Thema: geahnter Raum

  1. #1
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    laut leise klingende Opern
    fern von menschentleerter Abstinenz
    oder unmenschlicher Zeitbeschwerden

    auf knautschend leichtem Plastik
    liegen unsere Minuten gebettet
    nur von Wasser besprenkelt

    und in scheinend schneidigen Messern
    glänzt fast unwillkürlich leicht
    der Hauch von uns geahntem Raum
    considerate la vostra semenza:
    fatti non foste a viver come bruti,
    ma per seguir virtute e conoscenza.
    (Dante Alighieri)

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  2. #2
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    hallo goosie

    das gedicht ist in sich recht stimmig. die zweite strophe gefällt mir am besten, weil sie am bildhaftesten und metaphorisch überzeugendsten auf mich wirkt.
    in der ersten strophe stört mich die "menschenentleerte abstinenz" ein wenig. ich kann mir darunter nichts vorstellen und eigentlich stellt es in meinen augen ein oxymeron (weiss nicht genau, wie man das schreibt) dar, also eine doppelte aussage, wie weisser schnee oder schwarzer teer. abstinenz ist im prinzip immer menschenentleert, oder täusche ich mich da?
    auch verwirren mich die messer in strophe 3 ein wenig, v. a. weil sie imho einen inhaltichen kontrast zu den ersten beiden strophen darstellen. in diesen beschreibst du nämlich einen schönen augenblick, eine ergreifende zeitlosigkeit. man könnte meinen es sei ein liebesgedicht, bis eben die 3. strophe mit den messern diesen eindruck wieder verdrängt. oder stehen die messer metaphorisch für etwas anderes? die adjektivkonstruktion "scheinend schneidigen" verwirrt mich zudem ein wenig, schneidig scheinenden wäre für mich logischer, aber wahrscheinlich hast du dir schon was dabei gedacht.

    in letzter konsequenz könnte es um den tod gehen. zusammen mit einem geliebten versucht das lyrische ich die welt durch selbsttötung hinter sich zu lassen und so den (nur in gedanken) geahnten raum mit all seinen freiheiten zu erreichen. ganz im stile von romea und julia.
    insgesamt hat mir dein gedicht gut gefallen. es bietet interpretationsspielraum und ist trotzdem nicht allzu plastisch geschrieben. so habe ich es gern.

    mfg
    donnerstag - nie wieder
    fernsehzimmer

    Ahora soy un axolotl. Julio Cortazar

    Malgré soi, on est de son siècle. Auguste Comte

  3. #3
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    hallo wasfüreingefühl,

    vielen dank für deinen so ausführlichen kommentar.
    also weißer schnee ist kein oxymoron. das wäre zb. schwarze milch.

    aber vielen dank für deine interpretation, die dir wahrlich gelungen ist du hast zwar einige interpretationsmöglichkeiten geliefert, die ich nicht in erwägung gezogen hätte. du kannst dich in gar nichts täuschen, da dir jegliche interpretation freisteht und ich dir als autorin nichts vorwegnehmen möchte. die abstinenz (enthaltsamkeit muss nicht menschentleert sein) werde ich mir noch überlegen.

    freut mich, dass es dir gefallen hat

    lg goosie
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  4. #4
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    Entschuldige meine Profanitaet, Goosie

    Fuer mich ergibt sich das Bild eines einsamen Menschen,
    der allein auf einem Mondlicht bestrahlten Wasserbett liegt und sich seiner Traurigkeit hingibt, wartet auf irgend etwas. Vielleicht sollte er, sie taetig werden.
    Aber vielleicht habe ich ja auch nur einen depressiven Denkansatz.
    Ich kann Dein Gedicht in ein Bild umsetzen und das freut mich. Ergo ist es fuer mich gesehen, gelungen.

    AndreMi
    Es gibt keine schlechten Menschen, sagte der Bär, wenn sie gut zubereitet sind.
    -Stefano Benni-

  5. #5
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    hey andremi, vielen dank für deinen kommentar. es ´handelt in gewisser weise auch von der einsamkeit. interpretieren könnte man wie immer sehr viel es freut mich, dass sich dir ein bild erschlossen hat.

    lg goosie

    [Geändert durch Goosie am 11-05-2005 um 18:36]
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