Thema: Gescheitert

  1. #1
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    Gescheitert

    Feuernes Haar im Flammenmeer
    Knisterndes Stroh, krachendes Holz
    Der Körper müd', unendlich schwer,
    Doch noch nicht schwach, nicht aufgegeben,
    In ihren Adern pocht das Leben,
    In ihren Augen brennt der Stolz.

    Hat nichts verbrochen, nichts getan
    Hat nur geholfen und geheilt
    Doch die Menschen in ihrem Wahn
    Meinten sie in Teufels Bund
    Zu hübsch, zu jung und zu gesund
    Ist nicht geflüchtet, hat verweilt.

    Verkohltes Fleisch, verwelktes Leben
    Von euch als Mensch nicht anerkannt
    Hat sie euch nicht wissen gegeben?
    Doch ihr intoleranten Wesen
    Könnt nur Teufel aus Heilkunst lesen
    Und habt sie deshalb verbrannt.

    Und heute?
    Muss ich heute rennen?
    Wirst du mich heute auch verbrennen?

  2. #2
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    Bis auf die letzte, dreizeilige Strophe, gefällt mir das Gedicht sehr gut. Aber was willst du mit dem Schluss sagen?
    Demokratie ist ein Verfahren, das garantiert, dass wir nicht besser regiert werden, als wir es verdienen. -Georg Berhard Shaw

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  3. #3
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    Dein Gedicht ist super! Es gefällt mir sehr gut!
    Bedeutet der Schluss soviel wie, ob man als Hexe heute auch noch verfolgt wird.?
    Ich interessier mich selbst auch sehr für dieses Gebiet.

    Morgan

  4. #4
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    Freut mich das euch das Gedicht ganz gut gefällt.

    Die Deutung des Schlusses hat Morgan schon recht gut getroffen:
    Selbst heutzutage gibt es ja noch Hexen (ich bin zum Beispiel auch eine) aber versuch das mal jemanden aus deiner Familie oder deinem Freundeskreis beizubringen oder sogar ganz unbekannten Leuten.
    Das erste worauf man trifft ist meistens unverständnis, weil alle das alte Bild und die Verbindung zum Satanismus im Kopf haben. Bezüglich Vorurteilen hat sich also im Vergleich zu damals nicht geändert und die meisten Menschen verachten einen wenn man ihnen erzählt womit man sich beschäftigt.
    Eben dieses Unverständnis soll der Schluss ausdrücken
    "Würdest du mich auch heute noch verbrennen wenn du die Gelegenheit hättest nur weil du mich und meine Einstellung nicht verstehst?"

    Ich hoffe ich konnte euch helfen...

  5. #5
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    Ein bisschen drastisch, dieser Schluss. Mir gefällt er dann nicht sonderlich an dem Gedicht. Du versuchst die damalige Situation auf heute zu übertragen, was meiner Meinung nach nicht geht. Allein schon die damaligen Hexen mit den heutigen Wicca gleichzusetzten... ich weiß nicht.

    Mir vorzustellen wie man eine Wicca verbrennt... ehrlich gesagt empfinde ich das Bild als ziemlich albern, da du selbst in der dörflichesten Gegend niemand finden wirst, der für dich einen Scheiterhaufen aufstapelt. Ich weiß, du meinst das nicht wörtlich, aber ich würde dennoch eine neuzeitlichere Todesart als Verbrennen für den Schluss nehmen, dann klingt es nicht so weit hergeholt.

    Cailyn
    (die krank ist und sich deshalb wahrscheinlich sehr umständlich ausgedrückt hat)
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  6. #6
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    warum immer die Opferrolle, die böse Gesellschaft, ich mein es wurden ja kaum Hexen verbrannt, es konnte jeden treffen. Heute werden eher andere "verbrannt" Esoterik liegt doch im Trend.
    O ein Gott ist der Mensch, wenn er träumt, ein Bettler, wenn er nachdenkt, und wenn die Begeisterung hin ist, steht er da wie ein missratener Sohn, den der Vater aus dem Hause stieß, und betrachtet die ärmlichen Pfennige, die ihm das Mitleid auf den Weg gab.
    Friedrich Hölderlin

    Dead Poems
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  7. #7
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    Ich finde das Gedicht vom Thema her sehr ansprechend...wobei mich vor allem die letzten 3 Zeilen interessieren...was meinst du mit, du bist eine Hexe? Hexe im damaligen Sinn, mit Liebestränken und Heilkräutern, oder eher im modernen Stil?
    Nur wer für sein Leben kämpft, hat auch das Recht drauf es zu behalten.

    die Spinne

  8. #8
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    @ Cailyn
    Es ist mir natürlich bewusst, dass ein Unterschied zwischen den heutigen Wicca und den damligen Hexen besteht, aber ich will die beiden schließlich nicht gleichsetzten, sondern das man die Sache im übertragenen Sinne betrachtet. Ich meine auch dem Leser wird schon bemerken, dass das lyr. Ich keine Angst hat physisch verbrannt zu werden, sondern einfach auf die Vorurteile der Menschen zu stossen und deren daraus resultierende Reaktion auf eine Hexe/Wicca.
    Kommt der Schluss wirklich besser rüber, wenn das lyr. Ich Angst davor hat erschossen zu werden?

    @demon17
    Ich gehe definitiv nicht von den Menschen aus, die mal ein Buch über Engel gelesen haben und sich jetzt für den non-plus-ultra Esoteriker halten oder von Leuten, die das als nette Nebensache betreiben. Ich rede von den Hexen, die die Grundsätze des alten spirituellen Weges als eine Art Religion betreiben. Und dazu gehören einfach keine Hobbyesoteriker.
    P.S. Allein 1493 werden 10.000 Menschen verbannt (natürlich nciht nur Hexen, aber ob es das besser macht?)

  9. #9
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    Der Schluss klingt mir einfach zu extrem um ihn ernst zu nehmen. Wicca sind eine Minderheit, ja. Aber sie werden heutzutage einfach nicht verfolgt. Man findet sie vielleicht etwas seltsam und kann ihre Ansichten nicht unbedingt teilen, aber bedroht sind die dann doch nicht.

    Cailyn,
    immer noch krank

    PS: 1493 hatte die Inquisition noch gar nicht richtig begonnen, die Zahlen von 1600-1700 sind da viel interessanter...
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  10. #10
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    Hallo Amira,
    mich spricht dein Gedicht an,weil mich das Thema sehr interessiert.Die ersten drei Strophen finde ich auch gelungen.Den Hexenwahn des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit,die Verwechslung der Kräuterfrauen mit Teufelsanbeterinnen hast du gut beschrieben.Mich stört aber die letzte Strophe,denn sie enthält viel Selbstmitleid und wirkt übertrieben.Außerdem wirkt der Reim rennen - verbrennen sehr konstuiert.
    Natürlich wird dein Umfeld irritiert reagieren,wenn du dich als Hexe bezeichnest.Aber was erwartest du?Einerseits sind noch viele Vorbehalte Hexen gegenüber da,andererseits wird der Hexenboom der letzten Jahre und die Modereligion Wicca von vielen zu recht kritisiert.Trotzdem wird niemand einen Scheiterhaufen für dich errichten wollen,auch nicht im übertragenen Sinn.
    Der Weg der Hagezussen war immer schwierig.Wenn du ihn gewählt hast,darfst du dich nicht beklagen.

    Gruß,
    Nocturnal
    "Säufer des schweren Saftes, versiegelt im durchsichtigen Bernstein ihrer Träume." William S. Burroughs

  11. #11
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    Talking

    @Nocturnal,
    @Cailyn
    Aber natürlich gibt es heutzutage immernoch Menschen die moderne Hexen im übertragenen Sinne auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Es gibt immernoch zu viele "Heinrich Institoris´",die alles und jeden der sich ein bisschen mit Engeln, Esotherik, Tarot usw. beschäftigt über einen Kamm scheren und Vorurteile äussern.

    @Amira

    Ich finde dein Gedicht rundum gelungen, da es sich mit der damaligen und der heutigen Zeit sehr gut identifizieren kann. Es liest sich auch sehr schön und flüssig.
    Grosses Kompliment.

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