1. #1
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    Ich war schon so lange auf diesem kleinen Boot, dass wild von den reißenden Wellen hin und her geschleudert wurde, dass ich nicht mehr wusste was vorher war und nachher sein könnte. Und so schoss ein wilder Gedanke wie eine Krähe aus dem tief schwarz stürmenden Himmelsgewölb’ auf mich hernieder, ob es denn nicht lohnender sei, mich ohne Kampf der schäumend’, dunkelblauen Tiefe zu übergeben.
    Da dies jedoch schade um das Boot gewesen wäre, welches ohne mich ganz sicher gekentert wäre, strich ich diesen wilden Traum hinfort.
    Doch dann wölbte sich eine riesige, ungestüme Welle wie mit Tollwut über mich und ich fragte: „Bin ich nicht Steuermann?“
    Da sank die Welle auf mich herab und das Geräusch das erklang war ein spöttisches: „Du?“


    Angelehnt an Kafkas "Steuermann".

  2. #2
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    Hallo Seraphin!

    Dies ist genau einer jenen Momente, in denen ich bereue, daß ein Teil meiner Bibliothek in Kisten im Keller ausgelagert ist. Dummerweise auch mein Kafkaband. Ich hab vage in Erinnerung den "Steuermann" irgendwann mal gelesen zu haben, nur ist das auch schon alles, woran ich mich erinnere.
    Zu Deiner kurzen Geschichte: Gefällt. Sogar sehr. Die Hilflosigkeit des Steuermanns nach quasi-überstandener Sinnkrise und das geradezu makaber witzige Ende, geben Deiner Geschichte genau das Gewicht um die Kürze wettzumachen.

    Gern gelesen,
    gott

  3. #3
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    Vielen Dank.
    Übernommen habe ich die Worte:
    "Bin ich nicht Steuermann?" - "Du?" - und die Szenerie auf einem Boot/Schiff.

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