Thema: Zwiegestirn

  1. #1
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    Träum nicht länger meine sanften Augen,
    Lächle nicht mehr meine Sehnsucht fort.
    Ich werd deine warmen Hände brauchen,
    wenn dein kalter Schatten mich bedroht.

    Leb ich dennoch deine tiefsten Ängste?
    Sucht mein Wahnsinn deine Atemnot?
    Kalter Hass wird meinen Duft verdrängen,
    deine Schwalben sind schon lange tot.

    Stacheltief sitzt dein gebrochner Name,
    krächzend nur erstickt mein Zorngebrüll.
    Leise streichle ich die dunklen Narben,
    rot steht schon die Sonne in der Tür.
    demon_wolf: "Venya, wenn du ein Schiff wärest, wärst du die Titanic."

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  2. #2
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    Hi venyaluna!

    In meinen Augen ein sehr schönes Gedicht.
    Ich glaube, dass das Gefühl das du mit deinem Werk ausdrücken und vermitteln möchtes erst durch die vielen, von dir eingesetzten, Bilder aufkommt. Wirklich beieindruckende Wortspiele und Bilder, die man beim Lesen vor dem inneren Auge sieht.
    Gefällt mir.

    Mfg

    Weißer_Teufel

    Wenn du nichts hast, für das du sterben würdest, hast du nicht richtig gelebt.

    Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern dass man nie beginnen wird zu leben.
    Marc Aurel (121-180)

    Sein wir realistisch und versuchen das Unmögliche.
    (Che Guevara)




  3. #3
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    Danke für deine Antwort, weißer_Teufel.
    Freut mich, wenn es dir gefällt.
    Liebe Grüße,
    Venyaluna
    demon_wolf: "Venya, wenn du ein Schiff wärest, wärst du die Titanic."

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  4. #4
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    Hi Veny,

    trotz Traum, Sehnsucht, Wärme und Schatten gefällt mir die erste Strophe äußerst gut. Sie ordnet diese Stereotypen in einem sehr bildlichen und eindringlichen Verlauf. Dabei fällt zwar die Unreinheit des b-Reims auf, wirkt aber als Kontrast durchaus angenehm nach.

    Die zweite Strophe ist weniger gelungen. Durch die Anhäufung der rhetorischen Fragen, treten die Stereotypen Angst, Wahnsinn, Hass, hier wieder deutlicher hervor, wirken naiver und sind mir damit unangenehmer. Die Schwalben sind mir dann etwas schleierhaft. Ich verbinde mit Schwalben Sommer und könnte meinen, dieser Sommer stünde wiederum uneigentlich für den Höhepunkt der Beziehung zwischen Ich und Du. Allerdings paßt die Schwalbe von der semantischen Kategorie her nicht in den Kontext. Bisher hattest du dich in den Bereichen Temperatur (kalt-warm), Körperlichkeit (Augen-Hände-Atem) und Emotion (lachen-Sehnsucht-Angst-Not-Wahnsinn) bewegt. Nun schlägst du eine sehr biologische Naturnähe ein, die neu ist und stark von der Linie abweicht (ohne aber eine Kontrastwirkung zu erziehlen). Damit zerstörst du die semantische Kohärenz der zweiten Strophe.

    Der erste Teil der dritten Strophe fällt durch seine Lautlichkeit aus dem Rahmen. Die Häufung von z-Lauten schneidet hier in die Empfindung ein, setzt allerdings auch den Inhalt damit sehr performativ um. (Ich frage mich dennoch, ob ich das schön finde oder nicht, ohne recht zu einer Lösung zu kommen.) Das optimistische Ende gefällt wiederum, trotz der Stereotypen Narben und Sonne, gut.

    Fazit: Der starke Anfang legt vielleicht zu stark vor, um im angemessenen Verhältnis zum weniger starken Schluß noch sinnvoll zu wirken. Besonders auf die zweite Strophe möchte man sich ungerne einlassen. Insgesamt ist dies (von der Schwalbe abgesehen) aber dennoch ein grundsolider und durchaus angenehm zu lesender Text, weniger gut aber, als mach anderes, was ich schon von dir las.
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  5. #5
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    Tut mir leid, dass ich mich erst jetzt für diese Kritik bedanke, ich war hier recht lange nicht mehr aktiv.
    Welche Unreinheit der Reime meinst du? Das Gedicht verwendet keine Reime, sondern lediglich Worte mit gleichen Vokalen...
    Ansonsten kann ich dir nur recht geben,d as hier ist wirklich bei weitem nicht der beste text, den ich in letzter zeit geschrieben habe...
    demon_wolf: "Venya, wenn du ein Schiff wärest, wärst du die Titanic."

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  6. #6
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    Ja, ich meine genau diese Assonanzen. Das ist nun wieder schwierig, die Grenze zwischen unreinem Reim und Assonanz zu ziehen - auf jedenfall gibt es hier Gleichklangsparallelen, die als solche auffallen. Sie sind eine schöne Abwechslung vom tristen Dahinschleiern immer gleicher, reiner Reime.
    --LeV

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  7. #7
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    Hallo Venyaluna,
    abgesehen vom Reim und nicht Reim (der gar nicht gewollt ist)
    haben mich Deine Zeilen sehr berührt. Ich sehe dahinter eine
    sehr tiefe und unglückliche Geschichte - die sehr gut erzählt, und ein Gedicht ist.
    Liebe Grüße,
    Dana

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