Thema: DROGENKINDER

  1. #1
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    Drogenkinder

    LEX

    Mike

    Am Anfang brannte er noch sehr,
    dieser Dreck, den ich mir gebe.
    Am Anfang war die Angst noch leer,
    dass ich H nicht überlebe.

    Was auch kommt, ich sterbe doch,
    sei es mit, oder auch ohne.
    Über jeden hängt ein Joch,
    doch trag ich meines schon als Krone.

    Gebückt muss ich durchs Leben gehen,
    mit der Droge die mich liebt.
    Gebückt kann ich nur selten sehen,
    wer noch wahre Freundschaft gibt.

    So geh ich meistens ganz allein,
    mit den Gedanken die mir blieben.
    So geh ich um nicht dort zu sein
    wo alle Junkies einmal liegen.

    Jessy

    Schule und Straße, das sind zwei Welten,
    die nie zur gleichen Zeit bestehen.
    Drum kann ich bald schon, nur noch selten,
    dort hin, wo sie alle gehen.

    Auf der Straße liegt die Freiheit,
    für die Freier dieser Stadt.
    Auf der Straße liegt die Geilheit,
    die jeden Mann zum Täter macht.

    Dort muss ich zuhause sein,
    ganz gleich ob es mir auch gefällt.
    Was will Schule mit dem Stein,
    der sich nur unter Wasser hält.

    Ich lebe gern mit vollen Taschen,
    manchmal auch mit einem Schuss.
    Ich will vom besten täglich naschen,
    so zahl ich gern mit manchem Kuss.



    Und oft auch mehr doch ist der Preis,
    nie zu hoch für dieses Leben.
    Denn früh genug werd ich zum Greis,
    dann ist’s zu spät nach mehr zu streben.

    Sophia

    Zusammen sind wir unzertrennlich,
    teilen uns dasselbe Glück.
    Zusammen sind wir so lebendig,
    dass wir sterben, stück für stück.

    Mike stirbt schneller als die andern,
    keiner rennt so schnell wie er.
    Wo die Menschen fröhlich wandern,
    schmeißt er die Jahre hinterher.

    Alte Wesen sind wir drei,
    doch keiner über 16 alt.
    Wir stehen gern und oft dabei,
    wenn man uns den Tod auszahlt.

    Selbstverständlich müssen wir,
    für den Tod auch etwas geben.
    Etwas das sehr gut bei mir,
    und bei den andren schlechter eben.

    Ein Job ist es für den wir lohnen,
    oftmals kalt und manchmal Pein.
    Ein Loch ist es in dem wir wohnen,
    modrig feucht und zellenklein.

    Jessy ist ein kluges Kind,
    13 Jahr und so geschickt.
    Wo andre noch beim Knutschen sind,
    hat sie schon alle Welt gefickt.

    Geld schafft jeder von uns ran,
    manchmal viel und selten nichts.
    Sterben tun wir dann und wann,
    doch was zählt, ist nur wenn’s sticht.

    Heroin macht alt und träge,
    Heroin ist unser Brot,
    Heroin zählt zwei Erträge,
    erst die Hölle, dann den Tod.

  2. #2
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    Hey Lex

    Dein Gedicht geht mir unter die Haut, hast ne gute Formulierung.
    Habe auch eines über das H geschrieben, lies doch mal wenns Dich interessiert

    Gruss Delphin

  3. #3
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    Endlich ein unverschlüsseltes Gedicht, das formal überzeugt und inhaltlich bewegt. Klare Bilder in einer klaren Sprache; das lässt doch die Hoffnung aufkommen, noch viel von Dir zu lesen.

    lg/Peter

  4. #4
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    Gefällt mir wirklich, vor allem die direkte aber nicht primitive Sprache. Ich konnte es flüssig lesen ohne irgendwo hängen zu bleiben.

    Auf hoffentlich mehr von dir,
    Cailyn
    Demokratie ist ein Verfahren, das garantiert, dass wir nicht besser regiert werden, als wir es verdienen. -Georg Berhard Shaw

    Neueste Schöpfungen:
    Nächtliche, Belhanka - ein DSA-Gedicht, Al'Anfa - ein DSA-Gedicht, Die Nacht der Helden und Mondin

    Noch unkommentiert: Agapenklang

    Und hier sind sie alle versammelt.

  5. #5
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    Ich bedanke mich für diese gut zu lesende, flüssige und ausgesprochen gut tuende Kritik

    dankeschön

  6. #6
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    Lang und nicht langweilig <----- Das bedeutet mir unheimlich viel.

  7. #7
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    Hallo Lex,
    kann mich dem Lob auch nur anschliessen.
    Ich habe versucht in deinem Gedicht nach zu Klischeehaftem zu suchen. Klar einige Klischees sind dabei aber diese setzt du sehr schön um, so dass sie nicht verbraucht wirken.
    ICh finde du verdeutlichst typische Rechtfertigungen der "Drogenkinder" und vereinst das aber mit einem doch vorhanden klarem Bewusstsein um die eigene Situation.
    Das Gedicht wirkt zum Teil sogar heiter und verfällt aber dann immer wieder in eine tiefe Bitterkeit und harte Realität, das gefällt mir sehr gut.Es vereint viele Gefühlsmomente der "Drogenkinder" wie Trotzverhalten, Hilflosigkeit, Zusammenhalt, Verzweiflung, Ignoranz und auch Rechtfertigung.
    Einige Forumulierungen haben mir besonders gut gefallen:

    z.B.:
    "Über jeden hängt ein Joch,
    doch trag ich meines schon als Krone."

    "Zusammen sind wir so lebendig,
    dass wir sterben, stück für stück."

    "Wo andre noch beim Knutschen sind,
    hat sie schon alle Welt gefickt."

    und besonders gut hat mir auch der Schluss gefallen, der das ganze sehr nachdrücklich unterstreicht.

    "Heroin zählt zwei Erträge,
    erst die Hölle, dann den Tod."

    Hier verdeutlichst du nochmal sehr gut diesen verzweifelten Widerspruch in dem sich die Drogenkinder befinden. Du vereinst positive Elemente wie Brot und Ertrag mit der Sucht. Daraus wird erneut sehr gut deutlich wie sehr der Stoff gebraucht wird und dass er in diesen Momenten das lebenswichtige darstellt obwohl die Konsequenz daraus knallhart und bitter ist.



    Gruß
    question
    [Geändert durch question am 04-07-2005 um 10:36]

  8. #8
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    Kritik die gut tut.

    Vielen Dank

  9. #9
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    Drogenkinder

    Du hast mich mit deinem Gedicht unglaublich berührt, und das ist glaube ich dass größte Kompliment das ich dir machen kann!!!

  10. #10
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    Ein Kompliment welches ich mit aller Genugtuung und Herzlichkeit empfange.

    Danke.

  11. #11
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    Thumbs up

    endlich wieder ein werk zu diesem thema das reaktionen
    ausserhalb der dämlichen lähmenden betroffenheit hervorruft

    Gestern standen wir vor dem Abgrund, heute sind wir einen entscheidenden Schritt vorwärts gekommen.

    Kommt vor im Gedränge...

    Lieber vorbeugen als auf die Füße kotzen...

  12. #12
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    hallo LEX,
    ein Beitrag, der unter die Haut geht. Auch mir gefiel die direkte Sprache - vor allem macht es sehr nachdenklich.
    Sehr gut,
    Dana

  13. #13
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    Ich versuche immer konkret zu bleiben, so dass meine Gedichte von nahezu Jedem verstanden werden können.

  14. #14
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    380
    Hi LEX!

    Ich habe bereits auch über beide Themen geschrieben (Drogen, in meinem Fall Koks: "Gebrochenes Versprechen" und der Strich "Nachts").
    Dein Gedicht ist sehr packend.
    Nicht viele schaffen es, dass so viele User ein Werk dieser Länge komplett durchlesen. Ist schon ne kleine Meisterleistung.
    Am meisten hat mich deine letzte Strophe, also so zu sagen die Pointe umgehauen. Ab und zu holpert das Gedicht etwas, ist aber nicht weiter tragisch.
    Weiter so!

    mfg

    Weißer_Teufel
    _____________________________

    Wenn du nichts hast, für das du sterben würdest, hast du nicht richtig gelebt.

    It’s better to burn out, than fade away.
    (Kurt Cobain, oder besser gesagt Neil Young)

    Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern dass man nie beginnen wird zu leben.
    Marc Aurel (121-180)

    Seien wir realistisch und versuchen wir das Unmögliche.
    (Che Guevara)

  15. #15
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    Na da sag ich doch mal Danke weißer Teufel.

    Gruß, Konstantin der Nasenbär.
    [Geändert durch LEX am 28-09-2005 um 12:00]

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