1. #1
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    Inspiriert von Erich Kästner's "sachliche[r] Romanze" ...

    Sonett VI - Syringa

    Zerbrochen, tot, liegst du in meinem Schoß
    und lächelst duftend, wie ich’s mir erträumt.
    Dein ganzes Leben habe ich versäumt
    bis heut’, dein kalter Leib verbleibt mir bloß.

    Ich trinke Tränen und die Scham ist groß,
    da rosa Milch aus deinem Munde schäumt.
    Und sieh’, das Himmelsross ist schon gezäumt
    und prescht mit dir zu Rücken eilig los.

    Ich halt’s nicht auf, ich hole es nicht ein,
    obgleich es meine blassen Finger war’n,
    und meine schönen Lippen, du bist mein,

    du warst es immer, warst so lebend warm,
    und wolltest fürwahr ewig bei mir sein,
    bis uns’re Liebe doch abhanden kam.

    Februar 2005

    Toni

  2. #2
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    Thumbs up

    Perfekte Form!
    Schön im sturen 5hebigen Jambus, vollkommenes Reimschema, das ist mal ein echtes Sonett!

  3. #3
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    ich steige nicht ganz hinter die zusammenhänge innerhalb des gedichtes. form > inhalt?

    schön geschrieben, schon, ein bischen kitschig, aber das ist wohl liebe.
    habs mehrmals gelesen und es hat mir mehrmals gefallen.

  4. #4
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    'Nabend die Herren,

    und vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Vielleicht sage ich etwas zu deinem Kommentar, Chris1:

    Nun, wenigstens ansatzweise habe ich mich an den sonetttypischen Zusammenhang von Form und Inhalt zu halten versucht, sprich These in den Quartetten, Antithese in den Terzetten. Das Thema ist kitschig, zweifelsohne. Es ist weder besonders innovativ noch originell. Es ist eben, wie du selbst erkannt hast, makabere Romantik.

    Also, wo waren wir, These und Antithese, hm? Gut, die These in den Quartetten erzählt von einem trauernden, fürsorglichen lyrischen Ich. Die Vermutung, er habe die soeben Dahinscheidende sehr geliebt und sich entsprechend um sie bemüht, liegt nahe, abgesehen von einem Vers, oder zweien, wenn du den Zeilensprung beachtest.
    Die Terzetten berichten etwas anderes, schließlich gesteht er (oder es) die Missetat.

    Also, These - Antithese. Die ersten beiden Strophen behaupten das, die letzten beiden etwas anderes. Jetzt obliegt es jedem selbst, für sich, bei seiner Lektüre zu einer Entscheidung oder einem Schluss zu kommen. Vielleicht ist es gar nicht dieses oder jenes, sondern ein bisschen von beidem - kein Widerspruch, sondern eine Ergänzung.

    Ist das so ein Zusammenhang zwischen Form und Inhalt, wie du ihn gesucht hast, oder habe ich total ab Ziel vorbeigeschossen? *schmunzelt*

    Toni

    [Geändert durch Glorious am 25-05-2005 um 18:24]

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