Was hast du dir dabei gedacht?

Was hast du dir dabei gedacht?
Was hast du dort mit mir gemacht?
Ich bin nur langsam aufgewacht
nach dieser durchgelittnen Nacht.

Eine eisgekühlte Hand
setzt mein Heimatland in Brand.
Freude, die ins Nichts verschwand.
Jeder Traum verläuft im Sand.

Macht denn es Spaß, Qual zu verbreiten,
gewaltvoll Mauern zu durchschreiten,
Zerstörung stöhnend zu begleiten?
Ich frage stumm seit Ewigkeiten.

Warum lässt du mich nicht gehen?
Warum überhörst du Flehen?
Warum habe ich einzusehen,
dass Reuesworte mir zustehen?

Hier hast du dein „Es tut mir leid“.
Trage bußverkündend’ Kleid.
Doch überschätz’ nicht deinen Schneid.
Ich weiß längst über dich Bescheid.

Dass ich dir jemals vertraute,
mit dir am Plan der Zukunft baute,
auf dich mit rosa Brille schaute,
was ich niemals ganz verdaute,

tut mir leid. In echter Reue
schwör’ ich Rache stets aufs Neue.
Ich bin längst nicht mehr das scheue,
kleine Reh. Brech’ dir die Treue.

Verbote werden aufgebrochen.
Zuverschweigendes gesprochen.
Unantastbares zerstochen.
Die Angst vor dir hat sich verkrochen.

Doch dies „Warum?“ bleibt ohne Antwort.
Ich suchte hier, ich fand nicht dort,
selbst nicht an meinem Zufluchtsort.
Spuck du es aus – und zwar sofort.

Niemals kann ich’s nachvollziehen.
Wer hat dir die Macht verliehen,
vor jeglicher Vernunft zu fliehen,
Werte zu kappen, die gediehen?

Francesca (2005)