Es ist wunderschön anzusehen, diese Kirschrote Glut, dem Untergang der Sonne gleich, wie sie im Meer versinkt und Flimmernd in all ihrer Pracht in jenem untergeht, als würde sie gelöscht und sei nie wieder zu entfachen. Ich fühle mich bedroht, bin jedoch zugleich geblendet von der Schönheit, und werde erst wieder in die Realität gerufen als der Funkensprühende Dorn in mich eindringt. Schreie durchziehen die Gemäuer, größte Angst und Schmerzensschreie durchschlagen die Wände, bringen den Boden zum beben und lassen die Fensterscheiben zerbersten. Die Rostigen Stahlbügel um meine Handgelenke schneiden sich noch tiefer in meine Haut, und das Blut sprenkelt den Boden. Der Rost hat sich schon längst bis tief zu den Knochen gefressen, und die Raten zeigen keinerlei Scheu mehr mir im Schlafe die Zehen, Finger und Ohren zu zernagen.
Der Schmerz wird immer unausstehlicher und lange dunkelrote Flüsse aus Blut bahnen sich den Weg hinab von den Augen in Richtung Freiheit. Plötzlich wird mir kalt, eisig kalt und mir ist als würde ich weinen, als würden die Bäche aus Blut dem Tränenwasser gleich. Sie nahmen mir gerade mein Augenlicht, das was mich einst begleitete über 17 Jahre, nahmen sie mir in wenigen Sekunden, ausgestochen mit einem glühenden Dorn.
Ich bin übersäht mit Blauen Flecken, dem Elend persönlich befleckt, und meine Beine kann ich schön langst nicht mehr bewegen. Sie zertrümmerten mir die Kniescheiben, wie allen hier, um dessen Flucht zu vermeiden, aus dem was sich Hölle schimpft oder ist das doch der Himmel? Das ewige Reich, der Freiheit, des Glücks und dem ewigen Frieden?
Ich krieche über den harten Steinboden und suche etwas Schutz, vor der nun ewig anhaltenden Dunkelheit, nichts ahnend was auf mich zukommt. Die Rasierklingen scharfen Steine zerschneiden mir die Fingerkuppen, und eine Spur aus Blut aus Trauer und Furcht zieht sich lang hinter mir her…! Endlich kann ich mich in die hinterste Ecke des kleinen Raumes kauern, und warten, warten auf meine Erlösung, den Retter, der mir mein Leben entreißt und meinem Leid ein Ende setzt. Ich komme kaum zum Schlaf in der kommenden Nacht, und meine großen leeren Augenhöllen versuchen auch nur einen einzigen Blick in der dämmrigen Gruft zu erhaschen. Die Schreie lassen meinen Körper die ganze Nacht lang beben, und der Geruch von verbranntem Fleisch zieht durch die Flure. Mit letzter Kraft klammere ich mich an die Eisenstangen meines Gitterfensters, und flehe den Herrn um Gnade, um Gnade und Erlösung das ich endlich der nächste sein darf, dem ermöglicht wird sein Leid und Schmerz loszulassen, auf dem Elektrostuhl, überzugehen die die Welt der Toten oder der des ewigen Lebens.
Laute Schritte, stampfend, Autoritär und bedrohlich durchdringen den Flur, erst leise und dann immer lauter.
Langsam sinke ich zu Boden, gleite an der schweren Holztür hinab, und das letzte was ich fühle sie die Holzsplitter die sich noch stechend in meine Hände bohren. Nun liege ich am Boden und meine Augenlieder schließen sich wie von selbst, ganz langsam…und aus der ewig andauernden Dunkelheit entsteht ein grelles Licht, ein Licht am Ende eines langen Tunnels, und ich weiß, ich bin frei, frei in einer Welt meines Verstandes. Ihr Blick neigt sich zu mir hinab und sie deckt mich zu, deckt mich zu mit einem weißen Tuch, dem Todestuch.