Der König ohne Königreich

Vor etwa hundert Jahren gut
lebt' der König Adelsmut
Er war kokett und auch recht zahm
war nur auf einem Beine lahm

Da rief er aus ins Heimatland
sucht mir ein's Heilers Wunderhand
So kamen bald aus allen Ecken
die stärksten, schönsten, klügsten Recken

Die Stärksten meinten dann sogleich
im Walde lebt der hellste Scheich
Doch nicht im Stande war'n zu finden
musst' sie den Wald danieder schinden

Nun gab es keine Bäume mehr
Das Wintersleben wurde schwer
Frauen, Kinder und auch Vieh
gingen langsam in die Knie

Die Schönsten ließen sich betören
von zarten Frauen, duft’nen Ölen
Der König wurde langsam sauer
lief hinkend auf des Schlosses Mauer

Die Klugen lasen in den Büchern
von heil’gen Mann, im Land der Tücher
Der kam nach jahrelanger Reise
und sprach zum alten, hink’nen Greise:

Er könne wieder laufen, gehen,
nur darf er dafür nicht mehr sehen
Begeleitet von himmlisch Gesängen
mussten die Klugen dafür hängen

Und als der König wieder rief
ins Königreich hinein
lest vor mir diesen Heilers Brief,
kam nichts zurück, er war allein