1. #1
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    Exclamation Peter Härtling - ''Wenn jeder eine Blume pflanzte'' Brauche Hilfe

    Hallo,
    Bin neu hier.
    Bracuhe hilfe zum Gedicht von Peter Härtling:

    ''Wenn jeder eine Blume pflanzte''

    -Gedicht aus urheberrechtlichen Gründen editiert-

    Peter Härtling.

    Könnt ihr mir ein bisschen bei der Interpretation helfen ?
    Besonders die letzte Strophe verstehe ich nicht !!!
    Muss die Hausarbeit Morgen abgeben.

    Vielen Dank.

    Gruß Gedichtefan.


    [Geändert durch Gedichtefan am 11-05-2005 um 16:54]
    Geändert von Dr. Üppig (30.09.2012 um 14:58 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Gedichtefan,

    sicher ist es jetzt schon zu spät, um dir bei deiner Hausarbeit zu helfen und das ist auch günstiger für dich, denn deine Noten sind nur aussagekräftig für dich, wenn sie deine Eigenleistung bezeugen.

    In den ersten beiden Strophen kreiert Härling mit Hifle zahlreicher konjunktivischer Aufzählungen seine Idee einer "besseren Welt". In der dritten Strophe macht er ab V3 den Schritt zurück in die Realität. In dem er mit der grammatischen Konstruktion der Konditionalsätze (wenn) der ersten beiden Strophen spielt, rückt er die Irrealität seines Wunschideals ins Bewußtsein des Lesers (die reale Welt ist nicht so). Gleichzeitig kreiert er eine zweite hypothetische Ebene, in dem er den Irrealis weiterführt.

    Härling kommt zu dem Schluß, daß die Welt noch lange nicht perfekt wäre, wenn seine Idee einer "besseren Welt" umgesetzt würde. Dennoch hätte, so Härtling, die "Menschenzeit" angefangen. Damit macht er die indirekte Aussage, daß die momentanen Zustände keine "Menschenzeit" wären, also vielleicht eher etwas Unmenschliches. Diese eindeutig negative Wertung entschärft er jedoch schon im Folgevers durch das "beinah": Da die "Menschenzeit" in "Streit und Krieg" (wobei keine konkreten Ereignisse gemeint sind) nur "beinahe" vergangen ist, heißt das, daß die reale Welt ja doch nicht ganz unmenschlich sein kann.

    Fakt ist jedoch, daß Härtling mit diesem Gedicht zur Reflexion über die realen, aktuellen Zustände der Welt anregt und zur Frage danach, was denn eigentlich genau die "Menschenzeit" ist.
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  3. #3
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    Konditionalis, Irrealis? Härtling hat’s vergurkt, für mein dafürhalten. Typisches Deutschlehrerinnengedicht. Zugegeben, ich bin nicht frei von Vorurteilen. Aber das ist so ein versemmeltes Schnuffeltuchgedicht, dass ich heulen könnte. Also worum geht es? Wenn die Welt nicht so fies wäre wie sie ist, dann wäre sie? Und jetzt kommt Peterchens Mega Erkenntnis: nicht das Paradies, aber menschlicher. Nein, ehrlich Peter? Will meinen: sensationell. So sensationell geschmeidig wie die Abschlußzeilen:

    wär's noch lang kein Paradies -
    bloß die Menschenzeit hätt angefangen,
    die in Streit und Krieg uns beinah ist vergangen.'
    Ich habe gerade Zahnschmerzen und wenn ich diese Zahnschmerzen vertonen müsste, ich krächzte diese Zeilen. Die letzten zwei Zeilen sind schlicht aus der Feder gepresst oder gewürgt. Zuvor war eigentlich in jener Zeile schon Schluss, als die Fragerei, was denn so passieren würde, wenn wir alle etwas lieber wären, beantwortet wurde:

    wär's noch lang kein Paradies –
    Nur, dass Härtling dann aufmerkte und bemerkte, dass sein kleines Gedicht so niedlich wie hohl ist und statt einem Punkt einen Gedankenstrich hin malte. Das Gesagte, reichte ihm wohl noch nicht? Stimmt, denn er hätte genauso gut schreiben können: Seid doch mal netter zueinander, dann wäre es auch aushaltbarer. Nur, das ist natürlich nix was mit Irrealis oder Konditionalis gemessen werden möchte, sondern nur in die nächstgelegene Tonne getreten will. Und deshalb, und nur deshalb, krampfte sich Peter noch zwei besonders grauslige Verschwurbelungen ab, ums kryptischer, intelligenter und für sein Gefühl besser zu machen.

    Wär’s und bloß und hätt und eine fiese Inversion am Ende sprechen Bände, dass Peter hier mit Gewalt am Werke war. Die Ironie ist, dass die zwei furchtbaren Gesellen am Ende, es auch nicht heraus reißen. Vor allem das Wort Menschenzeit schreit schon nach: Achtung! Trickbetrüger. Was soll das sein? Menschenzeit? Zeit der Menschlichkeit? Mensch, es wird Zeit? Oder, wie es in der Olson Bande heißt: Mächtig gewaltig Egon vulgo Peter? Ich vermute letzteres und das Wort Menschlichkeit hinter dem Wortgeklingel. Und das machtr es doppelt so fad. Wenn ich rekapituliere, lautet der Härtlingsche Blumengedanke wie folgt: Werdet etwas netter und vergeudet nicht eure Zeit mit Krieg und Streit, dann werden wir insgesamt auch menschlicher. Toll.

    Woran hapert es bei diesem Gedicht? Am Mut. An einer klaren Stellungnahme. Statt des schwachen wärs noch lang kein Paradies hätte eine Schmähung folgen müssen, eine wiederholte Vertreibung aus dem Paradies, wenn es denn ein reizvoller Gedanke werden sollte. Nach:

    wenn ein jeder einen andern wärmte,
    keiner mehr von seiner Stärke schwärmte,
    keiner mehr den andern schlüge,
    keiner sich verstrickte in der Lüge,

    wenn die Alten wie die Kinder würden,
    sie sich teilten in den Bürden,
    wenn dies WENN sich leben ließ,
    Schlösse ich mit: verachtete ich diese Welt, denn in ihr ist jeder Widerspruch und jeder Streit erstickt; jede Schmähung, jede Verachtung wäre in Liebe ertränkt, ich, der ich so gerne streite, käme nicht drin vor oder müsste Ritalin nehmen, um es mit dieser Liebe auszuhalten. Nein, wenn sich dieses Wenn leben ließe, ich bliebe draußen vor der Tür und verzehrte mich nach ihr.

    So in etwa hätte es für mich einen Reiz. So steht es aber nicht da und so wie es Peter Härtling verdichtet hat, ist es Stuss und Zeitverschwendung. Was er bei Streit und Hass moniert, dass widerfährt mir beim lesen seines Gedichtes: der Verlust von Zeit, meiner Zeit.

    Dafür sollte ich Härtling eigentlich hassen, oder? Aber nein, nicht hassen, schon gar nicht den Härtling, sondern ich muss mich an den Kopf fassen, wie Deutschlehrerinnen Schüler mit so einem Schmarrn belästigen und wahrscheinlich noch Sekundärliteratur bemühen müssen, um diesem Gedicht bei zu kommen. Warum? Weil es auch ihnen an Mut fehlt. Mut, persönliches Missfallen auszudrücken, stattdessen Weichzeichnergedichte abschlabbern zu lassen, in denen nichts, aber auch gar nichts steckt, außer einer Benotung.

    Hoffnung sollten also alle schöpfen, die hier schreiben. Es kann noch so beschissener Quark sein, der verzapft wird, für den Deutschunterricht kann es noch reichen, wenn sich nur einer findet, der es verlegt und einer der es öffentlich ablobt. Na, woher kennen wir das? Genau. Des Kaisers neue Kleider.

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