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Thema: Schwanengruss

  1. #1
    Schattenblume ist offline Etwas mit den Scherenhänden
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    *

    in eisigem See
    so fand ich ihn wieder:
    des letzten Sommers letzten Schwan
    Irrtum verschloss ihm des Augenblicks Lider
    erstarrt grüsst ein Flügel - weiss leuchtet Gefieder


    *

    [Geändert durch dieSchattenblume am 09-05-2005 um 22:40]
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  2. #2
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    ...oder war es eine etwas grössere dohle im wintertarnanzug?
    ein schönes gedichtchen, stimmig, gut zu lesen; und man kann sich dazu denken, was man will.
    gefällt mir.
    gruass lepi
    .
    .
    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  3. #3
    Schattenblume ist offline Etwas mit den Scherenhänden
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    hallo lepi,
    freut mich sehr, Dich mal wieder in einem Faden von mir zu erblicken...
    deine Dohle im Tarnanzug ist phantastisch ! fast schimmert mir daraus ein neues Gedicht/e neue KG.

    mit Schwänen quälen hab ich´s eben besonders...erst hab ich sie lustvoll brennen lassen und danach müssen sie frieren

    LG
    vom Kraut
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  4. #4
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    oh nein!!!
    aber es sind auch dankbare viecher. fütterst du die auch von hand? ich finde das lustig, zumal alle umstehenden immer riesig schiss haben.
    und wenn sie an land gehen ist die ganze eleganz aber sowas von vorbei!!!
    g.l.
    .
    .
    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  5. #5
    Schattenblume ist offline Etwas mit den Scherenhänden
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    von hand weniger - bin schon mal so einer scheinheiligen Riesen-Schwimm-Dohle über ihre Bahn geschwommen - war nicht so erheiternd, doch sehr beeindruckend. da war´s dann um meine eigene Eleganz geschehn - noch nicht an Land...und die Umstehenden hatten weniger Schiss als redlichen Spass

    daher womöglich meine Schwan-masochistischen lyr. Werke

    es grüsst,
    Schwan-mal-tret-Tier-End,
    das Kraut
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  6. #6
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    hallo,
    gedicht und idee gefällt mir sehr,
    allerdings liest es sich so für mich flüssiger...

    vielleicht magst du ja über meinen "umbau" deiner zeilen mal nachdenken...


    *

    im eisigen See
    fand ich ihn wieder:
    des Sommers letzter Schwan
    Irrtum verschloss ihm die Augenblickslider
    erstarrt grüsst sein Flügel
    weiss leuchtet Gefieder
    erloschenes Auge, zerbrochen daran

    *



    liebe grüße!



  7. #7
    Schattenblume ist offline Etwas mit den Scherenhänden
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    hallo waldkönigin (schönen nick),

    danke, daß du dir die Mühe gemacht hast, meine Verse umzubauen.

    Ich finde jedoch, dass dieses Bild eben nicht flüssig zu lesen sein sollte. Mein Aufbau entspricht exact meiner Intuition...

    LG
    vom Kraut
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  8. #8
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    ja, das verstehe ich durchaus.
    weil meine "schreibgewohnheiten" auch
    stark intuitionsgesteuert sind.

    du hast es sicher genauso aufgeschrieben,
    wie du es in dem moment gesehen hast und dir
    die worte in den kopf kamen.

    ja, dann ist es besser, du lässt es so.
    sonst würde es für dich nicht mehr die
    atmosphäre sein, die sie ursprünglich war
    und dich sich jedesmal beim lesen deiner
    zeilen wieder auf´s neue einstellt.


    liebe grüße
    von der waldkönigin

  9. #9
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    Hallo Schattenblume,

    die Wirkung, die du hier durch den Kontrast zwischen reimenden und nicht reimenden Kadenzen erzeugst, gefällt mir gut. Auch die sich dabei steigernde Länge der Verse sorgt für einen schönen Klang, so daß ich mich auch gegen Waldkönigins Veränderungen ausgesprochen hätte, da diese diese Feinheiten übersehen.

    Es freut mich auch, daß ich hiermit mal wieder einen Text lesen durfte, den ich nicht gleich beim ersten Lesen verstanden habe. Dennoch reibe ich mich an drei Kleinigkeiten, das ist zum einen der Irrtum, zum anderen die Zäsur im letzten Vers, zum dritten die Kürze des Stückes.

    Ich stelle mir also einen Schwan vor, der im Eis eingefrohren ist, weil er sich nicht rechtzeitig einen Unterschlupf gesucht hat. Aber war das ein Irrtum? Kann man im Falle eines Tieres von einem Irrtum sprechen? Für mich wirkt dieses eine Wort nicht ganz stimmig. Ins Stocken gerate ich im letzten Vers und weiß nicht, warum. Eigentlich bedient diese Zeile eine wunderbar durchgehende Dreizeitigkeit: xXxxXx - xXxxXx. Dennoch, auf einer höheren Ebene als der Wortbetonung reizt es mich, eine zusätzliche Betonung auf "weiß" zu machen, was mich auch zwingt, die Zäsur unerträglich in die Länge zu ziehen. Das ist mir irgendwie kompisch. Was die Kürze des Stückes betrifft, so muß ich gestehen, generell ein Problem mit allzu kurz geratenen Dichtungen zu haben (Haikus, Aphorismen, Minimallyrik). Vorbei ist, was kaum angefangen hat. Der lyrische Effekt kann sich kaum ausbreiten, um zu wirken, weil er durch das rasche Ende gleich wieder gedrosselt wird. Das ist Schade. Ich denke, man vergibt sich eine ganze Menge, wenn man Gedichte zu kurz macht.
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  10. #10
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    hallo vamp,
    muss es denn unbedingt sein, den Schmetterling auf ein Brett
    zu nageln, um seine Farben, Flügelschuppen und Substanzen zu analysieren ? UaaaaH! also manchmal - ich hoffe, Du nimmst´s mir nicht übel - erschreckst du mich...
    im Grunde entspricht apples Auffassung und Reflexion dem inneren Bild meiner fühlenden Gedanken. "Polaroid" passt so exact, wie der Arsch auf den Eimer, apple !
    was das Weiß anbelangt, hast du, apell, ebenso ins Schwarze getroffen - bin selbst beeindruckt, von deinem lyr.-sinnl. Scharfblick. innere Erstarrung - gefrorene Erinnerungen...
    danke, Adlerauge !

    es grüsst
    the_weed


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  11. #11
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    synthetisch - analythisch

    Solange ein Werk synthetisch entsteht, also unter den Hand und dem Willen eines Schöpfers, ist die Analyse als natürlicher Vorgang einer geistigen Durchdringung ein günstiger Weg, sich einem Gedicht anzunähern, denn sie ist der Versuch, die Synthese umzukehren. Jeder Mensch, der sagt: "Ich verstehe", hat vorher unbewußt analysiert. Es ist eine Frage der Bewußtmachung des Verstehensprozesses, das Ergebnis in Worte zu fassen und entgegen einem weit verbreiteten Irrglauben kein Beweis für eine mindere Sensibilität am Kunstwerk - im Gegenteil. Jeder Mensch, der spielend oder hörend mit einem Gedicht umgeht, hat das Recht (und vielleicht die Pflicht) die Grundfragen und Gesetze seins Daseins zu kennen. Außerdem bin ich der Auffassung, daß ein wirklich großes Werk die Untersuchung nicht zu scheuen braucht (Stichwort: Zerreden/Entzaubern), denn selbst die eingehendste Analyse kommt nicht an ein Ende.

    So mag ich dich dadurch, daß ich analysiere und dies bewußt tue, vielleicht erschrecken (nehme ich dir nicht übel), gleichzeitig darfst du dir aber auch sicher sein, daß ich das Werk mit der nötigen Aufmerksamkeit durchdrungen habe.
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  12. #12
    Schattenblume ist offline Etwas mit den Scherenhänden
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    vampir,
    es gibt viele sich unterscheidende Arten und Möglichkeiten,
    einer Erscheinung näher zu kommen. meiner Auffasssung nach sind diese zu einem Grossteil willens-, wesens- und zielabhängig. so könnte z.B. ein Musiker den Zugang zu einem Vogel womöglich durch die Melodie seines Gesangs finden können, während ein Ornithologe über Flugverhalten, Verbreitung, Lebensgewohnheiten etc. analysieren mag. auch sind in der Vogelkunde Rupfungen üblich, um die Konstellation der einzelnen Federn zu ergründen...
    ich bin viel mehr, um bei diesem Beispiel zu bleiben, der Musiker, und nicht der ´Rupfer´.
    die Frage ist ja, was ich erfassen möchte. dir scheint viel an Gesetzmäßigkeiten und analytischen Gesichtspunkten zu liegen - mir ist eher die Erfassung auf sinnlich-stimmungsorientiertem Weg zueigen.


    denkapparatverklappende Grüsse
    vom Kraut


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  13. #13
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    Der Vergleich, den du machst, ist für den Ornithologen ein undankbarer. Dabei sagst du selbst, daß jede Analyse zweckgebunden ist. Der Musiker analysiert wie der Ornithologe bewußt oder unbewußt auf die eine oder andere Art und Weise, je nach Interessenlage seiner Untersuchung. Daher ist die eine Methode der anderen nicht vorzuziehen, da beide ihre Aufgaben bestens erfüllen.

    Beim Erfassen eines Kunstwerkes, ist der sinnlich-orientierte (sensitive/emotive) Weg sicherlich die erste Wahrnehmungsebene. Du tust mir großes Unrecht, wenn du meinst, daß ich für diese Ebene unsensibel wäre. Die sensitive Wahrnehmung eines Gedichtes ist Ausgangspunkt meiner Untersuchung seiner Gesetzmäßigkeiten. Denn die Gesetzmäßigkeiten, die ich untersuche, sind keine abstrakten, von der Praxis losgelösten, normativen Dogmen, sondern eben jene Vorgänge, die die emotive (affektive/effektive) Wirksamkeit der Sprache bestimmen.

    Stelle dir vor, ich lese ein Gedicht. In einem Falle schüttet mein Körper große Mengen an Adrenalin aus und mich überwältigt ein Begeisterungsschauer. Das ist es, was ich ein ästhetisches Lusterlebnis nenne, das Ergebnis eines perfekten Gedichts. Ein anderes Mal lese ich einen Text, der augenscheinlich gut umgesetzt ist, aber dieses Lustgefühl bleibt aus. Dieselbe natürliche Neugierde, die den Menschen bewog, die Gesetzmäßigkeiten der Welt zu ergründen, zwingt mich nun, die Gesetzmäßigkeiten dieser Texte zu ergründen. Was bewirkt es, daß ich überwältigt bin und was verhindert es im anderen Falle? Ich will es wissen und zwar ganz genau, auch weil ich selbst Dichter bin und ich mir die wirksamen Elemente, so ich sie durchschaut habe, selbst besser zueigen machen kann (das nenne ich Handwerkszeug).

    Du siehst also, ich umgehe nicht die sensitive Ebene, sondern ich gehe über sie hinaus. Denn erst dadurch wird mein Gefühlseindruck aus dem Bezirk eines dumpfen Berührtwerdens auf dem Weg über ein bewußtes Erkennen in die Zone eines geläuterten Gefühlserlebnisses hineinwachsen. Ich durchdringe die oberflächlichen Schichten und erkenne die tieferliegenden Wirkungsebenen der poetischen Sprache, dieses komplexe Geflecht von Ursache und Wirkung, sensitiv. Die Empfindung am Kunstwerk dubliziert sich - habe ich es mit einem großen Werk zu tun, lähmt mich die Begeisterung zum höchsten Glückgefühl, entdecke ich jedoch Mängel, empfinde ich diese als noch unangenehmer.

    Meine analytischen Untersuchungen dienen also der Sensibilisierung meiner Sinne. Ich mache meine Sensoren empfindsamer, damit ich noch intensiver empfinden kann. Daß ich dich an den Ergebnissen dieser Untersuchungen teilhaben lasse, ist einzig meiner Kollegialität in diesem Forum geschuldet, dessen großer Vorteil m.E. darin besteht, daß sich die Dichter und Leser gegenseitig für die Stärken und Schwächen der Texte sensibilisieren. In diesem Sinne...
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  14. #14
    Schattenblume ist offline Etwas mit den Scherenhänden
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    vamp,
    der Ornithologe wird mir wohl keine Undankbarkeit zusprechen
    (er ist mir wohl bekannt und ich bin ihm sehr zugetan).
    Deine Rückschlüsse, meine Haltung dsbzgl. betreffend, stellen ebenso ein vorweggenommenes Bild dar, wie jenes, von dem Du zu glauben scheinst, daß ich es von Dir erstellt haben soll.

    ich bin durchaus in der Lage, Polarität wahrzunehmen und zu begreifen

    Du tust mir großes Unrecht, wenn du meinst, daß ich für diese Ebene unsensibel wäre.
    das kann ich gar nicht meinen - allein, um diese Meinung annehmen zu können, bedarf es mindestens der Kenntnis deiner Person...

    und wenn Du dir das, was ich geschrieben habe

    ´dir scheint viel an Gesetzmäßigkeit und analytischen Gesichtspunkten zu liegen...´

    noch einmal betrachtest, erkennst Du vielleicht, daß ich dir mit dieser Aussage keinen Mangel an Sensibilität unterstellt habe. nicht mal ansatzweise. das liegt mir fern !

    lG
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  15. #15
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    Aha, dann habe ich mich in diesem Falle wohl als überkooperativer Zuhörer erwiesen. Es ist oft so, daß eigentlich neutrale Formulierungen, wie deine, eben diese Vorwürfe implizieren, von denen ich dachte, du würdest sie mir machen. Ist dem nicht so, dann brauchen wir das ja nicht weiter zu diskutieren und verstehen uns. Antwort also: Ja, die Gesetzmäßigkeiten der lyrisch-poetischen Sprache interessieren mich sehr. Ich bin Dichter.
    --LeV

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