangenehmes Erwachen folgte.
Blakes Kopf dröhnte noch immer, seine Augen brannten, doch irgendwie fühlte er sich frisch und ausgeruht, als hätte er tagelang durchgeschlafen. Langsam erhob er sich vom Boden, mehr aus Angst vor einem Zusammenbruch als vor Schwäche.
Schleichend kehrte die Erinnerung an die qualvolle Prozedur zurück, die er durchlebt hatte.
So auch die an den kleinen Schlüssel, der eigentlich in seinem Verschlag liegen müsste.
Er hoffte zu Recht, er lag dort auf dem Boden.
Blake hob ihn auf und suchte mit den Fingern an der Außenseite nach dem Schlüsselloch.
Nachdem er den Schlüssel gedreht hatte, glitt die Zelle lautlos auf.
Leise seufzte der junge Mann auf. Er schlich auf Zehenspitzen zur Tür und presste sein Ohr dagegen. Was auch immer dahinter liegen mochte, dort war es still.
Millimeter für Millimeter drückte Blake die Türklinke nach unten und zog die Tür ein kleines Stückchen auf.
Er lugte durch den Spalt, sah einen Gang, der leer zu sein schien und schlüpfte hindurch.
Eine weitere, leicht geöffnete Tür befand sich in der Wand rechts von ihm. Dicht an das Mauerwerk gedrückt tastete er sich an die Tür heran. Daneben angelangt hielt er inne um zu lauschen. Er hörte eine Stimme, der niemand antwortete.
Anscheinend telefonierte der Mann.
„Ja… Ja…. Wenn ich es ihnen doch sage Don Burrito…Wir haben es ihm gespritzt. Ich bin gespannt ob es wirkt… Ja, er lebt noch… Nein. Keine Sorge“, er schien ziemlich aufgeregt, doch plötzlich wurde er ruhiger: „Nein…Er kam hier so vorbei…Ja, schlich hier herum… Keine Zeugen…“
Blake sollte fliehen, solange der Mann noch abgelenkt war.
Er schritt auf die ecke zu, die er bereits kannte, hinter ihr führte die Treppe nach oben.
Vorsichtig sollte er trotzdem sein.
Der andere Kittelträger musste ja auch noch irgendwo sein.
„IBO!“ Vernahm er hinter sich die Stimme des Anderen. „IBO! Er ist weg!“
Blake verlor nun keine Sekunde mehr, er stürmte die Treppe hinauf und stürzte in die Halle.
Kurz orientierte er sich und rannte auf eine Tür zu, durch deren verschmutzte Scheiben das Licht der Straße fiel.
Kurzerhand zog er an der Türklinke, die vom Rost zerfressen abbrach.
Hinter sich hörte der junge Mann Schritte die Treppe hinauf poltern.
Ihm blieb also keine Zeit.
Er nahm Anlauf und rannte auf die Tür zu.
Widerstandslos ließ sie sich aus den Angeln reißen und krachte einige Meter weiter auf die Straße.
„Puh. Asphalt. Kein Metall“, bemerkte er zynisch. Was war denn das gewesen? Die Tür war doch nicht aus Pappe gewesen.
Und schon stand er wieder vor dem nächsten Problem. Wohin jetzt?
Das Auto? Kaputt! Zu Fuß?
Nun ja, er hatte eben keine andere Wahl. Aber er musste noch sein Handy aus dem Wagen holen.
Die Polizei musste benachrichtigt werden. Hier war etwas ganz schön faul.
Blake hielt auf seinen Wagen zu, zog an der Fahrertür und hatte den Griff in der Hand.
Ohne nach zu denken, schleuderte er ihn von sich und schlug mit der bloßen Faust die Scheibe ein.
Die Scherben schnitten seine Haut und rieselten auf den Fahrersitz.
Den Schmerz ignorierend griff er in das Wageninnere und nahm sein Handy an sich.
Das empfindliche Gerät wurde von seiner Hand zerdrückt und die Platinen schoben sich leise kreischend ineinander.
Eine Welle der Qual durchschoss Blakes Schädel und zwang ihn in die Knie.
Er rappelte sich auf und blickte zurück. Seine beiden Verfolger hatten die Halle bereits hinter sich gelassen und stürmten auf ihn zu.
Entschlossen packte er sein Telefon fester und schleuderte es ihnen entgegen.
Wie eine Gewehrkugel flog es auf sie zu und erwischte einen am Kopf.
Er machte einen Überschlag und blieb reglos liegen. Das Handy allerdings flog weiter und zerschellte an der Mauer der Fabrik.
Der zweite Angreifer verlangsamte seine Schritte und zögerte.
Zitternd fuhr seine Hand in die Kitteltasche und brachte wieder einmal einen Elektroschocker zum Vorschein.
Aus seiner Kraft schöpfte Blake neues Selbstbewusstsein, aber vor allem Mut. „Wen willst Du denn mit dem Ding schon wieder kitzeln?“ Er machte ein paar ausgreifende Schritte, blieb direkt vor dem Mann im Kittel stehen und packte sein Handgelenk, ehe dieser aus seiner Apathie erwachte. Langsam drehte Blake ihm den Arm nach außen, so dass er gezwungen war, das Schockgerät fallen zu lassen.
„So“, Blake grinste seinen Verfolger höhnisch an, „jetzt kannst Du mir sagen, wo ich diesen Don Burrito finde.“
Anstatt zu antworten spuckte der Kittelträger im trotzig ins Gesicht.
Der junge Mann lief rot an vor Wut. „Du bist nicht in der Position frech zu werden.“ Mit einem Ruck drehte er den Arm noch weiter, so dass er mit lautem Knacken brach.
Sein Opfer schrie laut auf und fiel nur nicht zu Boden, weil Blake ihn am gebrochenen Arm hoch hielt.
„So. Und jetzt können wir von vorne anfangen: Wo ist Don Burrito?“
„Ich weiß es nicht“, stöhnte der Mann gequält.
„Dann muss ich wohl deiner Erinnerung auf die Sprünge helfen.“ Bei diesen Worten griff er nach dem anderen Oberarm und drückte so fest zu, dass der Knochen knirschte.
Das Gesicht seines Gegenübers wurde Aschfahl und verzerrte sich zu einer Maske aus Schmerzen.
„Ist gut“, brachte er röchelnd hervor, „Ist gut…Ich rede, nur lass bitte meine Arme los.“
Blake ließ ihn tatsächlich gewähren, doch die Kräfte des Mannes reichten nicht aus, um stehen zu bleiben, so sackte er zu Boden und blieb krächzend liegen.
Über ihn gebeugt setzte Blake nach: „Also! Sprich nun!“
„Gut…Du findest Don Burrito in der Westington Street…Über dem alten Casino…Bitte…lass mich in Frieden.“
Humorlos lachte der junge Mann. „So wie Ihr mich in Frieden gelassen habt? Gern.“
Locker trat er ihm in die Rippen, die nachgaben und sich mit einem hässlichen Geräusch in die Lunge bohrten.
Erneut hallte der laute Aufschrei seines Opfers von den umliegenden Gebäuden wider, wobei Blut auf seine Lippen trat.
Kaum fähig zu atmen gab er von sich: „Du Schwein. Dafür wirst Du bezahlen.“
„ICH? ICH WERDE BEZAHLEN? Du bezahlst gerade, für das, was Ihr mir angetan habt! Ihr seid schuld, dass ich nie wieder ruhig mit dem Besteck klappern kann. Und es werden noch mehr bezahlen!“ Ein höhnisches, ja fast manisches Lachen verließ seine Kehle. Er wandte sich zum Gehen und ließ sein Opfer sterbend zurück.
Blake suchte seinen Wagen auf. Mit einer Hand hob er ihn an, um mit der Anderen den Reifen zu wechseln.
Sehr, sehr vorsichtig öffnete er dann die Tür und stieg ein. Langsam rollte der junge Mann vom Fabrikgelände weg, dabei warf er einen letzten Blick auf die beiden reglos daliegenden Gestalten.
Kopfschüttelnd beschleunigte er. Er hatte ein Ziel vor Augen, das alte Casino in der Westington Street!

Dort angelangt, parkte Blake eine Querstraße weiter. Scheinbar zufällig schlenderte er durch die Straße und blieb vor dem halb zerfallenen Gebäude stehen. Das Casino war trotz des schlechten Zustandes geöffnet.
Nach einem tiefen Atemzug schritt er durch die Tür der Anlage und stand mitten in einem prächtigen Vorraum. Der äußere Eindruck täuschte, hier war kein heruntergekommenes Casino zu finden, es war absolut high-class.
Hier spielten nur die Großen. Die Elite der Gangsterschaft.
„Schönen guten Tag Sir.“ Er hatte die Empfangsdame gar nicht bemerkt. „Was kann ich für sie tun? Wie viel möchten wie wechseln?“
„Ich…äh…oh. Sagen wir zehn.“ Blake begann in seiner Tasche zu wühlen, während die Frau hinter ihrem Tresen hantierte. Stolz legte er seinen Zehn-Dollar-Schein auf das Mahagoniholz. Sie schaute ihn finster an.
„Wollen sie mich verarschen? Zehn Dollar?“
„Na was dachten sie denn, was ich meinte, als ich sagte: ‚Zehn’?“
„Zehntausend natürlich!“ Empört schüttelte sie den Kopf, kramte noch ein wenig herum und knallte ihm ein paar klein Chips auf den Tisch.
Als Blake das eigentliche Casino betreten wollte, hielt ihn ein Hüne auf, der wirklich breite Schultern hatte.
„Ah.“ Bemerkte Blake erfreut, „Der Escort-Service. Bringen sie mich zum Roulette.“
Der Mann im schwarzen Anzug schaute ihn mit unbewegter Mine an. Er schien keinen Sinn für Humor zu haben und tastete den jungen Mann unnötig grob nach Waffen ab.
Als er die Prozedur überstanden hatte schlenderte Blake in das eigentliche Casino. Er stand jetzt bereits in mitten der einarmigen Banditen.
Sofort nachdem er die Tür hinter sich gelassen hatte, waren die Schmerzen wieder mit höllischer Kraft in seinen Schädel geschossen, überall steckten Zocker ihre Münzen hektisch in die kleinen Metallschlitze. Blind und Taub vor Qual tastete Blake sich vor zur nächst besten Tür, durch die er stürmte, um sich von seinem Leiden zu befreien. Dass sie eigentlich abgeschlossen war, war nicht weiter hinderlich. Er knallte sie hinter sich ins Schloss, so dass der Putz rieselte. Endlich Ruhe.
Einige Momente stand er nur an die Wand gelehnt da und blinzelte die Schleier vor seinen Augen weg.
Dann erst nahm er sich die Zeit, sich um zu schauen. Er war mal wieder in einem Treppenhaus. Es führte gleichermaßen nach oben, wie nach unten.
Welche Richtung er wählen würde war klar. er wusste wo er hin musste.
Entschlossen stapfte er die Treppe einige Stockwerke weit hinauf, ohne einen Ausgang zu finden, bis er vor einer Metalltür stand, die das Treppenhaus vom restlichen Stockwerk trennte. Ohne jegliche Vorsicht riss er sie auf und trat hindurch.
Hier oben war alles noch viel luxuriöser als unten.
Ein samtroter Teppich bedeckte den Boden und die marmornen Wände strahlten einen verführerischen Duft nach Rosen aus. Hier wurden also die richtig reichen Gäste geladen. Verbotenes Glückspiel wahrscheinlich.
Das schlimme war nur, dass er wohl nicht hierher passte, mit seinen Jeans.
Nun doch etwas vorsichtiger geworden ging er langsam weiter. So manche Tür zweigte von dem Flur ab, in dem er sich befand. Ausnahmslos standen sie ein Stück weit offen und gaben erheiterte Gespräche frei.
Er lugte hier und da in die Räume und sah an den Tischen nur wenige Spieler, die um sehr hohe Beträge spielten und mit den Animierdamen witzelten. In günstigen Momenten schlüpfte er dann an den Türen vorbei, um schließlich an der Abzweigung stehen zu bleiben. Ganz vorsichtig schob er seinen Kopf um die Ecke. Er sah einen Gorilla, der wie der im Erdgeschoss in einen feinen Anzug gehüllt war. Er stand vor dem Aufzug, wahrscheinlich, damit niemand Unbefugtes hier herauf kam. Dass sie dann das Treppenhaus so vernachlässigten. Blake schüttelte den Kopf.
Na ja, ihn sollte es nicht stören. Nur wie sollte er daran vorbei kommen?
Als wäre der Gedanke das Zeichen gewesen, gab der Fahrstuhl ein ‚Pling’ von sich. Es kam also jemand.
Wieder schaute Blake um die Ecke. Der Wächter hatte sich umgedreht um den Neuankömmling zu begutachten.
Einen winzigen Sprint später, hatte Blake, den Gang unbemerkt passiert.
Schnell suchte er nach einem Versteck. Dort. Eine geschlossene Tür. So leise wie möglich hastete er auf sie zu und drückte die Klinke herunter. Natürlich abgeschlossen!
Aber er hatte keine Zeit. Wenn er seine Kraft richtig einschätzte, würde die Tür auch so aufgehen.
Er schnippte mit dem Finger gegen den Beschlag des Schlosses, dessen Stift brach um die Tür zu öffnen.
Blake schlüpfte hindurch, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, was ihn wohl hinter der Tür erwarten mochte. Er drückte die Tür in den Rahmen und lehnte sich von innen dagegen.
Dunkel war es in dem Raum. Mit den Fingern tastete Blake die Wand neben der Tür ab und fand schließlich den Lichtschalter. Sein Versteck war recht klein. Regale mit Putzlappen, Handtüchern und aggressiven Reinigungsmitteln füllten die kleine Kammer.
Hm. Was nun? Er befand sich in einer wirklich misslichen Lage.
Wie sollte er nun weiter vorgehen? Es grenzte überhaupt an ein Wunder, dass er bis hier her nicht bemerkt worden war.
Blake hatte also keine andere Wahl. Er musste nun zum Angriff übergehen. Doch wie?
Überraschung. Er musste sie alle überrumpeln.
Gut. Eine tolle Aufmachung brauchte er.
Putzlappen? Nein.
Die Handtücher vielleicht? Na ja, sie waren aus feinen Seidenstoffen, recht groß, wunderschön weinrot und hatten ein goldenes Emblem in der Mitte. Es zeigte die Initialen des Casinos: Burrito Sunside, BS.
Witzig. Blakes Anfangsbuchstaben waren dieselben. Das musste ein Zeichen sein.
Er nahm eines aus dem Regal und hängte es sich um. Merkwürdig leicht fiel der Stoff an ihm entlang und gab ihm doppelten Mut. Ein Gefühl unsagbarer Macht durchströmte den jungen Mann.
Er fühlte sich wie ein Superheld!
Fest entschlossen stürmte er zurück auf den Gang und prallte natürlich mit dem Wachmann zusammen, dessen Hand beim Anblick, dieses komischen Kauzes, mit dem Handtuch als Umhang, sofort in die Hosentasche glitt.
Ehe er sie wieder heraus ziehen konnte, hielt der unglaublich starke Arm Blakes den seinigen schon fest. Sosehr er sich auch anstrengte, er konnte sich nicht aus dem stählernen Griff befreien.
Doch seine andere Faust war frei und schlug dem Angreifer ins Gesicht.
Blake war erschrocken von dem Schmerz, der sich ausbreitete.
„Oh Ha“, grinste er den Gorilla an, „unverwundbar bin ich also nicht.“
Er konnte leicht vorhersehen, dass der nächste Schlag des anderen genau wie ebene geführt werden würde.
So konnte er die Faust aufhalten und umfassen. Langsam erhöhte er den Druck, den er auf die Hand ausübte, bis jeder einzelne Knochen in ihr, in kleine Splitter zerbarst. Ehe der Wächter schreien konnte, schnürte Blakes Hand ihm die Luft ab. Bevor der Mann blau anlaufen konnte sagte der junge Mann: „Wo muss ich hin, wenn ich zu Don Burrito will?“
„Da lang“, keuchte er, auf das Ende des Ganges zeigend.
„Gut, danke.“ Blake schlug ihm von unten gegen die Nase, worauf hin das Nasenbein mit einem hässlichen Geräusch in das Gehirn fuhr und den Mann auf der Stelle tötete.
Er stapfte auf die Tür zu und ließ sie mit einem enormen Schlag einfach aus den Angeln fliegen.
Dahinter befand sich ein kleiner Raum, in dem zwei Wachmänner eine weitere Tür flankierten.
Sie waren zu verdutzt über die Art, mit der Blake die Tür geöffnet hatte, als dass sie irgendwie hätten reagieren können, als der junge Mann mit wehendem Umhang hinein stürmte, sie packte, leicht anhob und mit den Köpfen zusammenstieß. Als er sie wieder hatte fallen lassen, breitete sich schnell eine blutige Lache auf dem Boden aus.
„Au.“ Blake rieb sich die rechte Hand, „Also bevor ich weitere Türen einschlage sollte ich mir Schutzhandschuhe kaufen.“
So entschloss er sich, diesmal die Klinke zu benutzen und betrat das Zimmer, das dahinter lag.
Hinter einem monströsen Schreibtisch aus Mahagoni stand ein recht beleibter Mann, der einen Nadelstreifenanzug trug und eine Maschinenpistole in den Händen hielt.
„Ich habe sie gehört. Mr… Verzeihung, ich habe Ihren Namen nicht mitbekommen“, der ruhige Ton in seiner italienischen Stimme machte Blake fast rasend, doch er ließ sich nichts anmerken.
„Steele. Blake Steele.“
„Und? Was wollen sie von mir, so dass es nötig ist meine Türen zu demolieren und meine Wachen zu misshandeln?“
„Rache!“, rief er und wollte auf den Mafiaboss zu stürmen.
„DAS! Lassen sie lieber.“ Sagte dieser, nachdem er eine kurze Salve Schüsse in die Decke abgegeben hatte.
„Ja, da haben sie wohl recht. Roher Gewalt habe ich nichts entgegen zu setzen.“ Trotz seiner wohl gefährlichen Lage hatte Blake seinen Humor nicht verloren.
Sehr vorsichtig bewegte sich Don Burrito um seinen Schreibtisch herum. „Ich warne sie! Mein Zeigefinger ist recht nervös. Machen sie keine Dummheiten.“
Blake schluckte. Eine Schusswaffe. Bei einem Mann, wie diesem hätte er eigentlich mit solchen Sachen rechnen müssen.
„So“, fuhr der Mann fort, „sie sind wohl recht stark. Wie kommt das? Sind sie etwa der Typ, der meine Wissenschaftler auf dem Gewissen hat?“
Sein Gegenüber nickte. „Die Schweine haben mir irgendetwas gespritzt und jetzt leide ich Höllenqualen bei einer bestimmten Art von Geräuschen. Und dafür mussten sie bezahlen. Ich konnte aber vorher noch herausfinden, wer sie beauftragt hat, damit dieser jemand auch bezahlen kann. Doch… Ich habe sie wohl unterschätzt.“
Don Burrito lächelte geschmeichelt. „Wer ein Serum entwickeln lässt, um Menschen unglaublich stark zu machen sollte nicht unterschätzt werden.“ Er blickte kurz an Blake vorbei in den Gang und runzelte die Stirn. „Es scheint zu wirken. Los! Heb den Tisch an. Na wird’s bald? Marsch, marsch. Sonst muss ich schießen.“
Resignierend schlurfte der junge Mann zum Tisch und ließ ihn mit einer Hand in die Luft gleiten.
Der Mafiaboss machte große Augen. „Unglaublich. Es funktioniert wirklich. ES GEHT!“ Vor Erstaunen ließ er die Waffe sinken. Diese Unachtsamkeit hätte ihn fast das Leben gekostet, als der schwere dunkelbraune Tisch in hohem Bogen auf ihn zu flog. Mit einem Hechtsprung konnte er sich retten, ließ jedoch seine MP fallen.
Blake setzte ihm nach, doch nur zu dem Zweck zuerst an die Schusswaffe zu kommen. Er hob sie auf, drehte sie in den Händen und bestaunte sie, nur um sie binnen Sekunden in einen handlichen Ball aus Metall zu pressen. Dabei ließ sich leider nicht vermeiden, dass das Metall knirschte. Noch während der Muskelprotz die Maschinenpistole unschädlich machte, verlor er vor Kopfschmerzen fast das Bewusstsein. Don Burrito musste das auch bemerkt haben, denn für einen winzigen Moment verlor er seine Panik und bewegte sich auf den Eindringling zu. Doch er schreckte hastig zurück, als Blake aufhörte zu schwanken und den Ball aus dem geschlossenen Fenster warf.
„So.“ Blake rieb sich die Hände. „Nun zu dem, weshalb ich hier bin.“
Don Burrito wich rückwärts zur Wand zurück. Als er mit dem Rücken dagegen stieß, griff er hinter sich und zog einen Zierdegen von der Dekoration, die dort hing. Wie verrückt fuchtelte er damit vor seinem Angreifer herum, um ihn wenigstens auf Distanz halten zu können. Immer weiter würde er zurück gedrängt, bis er direkt vor einem vom Boden aus durchgehenden Fenster stand.
Blake machte einen Ausfallschritt nach vorn, der den Mafiaboss derart erschreckte, dass er den Degen in hohem Bogen von sich schleuderte.
„Ich warne Dich!“ Kreischte er panisch. „Komm mir nicht zu nah!“
Wieder kam sein Gegner näher, so dass er wieder einmal nach hinten sprang, wobei die Scheibe nachgab. Blitzschnell setzt Blake ihm nach und umfasste seinen Hals.
Nun hing der Mafiosi in freier Luft, meterweit über dem Boden.
Ein kleines Stückchen wurde er zurückgezogen, bis sein Gesicht vor dem des jungen Mannes war.
„Wozu? Weshalb muss ich diese Qualen erleiden?“ Presste Blake hasserfüllt durch seine Zähne.
„Nun, …äh… Es gibt da gewisse Syndikate, die mir den Rang streitig machen wollen. Denen wollte ich mit einem übermenschlich starken Gehilfen eins auswischen.“ Japste er.
„Hey!“ Irgendwie versuchte er die Situation noch herum zu reißen. Scherzhaft fügte Don Burrito hinzu: „Tritt Du doch in meine Dienste. Ich biete Dir ein anständiges Gehalt. Da kriegst du Geld. Viel Geld.“
So langsam schien ihm die Luft knapp zu werden, die letzten Worte waren mehr gekrächzt als gesprochen.
Krampfhaft versuchte er die Finger zu lösen, die seinen Hals fest umschlossen hielten.
Doch Blakes Griff war wie aus Stahl. Er schien zu genießen, wie sein Opfer rot anlief, als das Blut sich in seinem Kopf sammelte.
Für eine Sekunde schien er ernsthaft zu überlegen, dann aber verfinsterte sich seine Miene und er antwortete kalt:
„Ich arbeite nicht für Leichen.“ Langsam, ganz langsam, lockerte er seinen Griff, Finger für Finger löste sich vom Hals des zitternden und schwitzenden Mannes. Als der freie Fall unvermeidlich war krallte er sich am Gürtel seines Angreifers fest, wobei sein dicker Ring an der Schnalle entlang schliff.
Blake wankte, machte ein, zwei Schritte nach vorn und viel ohnmächtig vornüber.

Als er erwachte, blickte er an eine weiße Decke.
Er schaute sich um und erkannte, dass er in einem Krankenhausbett lag. Als Blake an sich herunter sah, entdeckte er, dass seine Beine komplett in Gips steckten. Was war geschehen?
War er mit einem Mafiaboss aus einem Fenster hoch über der Stadt gestürzt?
Oder war er in der Fabrik von einem stürzenden Schrottteil erwischt worden?
Sein Blick fiel auf ein weinrotes Handtuch, auf dem in goldenen Lettern BS prangte.
Er blinzelte, doch das Handtuch blieb dort.
Probehalber hob er die Hand über den Kopf, betastete die Stange des Bettes und drückte zu.
Gespannt wandte er sich um.
Was er sah verschlug ihm die Sprache. Die Strebe war komplett zerquetscht.
Völlig fassungslos starrte Blake seine Hand an.
In diesem Moment betrat eine Krankenschwester den Raum.



[Geändert durch Draken-Korin am 27-04-2005 um 14:42]