1. #1
    Schattenblume ist offline Etwas mit den Scherenhänden
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    nachdem ich nun schon rote Augen habe und
    noch immer nicht fündig wurde:
    wo kann ich Info über Exp.Lyrik - Definition, Formen, Regeln, Aufbau...
    Praktische Bsp. finden ?

    danke schon mal f.eure Mühe

    Kraut
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  2. #2
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    Um eine kurze Übersicht, über einige Gebiete zu geben:

    Experimentelle Lyrik:

    Hier könnt ihr alle eure Gedichte veröffentlichen die in den Bereich visuelle Lyrik, experimentelle Lyrik, Dadaismus oder konkreter Poesie hineinfallen.

    Genauer gesagt: Hier gehören die unten angeführten Dinger plus Dialektgedichte (konnte es auch nicht glauben), Lautgedichte, Zaubersprüche, Kinderlieder(aber dafür gibt es einen eigenen Faden)

    Jetzt werden ich bestimmt einige Fragen wovon ich eigentlich spreche. Deshalb folgt jetzt eine kleine Begriffserklärung.

    TEXTBILDER:
    Bei diesen Dingen sind Text, Bild und Sinn eng verbunden. Aber wie sieht so etwas aus. Ein gutes Beispiel bietet hierfür Claus Bremers Gedicht „was ist das“:

    was ist das
    wasistdas
    wa s as
    w s

    d s
    da s as
    dasistwas
    das ist was

    Dadaismus:
    Der Dadaismus auch liebevoll DADA genannt ist eine revolutionäre Form der Lyrik deren Ziel es ist zu zerstören und zu deformieren. Der Name entstand laut Hugo Ball so: DADA heißt im Rumänischen ja, ja, im Französischen Hotto- und Steckenpferd. Für Deutsche ist es ein Signum alberner Naivität und zeugungsfroher Verbundenheit mit dem Kinderwagen.“ Das mag verstehen wer will.

    Bsp:
    falamaleikum
    falamaleitum
    falnameleutum
    fallnamalsooovielleutum
    wennaberderkriegeinmallanggenugauist
    sindallewiederda.
    oderfehlteiner?

    KONKRETE POESIE:

    Es gibt zwei Arten der konkreten Poesie.
    1) Die Konstellation:
    Beispiel: Eugen Gomringer : baum haus kind hund
    baum
    baum kind
    kind
    kind hund
    hund
    hund haus
    haus
    haus baum
    baum kind hund haus

    2) Piktogramm

    Bsp.: Erwin Jandl : die zeit vergeht


    lustig
    luslustigtig
    lusluslustigigig
    luslusluslustigtigtigtig
    lusluslusluslustigtigtigtigtig
    luslusluslusluslustigtigtigtigtigtig
    lusluslusluslusluslustigtigtigtigtigtigtig
    luslusluslusluslusluslustigtigtigtigtigtigtigtig


    Sprachliche Merkmale der experimentellen Lyrik

    Vokalhäufung:
    (in ottos Mopps) : ottos mops klopft/otto: komm mops/ ottos mops kommt/ ottos mops kotzt/otto: ogottogott

    Vokalrundung:
    (in die Mutter und das Kind) : „üch wüll spülen//spül düch/meun künd“

    Vokalausfall:
    (in Schtzngrmm) : schtzngrmm/schtzngmm/ t-t-t-t/ t-t-t-t/ grmmmmm/ t-t-t-t/ s-c-h

    Konsonantenvertauschung:
    (in lichtung) : manche meinen/ lechs und rinks/ kann man nicht/ velwechsern./ welch ein illtum.

    Laut- und Silbenausfall:
    (in fragment): wenn die rett/ es wird bal/ übermor/ bi die atombo/ ja herr pfa

    Sprachmischung:
    (in calypso) : ich as not yet/ in brasilien/nach brasilien/wulld ich laik du go

    alle beispiele sind aus Werken von Ernst Jandl

    Das ist nur ein kleiner Überblick über die Dinge die in diesen Bereich hineingehören. Jetzt nur noch eine Erklärung warum das ganze unter Interpretationen steht. Wie man bereits merkt, lassen diese Gedichte sehr viel Platz für Interpretationen, und aus diesem Grund findet ihr es eben hier und nicht bei den anderen Gedichtkategorien.
    Quote courtesy of Kamelot


  3. #3
    Schattenblume ist offline Etwas mit den Scherenhänden
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    vielen Dank, Danse, für deine Mühe,
    aber genau das hatte ich bereits gelesen -
    drum ja meine Bitte, nach konkreterem Material bzw.
    Hinweisen, wo ich solche finden kann.

    [Geändert durch dieSchattenblume am 03-05-2005 um 16:21]
    Tipp für mißachtete Analphabeten: auch hinter einen nicht geschriebenen Satz lässt sich ein Punkt setzen.

  4. #4
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    Hallo Schattenblume,

    aktuelle Informationen theoretischer Art über zeitgenössische Lyrik (ua. so genannte experimentelle Lyrik) findest du beispielsweise in der Zeitschrift "Das Gedicht", die vom AntonG.Leitner-Verlag herausgegeben wird oder ähnlichen Literaturzeitschriften. Es ist sehr gut möglich, daß die größeren Bibliotheken deiner Stadt diese oder ähnliche Zeitschriften abonniert haben, so daß du sie dort im Lesesaal lesen kannst und nicht kaufen mußt. Empfehlenswert und aktuell ist auch das Buch "Medienpoesie. Moderne Lyrik zwischen Stimme und Schrift" von Klaus Schenk (2000). Außerdem könntest du dich bei Walter Höllerers "Theorie der modernen Lyrik" (2003) belesen, das ich selbst aber nicht weiter kenne.

    Beispiele für experimentelle Gedichte findest du, wenn nicht hier in der Rubrik "Experimentelles", dann in der oben genannten Zeitschrift. Winfried Woeslers "Deutsche Gegenwartslyrik" (2002) gibt einen allgemeineren Abriß der zeitgenössischen Lyrik mit repräsentativen Beispielen. Zu fragen bleibt letztlich allerdings immer: Was ist experimentelle Lyrik?
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  5. #5
    Schattenblume ist offline Etwas mit den Scherenhänden
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    Hallo LeVampyre,
    vielen lieben Dank für deinen Hinweis !
    nun kann da endlich auch richtig eintauchen...

    gruiten van de bloem

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  6. #6
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    Guten Tag verehrte Poetessen und Poeten, Danse_Macabre, Levampyre!
    Sei gegrüßt dynamische Ufoblume!

    Auf Deine Frage kann ich nicht so auf Anhieb antworten, da Experimentelle Lyrik wirklich schwer einzugrenzen ist. Danse_Macabre hat hier schon den Anfangspfad Dir aufgezeigt, und Tatsache ist, wenn man mit Experimentelle Lyrik in Berührung kommt, kommt man an Ernst Jandl, und vor allem an Hugo Ball nicht vorbei. Beide sind sehr empfehlenswert. Die Levampyre weist ihrerseits auf einige zeitgenossische Quellen der Gegenwart.

    Ich kann meinerseits Dir empfehlen die Futuristen anzuschauen. Futurismus ist die Urquelle der Experimentellen Lyrik „Der Futurismus hatte Einfluss auf die Entwicklung von Strömungen der Moderne wie Expressionismus, Dadaismus, Surrealismus und Konstruktivismus.“ (Zitat). Futurismus ist vor allem als Stillrichtung in der bildenden Kunst bekannt, existiert aber auch in der Literatur. In der Poesie waren russische und rumänische Lyriker an der Spitze, was poetischen Futurismus anbetrifft.

    Interessanter Weise stelle ich Fest, dass einer meinen Lieblingsgedichten von Hugo Ball „Narzissus“ eindeutig futuristische Tendenzen aufweist, was wiederum auf den Uhrsprung des Dadaismus deutet. Literarischer Futurismus wurde von mehreren russischen Lyriker und Künstler gegründet, unter anderem war Wassily Kandinsky an vielen Aktionen beteiligt. Hier habe ich leicht zu reden, da Russisch meine Muttersprache ist, und ich alles in original lesen kann. So gibt es jedoch einige sehr gelungene Übertragungen von Welimir Chlebnikow und Wladimir Majakowski.

    Vor allem möchte ich Dich auf Welimir Chlebnikow aufmerksam machen, da er unglaubliche Sprachdichte und Sprachverständnis aufweist. Die aktuelle Übertragung in Deutsch ist um 2002 von Pastior, Oskar: „Mein Chlebnikov“.

    Ich verfüge über Material bezüglich des Futurismus, und spiele ernsthaft mit dem Gedanke unter Literaturepochen für die Gedichte.com User es zusammenzuschreiben, und einige Übertragungen in Deutsch zu posten.

    Ansonsten finde ich die deutsche Lyrik ende des 18, Anfang des 19 Jahrhundert, bzw. ausgerechnet diese Zeit, als so viele Moderne Richtungen der Kunst sich definierten, als sehr empfehlenswert. Christian Morgenstern beispielsweise mit „Galgenlieder“ („Der Ästhet“ ist fabelhaft), auch Figurengedichte wie „Zwei Trichter…“ sind in der Form experimentell.

    Im Gespräch mit Oskar Pastior ist es mir erst recht bewusst geworden, dass Heutzutage viele Künstler es gar nicht mehr bestreben sich in bestimmte Kunstformen, bzw. Literaturbewegungen „hineingepresst“ zu werden. Übrigens den Oskar Pastior selbst, er ist Hugo Ball- Preisträger, kann ich Dir auch empfehlen.

    Ich verfolge Deine poetische Ader schon eine ganze Weile, und muss sagen, dass Du ein wichtiger Verträtet der Experimentelle Lyrik auf diesen Seiten bist!

    Es grüßt und wünscht angenehme Zeit auf diesen Seiten...
    Das Umstandswort


    „Genau dort, wo die Bilder aufhören, fängt die Philosophie an“
    - Hermann Hesse (Zitat aus „Narziß und Goldmund“)

  7. #7
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    Angry

    Guten Tag verehrte Poetessen und Poeten, Danse_Macabre, Levampyre, Dopamin86!
    Sei gegrüßt dynamische Ufoblume!

    @Dopamin86:
    Ich gehe davon aus, dass man es als aller erstes macht: googeln, und wikipedieren. So gehe ich davon aus, dass auch die Kraut dies schon hintersiech hat. Es gibt hier natürlich intellektuelle Mitstreiter, die auch zum tausendsten Mal einen erneuten Faden beispielsweise zum Thema Haiku aufmachen, und einen gewissen Defizit an der kortikalen Masse aufweisen, um eigenhändig paar Zeilen runterzuskrollen. In dem Fall, lieber Dopamin86, handelt es sich um was Anderem, nämlich Fachwissen. So spuckt Ihnen auch keine Suchmaschine, die Information, die beispielsweise Levampyre kurz und bündig postete.Hier wird auch das Augenverdrehen nichts nutzen, da die Welt nicht blöder als man selbst ist!

    Googeln, und wikipedieren ist erst die Oberfläche, hier geht es darum hinter die Fassade zu schauen – Fachwissen ist gefragt. Ich finde, dass ausgerechnet das Sprechzimmer hervorragende Basis um Fachwissen auszutauschen anbietet.

    Es grüßt und wünscht angenehme Zeit auf diesen Seiten...
    Das Umstandswort

    „Es hat keinen Sinn, dem Spiegel die Schuld zu geben, wenn das Gesicht entstellt ist.“
    -Nicolai Wassiljewitsch Gogol!


    [Geändert durch *pränumerando* am 11-06-2005 um 03:57]

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