Die Hummel

Eigentlich bin ich doch glücklich,
lebe vor mich hin ganz schicklich,
denke nicht, dass mir was fehlt,
glaube nicht, dass mich was quält.

Schaue auf von meinen Heften,
atme durch aus Leibeskräften,
fühl die Würze frischer Luft,
welche mich nach draußen ruft.

Hahnenfuß und Löwenzähne
schütteln ihre gelbe Mähne,
Acker-Günsel kobaltblau,
Wiesenkerbel, Bärenklau.

Da liegt vor mir auf dem Wege,
ihre Beinchen zappeln träge,
rücklings eine Hummel da,
hilflos, wie ich keine sah.

Sieh, ein Strohhalm liegt daneben,
mit ihm rett ich ihr das Leben,
schieb’ und kippe sie ganz sacht,
bis sie wieder aufgewacht.

Angestoßen durch den Prügel,
regt sie langsam ihre Flügel,
fliegt hinweg ins Sonnenlicht,
das ihr neues Glück verspricht.

Wer hat mich zu dir gerufen,
arme Hummel? An den Stufen
deines Tode standst du schon,
unhörbar dein Klageton

diesen vielen Millionen
Lebewesen, die hier wohnen,
ohne Kenntnis deiner Not,
die du fühltest vor dem Tod.

Elend wärst du fast verendet,
wer hat mich zu dir gesendet?
Unsichtbar uns Jemand führt,
von Ihm fühl ich mich berührt.

[Geändert durch Hans Werner am 19-05-2005 um 13:08]