Thema: Konsequenz

  1. #1
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    Nät, Nät, Nät

    Kyle hatte nicht wirklich viel Lust darauf aufzustehen. Er dachte darüber nach sich nochmal Einen runter zu hohlen, verwarf aber die Idee schnell wieder. Lieber wollte er noch ein paar Minuten diesen halben Schlaf genießen, dieses Locken.

    Sie streckt mir eine Fackel entgegen, steckt mein Hemd an, sieht mich brennen, brennen.
    Ich will protestieren, „Unrecht“ schreien, doch würde sie dann fliehen, weil ich sie so sehr liebe, denn lieber brenne ich.
    Sie flieht, weil die Feuerwehr kommt.
    Nät, Nät, Nät...

    Nät, Nät, Nät...
    Durch seinen Fausthieb wurde der Wecker nur vom Nachtisch gestoßen. Umständlich taste Kyle nach dem Kabel und riss es mit einem kräftigen Ruck aus der Dose.
    Dann schlug er die Decke zurück, blieb nackt im kühlen Zugwind des schlecht isolierten Zimmers liegen und bedauerte seine Existenz.
    Die Idee, einfach weiter zu schlafen, erschien ihm sehr logisch, auch die, dass Schlaf ohnehin das einzig sinnvolle im Leben eines Menschen sei.
    Es listete sich die Termine für diesen Tag vor dem innere Auge auf, stellte erleichtert fest, dass die Frühesten eben auch die Unwichtigsten waren und rollte sich zur Wand hin wieder in die Decke ein.

    Sie hält mir eine Pille hin, ich nehme und schlucke die Medizin. Sie weiß, dass ich weiß, dass ich für sie sterben werde. Ich schmecke Galle, dann fast Verdautes, dann breche ich und erbreche mich.
    Sie hebt ihre rechte Hand, zeigt auf mich, beginnt zu lachen, alle beginnen zu lachen, ich beschmutze mich.
    Dann wird es warm, wohlig warm um meine Lenden.

    Kyle war es sehr unwohl dabei, in seinen eigenen Exkrementen zu liegen, aber irgendwie auch egal. Er dachte daran, dass er das Bett neu beziehen und den Weg zum Bad hin später auch noch wischen musste. Er wartete lieber ab, vielleicht würde er auch gleich sterben, dann wäre es sowieso sinnlos gewesen.
    Weil er nach zehn Minuten immer noch nicht gestorben war und auch sein Körper keine Anstalten mehr machte, erhob er sich und tropfte zum Fenster.

    Sie streckt mir den Finger entgegen, winkelt ihn lockend, deutet mir ihr graues Mal.
    Ich folge ihr.

    [Geändert durch Chris1 am 03-05-2005 um 11:16]

  2. #2
    barfly Guest
    moin peter

    gefällt mir, die abgründe des menschlichen lebens. realitätstraumwandelnd. ich kann mich nicht entscheiden, ob dein prot. ein heruntergekommender kerl ist, der keine bock auf irgendwas hat, oder ein alter mann, geplagt von inkontinenz

    gruß
    barfly

  3. #3
    Schattenblume ist offline Etwas mit den Scherenhänden
    Registriert seit
    Jan 2005
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    Nomadin
    Beiträge
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    gerade die Brücken, die du nicht zwischen den Bildern schaffst, wecken bei mir Faszination und bewirken, daß mein Kopf nicht aufhört, eine Vorstellung nach der anderen bilden zu wollen. nun werden mir womgl. für den Rest des Tages die Fackel und das graue Mal nicht mehr aus dem Schädel - aus denen werd ich nämlich (noch ?) nicht schlau

    *schädelqualmend*
    das Kraut

    Tipp für mißachtete Analphabeten: auch hinter einen nicht geschriebenen Satz lässt sich ein Punkt setzen.

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