Thema: Was ich bin

  1. #1
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    Ich bin so, wie ich bin.
    Das müsst Ihr schon verzeih'n.
    Bedenkt! Ich könnt' auch weitaus schlechter sein.
    Ich helf' nicht Jeder aus dem eng verschnürten Mieder
    wenn auch , bei Gott, es vielen so erging,
    Ich rupfe Gänsen nicht das prächtige Gefieder!
    Ich singe nur die schmutzigsten der Lieder.

    Ich bin halt wie ich bin!
    Auch solche muss es geben.
    Hätt' jeder Herr ein allzu gerades Leben,
    wie seh' das aus am krummen Buckel dieser Welt!
    Wär' jedem Ruhm beschieden und ein Batzen Geld,
    wer müsste seine Nachbarn noch beneiden,
    wer bräuchte Klagen von der Armen Leiden,
    wer wollt' das letzte Nonnenhäubchen stehl'n?
    Ich gebe zu, ich liebe es zu fehl'n.

    Ich bin nur was ich bin,
    nichts and'res mag ich werden.
    Ein kleiner Wurm, ein Gauner dieser Erden,
    - ein Papst der mit den Götter schwadroniert,
    - ein Kaiser, der die Truppen füsiliert,
    ich hab Moral verloren und bewahrt,
    und bin so wie ein Röslein,
    - schrecklich spitz und zart.

    Ich war in meiner Lebenszeit
    vor vielen Freveln nicht gefeit.
    Ich hab die runde Welt so nicht erfunden,
    ich hätt' sie etwas eckiger gemacht
    und jeder Seel' in kalten, dunklen Stunden
    ein kleines Licht zum Weggefährt erdacht.

    Drum liebe Leute! Hört mich an.
    Wer denken will und küssen kann,
    der wird an mir auch seine Freude haben,
    wer Lieder mag und einen schönen Reim,
    dem habe habe ich gewiss etwas zu sagen,
    und sollt es nur ein Abschiedswörtchen sein.

    Und wenn nicht - dann nicht! HA!
    Wer hätte das gedacht!
    Ich bin und bleibe Zug um Zug,
    mir treu!
    mein bisschen Seel' genug.
    'La grand ambition des femmes est d'inspirer l'amour." - Molière

  2. #2
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    Hey IndianaSenf,
    hatte gerade deinen Feenteich gelesen. Er hat mir gefallen. Abgerundet, eine kleine Geschichte in schönen Bildern. Eigendlich auch sprachlich schön. und jetzt kommt das aber zum eigendlich. Dies fällt in "ich bin so, wie ich bin" noch viel mehr auf. Warum schreibst du nicht in Schrifthochdeutsch? Ich finde Umgangssprache (z.B. "halt" Zeile 8) in Gedichten unpassend und Oberes klingt dadurch grausig. Auch "Endungenweglassen" und Verkürzen fördern in deinem Fall diesen Eindruck.

    Nun du sagst schon, dass du so bist wie du bist.
    Und ich bin wie ich bin, habe nichts gegen "Lieder" und "schöne Reime" im Gegenteil...
    deshalb gefällt mir das obrige nicht.
    Gazelle
    Gedichte sprechen für sich selbst

  3. #3
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    Hallo Gazelle, und vorweg erst einmal vielen Dank für Deine Nachricht und auch die netten Worte, die Du zu meinem Feenteich gefunden hast. Ich hoffe ich kann Dir eine zufriedenstellende Antwort geben.

    1. Gibt es überhaupt ein "Schrifthochdeutsch"?

    Möglicherweise, da ich aber nicht für den Duden arbeite, kein Germanist bin oder aber im Kulturausschuss Deutsche Sprache sitze muss ich Sie so begreifen, wie ich kann - nämlich als höchst labilen Kulturträger, der sich im ständigen Wandel befindet und nicht durch Paragraphen, Gesetzte und Definitionen regeln lässt.

    2. Man kann sich natürlich dem 2006er "Lehrbuchdeutsch" annähern....

    ... aber wäre das wirklich erstrebenswert? Würde das nicht eine Einschränkung der künstlerischen Freiheit bedeuten? Wäre das nicht eine Diskriminierung von Dialekten, die, bereits aussterbend, noch eines der wenigen Zeichen regionaler Identität in diesem Land sind?
    Der Mensch lebt in der Region. Nicht in einem Land, oder Bundesland oder was auch immer. Je dichter die Besiedlung eines Gebietes desto kleiner werden die Regionen, in denen er sich "auskennt", wie zu Hause fühlt und wenn diese Regionen verschwinden, nimmt man ihm ein Stück Heimat.

    3. Das Gedicht hat in sich eine Art Historismus.

    Sie ist von Genre her eine so genannte Gaunerballade und daher auch ganz anders als der "Fehenteich", den ich nach lesen des Sommernachtstraums geschrieben habe.
    Eine stilistische Besonderheit dieses Genres ist der Gebrauch einer "derben" Sprache, möglichst weit von jeden Konventionen entfernt. Das ist Absicht, das ist Villon, Zech oder Brecht.

    Es muss auch nicht jeden Geschmack treffen, womit ich aber auch sagen möchte, dass es eine Geschmacksache ist - ob einem diese Gedichte gefallen. Stilistisch kann ich daran keinen größeren Mangel erkennen.

    Deshalb verschließ ich auch die Augen vor der Streich,
    und wage nicht auf größeres zu hoffen
    ich sende Dir auch Grüße nach des Konrads Reich,
    und bleib indes mit allen Sinnen offen.
    'La grand ambition des femmes est d'inspirer l'amour." - Molière

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