Thema: Eine Bitte

  1. #1
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    Solange die Erde noch dreht,
    gewohnte Gezeiten sind weichend,
    gib, Göttin, jedem was fehlt
    großzügig, nicht bloß ausreichend.

    Gib dem Weisen ein leeren Kopf,
    dem Irren - klare Sicht,
    gib dem Geizigen doch einfach den Goldtopf
    und denk auch bitte an mich.

    Solange die Erde noch dreht,
    Göttin, mit deiner Hilfe
    gib jedem das was ihm fehlt,
    großzügig, mit sanfter Milde.

    Gib dem Neider die sichere Macht,
    dem Eitelen ein perfektes Gesicht,
    dem Ängslichen eine sonnige Nacht
    und denk auch bitte an mich.

    Ich weiß, du bist im Stande,
    ich glaube an deine Kraft.
    So wie jeder Sterbende glaubt,
    daß er sicher im Himmel erwacht.

    Sowie jedes ermüdete Ohr
    deine süßen Worte zu hören glaubt
    Fehler kommen bei Göttern nicht vor,
    wer, Göttin hat dir also deine erlaubt?

    Solange die Erde noch dreht
    Die Zeit noch da und das Licht
    Gib, Göttin, jedem was fehlt
    und denk auch bitte an mich.

  2. #2
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    Hallo kite,

    Dein Gebet find ich interessant. besonders der Satz "gib dem Geizigen doch einfach den Goldtopf" find ich einfach witzig, konnte mir das freundliche Lächeln nicht verkneifen.

    Wie sich andere sicherlich über mich noch häufiger auslassen werden, bin ich kein großer Freund von Fersmass oder Reimen, auser sie dienen einem gezieltem Zweck. Da man sehen kann dass Du versuchst diesen einzubringen, was Dir aber nicht immer gelingt. Da solltest Du einfach mehr Mühe reinstecken, oder es ganz lassen. (Nicht angreifend gemeint...)

    Viel mehr interessiert mich der Gedanke oder das Gefühl das dahinter steckt. Wie es übermittelt wird, was für ein Bild in meinem Kopf entsteht, wenn ich die Zeilen lese. So lese ich bei Dir eine gewisse Verzweiflung, Unverständniss, unausgesprochene Ungeduld und Unmut.

    Den Satz "und denk auch bitte an mich" hätte ich nur am Ende gesetzt. Es wirkt sonst zu egoistisch, Besser währe es noch den Wunsch unausgesprochen mit inverser Logik verbunden zwischen den Zeilen zu legen.

    Nun ja, das ging mir halt so durch den Kopf....

  3. #3
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    Klasse...

    Ich bin zwar Atheist, aber dein Gedicht lässt mich wirklich fast umschwenken...
    Besonders der Satz "und denk auch bitte an mich" hat mir gefallen.
    Zuerst die anderen und dann ich, aber mich bitte nicht vergessen; So hab ich das interpretiert.

    Dein Gedicht is eigentlich sehr gut und die Worte auch sehr schön gewählt. Weiter so!
    Erfahrung ist, wenn der letzte Keim der Hoffnung erstickt ist.

  4. #4
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    Das Gedicht brilliert inhaltlich sowie sprachlich durch seine Einfachheit, die aber keineswegs niveaulos, sondern eher entsprechend wirkt. Hab ich gern gelesen.

    MFG Willo
    Erkennen selber braucht einen Augenblick, die Erkenntnis auszudrücken ein Leben.

  5. #5
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    Hallo und vielen Dank fürs Feedback!
    So verzweifelt bin ich nun auch nicht.."Denk an mich" sollte dem ganzen etwas Bodennähe geben, denn schließendlich ist keiner frei von gesunder Eingenützigkeit, oder?

    MR.Light: hab diesen Satz daher ganz bewusst oft eingesetzt, s. o. Fersmaß: Du könntest recht haben, ich habe tatsächlich keine Vorstellung von dieser Materie, glaube aber nicht, dass solange die "Ausbrüche" nicht schreiend unangenehm sind, man auf das Reimen verzichten sollte. Glaubst Du, ich sollte mich mit den Gesetzen der Lyrik auseinander setzen??..)

    Bis bald
    Kite


  6. #6
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    @kite

    Da fragst Du einen Menschen aus den Bergen, ob Meerwasser gesund ist. Da werd ich eine Antwort benutzen, die unter Wissenschaftlern sehr weit verbreitet ist, und von großer Weißheit und gedanklicher Tiefe deutet und lautet: "Ich weiß es nicht". (Data)

    Dein Gedicht ist mit viel ehrlichem Gefüh geschrieben, was ich anderen Schreibern nicht absprechen will, und diese hast Du so verpackt dass dies beim Leser ankommen, was ich wohl bei einigen Schreibern (mir nicht ausgeschlossen) nicht nachempfinden kann.

    Es ist ein Unterschied ob man versteht wovon ein Mensch spricht, oder ob das Gefüh bis in meine Seele über die Worte getragen wird...

    Oder um es etwas mystischer zu beschreiben, Du hast es geschaft die Schwingungen, die in Dir waren, während Du es in den Zeilen festgehalten hast, auf den Leser zu übertragen, und somit eine Sychronität zu erreichen.

    Dabei sind die Gesetze der Lyrik nur ein helfendes Mass, und nicht ein Gesetz, wie es die Bezeichnung irrtümlich deklariert. Aus diesen Grund, finde ich dass viele Gedichtschreiber sich zu sehr an diese Gesetze halten, und dabei vergessen worum es eigentlich geht...
    "poetische auslegung der rhythmischen begebenheiten des lebens" -- meph

  7. #7
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    Seele

    @Mom

    Habe die beiden Gedichte gelesen, und ich muß sagen dass mir beide gut gefallen, doch wenn ich wählen müßte, finde ich die version von "Hans Kruppa" besser.

    Vieleicht liegt es in der Kürze, genauer kann ich es nicht definieren. Ich habe das Gefühl in deiner "Version" dass Du zu vieles verschiedenes sagen willst, und daher nicht zum Punkt kommst. Zumal das Gedicht "Die Reise zur Menschenseele" heißt, und man diese Reise im Gedicht nicht mitbekommt, weder in den Worten, dass man Schicht für Schicht näher kommt, noch in der Verslänge um ein symbolisches voranschreiten des Lesers zur Seele symbolisiert.

    Die Idee finde ich nicht schlecht, und auch die Bilder, die Du benutz, nur finde ich, dass Du Dich mit deinem Werk noch einmal zusammenschließen solltest, und es überarbeiten solltest.

    Kleiner Tipp, nimm Dir einen Tedybeer und lese Ihm dein Gedicht laut vor, Erkläre den Seellosen Geschöpf, die Reise zu deiner Seele, und höre Dir in deinem Inneren seine Kommentare an. (nicht als Witz gedacht).

    _____

    Kleine Frage an die Philosophen hier in der Runde (Ich hoffe hier gibt es welche):

    Ist es eine Kausale Folge, wenn man von der Existenz einer Seele ausgeht, dass es auch einen Gott, oder zumindest etwas Göttliches gibt?

    Würde mich über eine Diskussion freuen...
    "poetische auslegung der rhythmischen begebenheiten des lebens" -- meph

  8. #8
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    @Mom

    Kleine Notiz am Rande, Philosophie:

    Wikipedia:

    " ... Die Philosophie (griechisch, zusammengesetzt aus Philo = Freund und Sofia = Weisheit) heißt wörtlich aus dem Griechischen übersetzt: "Liebe zur Weisheit" bzw. einfach "zum Wissen" - denn sophía besitzt zunächst einmal jemand, der ein Fachmann für etwas ist. Wahrscheinlich tritt die Wortprägung Philosophie das erste Mal bei Platon auf. ..."

    ... und heist nicht '... auf deutsch: „denkend“.' Wird nur damit irrtümlich in Verbindunbg gebracht...

    Sorry kein Angriff...

    @kite

    Sorry dass wir uns von deinem Gedicht Thematisch etwas entfernt haben ...

    Mr Light
    "poetische auslegung der rhythmischen begebenheiten des lebens" -- meph

  9. #9
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    Mr Light, vielleicht solltest Du Deine Frage, rein grammatikalisch überdenken:
    Was ist eine KAUSALE FOLGE? Entweder hat etwas einen Grund und dann eventuell eine Folge, aber eine KAUSALE FOLGE ist doch nur die Sache selbst, um die es geht. Was also willst Du diskutieren? Etwa: Ich diskutiere Seele?

    Vorschlag gefällig?

    Mr Light, vielleicht sollte man zunächst überlegen, ob es eine Seele gibt - und wenn ja, in welcher Form -, bevor man sich an die kausalen Folgen macht. Hältst Du diese Diskussion wirklich für Forum geeignet? Andererseits - die Anzahl der Beiträge würde eventuell in die Höhe schnellen....

    Liebe Grüße

    N.

    [Geändert durch Nomen am 30-05-2005 um 17:00]

  10. #10
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    @Nomen
    Genau das wollte ich ja umgehen. Wenn man die Existenz der Seele (rein Hypothetisch) annimmt, wollte ich wissen, ob man daraus direkt ableiten kann, ob es einen Gott gibt (oder was Götliches). d.h. Ich will nicht wissen ob es eine Seele gibt, noch ob es Gott gibt, sondern nur ob das eine das andere impiliziert, oder nicht.Denn wenn ja, hätte der Beweis der nichtexisten einer Seele (welchen man wo anders führen kann), zur Folge dass man dann direkt bewiesen hätte dass es auch keinen Got gibt.

    Doch diese Schlußfolgerung bruacht erst die Überlegung, "Ob die Existen der Seele folgert die Existenz eines Götlichen..." womit wir bei meiner Frage währen....

    Mr Light.

    pS. hoffe Dir keinen Knoten ins Gehirn geschrieben zu haben...
    "poetische auslegung der rhythmischen begebenheiten des lebens" -- meph

  11. #11
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    Nein, Mr Light, Du hast mir keinen Knoten ins Gehirn geschrieben. In Deiner Herangehensweise willst Du mit zwei Unbekannten jonglieren und wissen, wie sie zusammenhängen. Wie ich schon sagte, meiner Meinung nach, es kommt darauf an, was Seele - wenn es sie denn gibt - wirklich ist, etwas Anfassbares, Messbares? (ich habe über die neuen Forschungsergebnisse gelesen, mich aber noch nicht intensiv damit befasst) Eine Energie? Und woher kommt sie? Und wenn man in diese Richtung weiter denkt, müsste man in - wohlgemerkt- sehr simpler Denkweise zu einem Resultat kommen, ob es - direkt oder überhaupt - etwas Göttliches gibt. Aber ob dieses simple Denken ausreicht, um etwas 'festzulegen'? Dann würde sich natürlich die Frage anschließen, was das Ganze soll. Aber - warum wollen wir den Beweis überhaupt antreten? Kann nicht jeder denken und schreiben, was er möchte? Die Gedanken über dieses Thema sind sehr persönlich und sollten auch als solche verstanden werden.
    Nur, meiner Meinung nach ist dies kein direkter Diskussionsstoff für das Forum. Erfahrungsgemäß hitzen sich die Gemüter bei derlei Themen zu sehr auf, weil die Leser missachten, dass es Schreibers ganz persönliche Meinung ist, die er kund tut, und die keinesfalls den Anspruch auf Wahrheit erhebt oder erheben kann.

    Vielleicht gibt es hier im Forum ja noch Philosophen, die bereit sind, in Deine vorgeschlagene Diskussion einzusteigen. Ich jedenfalls halte mich zurück.

    Liebe Grüße

    N.

  12. #12
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    @Nomen

    Deine Antwort akzeptiere ich, und nehme sie so an, wie Du diese gedacht hast. Ja, Du hast recht, die Folgen einer sollchen Diskussion habe ich nicht in vollen durchdacht.

    Mr Light
    "poetische auslegung der rhythmischen begebenheiten des lebens" -- meph

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