Thema: Einsicht

  1. #1
    zuckerschnäuzchen ist offline DroElfteEdeLyrikProstiStuTante
    Registriert seit
    Oct 2004
    Ort
    Haus auf halbinsel,irgendwo
    Beiträge
    1.631
    Verbundene Augen, ohne Sicht,
    dümmpelnde Gräser, auf tiefem Grund,
    rissige Hände, schweres Gewicht,
    quellender Körper, ruhend und wund.

    Keinerlei schmerzen, Gefühl versiegt,
    speisende Tiere, laben der Gier,
    suchende Seelen, Angst die schwerwiegt.
    „Hier!“ - Lautes rufen- „Schaut man zu mir?“

    Weinende schar, grinsende Massen,
    fahrendes Boot, auf eisigem See,
    Spur des Blutes, hastiges fassen,
    zweifelnder Blick, weil suchend euch seh´.

    Brechendes Eis, knarrende schollen,
    fallende Scherben, die Tonnen schwer,
    hoffende Augen, suchend, wollend.
    „Erkannt!“ - Reise ohne Wiederkehr.


    ------------------------

    habs gerade nochmal überarbeitet
    mfg pringles

    [Geändert durch pringles am 25-05-2005 um 13:51]

  2. #2
    Registriert seit
    Sep 2002
    Beiträge
    7.916
    Hi pringles,
    Hier meine Kritik:

    S1
    Die erste Zeile wiederholt sich selbst. Bei verbundenen Augen versteht es sich von selbst, daß man nix sieht. Dies wirkt hier, als würdest Du der ersten Metapher gleich ihre "Erklärung Für Doofe" hinterher werfen. Unnötig, damit beraubst Du sie jeglicher Wirkungsmöglichkeit.

    Am Rest der S1 stört mich recht deutlich, daß Du mit viel zu vielen Halbsätzen arbeitest, aber keinen wirklich zu einem Abschluß führst. Handlung gibt es keine und so porträtierst Du die Szenerie ganz im Stile von "Mein Haus, Meine Frau, Mein Auto..." - als blättertest Du ein paar Polaroids hin.


    S2
    Ebenso wie S1 viel zu abgehackt und sprunghaft. Nichts wird richtig ausgestaltet, kein Bild fügst Du zu einem wirkungsvollen, aussagekräftigen Gebilde zusammen. Jede Zeile könnte auch alleine stehen, ohne das es für ihre Aussage einen Unterschied machte, wenn die Nachbarn fehlen. Polaroids eben wieder. Ein Mosaik ohne Fugenkitt, lose Fragmente, die nicht zusammengesetzt wurden.


    Für S3 und S4 gilt unisono das gleiche.

    Ist Dir, pringles, eigentlich überhaupt aufgefallen, daß im gesammten Stück keinerlei Handlung oder irgendwie geartete Entwicklung stattfindet? Du beschreibst hier, zwar mit durchaus anderen Worten!, im Grunde nur eine Szenerie, wie sie ein Polizeibericht festhalten würde: Abgehackt, ein Aspekt getrennt vom nächsten fein säuberlich kartigraphiert.


    Fazit:
    Erzählerisch völlig gescheitert.
    Du kannst dem Leser hier nichts bieten, als eine große Ansammlung irgendwelcher Fragmente, bei denen keinerlei Eindruck des Zusammenhangs entsteht. Du bringst zwar eine Menge stark lyrisch geprägter Bildbeschreibungen zusammen, aber das Ergebnis wirkt, als wärest Du an einem Bauteileregal entlang geschlendert und hättest fast willkürlich Halbsätze entnommen und wahllos untereinander gekleistert. Von erzählerischer Finesse und packender Darstellungskunst existiert hier jedoch kein Schimmer.



    PS: Du siehst, ich konzentriere mich in meiner Kritik zumeist auf die Wirkung und Aussagekraft, inhaltliche Tiefe und erzählerische Kunst eines Textes, auf das Spiel mit der Sprache.

  3. #3
    Registriert seit
    May 2004
    Ort
    Erde
    Beiträge
    413
    Hi, pringles, ich bin durch "johann von geißen" auf dich gestoßen, zufällig-
    was dein gedicht bedeutet, weiß ich auch nicht, ich wollte nur eine andere Anregung geben:
    Wenn man fühlt, in einer Sackgasse zu sein, hilft es, was komplett Anderes zu probieren-

    schreib nur ein Wort pro Vers
    schreib genau zwanzig Wörter pro Vers
    schreib nur synonyme in einen Vers
    verzichte auf wortgruppen völlig
    lass jegliche Interpunktion weg
    etc
    ...

    -und das ganze führt irgendwann zu den eigenen Quellen.

    Noch was: der Teufel kann im Detail stecken.
    Zum Beispiel:

    "hastiges fassen"

    Beide Wörter kann man groß schreiben, jede Variante ändert den Sinn komplett. Also, welche darfs denn sein?
    Die, die da ist, ergibt nämlich keinen (für mich).

    Viel Glück weiterhin, mit oder ohne Grammatik. Tut mir leid, dass ich keine klare Meinung äußern konnte.
    fatcat's Zahmlose
    Es ist etwas an meinem Wort
    dran, das sticht.

    Tippsen: \_anamolie_/\_Flamme_/\_Anti Chris._/ ~ Bewegungsschule(fit for fun) ~

  4. #4
    Registriert seit
    Nov 2005
    Ort
    Basel CH
    Beiträge
    5.001
    Hallo pringles

    Ich habe dein Gedicht mehrmals gelesen, aber erst nach deinem Kommentar einen tieferen Sinn gefunden.

    Ich bin der Meinung, dass man nicht allzu kryptisch sein sollte. Das gelingt nur bei wirklich grossen Würfen, dass andere einen tieferen (oftmals eigenen, nicht beabsichtigten) Sinn in 'unverständlichen' Bildern finden.

    Meine Meinung

    LG
    yarasa
    Saitenweise Ideen
    aber vielleicht leckt das Gehirn so sehr, dass ich auch mal wieder dichtend unterwegs sein werde

    Eine Art Grundsatzpapier zu meinen Kritiken
    yarasas Fingerübungen

    Die Frederick-Maus hat mich schon als Kind nachhaltig verdorben. Von da an wollte ich Dichterin sein.

  5. #5
    Registriert seit
    Mar 2005
    Beiträge
    997
    Hallo pringles,

    mir gefällt dein Gedicht. Beim ersten Lesen dachte ich an ein Schiffsunglück und beschriebene Person ertrinkt zum Schluß. Die grinsend Masse sah ich als die Geretteten, weinende Schar, alle die Angehörige verloren. Erst nachdem ich deine Interpretation gelesen habe, viel mir auf, dass aufgrund der ersten Zeile ich schon falsch liegen muss und es sich hier um einen Mord handelt. Nach wiederholtem Lesen habe ich es nun völlig erfasst und empfinde es als gelungen. Allerdings solltest du etwas mehr auf die Rechtschreibung bzw. auf die Groß- und Kleinschreibung achten. Ansonsten gern gelesen.

    Viele Grüße
    Speedie
    [FONT="Arial Narrow"]Fantasien sind für manche Menschen unvorstellbar. (Gabriel Laub)

  6. #6
    Registriert seit
    Nov 2004
    Beiträge
    412
    Hallo pringles,

    ich muss beiden Seiten der Kritik zustimmen. Es ist natürlich Quatsch, dass kein tieferer Sinn enthalten ist, man will hier hoffentlich selten den Veröffentlichenden vorwerfen, ohne irgendeine Intention wahllos etwas zusammenzuschreiben, aber die Masse der Halbsätze ohne Steigerung stört auch mich.
    Es erscheint doch ein wenig willkürlich. Man hat nicht das Gefühl, durch eine "Erzählung" geleitet zu werden, alles ist gebrochen, nennen wir es ein etwas hilfloses Patchwork.

    Mein Fazit: Nicht gerade schlecht zu nennen, aber doch sehr ausbaufähig.

    Übrigens, was f@c@ meinte stimmt natürlich: man könnte ja auch "Hastiges fassen", als poetisches Bild verwendet oder, ganz profan, sagen wir einen hastig davon hüpfenden Hasen .

    LG, Calyptra
    ...und ein junger Blitz schwamm heran.

    Tonlos...
    Was bleibt
    Kamen sie

    ...
    Die Empfehlungen des Hauses

  7. #7
    Registriert seit
    Dec 2005
    Ort
    Swizerland
    Beiträge
    19
    Finde Deine überarbeitete Version gut!

    Bei mir brauchts wohl noch viel, bis ich was schreiben kann, das allen gefällt....

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. einsicht
    Von gitano im Forum Natur und Jahreszeiten
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 04.07.2018, 11:34
  2. Einsicht
    Von maGic2k5 im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 02.02.2008, 12:57
  3. Einsicht
    Von Silver Starlight im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 27.01.2008, 20:12
  4. Einsicht
    Von Ensimismado im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 18.01.2008, 13:46
  5. Einsicht
    Von vodoo65 im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 27.10.2007, 15:47

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden