1. #1
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    Stummer Schrei

    Offene Adern, rotes Blut
    Eine halbzerkaute Zunge
    Spritzend geifernde Wut
    Schales Blut in der Lunge

    Der Mund - eine Grimasse
    Bange Augen starren mich an
    Wie Kaffee auf der Untertasse
    Ein flehendes "Untertan!"

    Zerquetschte Käfer im Haar
    Die Haut - ein Nahrungsquell
    lose Fingernägel - Gott bewahr
    Wunden, auf geschund'ner Stell'

    Ein letztes verzweifeltes Flehen
    Ein letzter stummer Schrei
    Ein Aufbäumen des "Vergehen"
    Ein Schnitt, dann war es vorbei....
    Ganz neu und
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    Am Totenbett
    Die Vogelscheuche

  2. #2
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    Vielen Dank der netten Worte!

    Beim "Untertan" wusste ich schon beim Schreiben, dass es vielen unklar sein würde. Das ist es aber gar nicht mehr, wenn man die Handlung verstanden hat. Sie ist nicht ganz ersichtlich hier. Es geht um eine Vergewaltigung, wusstest du das?

    Daher auch das "Untertan". Er vergeht sich an ihr, und schlägt sie zusätzlich. Daher der flehende Blick "Untertan". Sie macht alles was er will, wenn er nur damit aufhört.

    Die vorletzte Zeile im 4 Vers spielt noch einmal auf die Vergewaltigung an. "Ein Aufbäumen des "Vergehen""
    Hier ist erneut die Tat beschrieben. Daher "Vergehen" auch unter "" gesetzt.

    Ist es jetzt verständlicher?
    Ganz neu und
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  3. #3
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    Der Peiniger tötet sein Opfer, nicht sich selbst...
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  4. #4
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    Bitte, bitte.

    Immer wieder gerne!
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  5. #5
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    Bildzeitung mit Reimen

    Hallo Ashitaka, aufmerksam geworden bin ich auf dich eigentlich nur, wegen deines moralischen Fingerwedelns in einem anderen Thread. Aber wenn du dich da schon für die Kritik ausgesprochen hast, dann wirst du sie mir hier nich übel nehmen.

    Vom rhetorischen Aufbau her ist dein Text nicht schlecht. Mit dem unvermittelten Einstieg zoomst du direkt in die Szenerie. Spartanisch bist du bei den Selbstaussagen des lyr. Ichs (es wird nur einmal direkt erwähnt), legst eher einen stilistischen Fokus auf die Reihung von Aussagesätzen, die das Opfer beschreiben, was hier durchaus im Rahmen einer lyrischen Gestaltung bleibt.

    Dennoch kann ich mich dem überschwänglichen Lob meines Vorredners nicht recht anschließen. Dies beginnt bei deiner Titelwahl. Ich habe mal eine Untersuchung in diesem Forum gemacht, wobei ich die häufigstens Titel der hier veröffentlichten Gedichte zusammentrug, um damit den Beweis für ihre Unoriginalität zu liefern. "Stummer Schrei" war zwar nicht unter den top-ten. Dennoch findet sich dieser Titel gut 3-5 Mal allein in der Rubrik "Trauer und Düsteres", wie ich mich erinnere. Wenn du in dieser Rubrik weiter runter schaust, stellst du sogar fest, daß wir ein Mitglied haben, das sich so nennt.

    Fakt ist wohl, daß die an sich hübsche antithetische Phrase "Stummer Schrei", die du auch im Text selbst benutzt, inzwischen zu einem abgedroschenen poetischen Klischee verkommen ist, auf das ich mich als Individualist nicht unbedingt berufen würde. Als Leser turnt mich das ziemlich ab.

    Abturnend finde ich es auch, zum hundersten Male die Beschreibung einer blutigen Gewalttat zu lesen zu bekommen. Heikel ist, und ich widerspreche da meinem Vorredner, dieses Thema in der lyrischen Dichtung schon seit ca. 100 Jahren nicht mehr, auch nicht in dieser Brutalität. Daher bräuchte es hierbei schon eine äußerst Raffinierte Gestaltung und einen weitaus höheren Grad an Poetizität, um damit zu beeindrucken. Diesen Grad erreicht der Text nicht, was sich vorallem durch die syntaktischen Wiederholungen und die Häufung poetischer Klischees in der letzten Strophe bemerkbar macht, aber auch durch die Oberflächlichkeit der Darstellung.

    Auch sonst gibt es inkohärente Stellen und ich kann meinen Vorredner da vollkommen verstehen, daß er einige Probleme bei der Interpretation hatte. Daß er nicht entscheiden kann, ob das Oper sich selbst oder der Täter das Opfer umbringt, ist nur allzu verständlich, denn dies bleibt offen. Natürlich ist es bei längerem Nachdenken nicht logisch, daß das Opfer sich selbst umbringt, weil es ja schon völlig zerschunden ist und Gott allein wüßte, woher es die Kraft zu dieser Befreiungsaktion nehmen sollte. Dennoch sagst du nicht, wer diesen letzten Schnitt macht, du sagst nur, daß er die Szenerie und damit das Leben des Opfers beendet.

    Auch versuchst du deinem verunsicherten Leser weis zu machen, es ginge in diesem Gedicht um eine Vergewaltigung. Entschuldige meinen mangelnden Respekt gegenüber der Autor-Interpretation, aber von einer Vergewaltigung steht im Gedicht überhaupt nichts. Ich wage daher, deine Interpretation arg anzuzweifeln. Der Vers, den du zum Beweis bringst ("Ein Aufbäumen des "Vergehens"), beweist keine Vergewaltigung, denn er könnte ebenso gut als letzte Lebensregung vor dem Sterben, nämlich dem Vergehen, verstanden werden. Überhaupt scheint mein Ansatz da logischer, da ja diese letzte Strophe ganz final auf diesen Tod zustrebt. Auch das "Untertan" bezeugt lediglich, daß es hier ganz eindeutige Machtverhältnisse zwischen Opfer und Täter gibt (klar!). Nichts deutet jedoch darauf hin, daß dieses Machverhältnis vom Täter sexuell ausgenutzt wird.

    Meiner Erkenntnis nach geht es schlicht und ergreifend um einen ekligen Mord, der zwar scheinbar aus der Sicht des Täters erzählt wird (lyr. Ich), aber dennoch schnöde Partei für das Opfer ergreift, das in seiner Opferrolle sympathetisch ausgereizt wird - eben Bildzeitung mit Reimen.
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  6. #6
    Schattenblume ist offline Etwas mit den Scherenhänden
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    hallo Ashi,

    ich denke, dass selbst ´abgegriffene´ Themen durch Individualität in der Darstellung ihrer Intension gerecht werden könnten.
    doch das fehlt hier.
    du benutzt in erster Linie Schlagwörter, Aufbau und Reime wirken auf mich schabloniert. dein Werk gibt dem Leser kaum die Möglichkeit, sich Gedankenverbindungen selbst zu erarbeiten; das Vorstellungsvermögen ist kaum gefordert. dadurch fehlt auch viel an Spannung.
    nun ja, und was d. Titel angeht...müsste ich wiederholen

    Ich bin der Auffassung, dass keine Notwendigkeit darin besteht, die Handlung innerhalb eines Werkes direkt und unmittelbar mit Worten darzustellen. selten gelingt dies, doch ich meine, ein Kunstwerk sollte diesem Anspruch gerecht werden, selbst Mittler zu sein, als Ausdruck der Kreativität des Schaffenden - in seiner Form, Färbung, eigenen Sprache...

    LG
    vom Kraut


    Tipp für mißachtete Analphabeten: auch hinter einen nicht geschriebenen Satz lässt sich ein Punkt setzen.

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