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Thema: Leuchtschrift

  1. #1
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    einsam schrieb ich auf die Wände
    malte es rot umrandet -
    wie leuchtet meine Einsamkeit

    ruhelos tritt Schwarz daneben
    als Hintergrund verdunkelt
    trägt es sanft mein Rot auf Händen
    considerate la vostra semenza:
    fatti non foste a viver come bruti,
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  2. #2
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    Hi
    wirklich ein tolles Bild! Die Szene spielt sich sehr genau vor meinem Auge ab, und vermittelt die dunkle, einsame Stimmung sehr gut!
    Ich werde auch mal eine Interpretation wagen:

    einsam schrieb ich auf die Wände
    malte es rot umrandet -
    wie leuchtet meine Einsamkeit

    Anfangs sieht man das lyr. Ich , wie es das Wort "einsam" an eine Wand schreibt, um seine Einsamkeit anzuprangern (die Leute die vorbeikommen können es nun lesen).Gleichzeitig könnte man das einsam so deuten, dass das lyr. Ich es einsam tut, also niemand bemerkt was es schreibt.
    Nun um randet es das Wort noch zusätzlich rot, jetzt erscheint es wichtiger, sticht viel mehr ins Auge.Außerdem wurde das Wort "gemalt", also künstlerisch gestaltet, es hat sich ein wenig Mühe mit der Gestaltung gemacht.Das könnte bedeuten, dass es die Einsamkeit im Grunde nicht so schlimm findet, bzw. sich daran gewöhnt hat.
    Außerdem "leuchtet" nun seine Einsamkeit, was auch wieder doppeldeutig gesehen werden kann.Einerseits ist das Problem nun offensichtlich für alle, oder die Einsamkeit ist etwas
    gutes für das lyr. Ich, da Leuchten eigentlich etwas schönes ist.

    ruhelos tritt Schwarz daneben
    als Hintergrund verdunkelt
    trägt es sanft mein Rot auf Händen

    Hmm hier komme ich ein wenig ins Stutzen.Ich kann mir das Schwarz nur als Trauer vorstellen, die jetzt hervorbricht,
    als das lyr.Ich sein Gefühl konkret vor sich stellt.Es wird sich erst jetzt dessen bewusst, wie sehr es ihn mitnimmt,
    da es "ruhelos" ist , rumort es wohl schon lange.
    Allerdings trägt das Schwarz nur das Rot, also das das Aufmerksamkeit erregt, mit sich, nicht die Einsamkeit.
    Damit könnte gemeint sein, dass das lyr. Ich eigentlich nur noch auf der Suche nach Mitleid und Zusprechung ist, da es in seinen Augen so großes Leid verspürt.Die Lösung seiner Probleme ist im zweitrangig geworden.

    Hmm, nicht ganz vollständig aber ich hoffe mal ich hab ein bisschen deine Gedanken getroffen.

    Mfg
    Bibedibu

    "Erst nachdem wir alles verloren haben, haben wir die Freiheit, alles zu tun."
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  3. #3
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    hallo ihr beiden,

    irgendwie eigenartig, ich bemerke erst jetzt, dass die farben meine "lieblingsfarben" sind. ich verwende zu fast alles diese zwei farben.. komisch
    vielen dank für euren kommentar.
    also bibedibu, ich weiß nicht, irgendwie machst du mir angst. du hast gedanken aufgestellt, die ich eigentlich nicht genau so beabsichtigt hatte, sie aber doch treffend sind. du interpretierst mein gedicht, als ob du während meines schreibvorgangs, in meinem kopf gesessen wärst, außer bei der letzten strophe, da stellst du es etwas zu krass dar, mit dem mitleid und der zusprechung.
    die farbe schwarz, ja in verbindung mit trauer über die entdeckte einsamkeit, aber doch sanfte harmonische, fast schon teuflische verbindung mit der farbe rot. einsamkeit als etwas schönes.

    schönen abend noch
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  4. #4
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    du klatschst in die hände, aufgrund meines gedichts? da fühl ich mich doch ganz geehrt und peinlich berührt.
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  5. #5
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    Wollte dir keine Angst machen
    Hab' das ganze wohl zu depressiv interpretiert.

    Auf jeden Fall freue ich mich auf weitere Werke!

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  6. #6
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    seit ca. 5 jahren schreibe ich, ja ich habe auch so primitiv angefangen. anfänglich habe ich einfach nur meine gefühle niedergeschrieben und alle fehler gemacht die ich heute kritisiere langweilige wiederholungen, herzschmerzblabla, aber den herz schmerz reim hab ich zum glück noch nie gebracht doch diese gedichte habe ich nicht hier gepostet, sie sind viel zu alt..
    vielen dank für dein lob, aber so gut bin ich nicht. das täuscht dich nur, weil du nicht so sehr "belesen" bist

    [Geändert durch Goosie am 10-05-2005 um 17:42]
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  7. #7
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    Ursprünglich eingetragen von Goosie

    vielen dank für dein lob, aber so gut bin ich nicht. das täuscht dich nur, weil du nicht so sehr "belesen" bist
    hehe, stimmt.
    Goosie bekommt hin und wieder auch reichlich Kritik ab - In diesem Fall meine:

    Zu kurz!
    2 Szenenaspekte kurz hinternander entwickelt, summieren sich zwar zum Graffiti, aber auch ein gutes Piece besteht nicht bloß aus zwei Farben und Blockschrift. So auch hier, die Idee der Einsamkeit wird zu direkt und plakativ umgesetzt - eine einzelne erste Strophe reicht für den gesamten Gedanken, ja eigentlich ist mit dem ersten Wort der ersten Strophe schon alles gesagt und der Leser weiß, was ihn erwartet. S2 kommt dann fast nebensächlich hinzu, um S1 ein wenig weiter auszumalen. Dies glückt zwar ganz gut, aber insgesamt bleibt doch ein äußerst offensichtlich-direktes Stückchen aus lediglich zwei mageren Dreizeilern.


  8. #8
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    hallo danse,
    ja zum glück bekomm ich manchmal viel kritik ab also mir persönlich gefällt es nicht so sehr, die idee mit den farben vielleicht, aber insgesamt drückt es nicht viel aus und ist auch nicht gut geschrieben. es war vielmehr ein momentgedicht und es wundert mich, dass ich soviel positive resonanz bekommen habe. nicht nur in diesem forum. du bist nun die zweite kritische stimme. und dafür danke ich dir, plakativ ist es im wahrsten sinne des wortes
    zur kürze, die letzten gedichte, die ich geschrieben habe, sind fast alle so kurz geraten, ich werd versuchen mal etwas längeres zu machen.. ob ich aus diesem gedicht noch was rausholen kann, weiß ich nicht, ich lass mich überraschen
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  9. #9
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    mit der verlinkung hats wohl noch nicht geklappt
    vielen dank für deine kritik. ja die farben sind bewusst so gewählt, einerseits die rote aggressive aber harmonische farbe, andererseits die düstere nichtssagende trauerfarbe. naja, ich kann nur meinen letzten beitrag wiederholen zum thema kürze und qualität des gedichtes.
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  10. #10
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    Goosie,
    Du hast eine zu beschränkte Sicht auf die Möglichkeiten dieses Themas hier verwirklicht. Daher die Kürze, die man auch als Kurzsichtigkeit auslegen könnte. *g* Hinsichtlich der kulturellen wie individuellen Bedeutung des Ausdrucksmittels Graffiti wären hier weitaus tiefsinnigere Selbstreflektionen des lyr ichs probemlos möglich gewesen.

  11. #11
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    hallo Goosie,
    mir kamen noch andere gedankliche Verbindungen.
    zum einen hast du die Farbe Rot zuerst genannt; dies
    könnte als intuitiv gesehen werden. --> spontaner Gefühlsausbruch. dass das lyr. ich Rot ´malt´ könnte
    - im Zusammenhang mit Einsamkeit - auch auf Selbstmitleid hindeuten. --> l.Ich umrandet: es versinkt in dieser Stimmung. Umrandung enspricht einer kreisförmigen Bewegung...gleich ´kreisenden Gedanken´ (?)
    dazwischen Pause (Betrachtung/ Stimmungswechsel ?), was
    auch den Beginn eines neuen Verses erklären könnte.
    du greifst zu einer neuen, sehr konträren Farbe.
    Schwarz. schwarz steht u.a. auch für Kompromisslosigkeit. könnte aber auch so verstanden werden,
    dass - im Sinne von ´Schwarz auf Weiss´ - dass das lyr. ich dadurch versucht, sich Gedanken vor Augen zu halten´
    , die es bisher in seinem Inneren verborgen hielt (´ruhelos´) - wurde bereits ähnlich von Bibedibu angeschnitten
    - als Kontrast wären hier auch rationale Aspekte denkbar. ebenso könnte Rot/Schwarz das Bild ´Halt/Haltlosigkeit´ darstellen.
    muss aber (alles) nicht...

    lG
    fleur d´ombre

    p.s.: zu kurz

    Tipp für mißachtete Analphabeten: auch hinter einen nicht geschriebenen Satz lässt sich ein Punkt setzen.

  12. #12
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    vielen dank schattenblume für deine interpretation.
    du hast es gut geschildert und auch gedanken aufgegriffen, die ich beabsichtigt hatte zum ausdruck zu bringen. zb das umranden als metapher für kreisende gedanken und versinken in der einsamkeit.

    ja ich werd mir schon was einfallen lassen, das gedicht in die länge zu ziehen
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  13. #13
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    vorläufig hab ich es mal geändert,
    es ist nun länger

    einsam schreit von meinen Wänden
    malte ich es rot umrandet
    es leuchtet grell die Schwere
    gedanklich still gestrandet

    ruhelos tritt Schwarz daneben
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    oh! wie diese Farbe funkelt
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  14. #14
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    vielen dank ich werde aber vielleicht noch ein wenig rumbasteln, mal sehen wie es bei den anderen ankommt..
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  15. #15
    Schattenblume ist offline Etwas mit den Scherenhänden
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    Ursprünglich eingetragen von damned_heart!!
    Du hast dich nochmal selbst übetroffen, Goosie...

    die Frage ist nur, womit sie sich selbst übertroffen hat.
    es ist einfach nur länger geworden und auch langweiliger,
    meine ich.

    nimms mir nicht krumm, Goosie. deinem Gedicht fehlt das Spezielle. Farben mit den Begriffen ´leuchten´, ´funkeln´,
    ´verdunkeln´, ´grell´, zu verbinden, ist doch alles Andere als vortrefflich gewählt. meinst du nicht ?

    es gibt nichts zu erforschen, nichts zu entdecken.
    jemand malt eben und ist einsam.

    aber wie du ja selbst bemerkt hast...es gibt noch genügend Stoff zum ´basteln´

    i.d.S - frohes, erfolgreiches Schaffen !

    met LG
    van de bloem


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